Der Parc de la Tête d’Or () ist ein Stadtpark in Lyon, einer der größten Stadtparks in Frankreich. Er ist das Werk der Gebrüder Denis und Eugène Bühler und wurde 1857 eröffnet, obwohl die Arbeiten noch nicht beendet waren. Er wurde demnach im selben Jahr gestaltet wie der Central Park in New York. Im Park gibt es eine Reihe von Bauwerken: das große Gewächshaus (1865), das Fahrradstadion, das Wachhaus chalet des gardes (1894), das Gehege (1896), die Sammlung von Keltern (1899), das Totendenkmal auf der île aux Cygnes (1914–1930), der neue Rosengarten (1961–1964).Louis-Michel Nourry, Lyon, le parc de la Tête d'Or, AGEP Éditeur, 1992, S. 116/117 Der Park wird von der Kommune Lyon verwaltet und gilt mit seinen 117 ha als grüne Lunge der Stadt. Es gibt acht Eingänge, von denen der jüngste 2009 zur Esplanade der Cité internationale hin geöffnet wurde. Im Park befindet sich auch der Zoologische Garten von Lyon.

Geschichte Das Gelände, auf dem sich heute der Park befindet, gehörte der Familie Lambert (1530) und hieß schon damals „tête d’or“. Die Domäne des Grange Lambert wird in einem Schriftstück von 1662 als Besitz des Hospizes (Hôtel Dieu) und der Gesamterbin Catherine Lambert aufgeführt.Louis-Michel Nourry, Lyon, le parc de la Tête d'Or, AGEP Éditeur, 1992, S. 24 Der Name Tête d’Or kommt von einer Legende, nach der eine Schatztruhe mit einem Christuskopf aus Gold hier von Barbaren oder Kreuzrittern vergraben worden sein soll.Dinge, die man über den Park wissen sollte Das Gebiet war ehemals eine Überschwemmungszone, die von den Altflussarmen (französisch: Lône) der Rhône und den Feuchtgebieten (in Lyon brotteaux genannt) gespeist wurde. Die Überschwemmung hörte erst mit der Anlage des Parks auf.

Entstehung eines Stadtparks links|mini|Ansicht des Gebiets vor der Entstehung des Parks Das Projekt, einen Stadtpark in Lyon einzurichten, bestand seit 1812. Hierzu wurden verschiedene Standorte in Erwägung gezogen (die Halbinsel von Lyon, damals noch nicht vollständig besiedelt; der Fourvière-Hügel), ehe man sich für das heutige Gebiet entschied, das zum großen Teil zum Hospices civils de Lyon (Stadtkrankenhaus) gehörte.Louis-Michel Nourry, Lyon, le parc de la Tête d'Or, AGEP Éditeur, 1992, S. 31 Der Architekt Christophe Crépet präsentierte 1845 im Rahmen der Verschönerung des Viertels La Guillotière ein Projekt für einen Stadtpark an der Stelle des heutigen Parks: „Um die dringenden Bedürfnisse einer wachsenden Bevölkerung befriedigen zu können, habe ich das Brachland und Gebüsch des Tête d’Or in ein Waldgebiet nach dem Vorbild des Bois de Boulogne umgestaltet.“ Diese Idee wurde angenommen, zumal sie den Absichten des Präfekten (und damaligen Bürgermeisters von 1853 bis 1864) Claude-Marius Vaïsse entsprachen, der einen Park zu errichten wünschte, um „die Natur denen zu geben, die keine haben“. Das Gelände wurde 1856 vom Hospices Civils de Lyon gekauft. 1856 begannen die Arbeiten unter der Aufsicht der Schweizer Landschaftsarchitekten Denis und Eugène Bühler, sowie dem Bauingenieur Gustave Bonnet; sie dauerten fünf Jahre. Der Park wurde 1857 eröffnet, obwohl er noch nicht vollständig fertig war. Er liegt im Norden des Viertels Les Brotteaux am Ufer der Rhône. Ein Deich wurde mit dem Aushub des Sees angelegt, um so das Gebiet vor Überschwemmungen zu schützen.So steht es auf der Infotafel am Park.

Ein neuer Stadtpark

1857: Ursprünglich war der Botanische Garten von Lyon durch ein Dekret von 1754 vom französischen Nationalkonvent angeordnet worden, das Städte über 300.000 Einwohner zur Gründung von Écoles Centrales verpflichtet. Diese Écoles centrales (deutsch: Zentralschulen) waren verpflichtet, in Wissenschaften, Literatur und Kunst zu unterrichten. Sie mussten ein Geschichtsarchiv und einen botanischen Garten unterhalten. Aus diesem Grund erließ der damalige Bürgermeister, Jean-Emmanuel Gilibert, eine Verordnung, nach der ein botanischer Garten auf den Hängen von La Croix-Rousse einzurichten sei. Als er in den Mauern des damaligen Couvent de la Déserte(Wüstenkloster) 1804 eingerichtet wurde, erwies er sich schnell zu eng und wurde 1857 in den Park umgesiedelt. Er hatte dann 4.000 Pflanzen. Der botanische Garten ist im Osten angesiedelt, um die Perspektive des Parks nicht zu beeinträchtigen: Man wollte den Eindruck der großen und zentralen Wiese im Süden des Sees nicht zerstören. An dem neuen Standort konnten Abteilungen für Versuchsbeete, Grasarten, Obstbäume und Medizinpflanzen einrichten. Heute erstreckt sich der Garten über 7 ha und hat eine Pflanzensammlung, die mit der des Muséum national d’histoire naturelle von Paris konkurrieren kann.Louis-Michel Nourry, Lyon, le parc de la Tête-d'Or, AGEP Éditeur, S. 75 Zu Beginn des 19. Jh. wurden Grabungen unternommen, um den Schatz des goldenen Kopfes zu finden; es wurde nichts gefunden, und man hat sie 1860 abgebrochen. 1859: Die Orangerie wurde vom Botanischen Garten an den Hängen von La Croix-Rousse in den Park gebracht. 1861: An dem See wurde ein Bootssteg eingerichtet. Im gleichen Jahr wurde auch ein Tiergehege eingerichtet. Der Plan der Gebrüder Bühler sah einen Raum für Schafe, einen Hühnerstall und eine Rinderweide vor. Nach und nach entstand so ein zoologischer Garten mit exotischen Tieren; die dafür nötigen Gebäude wurde eingerichtet. Zuletzt wurde im Oktober 2006 eine afrikanische Abteilung (afrikanische Ebene) eingeweiht. 1865: Nach den Plänen des Architekten Gustave Bonnet wurde das große Gewächshaus sowie das Gewächshaus für Agaven errichtet. 1867: Der Gewässerplan des Parks wird auf der Weltausstellung vorgestellt. 1877 bis 1880: Erneuerung der großen Gewächshäuser 1881: Errichtung des Denkmals für die Legionäre 1887: Errichtung des Gewächshauses Victoria (1980 zerstört) 1894: Die Universelle, internationale und koloniale Ausstellung wird im Park abgehalten. Nach einem Gesetz vom 28. August 1884 wurden die Forts im Tête d’Or und den Charpennes abgetragen, um den Nord-Boulevard schaffen zu können (heute Boulevard des Belges).Charles Delfante, 100 ans d'urbanisme à Lyon, éditions LUGD, 1994, S. 162 Das Chalet, das Chalet der Garden und das Radstadion wurden errichtet. Im gleichen Jahr wurde der Teil des Parks auf dem Gebiet von Villeurbanne von Lyon übernommen: Die Grenze zwischen den beiden Gemeinden Lyon und Villeurbanne teilte den Park lange Zeit. Zwischen den beiden herrschte eine starke Rivalität bezüglich der Kosten und Ausstattung. Jean Casimir-Perier, Präsident der Dritten Französischen Republik (27. Juni 1894 – 15. Jan. 1895), ordnete am 17. Dezember 1894 an, dass der Park zur Gänze im 6. Arrondissement (Lyon) liegen soll. 1896 bis 1898: Die Stadt will eine Eingrenzung errichten lassen, um den Park zu schützen und zu verhindern, dass unverzollte Waren verdeckt als Gemüse in den Stadtbezirk eingeführt werden (Es gab noch den „Stadtzoll“, französisch: Octroi.). Am 5. November 1896 wurde beschlossen, eine Betonmauer mit einem Eisengitter rund um den Park zu installieren. Gegen diese Idee regte sich heftiger Widerstand: Am 17. November 1898 wurde die Begrenzung auf 300 m niedergerissen. Die Arbeiten wurden mit der Errichtung von drei Eisentoren abgeschlossen: die Eingänge Tête d’Or, Montgolfier und der Haupteingang Légionnaires, der auch den Namen Enfants du Rhône trägt. Der letztere ist das Ergebnis eines Wettbewerbs von 1898, den Charles Meysson gewann. Das Tor wurde von dem Lyoner Unternehmen Jean Bernard angefertigt. Es ist 32 m lang und wird von zwei Säulen aus Steinen von Villeboy gehalten. Der Haupteingang ist 11 m hoch. Das gesamte Tor wiegt 11 t. 1899: Erbauung von Glashäusern für Sammlungen, Züchtungen und Palmen 1901: Erbauung der Pavillons am Eingang Tête d’Or 1904: Erbauung des KuhstallsAls Sonderseite Vacherie du Parc nachzulesen. durch den Architekten Tony Garnier. Der Stall wurde 1914 nach Cibeins, heute Misérieux, verlegt. 1913: Erbauung eines Landestegs am See 1917: Einweihung des Löwengeheges 1932: Einweihung des Tunnels, der die Schwaneninsel mit dem Ufer verbindet 1961 bis 1964: Einrichtung eines neuen Rosengartens 1964: Errichtung einer Elefantenstation 1968: Erbauung der Giraffenstation. Diese ist heute leer, da die Giraffen in die afrikanische Abteilung umgezogen sind. 1981: Am 2. Dez. gab es einen außergewöhnlichen Wurf von 25 Anakondas. 1984: Am 11. April hat eine Löwin (Sonia) nach einem Disput ihren Partner Sultan ins Wasser des Geheges gezwungen. Zwei Stunden lang versuchte Sultan, das Ufer über die Treppen, die für diesen Fall installiert waren, zu erreichen, woran ihn Sonia immer wieder hinderte. Sultan ertrank schließlich. 1989: Errichtung einer Abteilung der Menschenrechte im Nordteil des Parks: Es wurden Monolithen errichten mit Texten der Menschenrechtserklärung. 1991: Projekt zur Errichtung eines neuen Eingangstors gegenüber der Cité internationale. Die Umsetzung dauerte 10 Jahre; der Eingang ist neben der Felsengrotte, in der die „Quelle“ für den Bach zum See liegt. (Die Quelle, deren Lauf zur Pont Suisse führt.) 1995: Am 27. Sept entkam eine Tigerin aus ihrem Käfig. Der Park wurde evakuiert und die Tigerin unter einem Gebüsch entdeckt, wohin sie sich offenbar vor der Menschenmenge geflüchtet hatte. 2000: Arbeiten am Baumbestand wurden durchgeführt: Zahlreiche alte Bäume mussten gefällt werden, da sie nicht mehr standfest waren und eine Gefahr darstellten. 2006 bis 2007: Einrichtung einer afrikanischen Ebene im zoologischen Garten. 2011: Umwandlung(-bau) der Sanitäreinrichtungen in eine moderne Architektur mit „Holz und Beton“; eine Anlage wurde mit besondere Einrichtung zur Verwertung der Gülle (zurück zur Natur) versehen. 2013: Am 28. Oktober 2013 gab es die erste Geburt eines Hartmann-Bergzebras.Ein Hartmann-Bergzebra ist im Park de la Tête d'Or in Lyon geboren worden, Meldung der Zeitung LE PROGRÉS vom 31. Oktober 2013, abgerufen am 10. Dezember 2016

Plan des Parks mini|Plan der universellen, internationalen und kolonialen Ausstellung von 1894 in Lyon Der Park ist im Stil eines Englischen Landschaftsgartens angelegt, mit freien Rasenflächen und leicht gewellt. Er hat eine Dreiecksform. Am Rande ist ein Deich, der ihn von der Rhône trennt.Auf diesem Deich fanden Messen und Ausstellungen statt. Nach dem Umzug ins Eurexpo im Vorort Chassieu, wurde dem Hauptdeich eine sehr engen Straße vorgelagert und auf ihm das Musée d’art contemporain de Lyon errichtet. Des Weiteren wurde eine Siedlung mit Büroräumen, Wohnungen und Läden errichtet, die Cité internationale (Lyon). Auf ihm führt eine lange Promenade den Park entlang bis zu dem Garten des Amphitheaters, Salle 3000 des Centre de congrès de Lyon und weiter der Rhône entlang. Auf der Ostseite des Tête d’Or befindet sich die historische, hochgelegte Trasse der Eisenbahnstrecke Lyon–Genf, die zum Gare de Lyon-Brotteaux führt.

Auf der Südseite des Parks befinden sich chice Villen am Boulevard des Belges, die alle in ihrem Garten einen kleinen Zugang zum Tête d’Or haben.

Der Park selbst besteht aus mehreren Abteilungen: kleine alpine Täler mit Baumbestand; ein Aussichtspunkt; ein See in zentraler Lage; eine große Grünfläche; ein kleiner Wald; Lehrgärten (botanischer Garten, Tiergarten); verschiedene Spielanlagen. Außerdem gibt es im Park vier Rosengärten, ein großes Gewächshaus (umgeben von kleineren) und eine Radwettkampfstätte (Velodrome).

Der See