Hermann Ludwig Gelder (* 6. Januar 1866 in Rotenburg a. d. Fulda; † 9. März 1947 in Berlin) war ein deutscher Apotheker, Pharmaziehistoriker und Graphiksammler.Gelder, Hermann. In: Wolfgang-Hagen Hein, Holm-Dietmar Schwarz (Hrsg.): Deutsche Apotheker-Biographie, Band 1: A–L. (= Veröffentlichungen der Internationalen Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie. Band 43). Stuttgart 1975, ISBN 3-8047-0518-9, S. 197 f.

Leben Hermann Ludwig Gelder war zweites von fünf Kindern des Brauereibesitzers Johannes Gelder und dessen Ehefrau Lisette, Tochter des Rittergutspächters Heinrich Christoph Flentje auf Weidelshof bei Naumburg in Hessen. Er wurde 1872 in die katholische Volksschule eingeschult und besuchte von 1875 bis 1879 die höhere Bürgerschule Rotenburgs a. d. Fulda. Anschließend setzte er seine Schulausbildung auf dem Gymnasium in Fulda fort. Einer seiner Mitschüler und Schulfreunde war der spätere Zoologe Ludwig Kathariner, mit dem ihn besonders die Angelfischerei verband. Zur Freizeitgestaltung zählte weiter das Anlegen eines Herbariums. Über der Botanik hinaus galten seine Interessen der Heraldik und der Genealogie. Zum Vorbild für seinen Berufswunsch wurde dem Gymnasiasten ein Bruder seiner Mutter, der Apotheker Flentje. Gelder verließ 1884 das Gymnasium und begann seine pharmazeutische Lehrzeit in der „Altstädter Apotheke“ seiner Geburtsstadt.Hermann L. Gelder: Biographie und Schriften. Berlin 1931, S. 4 (8 S., 1. Porträt des Autors). Er setzte die Lehre in der Apotheke im hessischen Felsberg fort und legte die Gehilfenprüfung 1887 in Kassel ab. In der Folgezeit arbeitete er als Gehilfe in mehreren Apotheken: in der Neustädter Apotheke in Rotenburg a. F. und der Löwen-Apotheke im westfälischen Münster. Er konditioniertevon konditionieren, „in Diensten stehen“ laut J. C. Heyse’s Fremdwörterbuch, Hannover/Leipzig 1903, S. 450. als Apothekergehilfe weiter in Norden (Ostfriesland) sowie im brandenburgischen Kremmen und in Groß Schneen. Nach Beendigung seiner „Wanderjahre“ erfüllte Gelder eine einjährige Militärdienstpflicht bei der Marine in Kiel. Er wurde 1890 auf die Bayern kommandiert und begleitete an deren Bord die kaiserliche Staatsjacht Hohenzollern in die norwegischen Fjord- und Küstenlandschaften auf ihrer zweiten Nordlandreise mit Wilhelm II. an Bord.Lebenslauf des Apothekers Hermann Ludwig Gelder. In: Hermann L. Gelder: Biographie und Schriften. [Berlin] 1931; . Als Wilhelm II. am 10. August 1890, einen Tag nach der offiziellen Übergabe Helgolands, die Insel besuchte, war Matrose Gelder als Militärdienstpflichtiger dabei.

Studium Ab dem Wintersemester 1890 bis zum Sommersemester 1892 studierte Hermann L. Gelder an der Philipps-Universität Marburg. Er schloss sich dort einer pharmazeutisch-naturwissenschaftlichen Studentenverbindung an und war noch Anfang der 1930er Jahre als Alter Herr Mitglied der Landsmannschaft Hasso-Guestfalia im Korporationsverband Deutsche Landsmannschaft. Zu Gelders Hochschullehrern in Marburg zählten die Professoren für Pharmazie und Chemie Ernst Schmidt (1845–1921), zugleich Direktor des Pharmazeutischen Instituts, und der Botaniker Arthur Meyer (1850–1922)Lebenslauf Meyer, Arthur in Professorenkatalog der Philipps-Universität Marburg sowie der Physiker und Astronom Franz Melde (1832–1901), deren Lebenswege Gelder 1931 in pharmaziegeschichtlichen Beiträgen für die Apotheker-Zeitung würdigte.G. E. Dann, H. Gelder, Adlung: Hervorragende Apotheker des 19. Jahrhunderts. In: Apotheker-Zeitung, 1931 Nr. 52, S. 821 (Marburg II) und Nr. 53, S. 837 (Marburg III).

Apotheker und Geneologe Nach bestandenem Staatsexamen 1892 übernahm Gelder unmittelbar die Verwaltung der Apotheke im niedersächsischen Groß Schneen, wo er bereits vor seinem Pharmaziestudium für einige Zeit tätig war. Der von ihm in Erwägung gezogene Kauf kam nicht zustande. Es zog ihn weiter in mehrere Apotheken, hauptsächlich in die Städte Bremen, Hannover, Hanau, Potsdam, Itzehoe und Höchst am Main. Als er im Jahre 1901 für das „Genealogische Handbuch bürgerlicher Familien“, seine Forschungsergebnisse zum Stammbaum der Familie vom BergGenealogisches Handbuch bürgerlicher Familien. Hrsg. Bernhard Koerner mit Zeichnungen von Prof. Ad. M. Hildebrandt, Berlin 1901, Band 8, S. 8 ff. in Verbindung mit S. 583 (Rubrik: Einsender). aus Urdenbach vorlegte, verwaltete er in Lägerdorf (Holstein) die „vom Berg’sche Apotheke“.

Apothekenbesitzer in Berlin Im Jahre 1902 verlegte Gelder seinen Wohnsitz nach Berlin, wo er schon Jahre zuvor den Besitzer der Apotheke zur Sonne, den promovierten Pharmazeuten Carl Baetcke,Chemische Dissertation an der Universität Freiburg im Breisgau DNB-Portal 1879 und Vorsitzender des Berliner Apotheker-Vereins von 1892 bis 1901; Hermann Gelder: Aus der älteren Geschichte des Berliner Apotheker-Vereins. In: Apotheker Zeitung. Organ des Deutschen Apotheker-Vereins. 40. Jahrgang. Nr. 8 vom 28. Januar 1928 S. (80–81) 81. beruflich unterstützte. Er arbeitete nun u. a. in der damaligen Wilmersdorfer Dr. Oehmigen’s Apotheke, der Charlottenburger Uhland-Apotheke, Apothekenbesitzer Julius Mehler, und der Moabiter Ludwigs-Apotheke, Inhaber Rudolf Ludwig. Gelder erhielt 1912 die Konzession zur Errichtung einer Apotheke im Berliner Norden. Unter dem Namen Wichert-Apotheke eröffnete Gelder am 6. Mai 1913 in einem Mietshaus im heutigen Stadtbezirk Berlin-Pankow seine eigene Offizin-Apotheke.Wichertstraße 66 / Ecke Greifenhagener Straße im damaligen Berliner Postamtsbezirk N 113. Dort betätigte er sich nebenberuflich mit der Pharmaziegeschichte als Autor, Referent und Sammler, besonders von Kleingrafiken sowie Apothekerbildnissen.A. Adlung, G. Urdang: Grundriß der Geschichte der deutschen Pharmazie. Berlin 1935, S. 407; [Digitaler Reprint] ISBN 978-3-642-52555-1. Hermann Gelder heiratete am 4. Juni 1919 in St. Hedwig zu Berlin die Gutsbesitzertochter Magdalena Valeska Julie v. Zelewski, welche in Neustadt Westpreußen geboren war. Gelder war MitbegründerAndreas Winkler: Die Gründungszeit der „Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie“, dargestellt an Briefen ihrer Gründungsmitglieder. In: Geschichte der Pharmazie. , Deutscher Apotheker Verlag Stuttgart 54. Jahrgang, März 2002, S. 13–15. der Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie am 18. August 1926 und wurde zunächst 2. Vorsitzender und nach einer Satzungsänderung stellvertretender Vorsitzender dieser internationalen Gesellschaft und blieb auch später korrespondierendes Mitglied. Am 1. Juni 1933 übernahm er in Berlin-Schöneberg die Freya-Apotheke. Die behördliche Konzession zur Fortführung der ehemaligen Gelderschen Wichert-Apotheke erhielt der Apotheker Hermann Kaul aus Sorau N./L. und eröffnete diese in der Berliner Wichertstraße am 7. Januar 1934 wieder.Pharmazeutische Zeitung.79. Jahrgang, Nr. 4 vom 13. Januar 1934, S. 39.

Bibliothek Gelder besaß eine umfangreiche Büchersammlung. Der inhaltliche Schwerpunkt seiner Bibliothek lag auf Fachliteratur zum Apothekenwesen, darunter Schriften aus seiner in Berlin begonnenen Autorentätigkeit als Pharmaziehistoriker. Aus seinem Standardwerk „Zur Geschichte der privilegierten Apotheken Berlins“ wird auch in neueren Veröffentlichungen zu früheren Apothekenbesitzern Berlins vielfach zitiert.Beispielsweise von Georg Schwedt: Vom Harz nach Berlin Martin Heinrich Klaproth, Norderstedt 2016, ISBN 978-3-8370-4507-9, S. 39.

Exlibris Als Eigentumsnachweis für Bücher seiner privaten Bibliothek ließ Gelder in kleinformatigem Privatdruck Exlibris herstellen. Er hatte sich von verschiedenen Künstlern die Bucheignerzeichen gestalten lassen, so von dem Kunstgewerbezeichner Oskar Julius Roick (1870–1926) und dem Heraldiker Adolf Matthias Hildebrandt (1844–1918).Gezeichnet und signiert im Bucheignerzeichen rechts unten durch Hildebrandt-Berlin. 1899; Online Abgerufen am 23. Januar 2018. Dieses Exlibris wird detailliert von Apotheker und Sammler Bernhard Peter mit Quellenangabe beschrieben.Bernhard Peter: Heraldik, Wappen, Exlibris. Exlibris von A. Hildebrandt. Außerdem entwarf der Münchner Grafiker und Heraldiker Lorenz Max Rheude (1863–1939) ein Exlibris für Gelder im Jahre 1900. Ein weiterer Exlibris-Künstler, den Gelder beauftragte, war der Schweizer Alfred Soder (1880–1957). Er gestaltete das Buchzeichen: „Liegender weiblicher Akt in Landschaft“.Objektdatenbank des „Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig“, Im Jahre 1908 kam noch ein weiteres Exlibris für Gelder hinzu. Entworfen wurde dieses Buchbesitzzeichen von dem nordböhmischen Künstler und Glasmaler Heinrich Schimpke, der im damaligen Tanneberg/Blottendorf wirkte.Jetzt Jedličná, ein tschechisches Dorf, heute zu Polevsko (deutsch Blottendorf) gehörend Dieses inhaltsreiche Exlibris enthielt den Hinweis des Eigners: „Aus der Bücherei des Hermann Ludwig Gelder“ in Frakturschrift, deren Hauptwörter durch Initialbuchstaben verziert wurden.Abbildung in Walther Zimmermann: Exlibris (Bucheignerzeichen) Deutscher Apotheker. Nachdruck der Ausgabe von 1925, ISBN 978-3-500-24810-3, S. 44. Ein anderes Exlibris für Gelders Fachbücher gestaltete Lorenz M. Rheude (1863–1939) nach einem alten Holzschnitt von Jost Amman, dem der Künstler das Geldersche Apothekerwappen und sein lateinisches Motto PERSEVERANDO ET SPERANDO hinzufügte.Wolfgang Hagen Hein, Albert Borchardt, Albert: Apotheker-Exlibris aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, 1997, S. 25 u. 30; ISBN 3-7741-0643-6, S. 25 u. 30. Das Berufsexlibris zeigt eine geöffnete Offizin und den arbeitenden Pharmazeuten sowie zwei Besucher mit Hund. Den Abschluss dieses Buchzeichens bildet der Eigentumsvermerk: „Hermann Gelder Apotheker gehoert dies Buch“.Abbildung Abgerufen am 25. Januar 2018.

Sammler Die Sammelleidenschaft und Interessengebiete Gelders wurden vom Buchzeichengestalter Schimpke-Blottendorf auf den abgebildeten Buchrücken im Exlibris von 1908 zu erkennen gegeben.Abbildung: Sammlung Pratt Institute Ex Libris, Ident-Nr. sc00853. Der Apotheker hatte persönliche Vorlieben für die Siegelkunde, die so genannte Sphragistik, den Angelsport und besonders für die Pharmaziegeschichte. Das Symbol für den pharmazeutischen Beruf, den Äskulapstab, krönte der lateinische Sinnspruch „Perseverando et sperando“.So viel wie „Ausharren und hoffen!“ Das Exlibris enthielt den Hinweis des Eigners: „Aus der Bücherei des Hermann Ludwig Gelder“ in Frakturschrift, deren Hauptwörter durch Initialbuchstaben verziert wurden. Neben ein mit Bändern verschließbarem Album und der auf dem Buchdeckel erkennbaren Aufschrift „(ex-)libris“ liegt eine Petschaft. Den unteren Bereich des Exlibris ziert ein zweiter Ehrenkranz. Er ist geschmückt mit dem Monogramm für Hermann Ludwig Gelder sowie dem Ausrufezeichen („!“). Als Untergrund für die drei kunstvoll gestalteten Buchstaben verwendete Heinrich Schimpke die damalige deutsche Nationalflagge. Den Blickfang für den Betrachter bildete das Wappen des Apothekers, das der Heraldiker Schimpke ebenso gestaltete wie Hildebrandt. Es zeigte u. a. je eine entgegengesetzt übereinander waagerecht gelegte Apothekerwaren-Schaufel, ähnlich einem Apothekerlöffel. Gelder besaß eine Exlibrissammlung von über 5000 Stück.Walther Zimmermann: Exlibris deutscher Apotheker. Stuttgart 1925, S. 43.

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