mini|Zehnläufige British 1865 Gatling Gun Firepower - The Royal Artillery Museum Die Gatling Gun war das erste erfolgreiche schnellfeuernde Repetiergeschütz. Sie ist ein Vorläufer des Maschinengewehrs und Begründer der Gatling-Waffenklasse. Das Nachladen wird manuell mittels der Rotation des um eine Drehachse angeordneten Laufbündels bewerkstelligt. Entwickelt wurde sie im Jahre 1861 vom US-amerikanischen Erfinder Richard Jordan Gatling. Trotz der hohen Schusskadenz von bis zu 200 Schuss pro Minute bei den ersten Modellen – bis zu 400 Schuss pro Minute bei späteren – hatte die Gatling Gun mit der Wärmeentwicklung wenig Probleme, weil sich die Läufe weniger erwärmten als der einzelne Lauf der gleichzeitig entwickelten Union Repeating Gun.
Die Waffe wurde von 1866 bis 1911 von den Vereinigten Staaten eingesetzt. Auch andere Staaten, unter anderem das Vereinigte Königreich, die Türkei, Japan, China, Ägypten, Österreich-Ungarn und das Russische Reich, nutzten sie.
In der Hauptsache war die Gatling Gun eine Waffe für die Landstreitkräfte, sie wurde aber auch auf Kriegsschiffen genutzt (so etwa bei der United States Navy und der Royal Navy oder im südamerikanischen Salpeterkrieg). In einigen Fällen gehörte die Waffe auch zur Ausstattung der Polizei der Vereinigten Staaten.Cincinnati Magazine: Cincinnati Magazine. vom Oktober 1972, , Band 6, Nr. 1 (, englisch).
Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Gatling Gun vom Maxim-Maschinengewehr verdrängt, da es erst in den 1890er Jahren gelang, die Probleme mit Ladehemmungen und Spätzünden zu lösen. Nach dem Zweiten Weltkrieg, über 50 Jahre später, wurde das Prinzip wiederentdeckt, weil damit sehr hohe Schussfrequenzen erreicht werden können. Die Technik hat sich aber stark weiterentwickelt, und bei modernen Gatling-Waffen wird das Laufbündel nicht mehr durch den Schützen, sondern durch meist elektrisch betriebene Antriebsmotoren oder durch die Abgase der Waffe in Rotation versetzt.
Funktion Die Läufe einer Gatlingwaffe sind parallel um die Rotationsachse montiert. Dieses Laufbündel wird von Hand über eine Kurbel kontinuierlich angetrieben. Moderne Waffen verfügen über einen Elektroantrieb. Jeder Lauf hat in seiner hinteren Verlängerung seinen eigenen Verschluss mit dem Schlagbolzen. Der hintere Teil des Laufbündels liegt in einem zylindrischen Gehäuse, in dem innen eine Kulisse (Führungsnut) eingefräst ist; in diese greifen die auf den Verschlüssen angebrachten Zapfen ein. Die Kulisse bringt den Verschluss während eines vollen Umgangs in Ladeposition, schiebt ihn nach vorn in Schussposition und blockiert ihn dort, während der auf einer Rampe aufgelaufene Zündstift den Schuss auslöst. Daraufhin bringt sie den Verschluss wieder zurück in Ladeposition. Im oberen Durchgang, in der Ladeposition des Laufes, fällt eine Patrone aus dem Magazin in die Laufmulde, und im unteren Durchgang zieht der Verschluss die leere Hülse aus; diese fällt zu Boden. Der Prozess läuft kontinuierlich ab. Jeder Lauf gibt pro Umdrehung des Laufbündels einen Schuss ab.
Model 1862 mini|Gatling-Gun, Model 1862 Type I Die erste, auf dem Patent von Richard Jordan Gatling mit der Patentnummer 36.836 vom 4. November 1862, Improvement in revolving Battery-Guns, basierende Machine Gun Model 1862 war ein Hinterlader, auch hier wurde der Ladeprozess und die Schussauslösung mittels einer Handkurbel herbeigeführt. Die Waffe verschoss keine Patronenmunition, sondern in lose stählerne Kammern geladene Papierpatronen im Kaliber .58 Zoll entsprechend der im Model 1855 US Percussion Rifle-Musket und seinen Nachfolgern verwendeten Munition.
Weil Repetierwaffen noch in den Kinderschuhen steckten, orientierte sich Gatling am bewährten Prinzip des Revolvers, von dem der drehbare Patronenlagerblock, die Trommel, übernommen wurde. Allerdings war, im Gegensatz zum Revolver, der Patronenlagerblock an seiner Peripherie offen, so dass die geladenen Kammern durch die Schwerkraft aus dem Magazin ins darunterliegende Lager fallen konnten. Nach dem Abfeuern fielen sie ebenso wieder nach unten heraus. Die Zündung erfolgte durch einen auf eine Rampe auflaufenden Bolzen, der auf einen hinten am Boden der Kammer liegenden Piston mit Zündhütchen aufschlug. Der durch das Längsspiel der Kammer auftretende Gasverlust wurde vermindert, indem diese bei Erreichen der Schussposition durch eine hinten im Gehäuse angebrachte Erhöhung mitsamt der Schlosshülse nach vorne ans Laufende gedrückt wurde. Die Verminderung der Gasverluste wurde allerdings mit einem größeren Kraftaufwand an der Kurbel erkauft. Problematisch war auch die unpräzise Ausrichtung der Kammern im Bezug zum Lauf, die zu Verformungen der Geschosse führte. Zur Abhilfe wurde der Lauf hinten konisch erweitert, das Problem blieb jedoch weiter bestehen und beeinträchtigte die Zielgenauigkeit der Waffe erheblich.
Nach dem gleichen Prinzip funktionierte das Model 1862 Type II. Im Unterschied zum Type I verwendete es jedoch Randfeuerpatronen im Kaliber .58 Zoll mit Kupferhülsen. Anstelle der hinten geschlossenen Kammern wurden vollständig durchgebohrte Stahlhülsen zur Aufnahme der Patronen verwendet.
Die ersten, vom Erfinder Gatling auf der Patentzeichnung vom 4. November 1862 als Machine Gun bezeichneten Model 1862 Gatling Guns hatten sechs Läufe und eine Kadenz von 150 bis 200 Schuss pro Minute. Wegen der durch die vom Lauf getrennten Kammern respektive Stahlhülsen auftretenden Probleme sah sich Gatling veranlasst, seine Erfindung zu überarbeiten.
Model 1865 und spätere Waffen Die ersten Gatling Guns zur direkten Verwendung von Patronenmunition wurden ab 1864/65 mit Gewehrpatronen in den damals gängigen Kalibern getestet. Erste Ausführungen der großkalibrigen Gatling hatten glatte Läufe und verschossen mit 15 Rundkugeln geladene Kartätsch-Geschosse; später wurden gezogene Läufe verwendet, um auch 1-Zoll-Geschosse (2,54 Zentimeter) verschießen zu können. Das Laufbündel der ersten Gatlings für Patronenmunition hatte wie sein Vorgänger sechs Läufe, wurde durch eine Handkurbel angetrieben und drehte sich kontinuierlich.
Im Unterschied zum Model 1862 wurden die Patronen, nachdem sie vom oben angebrachten Magazin in die Lademulden gefallen waren, durch den zu jedem Lauf gehörenden Verschluss in das im Lauf liegende Patronenlager geschoben, wo sie abgefeuert wurden. Der Zyklus, bei dem die Patronen oben in die Lademulde fallen, ins Patronenlager geschoben, am untersten Punkt abgefeuert und die leeren Hülsen ausgezogen werden, ist auf der nebenstehenden Abwicklung ersichtlich.
Einsatzerfahrungen Theoretisch war die Gatling Gun eine vielversprechende Waffe. Praktisch hat sie nie die hohen Erwartungen erfüllt, die die Militärs an sie gestellt hatten, unter anderem, weil die ersten Modelle sowie deren Patronen noch technisch unausgereift waren. Außerdem waren die frühen Modelle starr fixiert, weshalb sie nur in Verbindung mit der kompletten Lafette horizontal geschwenkt werden konnten. Bei späteren Modellen war ein freies Schwenken möglich, ein genaues Zielen wurde jedoch durch das beständige Kurbeln des Schützen verhindert. Daher wurde das Geschütz bisweilen von zwei Soldaten gleichzeitig bedient, von denen einer kurbelte, während der andere zielte. Beim Modell 1874 konnte ein durch die Kurbel angetriebener Schwenkmechanismus zugeschaltet werden, der das Feuer automatisch horizontal um einige Grad streute. Bei zu schnellem Kurbeln konnte sich der Lademechanismus verklemmen. Bis zur Einführung von Patronen mit rauchschwachem Pulver vernebelte der Schwarzpulverrauch schnell die Sicht. Dies galt im Prinzip auch für Geschütze und Gewehre dieser Zeit; durch den langsamen Nachladevorgang hatte der Rauch aber mehr Zeit, sich aufzulösen.
Die Bedienmannschaft bestand aus ein bis drei Soldaten, die vollständige Mannschaft für Transport jedoch einige mehr. In der US-Armee zur Zeit des Spanisch-Amerikanischen Krieges bestand eine vollständige Mannschaft aus neun Soldaten: einem Sergeant, einem Korporal und sieben Privates.
Obwohl die Gatling Gun schon im Juni 1864 im Amerikanischen Bürgerkrieg vom Unionsgeneral Benjamin Franklin Butler bei Petersburg eingesetzt wurde, dauerte es Jahrzehnte, bis Taktiken entwickelt wurden, welche die Vorteile der Waffe zur Geltung brachten. Vielfach wurde die Waffe in der gleichen Rolle wie ein leichtes Feldgeschütz eingesetzt und dementsprechend der Artillerie zugeordnet. Der nächste Einsatz war der Deutsch-Französische Krieg, in dem die Franzosen 1871 einige Gatling Guns in der Schlacht bei Le Mans nutzten.Ernest Alfred Vizetelly: My days of adventure; the fall of France, 1870–1871. ISBN 978-1-4191-3599-6 (, englisch)
In den Indianerkriegen setzten die US-Amerikaner die Gatling Gun sporadisch ein. Nachgewiesen ist, dass sämtliche Garnisonen damit ausgerüstet waren; sie wurden zur Verteidigung der Forts bereitgestellt.
Gegen Indianer erfolgreich eingesetzt wurden Gatlings im August 1874 im Llano Estacado in West Texas durch Leutnant James W. Pope unter Colonel Nelson Appleton Miles.Paul Wahl, Donald R. Toppel: The Gatling Gun. Arco Publishing Company, New York 1971. Library of Congress Number 64-16612. (englisch) Bekannt ist auch ihr Einsatz in den Spring-Creek–Begegnungsgefechten im Montana Territory im Oktober 1876 zwischen den Sioux und der 22nd Infanterie unter Oberstleutnant Elwell Stephen Otis. Im Feldzug, der im Juni 1876 mit dem Desaster der Schlacht am Little Bighorn endete, führten die Truppen von General Alfred Terry und Oberst John Gibbon wohl fünf Gatlings mit, sie wurden des unwegsamen Geländes wegen jedoch von GeneralmajorIm US-Heer gab es drei Möglichkeiten, zu einem Dienstgrad befördert zu werden: Beförderung zu einem Dienstgrad im regulären Heer; Beförderung zu einem Dienstgrad unabhängig davon in der freiwilligen Heeres-Organisation; Verleihung eines Brevet-Dienstgrades durch den US-Kongress. Brevet-Dienstgrade gab es sowohl im regulären Heer als auch bei Freiwilligenverbänden, so dass ein Offizier also bis zu vier Ränge gleichzeitig innehaben konnte. Einzelheiten siehe auch unter „Custers Rang“. George Armstrong Custer nicht mitgenommen, da sie seine 7th Cavalry im Vorgehen zu stark behindert hätten.Jerome A. Greene: Battles and Skirmishes of the Great Sioux War. University of Oklahoma Press, Norman 1993. ISBN 0-8061-2535-7. (englisch) mini|Zwei Gatling Guns, eingesetzt im Zweiten Anglo-Afghanischen Krieg 1879 In großem Umfang kam die Waffe erstmals im Russisch-Osmanischen Krieg von 1877 bis 1878 durch Russland vor allem bei den Schlachten um Plewen und Nikopol zum Einsatz.John Ellis: The social history of the machine gun. Ayer Publishing, 1981. ISBN 978-0-405-14209-3 (, englisch) Mit einigem Erfolg setzen die Briten die Gatling Gun in der Schlacht bei KwaGingindlovu im Zulukrieg 1879 ein, allerdings gegen einen waffentechnisch unterlegenen Gegner. Ebenfalls nutzten die Briten die Waffe im Zweiten Anglo-Afghanischen Krieg 1879.
Erst Leutnant John Henry Parker beschritt im Spanisch-Amerikanischen Krieg 1898 neue Wege. Er befürwortete einen mobilen Einsatz dieser Serienfeuerwaffen innerhalb der Infanterie zu deren Unterstützung.John Henry Parker: History of the Gatling Gun Detachment. In: infomotions.com (englisch) Seine Abteilung lieferte den Beweis für die Möglichkeit einer mobilen Nutzung bei den Kämpfen um El Caney. Die Gatlings spielten auch eine wichtige Rolle im Juli 1898 bei der Erstürmung des San Juan Hills durch die Rough Riders unter dem Kommando von Theodore Roosevelt. Dort feuerten die drei von 1st Lieutenant John „Machine Gun“ Parker kommandierten Gatling Guns im Kaliber .30-40 Krag in achteinhalb Minuten über 18.000 Schuss auf die spanischen Verteidiger ab.Joseph Berk: The Gatling gun: 19th century machine gun to 21st century Vulcan. Paladin Press, 1991. ISBN 978-0-87364-644-4. S. 31, 40. (, englisch)
Entwicklungsgeschichte
mini|hochkant|Richard Jordan Gatling