mini|Wahlaufruf für die vorgezogenen Parlamentswahlen 2018 mini|Wahlkampfveranstaltung der AMP auf Atauro
Die vorgezogenen Parlamentswahlen in Osttimor 2018 (im allgemeinen Sprachgebrauch in Tetum: eleisaun antesipada EA) entschieden über die Zusammensetzung des fünften Nationalparlaments Osttimors (Parlamento Nacional de Timor-Leste). Sie fanden am 12. Mai 2018 statt.Tafara.tl: Partidu 5 Konkorda Ho Prospota Data Eleisaun 12 Maiu, Alcino: PR sei Dekreta Loroan EA, 6. Februar 2018, abgerufen am 6. Februar 2018. 784.286 Menschen waren wahlberechtigt.STAE: Evolução do número de eleitores recenseados desde o referendo de 30 de Agosto de 1999 à Eleição Parlamentar de 12 de Maio de 2018, abgerufen am 17. April 2018.
Politische Situation vor den Wahlen mini|Ergebnis der Wahlen 2017 mini|Sitzverteilung im Nationalparlament seit den Wahlen 2017
Bei den Parlamentswahlen 2017 konnte keine Partei eine absolute Mehrheit erreichen. Nachdem kurzfristig die Kmanek Haburas Unidade Nasional Timor Oan (KHUNTO) abgesprungen war, bildete Marí Bin Amude Alkatiri eine Minderheitsregierung aus seiner Frente Revolucionária do Timor-Leste Independente (FRETILIN) und der Partido Democrático (PD). Die Oppositionsparteien Congresso Nacional da Reconstrução Timorense (CNRT), Partidu Libertasaun Popular (PLP) und KHUNTO bildeten darauf im Parlament die Aliança da Maioria Parlamentar (AMP) ().
Nachdem Alkatiri weder seinen Haushalt noch das Regierungsprogramm gegen die AMP durchsetzen konnte, forderte die AMP Staatspräsident Francisco Guterres (FRETILIN) auf, ihr den Auftrag zur Bildung einer neuen Regierung zu geben.Rui Graça Feijó: Timor-Leste: is Díli on (Political) Fire Again?, Presidental Power, 11. Dezember 2017, abgerufen am 11. Dezember 2017. Nach Gesprächen mit Vertretern aller Parteien erklärte Guterres am 26. Januar 2018 stattdessen das Parlament für aufgelöst (Präsidiales Dekret Nr. 5/2018) und rief gemäß dem Wunsch von FRETILIN und PD Neuwahlen aus.Staatspräsident Osttimors: , abgerufen am 26. Januar 2018. Das Übergehen der parlamentarischen Mehrheit durch Präsident Guterres wurde von Kommentatoren und Staatswissenschaftler als „Angriff auf die Demokratie“ bewertet. Ihm und Alkatiri wurde „Dickköpfigkeit“ und „Arroganz“ vorgeworfen. Der Premierminister würde das Gesetz brechen, nur um an der Macht bleiben zu können.UCA news: Democracy under attack in Timor-Leste , 26. Januar 2018, abgerufen am 26. Januar 2018.
Die Beendigung der Grenzstreitigkeiten zwischen Australien und Osttimor fiel in die Zeit zwischen Parlamentsauflösung und Neuwahl. Xanana Gusmão, der Führer des CNRT hatte als Chefunterhändler Osttimors erfolgreich einen neuen Vertrag über die Grenze in der Timorsee abschließen können. Am 6. März 2018 wurde ihm bei seiner Rückkehr nach Dili von Tausenden Osttimoresen ein triumphaler Empfang bereitet.Western Advocate: Hero's welcome for Timor border negotiator, 12. März 2018, abgerufen am 18. März 2018.
Organisation Am 7. Februar 2018 legte Präsident Guterres den Wahltermin auf den 12. Mai fest.La’o Hamutuk: Early Parliamentary Election: 12 May 2018 Am 3. April wurde die Reihenfolge der Parteien und Bündnisse auf dem Stimmzettel festgelegt.SAPO: , abgerufen am 14. März 2018. Wie bereits bei den vorangegangenen Wahlen 2017 konnten die im Ausland lebenden Osttimoresen auch dort wählen. Wahllokale gab es in Lissabon, Porto, Darwin, Sydney, Melbourne, London, Oxford, Dungannon und Seoul.La’o Hamutuk: Liste der Wahllokale, abgerufen am 14. Mai 2018.
Jede Liste einer Partei oder Bündnisses musste 65 Kandidaten und 65 Ersatzkandidaten enthalten. Jeder dritte Kandidat musste eine Frau sein. Die Sitzverteilung erfolgte in der Reihenfolge auf den Listen.Regierung Osttimors: Preparations for Parliamentary Elections On Track as Campaign Period Begins, 21. Juni 2017, abgerufen am 21. Juni 2017. Die Sitze wurden nach dem D’Hondt-Verfahren den Listen zugeteilt, wobei der letzte Sitz, im Fall mehrerer gleicher Höchstzahlen, der Partei mit den wenigsten Stimmen zugesprochen wurde.IFES Election guide Timor-Leste, abgerufen am 7. Juli 2012 (PDF; 812 kB) und (portugiesisch; PDF; 173 kB), abgerufen am 7. Juli 2012Michael Leach, The Interpreter: Timor-Leste elections suggest reframed cross-party government, 24. Juli 2017, abgerufen am 27. Juli 2017.
Wie bei den Wahlen zuvor wurden Wähler, sobald sie gewählt hatten, am Finger mit einer violetten, nicht abwaschbaren Tinte markiert, um eine doppelte Stimmenabgabe zu verhindern. Die 4000 Flaschen Tinte wurde über das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) für 110.000 Dollar gekauft. Dazu kamen noch Transportkosten.RTP: Timor compra através do PNUD tinta indelével para eleições antecipadas, 15. Februar 2018, abgerufen am 17. Februar 2018.
Parteien und Bündnisse mini|FRETILIN-Wahlkampfveranstaltung in Tasitolu mini|PLP-Vorsitzender Taur Matan Ruak bei einer AMP-Wahlkampfveranstaltung in Oesilo
Noch am 26. Januar schlossen die AMP und das Fórum Demokrátiku Nasionál (FDN), ein Bündnis () aus mehreren Kleinparteien, die nicht im Parlament vertreten sind, eine Vereinbarung die Kräfte der zwölf Parteien bei den anstehenden Wahlen zu vereinen. Am 1. Februar 2018 beschlossen die drei Parteien der AMP offiziell auch im Wahlkampf zusammenzuarbeiten. Dafür wurde das Bündnis in Aliança para Mudança e Progresso umbenannt.The Timor News: AMP Avansa Pakote Uniku Hasoru Eleisaun Antesipada, 1. Februar 2018, abgerufen am 2. Februar 2018. In einer Absichtserklärung wurde vereinbart, mit einer gemeinsamen Liste bei der Wahl antreten und nach der Wahl eine Koalition bilden zu wollen. Auch anderen Kräften, wie dem FDN stände es frei, sich der AMP anzuschließen.SAPO: , abgerufen am 2. Februar 2018. Auch FRETILIN und PD vereinbarten eine Zusammenarbeit im Wahlkampf. Eine gemeinsame Liste wurde von Alkatiri aber ausgeschlossen.Observador: Fretilin e PD, no Governo em Timor-Leste, podem fazer acordo pré-eleitoral, 6. Februar 2018, abgerufen am 6. Februar 2018. Mit der Frenti Dezenvolvimentu Demokratiku (FDD) gründeten am 11. Dezember 2017 die Parteien Partidu Unidade Dezenvolvimentu Demokratiku (PUDD), Frenti-Mudança (FM), União Democrática Timorense (UDT) und Partido do Desenvolvimento Nacional (PDN) ein weiteres Bündnis.
Im März 2018 zerfiel die FDN. Teile von ihr bildeten die Movimento Social Democrata (MSD), andere die Movimentu Dezenvolvimentu Nasional (MDN). Schließlich vermeldete die Comissão Nacional de Eleições, dass sie mit AMP, MSD, MDN und FDD insgesamt vier Koalitionen zur Wahl zulässt. Würden die Parteien bei den Neuwahlen die gleiche Stimmenanzahl wie 2017 erhalten, würde die AMP 33 Sitze und damit die absolute Mehrheit der Sitze erhalten. Die FRETILIN bekäme 21 Sitze, die PD sechs und die FDD, deren Mitglieder zuvor nicht im Parlament vertreten waren, insgesamt fünf Sitze. Die anderen Bündnisse lägen selbst bei zusammengezählter Stimmenzahl unter der Vier-Prozent-Hürde.
Neben den vier Parteibündnissen taten vier Parteien bei der Wahl an: Die beiden bisher im Parlament vertretenden Regierungsparteien FRETILIN und PD sowie Partidu Republikanu PR und Partido Esperança da Pátria PEP. Die Liste der teilnehmenden Bewerber bei der Wahl mussten am 1. April vom Tribunal de Recurso de Timor-Leste bestätigt werden. Einsprüche gegen die Entscheidung konnten noch bis zum 4. April Einspruch erhoben werden. Ende März war noch gemeldet worden, dass es Anmeldungen der 2017 nicht angetretenen Klibur Oan Timor Asuwain KOTA und der damals nicht zugelassenen Associação Social-Democrata de Timor ASDT gäbe. Auf den am 3. April veröffentlichten Listen erschienen die beiden Parteien aber nicht mehr.Diário de Notícias: Timor-Leste/Eleições: Seis partidos e quatro coligações no voto antecipado de 12 de maio, 22. März 2018, abgerufen am 23. März 2018.Auftritt der STAE auf Facebook: Lista definitiva de candidatos à eleição parlamentar 2018, 3. April 2018, abgerufen am 3. April 2018.
Die in der FDN verbliebenen Parteien Partido Democrática Republica de Timor PDRT, Partido Milénio Democrático PMD (beide ehemals im Bündnis Bloku Unidade Popular BUP) und Partido do Desenvolvimento Popular PDP gaben einen Wahlaufruf zugunsten der AMP ab.Bild von einer Wahlkampfveranstaltung in Same, 18. April 2018, abgerufen am 18. April 2018. Auch die 2017 noch angetretene Partido Timorense Democrático PTD nahm an der Wahl 2018 nicht teil. Bereits 2017 nicht angetreten waren die registrierten Parteien Partido do Povo de Timor PPT, Partido Unidade Nacional PUN, Partido Republika Nacional Timor Leste PARENTIL, Partido Trabalhista Timorense PTT, Partidu Democrática Liberal PDL und Partido Nasionalista Timorense PNT.
Wahlkampf mini|Wahlkampfveranstaltung der FDD in Tasitolu mini|Die zwei Galionsfiguren der AMP bei einer Wahlkampfveranstaltung: Taur Matan Ruak und Xanana Gusmão mini|Wählerinformation zum richtigen Verhalten im Wahllokal
Am 9. April unterzeichneten die Parteien und Bündnisse einen „Pakt der Nationalen Einheit“, indem sie sich selbst zu friedlichen Wahlen verpflichteten. Die heiße Phase des Wahlkampfs begann offiziell am 10. April und endete am 9. Mai. Danach durften keine Wahlkampfveranstaltungen mehr stattfinden. Die Stimmung im Wahlkampf war allgemein sehr aufgeladen. Die Bedeutung von sozialen Netzwerke, wie Facebook, gegenüber traditioneller Medien, nahm im Vergleich zu früheren Wahlen weiter zu, was aber zu Problemen führte. Informationen wurden ebenso verbreitet, wie Beleidigungen, Diffamierungen und Drohungen gegenüber Politikern und traditionellen Führern. Die Polizei verhaftete im Vorfeld des offiziellen Wahlkampfes mehrere Personen, denen Beschimpfungen von Politikern vorgeworfen wurde. Allerdings sah das osttimoresische Strafrecht keine Konsequenzen bei Diffamierungen vor, weswegen die Festgenommenen wieder freigelassen wurden. Der Ton in den sozialen Netzwerken änderte sich nicht. Kritisiert wurde auch, dass selbst Journalisten über soziale Netzwerke Falschmeldungen verbreiteten und so für Groll in der Gesellschaft sorgten.Observador: Polícia timorense detém várias pessoas por insultos no Facebook a líderes nacionais, 22. März 2018, abgerufen am 22. März 2018.
Am 5. Mai wurden zwei Fahrzeuge mit 18 CNRT-Anhängern in Viqueque attackiert und mehrere der Reisenden verletzt. Marí Alkatiri entschuldigte sich zwar im Namen der FRETILIN für den Angriff, die Nichtregierungsorganisation Fundasaun Mahein kritisierte aber, dass Maßnahmen ausblieben, um solche Übergriffe zu verhindern. Zudem sei der Wettstreit der Parteien von einer gewalttätigen Sprache dominiert gewesen, so wurden Parteimitglieder allgemein als Militantes bezeichnet.Fundasaun Mahein: Fundasaun Mahein Condemns use of violence preceding May 12 Election, 8. Mai 2018, abgerufen am 9. Mai 2018.Fundasaun Mahein: Fundasaun Mahein Condemns use of violence preceding May 12 Election, 8. Mai 2018, abgerufen am 9. Mai 2018. Auch in Laga soll es laut AMP-Angaben zu Übergriffen auf ihre Anhänger gekommen sein. Andererseits kam es zu einigen anti-muslimischen Äußerungen, was sich gegen den arabisch-stämmigen Alkatiri richtete.Michael Leach: Heated campaign draws to a close in Timor-Leste, In: Inside Story, 11. Mai 2018, abgerufen am 11. Mai 2018.