Bonbaden ist ein Ortsteil der mittelhessischen Stadt Braunfels im mittelhessischen Lahn-Dill-Kreis.
Geographie Geographische Lage mini|Solmsbach mit Pegel
Bonbaden liegt eingebettet im Solmsbachtal, das in Nord-Süd-Richtung verläuft. Im Ort mündet von Osten der Hainbach, der bei Laufdorf entspringt, in den Solmsbach. Bonbaden gehört zum östlichen Hintertaunus und bildet die westliche Grenze des Wetzlarer Hintertaunus. Umgeben ist das Dorf von mehreren Waldgebieten, nur im Süd- und Nordosten liegen mehrere Felder, die heute landwirtschaftlich genutzt werden. Des Weiteren liegt Bonbaden am nördlichen Rand des Naturparks Taunus. Die nächste große Stadt ist Wetzlar.
Geologie In der Gegend um Bonbaden befinden sich vor allem Sedimentgesteine wie Grauwacken aus dem Devon und Karbon. Während des Devons bedeckte ein nahe am Äquator gelegenes tropisches Meer den Ort. Durch den aktiven Vulkanismus wird das Gebiet von Diabas- und Erzvorkommen geprägt. Zum Ende des Devon schloss sich das Meer zwischen den Kontinenten Gondwana und Laurussia, woraus beim Zusammenstoß das Variszische Gebirge entstand. Dieses ist Grundlage der heutigen europäischen Mittelgebirge und erstreckte sich auch über das damals noch mit Europa verbundene Nordamerika. Der dadurch vorkommende Schiefer diente häufig als Material für Fassadenverkleidungen und Dächer, was an einigen Häusern in Bonbaden heute noch zu sehen ist. Das Material jüngerer Zeitalter wurde durch die Auffaltung, bei der Entstehung des Gebirges, fast gänzlich abgetragen.
Die wenigen Fossilien, welche sich finden lassen, sich meist maritime, versteinerte Trilobiten. Nach einer Kollision der afrikanischen mit der europäischen Platte in der Erdneuzeit kam es neben der Bildung der Alpen in Mitteleuropa erneut zum Vulkanismus. Aus dieser Zeit stammen basaltische Magmaformationen wie der Burgberg von Braunfels und der Stoppelberg in Wetzlar. Eine weitere Auswirkung ist das Vorkommen von Mineralwässern, beispielsweise in Schwalbach. Aus dem Pleistozän sind Löß und Lößlehm vorhanden.
Quelle:Dorfchronik/1.1 Geologie unser Heimat, S. 1–3
Geschichte mini|Urkunde 3139 Lorscher Codex
Historische Namensformen In erhaltenen Urkunden wurde Bonbaden unter den folgenden Ortsnamen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung): Banamaden, in villa (772/3) [2. Hälfte XII Jh., Codex Laureshamensis III, Nr. 3139 = 3687c] Banemaden, in villa (772/3) [2. Hälfte XII Jh., Codex Laureshamensis III, Nr. 3139 = 3687c] Banamatha, in villa (778) [2. Hälfte XII Jh., Codex Laureshamensis III, Nr. 2999 = 3697] Banamada, in villa (778) [2. Hälfte XII Jh., Codex Laureshamensis III, Nr. 2999 = 3697] Banamada, in loco (779–790) [2. Hälfte XII Jh., Codex Laureshamensis III, Nr. 3063 = 3699a] Banamaden, in villa (779–790) [2. Hälfte XII Jh., Codex Laureshamensis III, Nr. 3063 = 3699a] Banamaden, in villa (779–790) [2. Hälfte XII Jh., Codex Laureshamensis III, Nr. 3140 = 3706c] Banamaden, in (779–790) [2. Hälfte XII Jh., Codex Laureshamensis III, Nr. 3140 = 3706c] Banamaden, in villa (790) [2. Hälfte XII Jh., Codex Laureshamensis III, Nr. 3138 = 3710 b] Banemaden, in (790) [2. Hälfte XII Jh., Codex Laureshamensis III, Nr. 3138 = 3710 b] Bombaden [Karte des Kreises Wetzlar]
Von den Anfängen bis zur Gebietsreform in Hessen Die Besiedlung von Bonbaden ist bis in die Latènezeit zurückzuführen, als die Westhänge am Solmsbach als Ackerterrassen genutzt wurden.
Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung von Bonbaden erfolgte als Banamaden im Jahr 772 und Banamatha 778 im Lorscher Codex. Damit zählt Bonbaden zu den ältesten Siedlungen im Altkreis Wetzlar. Der Ort lag in der nachkarolingischen Zeit an einer bedeutenden Furt der „Strata publica“, die Wetzlar mit Weilburg verband.
Aufgrund der Überbevölkerung im Reich wanderten viele Bürger nach Russland aus. Am 21. Juli 1766 immigrierten auch 17 Bonbadener, 6 Erwachsene und 11 Kinder. Im Jahr 1804 emigrierten 17 weitere Bürger in die USA. 1852 folgten acht Bonbadener, elf Bürger mit Ziel New York, im Jahr 1853 und 1854 nochmals vier Personen.Dorfchronik/12.2 Auswanderungen an die Wolga und in die USA, S. 452–467
Bonbaden gehörte zur Grafschaft Solms und kam deshalb zu Beginn des 19. Jahrhunderts unter preußische Herrschaft, wo es der Amtsbürgermeisterei Braunfels unterstellt wurde. Ab 1841 wurde Bonbaden durch die Amtsbürgermeisterei Schöffengrund verwaltet. Im Jahr 1961 schloss die Gemeinde Bonbaden eine Gemeindepartnerschaft mit Rohrmoos-Untertal (Steiermark).
Seit der Gebietsreform Im Zuge der Gebietsreform in Hessen fusionierten zum 31. Dezember 1971 bis dahin selbstständige Gemeinden Bonbaden, Neukirchen und Tiefenbach sowie die Stadt Braunfels auf freiwilliger Basis zur erweiterten Stadt Braunfels. Alle eingegliederten Gemeinden und die Kernstadt wurden Stadtteile. Für alle Stadtteile wurde je ein Ortsbezirke per Hauptsatzung gebildet.
Im August 1981 überflutete ein Sommerhochwasser des Solmsbaches den Ort und richtete schwere Schäden an. Heftige Gewitterniederschläge nach einer langen Trockenperiode hatten den Pegel Bonbaden am 11. August 1981 auf den bisherigen Höchststand von 2,75 Metern klettern lassen., abgerufen am 14. Februar 2009, abgerufen am 14. Februar 2009
Jüdische Gemeinde Nachweislich lebten seit dem 17. Jahrhundert jüdische Bewohner in Bonbaden. Im Dorf existierten dennoch keine religiösen Bauwerke, wie ein Friedhof oder eine Synagoge. Die Bonbadener Juden gingen in die Synagoge nach Braunfels und wurden in Burgsolms bestattet. Die jüdischen Kinder besuchten die Grundschule im Ort. Ab 1853 gehörte Bonbaden als Filialgemeinde zur Jüdischen Gemeinde Wetzlar. Um 1900 lag der Bevölkerungsanteil mit 32 jüdischen Bürgern bei 4,9 %. In der Zeit des Nationalsozialismus flüchteten drei Familien in die USA und eine nach Großbritannien. 12 Juden wurden im Sommer 1942 in Richtung Osten deportiert. Der Transport erfolgte am 12. Juni 1942 vom Bahnhof Wetzlar über Frankfurt am Main in die Vernichtungslager Sobibor und Majdanek. Ein jüdischer Bürger kam mit dem zweiten Transport am 28. August 1942 ins Vernichtungslager Treblinka.Dorfchronik/4.2 Jüdische Bürger in Bonbaden, S. 185–186
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Bonbaden angehört(e):
772/3: Lahngau (in pago Logenouue) 778: Wettereiba, Wanendorfer Mark (in pago Wetdereiba in Wizelere marca) vor 1806: Heiliges Römisches Reich, Fürstentum Solms-Braunfels, Anteil der Grafschaft Solms, Amt Braunfels ab 1806: Herzogtum Nassau,Mediatisierung infolge der Rheinbundakte. Amt Braunfels1815: Abtrennung der Justiz (standesherrliches Justizamt Braunfels). ab 1816: Königreich Preußen,Infolge der Beschlüsse des Wiener Kongresses. Provinz Großherzogtum Niederrhein, Regierungsbezirk Koblenz, Kreis Braunfels ab 1822: Königreich Preußen, Rheinprovinz, Regierungsbezirk Koblenz, Kreis Wetzlar1848: Endgültige Trennung zwischen Justiz (Kreisgericht Wetzlar) und Verwaltung. ab 1866: Norddeutscher Bund,Der Norddeutsche Bund war der erste deutsche Bundesstaat unter der Führung Preußens. Er war die geschichtliche Vorstufe des Deutschen Reichs. Königreich Preußen, Rheinprovinz, Regierungsbezirk Koblenz, Kreis Wetzlar ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Rheinprovinz, Regierungsbezirk Koblenz, Kreis Wetzlar ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Freistaat Preußen, Rheinprovinz, Regierungsbezirk Koblenz, Kreis Wetzlar ab 1932: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Wetzlar ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Nassau, Kreis Wetzlar ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Wetzlar ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Wetzlar ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Wetzlar ab 1968: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Wetzlar ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Wetzlar, Stadt BraunfelsAm 31. Dezember 1971 als Ortsbezirk zur Stadt Braunfels. ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Lahn-Dill-Kreis, Stadt Braunfels ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Lahn-Dill-Kreis, Stadt Braunfels
Bevölkerung Einwohnerentwicklung
Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Bonbaden 1467 Einwohner. Darunter waren 54 (3,7 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 246 Einwohner unter 18 Jahren, 591 zwischen 18 und 49, 312 zwischen 50 und 64 und 315 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 639 Haushalten. Davon waren 198 Singlehaushalte, 186 Paare ohne Kinder und 183 Paare mit Kindern, sowie 57 Alleinerziehende und 15 Wohngemeinschaften. In 144 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 414 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Historische Religionszugehörigkeit 1834: 355 evangelische (= 95,9 %), 15 jüdische (= 4,1 %) Einwohner 1961: 953 evangelische (= 69,9 %), 402 katholische (= 29,5 %) Einwohner
Politik Ortsbeirat Für Bonbaden besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Bonbaden) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus fünf Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 47,57 %. Dabei wurden gewählt: drei Mitglieder der CDU und zwei Mitglieder der SPD. Der Ortsbeirat wählte Siegbert Bender (CDU) zum Ortsvorsteher.
Wappen Am 23. Oktober 1968 wurde der Gemeinde Bonbaden im damaligen Landkreis Wetzlar durch den Hessischen Minister des Innern ein Wappen mit folgender Blasonierung verliehen: In Blau zwischen goldenem Hammer mit Schlegel und einem goldenen Stern ein silberner Schrägbalken, belegt mit drei blauen Rauten.
Das Gemeindewappen von Bonbaden geht auf Johann von Banewaden zurück. Der Wetzlarer Bürger und Schöffe siegelte im Dezember 1432 eine Urkunde mit seinem Wappen.Dorfchronik/1.8 Abwanderung nach Wetzlar: „Stadtluft macht frei“, S. 35
Kultur und Sehenswürdigkeiten Vereine Im Ort wird ein sehr aktives Vereinsleben geführt. Größter Sportverein ist der TuS Bonbaden, gefolgt vom TC Bonbaden. Dieser besteht seit dem 24. November 1977 und verfügt heute über eine Dreiplatzanlage und 166 aktive Mitglieder.Dorfchronik/15.13 Der Tennisclub Bonbaden
Regelmäßige Veranstaltungen Kulturelles Highlight ist die Freilichtbühne Bonbaden, auf der im Sommer jährlich zwei Theaterstücke für Kinder sowie ein Abendstück für Erwachsene aufgeführt werden. Sie entstand 1951/1952 auf einer aufgefüllten Grubenhalde am westlichen Ortsrand.
Bauwerke
Evangelische Kirche
Die evangelische Kirche wurde wohl um das Jahr 1000 erbaut und liegt auf einem kleinen Hügel am nördlichen Rand des Ortes. Sie wurde als Wehrkirche mit einem vermutlich spätromanischen Chorturm und Krüppelwalmdach errichtet. An der Ostwand im Innenraum befindet sich die barocke Kanzel sowie die 1891 geschaffene Orgel aus Möttau. Die Nordwand des Chors verfügt sowohl über spätromanische als auch spätgotische Wandmalereien mit Heiligen, die erst 1986 bei der jüngsten Renovierung nach dem Abtragen einer 3 cm dicken Putzschicht entdeckt wurden. Auch vier Glasmalereien der Evangelisten sind noch erhalten. Diese wurden von Albert Hoffmann als Dank für die liebevolle Grabpflege für seinen Vater der Kirchengemeinde Bonbaden gestiftet.Dorfchronik/2.1 Die alter Dorfkirche von Bonbaden, S. 59–63
Bonbadener Fachwerk