Der Lehrplan 21 harmonisiert als gemeinsamer Lehrplan die Volksschule in 21 Kantonen der Deutschschweiz. Der Lehrplan wurde in einem gleichnamigen Projekt der Deutschschweizer Erziehungsdirektorenkonferenz (D-EDK) von 2010 bis 2014 ausgearbeitet, ebenso wie die «Grundlagen für den Lehrplan 21». Die ersten 11 Schuljahre werden dabei in drei Zyklen unterteilt. Zyklus 1 sind vier Jahre und damit in den meisten Kantonen zwei Kindergartenjahre und die ersten zwei Jahre der Primarschule. Zyklus 2 sind ebenfalls 4 Jahre, Klassen drei bis sechs der Primarschule. Zyklus 3 umfasst drei Jahre der Sekundarstufe I. Ziele sind, dass Schüler von einer Schule eines Kantons in einen anderen wechseln können. Wirtschaft, Arbeit, Haushalt, Medien und Informatik, Berufliche Orientierung, Bildung für nachhaltige Entwicklung bekommen Raum. Themen werden verstärkt fächerübergreifend behandelt. Wie Stundenpläne aussehen und wie die Noten vergeben werden, ist nicht geregelt und bleibt den Kantonen überlassen.Der Lehrplan 21 einfach erklärt, SRF, 2014-11-17.
Rechtsgrundlage Die gesetzliche Grundlage im weiteren Sinn bildet die «Verwaltungsvereinbarung über die Durchführung des Erarbeitungsprojekts für einen sprachregionalen Lehrplan (Projektvereinbarung Lehrplan 21)» der D-EDK vom 18. März 2010.Verwaltungsvereinbarung über die Durchführung des Erarbeitungsprojekts für einen sprachregionalen Lehrplan (Projektvereinbarung Lehrplan 21) vom 18. März 2010 (Stand 1. August 2010) abgerufen am 28. April 2018 Schweiz am Wochenende vom 7. Februar 2016: Michael Strebel: Der Lehrplan 21 und die Frage der Zuständigkeit der Parlamente.
Diese Verwaltungsvereinbarung (Projektvereinbarung Lehrplan 21) ist mangels rechtsetzendem Charakter keine Rechtsgrundlage im engeren Sinn. Der unverbindliche Charakter des Lehrplans 21 wird durch die Projektvereinbarung bestätigt, in dem die Konferenz der Projektkantone lediglich über die Freigabe der definitiven Lehrplanvorlage zur Einführung in den Kantonen beschliesst und die an der Erarbeitung beteiligten Kantone autonom über die Umsetzung entscheiden. In der Verwaltungsvereinbarung (Ziffer 4 Absatz 2 Satz 2) heisst es dazu: Der Entscheid über die Einführung des Lehrplans im Kanton sowie die Erarbeitung allfälliger hierfür nötiger Anpassungen und Ergänzungen liegt in der Zuständigkeit der Kantone (...). Andreas Glaser, Corina Fuhrer: Der Lehrplan 21: Interkantonales soft law mit Demokratiedefizit.
Die D-EDK wurde für den Lehrplan 21 geschaffen, weil das Bildungswesen in der Hoheit der einzelnen Kantone liegt.Zentralplus vom 18. Februar 2018: D-EDK Präsident Stephan Schleiss: Die D-EDK ist für den ‹Lehrplan 21› geschaffen worden.Luzerner Zeitung vom 29. Oktober 2018: Deutschschweizer Erziehungsdirektoren-Konferenz wird aufgelöst Der Lehrplan 21 der deutsch- und mehrsprachigen Kantone beruht auf einer freiwilligen Koordination. Er gilt als interkantonales Soft Law mit Demokratiedefizit, weil weder Parlamente noch das Volk über ihn befinden konnten.
Grundlagen für den Lehrplan 21 Wichtige Reformelemente des Lehrplans 21 wurden mit dem «Projekt Schule 21» von 1995 bis 2003 von Ernst Buschor im Rahmen der Wirkungsorientierten Verwaltungsführung (wif!) in Versuchsschulen im Kanton Zürich eingeführt. Der Lehrplan 21 wurde damit gleichsam vorweggenommen. 1999 wurde damit gerechnet, die Schule 21 in drei bis vier Jahren flächendeckend umsetzen zu können.Bilanz vom 31. Dezember 1999: Ernst Buschor - Ein Mann macht Schule, abgerufen am 14. März 2022Stephanie Appius, Amanda Nägeli: Zürich: Schulreform als politisches Gesamtpaket. In: Schulreformen im Mehrebenensystem: Eine mehrdimensionale Analyse von Bildungspolitik. Springer VS, Springer Fachmedien, Wiesbaden 2017, ISBN 978-3-658-16850-6
Am 21. Mai 2006 stimmte das Volk für den Bildungsartikel in der Bundesverfassung, mit dem die Eckwerte des Bildungswesens in der ganzen Schweiz harmonisiert werden sollten.Bund und Kantone verständigen sich auf wenige konkrete und überprüfbare Ziele für das laufende Jahrzehnt. Diese Ziele stützen sich auf die in der Verfassung verankerten Eckpfeiler der Qualität und der Durchlässigkeit. Gemeinsame Erklärung des EDI und der EDK vom 30. Mai 2011
Im September 2006 setzte die D-EDK eine sechsköpfige Projektgruppe ein, um die Grundlagen für den Lehrplan zu erarbeiten. Die Projektgruppe ging über eine blosse Harmonisierung der bestehenden Lehrpläne der Kantone hinaus und erarbeitete ein Konzept für einen völlig neuen Lehrplan mit einem neuen Unterrichtsverständnis, der Kompetenzorientierung nach WeinertFranz E. Weinert: Konzepte der Kompetenz. OECD, Paris 1999.
Die Projektgruppe begründete ihre neue Lehrplankonzeption damit, dass sich moderne Bildungssysteme und Lehrpläne an Kompetenzen orientieren würden.
Die Kompetenzorientierung auf der Unterrichtsstufe ist das selbstgesteuerte Lernen, das als kompetenzfördernd bezeichnet wird.Hans-Günter Rolff: Für den konstruktivistischen Unterricht sind selbstgesteuertes Lernen und kooperative Lernformen unabdingbar. Das selbstgesteuerte Lernen nimmt im kompetenzorientierten Unterricht eine wesentliche Rolle ein, denn durch ausschliesslich lehrergesteuerten Unterricht haben die Schüler kaum die Möglichkeit, sich Kompetenzen anzueignen. Rolff (Hrsg.): Handbuch Unterrichtsentwicklung. Beltz Verlag, Weinheim u. Basel 2015, ISBN 978-3-407-83184-2 Nach Weinert umfassen Kompetenzen Fähigkeiten, Fertigkeiten und Wissen, aber auch Bereitschaften, Haltungen und Einstellungen, über die Schüler verfügen müssen, um neuen Anforderungssituationen gewachsen zu sein. Damit sollen Schüler ihr Wissen und ihre Kompetenzen mittels der von der EDK beim HarmoS-Konkordat empfohlenen nationalen oder internationalen Portfolios dokumentieren können.
In der ersten Projektphase wurden die Grundlagen gelegt, welche Begriffe verwendet werden, welche Vorstellungen mit diesen Begriffen verbunden sind, und wie der gemeinsame Lehrplan konzeptionell aufgebaut ist und wie er erarbeitet werden soll. Anstelle der bisherigen Jahrgangsziele, wurden die 11 Schuljahre in drei Zyklen eingeteilt. Der Kindergarten kommt mit der ersten und zweiten Klasse der Primarschule in den 1. Zyklus. Der 2. Zyklus umfasst die dritten bis sechsten Schuljahre der Primarschule und der 3. Zyklus die drei Schuljahre der Sekundarstufe I. Damit bilden die ersten 8 Schuljahre die Primarstufe (inkl. Kindergarten), während die Schuljahre 9–11 zur Sekundarstufe I gehören. Die bisherigen Einzelfächer wurden in Fachbereichen (Sammelfächern) zusammengefasst. Für jeden Fachbereich wurden Kompetenzen beschrieben, die nach einem Kompetenzaufbauschema in vier Stufen gegliedert wurden.
Im März 2010 verabschiedete die Plenarversammlung der D-EDK die 40-seitigen «Grundlagen für den Lehrplan 21» und das Projektmandat für das Erarbeitungsprojekt des Lehrplans 21. (PDF)
Lehrplan 21 Im Oktober 2010 begann die Erarbeitung des Lehrplans anhand der «Grundlagen für den Lehrplan 21» (konzeptioneller Aufbau und wie er erarbeitet werden soll). Gleichzeitig nahmen die Fachbereichteams, welche die Lehrpläne für die einzelnen Fachbereiche erarbeiteten, ihre Arbeit auf. Der Aufbau des Lehrplans soll Schülern ermöglichen, überprüfbares Wissen und Fähigkeiten zu erwerben, die sie in unterschiedlichen Situationen anwenden und umsetzen können. Mindestansprüche (nationale Bildungsstandards) sollen festgelegt und darauf aufbauend weiterführende Ziele formuliert werden. Er soll leistungsorientiert und verbindlich festlegen, was die Schüler am Ende der 2., 6. und 9. Klasse wissen und können sollen.
2013 wurde die 2. Version der Lehrplanvorlage mit 557 Seiten, 453 Kompetenzen und 3123 Kompetenzstufen veröffentlicht und in die Konsultation gegeben. Die geäusserte Kritik zum Lehrplanentwurf betrafen den Umfang und Detaillierungsgrad sowie teilweise die Höhe der Anforderungen. Aufgrund der Kritik wurde der Lehrplan um 20 % gekürzt sowie Kompetenzen weniger kleinschrittig beschrieben. Neu umfasst er 470 Seiten, 363 Kompetenzen und 2304 Kompetenzstufen. Zur Einführung des Lehrplans musste abgeklärt werden, welche Lehrbücher mit der Kompetenzorientierung bereits kompatibel waren (Beispiel: Die Sprachstarken) und wo von den Verlagen neue Lehrmittel entwickelt werden müssen.
Für die Einführung des Lehrplans 21 sind die Kantone verantwortlich. Bis Ende 2017 hatten 17 Kantone Lehrpläne, die auf dem Lehrplan 21 basieren, beschlossen und veröffentlicht. Bis Schuljahr 2022/23 werden alle Kantone die Einführung des Lehrplans 21 abgeschlossen haben. Die Verfahren dazu sind je nach Rechtslage kantonal verschieden und die Kantone können den Lehrplan 21 dort abändern, wo sie es als nötig und richtig erachten.
Im Oktober 2020 verabschiedete der Bildungsrat des Kantons Basel Landschaft einen von Lehrpersonen erstellten strukturierten und übersichtlichen 7-seitigen Lehrplan mit «Stoffinhalten und Lernzielen» für den Englischunterricht in der Sekundarschule.Kanton Basel Landschaft: Lehrplan mit Stoffinhalten, Themen und Treffpunkten Englisch Sekundarschule, abgerufen am 20. Oktober 2020
Lernziele in Form von Kompetenzen (Auswahl) Schüler können ...
Deutsch (1. Zyklus, D.4.A.1): ... einzelne Laute heraushören, diese den passenden Buchstaben zuordnen und einzelne Wörter lautgetreu verschriften. Mathematik (1. Zyklus, MA.1.A.3.b): ... auf den nächsten 10er ergänzen. Mathematik (2. Zyklus, MA.1.A.3.f): ... Grundoperationen mit dem Rechner ausführen.
Beurteilung von Kompetenzen Die Noten orientieren sich in der Regel am Erreichen der Lernziele. Die zu erreichenden Ziele werden im Lehrplan 21 in Form von Kompetenzen definiert. Die geltenden Definitionen der Notenskala sind je nach Kanton unterschiedlich. Der Lehrplan 21 regelt die Form der Leistungsbeurteilung nicht, Noten sind bei ihm auch möglich.
Kompetenz ist nicht einfach sichtbar und kann nur aus der Art, wie die Aufgaben gelöst werden, beziehungsweise von der PerformanzPerformanz ist ein Begriff aus der Psychologie und beschreibt das in einer konkreten Situation gezeigte Verhalten oder die manifest erbrachte Leistung abgeleitet werden. Die Kompetenzbeschreibungen sollen die Beurteilung des Leistungsstands der Schüler erleichtern. Mit Hilfe von Beurteilungsblättern soll die Herleitung der Gesamtbeurteilung im Zeugnis für Schüler und Eltern nachvollziehbar gestaltet werden können. Die Ableitung der Zeugnisnoten aus den Prädikaten der Beurteilungsblätter bleibt ein Ermessensentscheid und kann nicht arithmetisch ermittelt werden.
Ob die Schüler die Grundansprüche oder weitere Kompetenzstufen des jeweiligen Zyklus erfüllen, kann erst am Ende eines Zyklus beurteilt werden, da der Lehrplan 21 die Grundansprüche nicht für jedes Schuljahr definiert.D-EDK: Beurteilen. Fachbericht der Arbeitsgruppe der Kommission Volksschule
Die Pisa-Aufgaben 2018 sind zu rund 80 Prozent mit den Lesekompetenzen des Lehrplans 21 kongruent. Bei Pisa 2018 liegen 24 Prozent (Pisa 2015: 20 Prozent) der getesteten Schweizer Schulabgänger unterhalb des Niveaus 2 (sechsteiliger Kompetenzniveau-Raster), zusammen mit denjenigen mit Niveau 2 sind es 47 Prozent.
Öffentliche Debatte
Befürworter Die Volksinitiativen würden das Bildungsangebot einschränken. Ein Kanton, der den Lehrplan 21 ablehnen würde, wäre landesweit isoliert. Mit dem Lehrplan 21 werde auf die Entwicklungen seit dem letzten Lehrplan reagiert. Bei Annahme der Volksinitiative mit dem Lehrplan 21 müsse man zurück auf Feld 1, deshalb sollte ein erfolgreiches System nicht geändert werden. Der Lehrplan werde aufgrund pädagogischer Grundsätze und Richtlinien erarbeitet. Die bereits in den Lehrplan 21 investierten Millionenbeträge würden verloren gehen.