mini|Yixing-Teekanne aus Zǐshā-Tonerde – mini|Utensilien zur Teezubereitung im „Gong-fu“-Stil
Eine Yixing-Teekanne (, meist kurz ) ist ein aus gebranntem, unglasiertem Ton hergestelltes keramisches Gefäß zum Aufguss von Tee. Diese Teekannen werden traditionell in der Region um die chinesische Stadt Yixing am Westufer des Tai-Hu-Sees im Süden der Provinz Jiangsu im Jangtse-Delta gefertigt. Ihre Verwendung ist seit dem 15. Jahrhundert belegt; seitdem sind sie ein essentieller Bestandteil der chinesischen Teekultur. Sie spielen eine besondere Rolle in der Teezubereitung im „Gong-Fu“-Stil, der sich in der südchinesischen Provinz Fujian sowie in den Gebieten um die Städte Chaozhou und Shantou entwickelt hat, sind aber in ganz China verbreitet. Seit dem 17. Jahrhundert wurden sie unter dem Handelsnamen „Buccaro“ nach Europa exportiert und in den Niederlanden, England und Deutschland auch nachgeahmt. Teekannen aus Yixing inspirierten die ersten in Europa speziell zum Aufguss von Tee hergestellten Gefäße, noch bevor weißes, glasiertes und farbig bemaltes chinesisches Porzellan in Mode kam.
Geschichte mini|Nachbildung der Gong-Chun-Teekanne () von Gu Jingzhou Archäologische Funde In der Region um Yixing wurden bei archäologischen Ausgrabungen Gefäße aus grauer oder roter Keramik in den klassischen Formen des ding, dou und fu gefunden. Gefäße dieser Form sind in China seit der Jungsteinzeit bekannt und waren vor allem in Jiangsu und im unteren Jangtse-Gebiet verbreitet. Daher liegen die Anfänge der Töpferei in Yixing mindestens 3000 Jahre zurück. In anderen Brennöfen wurden Scherben bei hohen Temperaturen gebrannter grün glasierter Tonwaren mit braunen oder grauen Körpern gefunden, die stilistisch in die Zeit der Shang- (18.–11. Jahrhundert v. Chr.) und Zhou-Dynastie (ca. 11.–3. Jahrhundert v. Chr.) eingeordnet werden. Eine dritte Gruppe von braunem oder grauem Steinzeug, unglasiert oder mit grüner Glasur, die in Qinglongshan, Junshan und Chuanbu gefunden wurden, werden zeitlich der Han-Dynastie (206 v. Chr. – 220 n. Chr.) zugeordnet. Qinglongshan und Junshan wurden im 16. Jahrhundert von Autoren der Ming-Zeit als die Orte bezeichnet, an denen Zisha-Ware hergestellt wurde. Zur Zeit der Wei (220–265) und Jin (265–420) wurden in der Region überwiegend Gebrauchsgegenstände hergestellt. Während der Zeit der Fünf Reiche (907–960) scheint die Produktion aus unbekannten Gründen zum Erliegen gekommen zu sein. Zisha-Gefäße tauchen wieder in Brennöfen auf, die in Zhenjiang und Yangjiaoshan in der Nähe von Yixing freigelegt und die Zeit der Song-Dynastie (960–1270) datiert wurden.Kuei-hsiang Lo (1986), S. 13
Einige erhaltene Teekannen aus dem 16. und 17. Jahrhundert weisen schon die Formen auf, die bis heute in den Manufakturen der Region produziert werden. Hierzu zählen ein Fund aus dem Grab des Eunuchen Wu Jing (gest. 1533) in der Nähe von Nanjing, sowie eine Teekanne aus einem Grab in Jiangdou, Provinz Jiangsu, das auf 1633 datiert wurde.Valenstein (1989), S. 209
2004–2005 wurde unter Wasser an der Westküste Malaysias vor Terengganu ein auf das Jahr 1625 datiertes Wrack eines portugiesischen Handelsschiffs erforscht. In der Ladung des von seinem Entdecker Sten Sjöstrand „Wanli“ genannten Schiffs (nach dem zu dieser Zeit regierenden Mingkaiser Wanli, 1563–1620) wurden neben größeren Mengen chinesischen Exportporzellans einige Fragmente roten Steinguts gefunden. In einem weiteren, 2004 in der Donggu-Bucht vor der Dongshan-Inselgruppe entdeckten Schiffswrack aus der späten Ming-Dynastie (datiert auf 1675) fanden Meeresarchäologen des Chinesischen Nationalmuseums eine runde Teekanne mit flachem Deckel aus rotem Ton. 1991 wurde die Ladung der Ooosterland, eines Handelsschiffs der Niederländischen Ostindien-Kompanie, das 1697 in der Tafelbucht vor Kapstadt gesunken war, erforscht. Gefunden wurden unter anderem sechs vollständige Zisha-Teekannen. Diese trugen Stempelsiegel, die auch im chinesischen Binnenmarkt aus dieser Zeit bekannt sind, das aufmodellierte Dekor einiger Kannen erweist diese als Auftragsware für den europäischen Markt. Die Ladung der im Januar 1752 gesunkenen Geldermalsen, ebenfalls ein Handelsschiff der Niederländischen Ostindien-Kompanie, enthielt mehr als 150.000 Stück blauweißes Exportporzellan, 125 Goldbarren und zehn Yixing-Teekannen. 1999 wurde vor der Nordküste Javas das Wrack der im Januar 1822 gesunkenen Tek Sing entdeckt, das neben zehntausenden Porzellanstücken auch 2–300 Zisha-Kannen geladen hatte. Die Ladung war wahrscheinlich für im südostasiatischen Ausland lebende Chinesen bestimmt. Die Ausgräber konnten zehn verschiedene Kannenformen unterscheiden, die am Boden mit Siegeln mehrerer Töpfer gestempelt waren. 2001 wurde vor Johor das Desaru-Wrack entdeckt, dessen Ladung neben ca. 150.000 blauweißen Porzellanlöffeln auch einige hundert Zisha-Kannen enthielt. Die Stücke waren mit den Töpferzeichen von etwa 30 verschiedenen Herstellern gestempelt. Diese Funde zeigen, dass Zisha-Ware aus Yixing schon wenige Jahrzehnte nach ihrem Aufkommen in China selbst weit und in großer Stückzahl und Formenvielfalt gehandelt wurden.
Kulturgeschichte Die Entstehungsgeschichte der Teekannen aus Yixing ist verbunden mit der während der späten Yuan-Zeit (1279–1386) aufkommenden Technik der Teezubereitung durch Übergießen der Teeblätter mit kochend heißem Wasser, die die ältere Technik des Aufschäumens pulverisierten grünen Tees ablöste (siehe Matcha). Diese hat sich in der japanischen Teezeremonie noch heute erhalten. Parallel mit dem Aufkommen der neuen Zubereitungsweise entwickelte sich auch die Herstellung von Teekannen zu einem Kunsthandwerk. Der Legende nach formte Gong Chun (), Diener eines Mönchs im Jinsha-Tempel von Yixing, eine Zisha-Teekanne, die heute im Chinesischen Nationalmuseum aufbewahrt wird. In der Form einer flachen Kugel imitiert die unregelmäßige, von verzweigten Rippen durchzogene Oberfläche pflanzliche Vorbilder.He Yun’ao, Zhu Bang (2014), S. 15 Ihren Rang in der chinesischen Kultur verdankt die Zisha-Keramik vor allem der engen Verbindung zwischen Künstlern und Gelehrten während der späten Ming- und Qing-Dynastie und der zentralen Rolle, die Tee in der Kultur dieser Gesellschaftsschicht spielte.Wu (2015), S. 27 Gelehrte und Adlige trafen sich, um beim Teetrinken ihren gehobenen Geschmack und sozialen Status zu demonstrieren., zitiert nach Li (2013), S. 9
In der chinesischen Literatur erscheinen Beschreibungen von Yixing-Teekannen erstmals während der späten Mingzeit. Die ersten Yixing-Teekannen wurden in der späten Ming-Dynastie (1368–1644) hergestellt. Die Kunst des Yixing-Steinzeugs entwickelte sich während der Qing-Dynastie (1644–1912) weiter und erreichte ihren Höhepunkt. Berühmte Töpfer wie Shi Dabin und Chen Mingyuan trugen zur Verfeinerung der Techniken und Designs bei. Zhou Gaoqi aus Yangxian verfasste zur Zeit des Kaisers Tianqi (reg. 1620–1627) eine Abhandlung ()Wu (2015), S. 18 über Zisha-Gefäße.He Yun’ao, Zhu Bang (2014), S. 8
Aus der Ming- (1386–1644) und Qingzeit (1644–1912) sind einzelne Gefäße anhand ihrer in den noch weichen Ton eingestempelten oder eingeritzten Töpfersignaturen und Jahreszahlen datierbar. Da ihre Formen und Gestaltung im Lauf der Zeit fast unverändert beibehalten wurden, ist es oft schwierig, Yixing-Ware korrekt zu datieren.
Material und Gestaltung mini|Traditionell werden Yixing-Kannen auf einer Drehscheibe aufgebaut. mini|Yixing-Teekanne aus hell- und dunkelbraunem Ton, Qing-Dynastie, ca. 1800–1835
Gewinnung und Verarbeitung von Zisha-Ton Der in der Gegend von Yixing vorkommende Ton zeichnet sich durch seine sandige Konsistenz aus. Zisha wird in den Gruben der Huanglongshan- () und Zhaozhungshan-Berge () gewonnen. Die Yixing-Teekannen werden aus einem speziellen Ton, genannt Zisha (), hergestellt, der in den Dingshu-Gebieten von Yixing abgebaut wird. Es gibt drei Haupttypen von Zisha-Ton: purpurroter Ton (Zini), grüner Ton (Luni), und gelber Ton (Duanni). Die Herstellung umfasst mehrere Schritte, darunter das Kneten, Formen, Schnitzen und Brennen bei hohen Temperaturen. Er besteht aus Kaolin, Quarz und Glimmer mit einem Eisenoxid-Gehalt von 7,4 bis 8,7 %. Das Eisenoxid verleiht dem Ton seine charakteristische violettbraune Färbung. Kaolin verleiht dem Ton seine Fähigkeit, bei hohen Temperaturen gebrannt zu werden, sowie seine Härte. Der Glimmeranteil ist für die charakteristische sandige Beschaffenheit verantwortlich, der Kaolinanteil bewirkt, dass der Scherben trotz der hohen Brenntemperatur (1100–1200 °C) nicht zu Glas verschmilzt, sondern zu etwa 1–2 % porös bleibt.
Der Ton bildet im umliegenden Gestein Gänge und wird in Brocken von etwa 5 bis 20 kg aus Minen gefördert. Das traditionelle Verfahren wurde schon in der Mingzeit von Zhou Gaoqi in seiner Systematischen Darstellung beschrieben: Die Tonbrocken werden zunächst grob zerkleinert und anschließend Jahre bis Jahrzehnte im Freien gelagert. Dabei verwittert der Ton und zerfällt in kleinere Bröckchen. Die Brocken werden zu Pulver zerstampft, das wiederholt gesiebt und schließlich mit Wasser vermischt wird. Die Tonmasse, die je nach Mischung und Verarbeitung unterschiedliche Korngrößen, Struktur und Färbung aufweist, wird in Quader geschnitten und unterirdisch unter Luftabschluss bis zu einem Jahr und länger gelagert. Dieses Verfahren wird yangtu (), ‚die Erde kultivieren‘ genannt. Zur Verwendung werden die Tonquader wiederum mit Wasser befeuchtet, geknetet und mit einem breiten Hammer geschlagen, bis die Masse plastisch und formbar wird. Quarzsand und fein gestoßene gebrannte Scherben werden in unterschiedlichen Anteilen zugegeben. Auf diese Weise schrumpft und verzieht sich der Ton weniger. Diese Technik ermöglicht es, besonders dicht schließende Tondeckel für die Kannen anzufertigen.
Yixing-Teekannen werden nicht auf einer schnell drehenden Töpferscheibe hochgezogen, sondern aus rechteckig zugeschnittenen Tonplatten auf einer drehbaren Scheibe aufgebaut. Eine Reihe von spatel- und paddelförmigen hölzernen Werkzeugen und abgerundeten Modeln wird zur Ausformung rundlicher Kannen verwendet. Dabei stützt eine Hand des Töpfers die Wand des Gefäßes von innen, während die Tonplatte von außen in die gewünschte Form geklopft wird. Runde Formen für Deckel und Boden werden mit Messschiebern passend aus Tonplatten ausgeschnitten. Eckige Kannen werden aus einzelnen Platten zusammengesetzt. Ihre Herstellung erfordert besondere Erfahrung, damit die einzelnen Platten sich beim Brennen nicht verziehen und die Kanne zerstören. Die Oberfläche wird mit Schabern aus Horn geglättet. Dabei werden grobkörnigere Bestandteile des Tons in die Wand hineingedrückt, so dass eine glatte Oberfläche entsteht, die auch ohne Glasur wachsartig glänzt. Henkel, Tülle und Ornamente werden separat geformt und mit Schlicker angesetzt. Die Materialeigenschaften des Yixing-Tons erlauben eine so präzise Ausformung, dass die Deckel der Gefäße sehr dicht schließen. Ein Loch im Deckelknauf erlaubt eine kontrollierte Luftzufuhr, so dass sich das Ausgießen präzise steuern lässt.He Yun’ao, Zhu Bang (2014), S. 127–155 Schon im späten 17. Jahrhundert wurden für den Export in Massen produzierte Kannen in Hohlformen Modeln gepresst.
Brennvorgang