mini|hochkant=1.4|Luftaufnahme von Liepe, im Hintergrund das Schiffshebewerk Niederfinow und der einmündende Finowkanal, Mai 2017
Liepe ist eine Gemeinde im Nordosten des Landkreises Barnim im Land Brandenburg. Sie wird vom Amt Britz-Chorin-Oderberg verwaltet.
Geografie Geografische Lage Liepe bildet das östliche Ende des Ballungsraums Finowtal.Gebhard Falk: Um Eberswalde, Chorin und den Werbellinsee. Böhlau Verlag, Köln 2002, ISBN 3-412-02401-5, Geschichte und Gebietsstruktur. Historische Entwicklung vom 12. Jh. bis 1945, S. 52–59. Das Kerndorf liegt am Nordwestrand des Oderbruchs.Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe Brandenburg (Hrsg.): Geologische Übersichtskarte 1 : 100.000. Landkreis Barnim (= Geologische Übersichtskarte 1 : 100.000. Karte der an der Oberfläche anstehenden Bildungen mit Darstellung ausgewählter Geotope und geologischer Objekte. Karte 6). Landesvermessung und Geobasisinformation Brandenburg, Potsdam 2014, ISBN 978-3-7490-4187-9. Es zwängt sich zwischen zwei Landschaftselemente: das Uckermärkische Becken- und Hügelland im Norden und den Oder-Havel-Kanal im Süden.Frauke Gränitz, Luise Grundmann (Hrsg.): Um Eberswalde, Chorin und den Werbellinsee. Böhlau Verlag, Köln 2002, ISBN 3-412-02401-5, Liepe, Landkreis Barnim, S. 278–281.Gerd W. Lutze (Autor), Lars Albrecht, Joachim Kiesel, Martin Trippmacher (Landschaftsvisualisierung): Naturräume und Landschaften in Brandenburg und Berlin. Gliederung, Genese und Nutzung. Be.Bra Wissenschaft Verlag, Berlin 2014, ISBN 978-3-95410-030-9, Uckermark, Eberswalder Urstromtal und Unteres Odertal. Untergliederung. Uckermärkisches Becken- und Hügelland, S. 129–134. Die Wasserstraße erweitert sich hier zum Lieper See als westlichen Ausläufer des Oderberger Sees.Landesvermessung und Geobasisinformation Brandenburg (Hrsg.): Von Niederfinow bis zur Oder. Topographische Freizeitkarte 1 : 30.000. In: Barnimer Land. Topographische Freizeitkarte 1 : 30.000. Karte 3 (= Freizeitkarten der LGB. Karte 26). 3 Karten und 1 Begleitheft, 2. Auflage, Potsdam 2008, ISBN 978-3-7490-4158-9.
Gemeindegliederung Zur Gemeinde Liepe gehört der Wohnplatz Lieper Vorwerk.Gemeinde Liepe im Dienstleistungsportal der Landesverwaltung Brandenburg, abgerufen am 30. März 2026.
Nachbargemeinden
Geschichte Herkunft des Ortsnamens Der Ortsname leitet sich vom altpolabischen lipa, deutsch ‚Linde‘ ab. Er bedeutet ‚Ort an dem Linden wachsen‘.Reinhard E. Fischer: Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin. Alter – Herkunft – Bedeutung. Be.Bra Wissenschaft Verlag, Berlin 2005, ISBN 3-937233-30-X, Namenbuch. Liepe (a), (b), (c), S. 105. Dem Baum verdanken zahlreiche brandenburgische Siedlungen ihre Bezeichnung. Das zeigte seine weite Verbreitung.Kurt Adamy (Autor), Kristina Hübener (Mitwirkung): Die preußische Provinz Brandenburg im Deutschen Kaiserreich (1871 bis 1918). In: Ingo Materna, Wolfgang Ribbe (Hrsg.): Brandenburgische Geschichte. Akademie Verlag, Berlin 1995, ISBN 3-05-002508-5, Landwirtschaft, Industrie, Verkehrswesen, S. 524–539, hier S. 526–527.
Von der Steinzeit bis zur Neuzeit Menschen lebten seit der ausgehenden Jungsteinzeit in der Umgebung. Östlich der Ortslage barg ein tief in die Hochfläche eingeschnittenes Tal ein Körpergräberfeld der Oderschnurkeramik-Kultur. Als Beigaben förderten Ausgrabungen Keramiken (Gefäße mit Schnur- und Sparrenornamenten, Zapfenbecher) und einige Pfeilspitzen aus Feuerstein zu Tage. Auf dem Pfingstberg, einer nordöstlich gelegenen Endmoränenkuppe, lag unter einer Steinpackung ein Hockergrab. Es enthielt als Beigabe eine steinerne Flachhacke. Die durchlöcherte Knochenkeule der zweiten Bestattung diente wahrscheinlich als Schäftung oder Fassung eines Steingeräts. Die Trichterbecher- und die Havelländische Kultur erreichten den Raum vom Odertal bis zum Parsteiner Becken.Rainer Schulz: Um Eberswalde, Chorin und den Werbellinsee. Böhlau Verlag, Köln 2002, ISBN 3-412-02401-5, Geschichte und Gebietsstruktur. Ur- und Frühgeschichte, S. 47–52. Aus der Bronzezeit wurden Brandgräber entdeckt.
Während der slawischen Zeit gehörte die Gegend zu einem Siedlungsgebiet, das vom Oderbruch über Oderberg bis in die Uckermark reichte. Südöstlich der heutigen Ortschaft lagen je eine alt- und jungslawische Siedlung. Ein eisernes Schwert aus dem 9. Jahrhundert, wahrscheinlich eine Grabbeigabe, wies an Knauf und Parierstange starke Silbertauschierungen auf. Die Oberseite der Stange zeigte in lateinischen Buchstaben den Namen Hiltipreth. Das verwies auf die Herkunft aus dem fränkischen Raum. Zwischen dem Südufer des Großen Plagesees und der mittelalterlichen Straße Chorin–Liepe befand sich der sogenannte Wendenfriedhof. Das Gräberfeld des 11./12. Jahrhunderts bestand aus typischen spätslawischen Brandbestattungen. Daneben umfasste es rechteckige, von Steinen umsetzte Hügelgräber mit Körperbestattung. Dies kam gleichzeitig nur in Ostholstein, Rügen und Ostpommern vor. Die Grabbeigaben des 11. bis 13. Jahrhunderts traten vor allem an der westlichen Ostseeküste auf. Bis ins 13. Jahrhundert standen Dänen und Westslawen im engen Austausch.Lieselott Enders: Die Uckermark. 2. Auflage, Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-8305-1490-9, 1. Kapitel. Werden der historischen Landschaft und erste Blütezeit (Vom Anfang des 12. bis zum Anfang des 14. Jahrhunderts). I. Die Herrschaftsbildung feudaler Fürsten im Land zwischen Elbe und Oder. 3. Die Herrschaftsbildung in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts und im 13. Jahrhundert, S. 34–43.
Im 12. Jahrhundert geriet das Stammesgebiet der Ukranen zum Expansionsziel der mächtigeren Nachbarn. Ab der Mitte des Jahrhunderts gewannen die Greifen und das Herzogtum Pommern die Oberhand. Als Gewinner gingen letztlich die Askanier und die Mark Brandenburg hervor. Albrecht II. befestigte um 1212/1213 die Finowlinie als neue Grenze.Johannes Schultze: Die Mark Brandenburg. Erster Band. Entstehung und Entwicklung unter den askanischen Markgrafen (bis 1319). In: Die Mark Brandenburg. 4. Auflage, Duncker & Humblot, Berlin 2011, ISBN 978-3-428-13480-9, 12. Albrecht II. (1205–1220), S. 112–117. Um 1230 konnten die Markgrafenbrüder Johann I. und Otto III. sie bis zur Welse verschieben. Die meisten verbleibenden slawischen und alle neu entstehenden Dörfer erhielten eine Hufenverfassung.Felix Escher: Das Havelland im Mittelalter. Duncker & Humblot, Berlin 1987, ISBN 3-428-06236-1, Die ländliche Sozialstruktur des Havellandes unter besonderer Berücksichtigung der slawischen Bevölkerung. Dorfstruktur und einzelne Sozialgruppen nach dem Landbuch Kaiser Karls IV. von 1375, S. 314–336.Helmut Assing: Die Landesherrschaft der Askanier, Wittelsbacher und Luxemburger (Mitte des 12. bis Anfang des 15. Jahrhunderts). In: Ingo Materna, Wolfgang Ribbe (Hrsg.): Brandenburgische Geschichte. Akademie Verlag, Berlin 1995, ISBN 3-05-002508-5, Die Umgestaltung der Agrarverfassung und die Veränderungen in den ländlichen Sozialbeziehungen im 12./13. Jahrhundert, S. 102–109, hier S. 102–103, 105. Nach dem Landesausbau wurden die Slawen innerhalb weniger Generationen assimiliert. Beides traf auf Liepe nicht zu.Lieselott Enders: Die Uckermark. 2. Auflage, Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-8305-1490-9, 1. Kapitel. Werden der historischen Landschaft und erste Blütezeit (Vom Anfang des 12. bis zum Anfang des 14. Jahrhunderts). II. Der Landesausbau in der Uckermark. 2. Die Wirtschafts- und Sozialverhältnisse im Dorf. Fischerdörfer, S. 62.
In einer Urkunde von 1233 hieß die slawische Siedlungskammer zwischen Parsteiner See und Finow terra… Slavice Lipana.Adolph Friedrich Riedel: Novus Codex diplomaticus Brandenburgensis. 1. Haupttheil. 13. Band. G. Reimer, Berlin 1857, V. Kloster Chorin. II. Bischof Conrad von Camin überweist dem, in dem Wendisch Barszdin genannten Orte, errichteten Kloster Gottestadt hundert Hufen Landes im Lande Liepe, im Jahre 1233, S. 203. 1258 wurde die Ortschaft Lipe erwähnt.Lieselott Enders: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Uckermark. Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1986, ISBN 3-7400-0042-2, Liepe w Oderberg. 4. Erste schriftliche Erwähnung, S. 582. 1261/1266 ließen die Markgrafen von Brandenburg die Grenzen der Äcker von Hohen- und Niederliepe festlegen. 1267 bestätigte ihr Nachfolger diese.Lieselott Enders: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Uckermark. Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1986, ISBN 3-7400-0042-2, Liepe w Oderberg. 7. Wirtschafts- und Sozialstruktur, S. 582–585. Ersteres Dorf lag auf der Hochfläche in der Nähe der späteren Försterei Liepe. Ursprünglich fungierte es wohl als Zentrum des Ländchens. Bei Ausgrabungen wurden u. a. Herdstellen und Wandverputz gefunden. Letztere Ortschaft gruppierte sich um die heutige Dorfkirche.
Anno 1308 überließen die Landesherren dem Kloster Chorin die zwei slawischen Liepes einschließlich der Fischereigerechtsame, der Frondienste, des Ober- und Untergerichts sowie einem Winkel der Heide.Lieselott Enders: Die Uckermark. 2. Auflage, Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-8305-1490-9, 1. Kapitel. Werden der historischen Landschaft und erste Blütezeit (Vom Anfang des 12. bis zum Anfang des 14. Jahrhunderts). III. Die kirchlichen Verhältnisse. 1. Die Stifte und Klöster. Wirksamkeit und Ausstrahlung, S. 88–90, hier S. 88, einschließlich Fußnoten 423–424.Adolph Friedrich Riedel: Novus Codex diplomaticus Brandenburgensis. 1. Haupttheil. 13. Band. G. Reimer, Berlin 1857, V. Kloster Chorin. XLIV. Die Markgrafen Otto und Woldemar überlassen dem Kloster Chorin die beiden slawischen Dörfer Ober- und Nieder-Liepe mit dem ihnen noch angehörig gebliebenen Winkel der Heide, am 12. März 1308, S. 232–233. Eine Urkunde von 1335 zählte beide zum Besitz der Zisterzienser. Das Landbuch Kaiser Karls IV. von 1375 erfasste (Hohen-)Liepe als Krugeinzelsiedlung. (Nieder-)Liepe bezeichnete das Urbar als einziges als slawisches Dorf. Jedes der 23 Fischerhäuser zahlte 4 Schilling, 8 Pfennig als Abgabe, der Krug 36 Schilling. Außerdem existierte ein Weinberg.Johannes Schultze (Hrsg.): Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375. Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, Barnym. Barnym dἱstrictus Strutzeberg. Lypa, S. 158. Im Schossregister von 1450 gehörte die Ortschaft weiterhin dem Kloster.
Verwaltungszugehörigkeit Liepe gehörte in der Frühen Neuzeit zum Stolpirischen Kreis der Mark Brandenburg; er war der einer der beiden historischen Kreise der Provinz Uckermark.Friedrich Wilhelm August Bratring: Statistisch-topographische Beschreibung der gesammten Mark Brandenburg. Zweiter Band. Die Mittelmark und Ukermark enthaltend (= Statistisch-topographische Beschreibung der gesammten Mark Brandenburg. Für Statistiker, Geschäftsmänner, besonders für Kameralisten. 3 Bände). Friedrich Maurer, Berlin 1805, 6. Abschnitt. Uckermark, S. 467–578, Liepe: S. 554 (Digitalisat). In der Kreisreform von 1816/1817 kam das Dorf zum Landkreis Angermünde der Provinz Brandenburg. Mit der Kreisreform von 1952 in der DDR gelangte es zum Kreis Eberswalde im Bezirk Frankfurt (Oder).Lieselott Enders: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Uckermark. Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1986, ISBN 3-7400-0042-2, Liepe w Oderberg, S. 581–585. Die Kreise Bernau und Eberswalde wurden in der Kreisreform von 1993 mit kleinen Grenzverschiebungen zum Landkreis Barnim vereinigt.Marlies Schulz: Um Eberswalde, Chorin und den Werbellinsee. Böhlau Verlag, Köln 2002, ISBN 3-412-02401-5, Aktuelle Gebietsstruktur, S. 63–68 (inklusive Abb. 14, S. 60).
Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1733 191 1757 191 1774 290 1800 557 1817 567 1840 640 1858 1.171 Jahr Einwohner 1875 1.881 1890 1.999 1910 1.741 1925 1.264 1933 1.238 1939 1.286 1946 1.517 Jahr Einwohner 1950 1.478 1964 1.271 1971 1.195 1981 980 1985 885 1990 814 1995 783 Jahr Einwohner 2000 807 2005 787 2010 753 2015 647 2020 636 Jahr Einwohner 2021 633 2022 622 2023 627 2024 626 2025 600