Hans Ansgar Reinhold (* 6. September 1897 in Hamburg als Hans Reinhold; † 26. Januar 1968 in Pittsburgh) war ein deutscher römisch-katholischer Priester.

Leben und Wirken Reinhold studierte in Freiburg und Innsbruck. Er trat 1922 in das Benediktinerkloster Maria Laach ein, legte dort aber keine ewige Profess ab, sondern verließ das Kloster wieder. In Osnabrück wurde er 1925 zum Priester geweiht. Er war dann Hausgeistlicher im Kinderkurheim St. Johann (heute Fachklinik Maria Meeresstern) in Niendorf/Ostsee.

Nach dem Beschluss der Deutschen Bischofskonferenz zur Einrichtung der Seemannsmission (Apostolatus Maris) mit Bischof Wilhelm Berning als Präsident wurde er 1929 der Seemannspastor der ersten katholischen Seemannsmission in Bremerhaven. Er besuchte große Häfen, gründete eine Zeitschrift und nahm an internationalen Kongressen des Apostolatus Maris teil. 1931 wurde er Generalsekretär des Apostulatus Maris. 1933 weihte er das erste katholische Seemannsheim in Hamburg, Hafenstraße 93 ein. Reinhold organisierte 1934 den dritten internationalen Kongress des AM in Hamburg. Nach dem Abriss des Hauses wegen der Erweiterung der Landungsbrücken 1935 und dem Umzug ins Haus Porter-Meyer, Hopfenstraße 34, geriet er ins Visier der Gestapo.

Nach dem Aufenthalts- und Redeverbot für Hamburg, Bremen und Schleswig-Holstein vom 26. April 1935 entschloss er sich zur Flucht über die Niederlande, England und die Schweiz in die USA. Der amerikanische Episkopat war gegenüber dem Flüchtling aus Deutschland misstrauisch und verdächtigte ihn als Nazispion, unter anderem, da er keine kirchlichen Entlassungspapiere (Celebret) hatte. Zunächst hatte er Kanzelverbot. Er engagierte sich in der katholischen Arbeiterbewegung Catholic Worker von Dorothy Day und verfasste Artikel im The Catholic Worker, studierte Theologie und Geschichte an der Columbia University und lehrte an der Schule der Benediktinerabtei Portsmouth. 1940 ging er als Seemannspastor nach Seattle. Diese Stelle verlor er als Enemy Alien jedoch nach dem Kriegseintritt der USA, woraufhin er als Kaplan nach Yakima versetzt wurde. 1944 erhielt er die amerikanische Staatsbürgerschaft.

Hans Ansgar Reinhold verfasste zahlreiche Bücher zu sozialen und liturgischen Themen. Damit und mit seiner langjährigen Kolumne in der Liturgischen Zeitschrift Orate Fratres gilt er als Mitbegründer der Liturgischen Bewegung in den USA. Er setzte sich sehr für den Kirchenbau der Moderne in den USA ein. Die Saint John’s University (Minnesota) in Collegeville (Minnesota) verlieh ihm 1951 ihren Ehrendoktor. Reinhold ging 1956 in Pittsburgh in den Ruhestand.

Werke Der Seemannsberuf und die Seemannsmission. Caritasverlag, Freiburg 1931, . Apostolat des Meeres, Deutsche Katholische Seemannsmission e.V. Jahresbericht 1930 (1. Januar bis 31. Dezember). Bremerhaven 1931, . Eternal glory. St. Benet Library and Bookshop, Chicago 1942, . Our parish. House of God and gate of heaven. Paulist Press, New York 1943, . The Soul Afire. Revelations of the mystics. Pantheon Books, New York 1944, . The Soul Afire. Revelations of the mystics. Doubleday, Garden City 1973, . The Soul Afire. Revelations of the mystics. Century Bookbindery, Philadelphia 1977, ISBN 0-89984-099-X. The Spear of Gold. Revelations of the mystics. Burns Oates, London 1947, . mit Peter F. Anson: Churches, their Plan and Furnishing. The Bruce Publishing Company, Milwaukee 1948, . mit Peter F. Anson: Churches, their Plan and Furnishing. Anson Press, Alcester 2008, ISBN 1-4437-2923-X. Speaking of liturgical architecture. Liturgical Programs, University of Notre Dame, Notre Dame 1952, . The American Parish and the Roman Liturgy. An Essay in seven chapters. Macmillan, New York 1958, . Bringing the Mass to the people. Helicon Press, Baltimore 1960, . The dynamics of liturgy. Macmillan, New York 1961, . Speaking of liturgical architecture. Daughters of St. Paul, Boston 1961, . Liturgy and art (= Religious perspectives. Band 16). Harper & Row, New York 1966, . H.A.R.: The Autobiography of Father Reinhold. Herder and Herder, New York 1968, .

Literatur Joel Patrick Garner: The vision of a liturgical reformer. Hans Ansgar Reinhold, American Catholic educator. New York City 1972, (zugleich Dissertation, Columbia University 1972). Dan Liu: A comparison of H.A. Reinhold and the Second Vatican Council's Constitution on the sacred liturgy. Menlo Park 1971/1972, (zugleich Masterarbeit, Saint Patrick’s Seminary and University 1971/1972). Mary Leslie Bellman: H.A. Reinhold. German American pioneer of the liturgical movement. Cincinnati 2000, (zugleich Masterarbeit, Athenaeum of Ohio 2000). Gerhard Besier: Hans Ansgar Reinhold (1897–1968). Ein vergessener deutscher Theologe im amerikanischen Exil. https://www.jstor.org/stable/43751723 Julia A. Upton: Worship in spirit and truth. The life and legacy of H.A. Reinhold (= A Pueblo book). Liturgical Press, Collegeville 2010, ISBN 0-8146-6220-X. Peter Schmidt-Eppendorf und Gerhard Besier: Hans Ansgar Reinhold (1897–1968). Schriften und Briefwechsel – eine Dokumentation. Aschendorff, Münster 2011, ISBN 3-402-12918-3.

Einzelnachweise

Kategorie:Römisch-katholischer Geistlicher (20. Jahrhundert) Kategorie:Römisch-katholischer Theologe (20. Jahrhundert) Kategorie:Ehrendoktor einer Universität in den Vereinigten Staaten Kategorie:Deutscher Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Geboren 1897 Kategorie:Gestorben 1968 Kategorie:Mann Kategorie:Emigrant aus dem Deutschen Reich zur Zeit des Nationalsozialismus Kategorie:Person des Christentums (Vereinigte Staaten) Kategorie:Liturgische Bewegung