Die Ampezzaner Dolomiten () sind eine Untergruppe der Dolomiten in Italien. Sie befinden sich in der italienischen Region Venetien. Teile der Ampezzaner Dolomiten gehören als Teil der von der UNESCO unter „Nördliche Dolomiten“ zusammengefassten Dolomitengruppen seit 2009 zum UNESCO-Welterbe Dolomiten. Die Abgrenzung und die zu den Ampezzaner Dolomiten zählenden Berggruppen werden in der Literatur unterschiedlich behandelt.
Geographie Lage Die Gebirgsgruppe liegt in der Provinz Belluno im oberen Valle del Boite und erstreckt sich um den Talkessel von Cortina d’Ampezzo, auch als Ampezzaner Becken bezeichnet.
Abgrenzung Die Abgrenzung der Ampezzaner Dolomiten folgt der unter anderem nach SOIUSA vorgeschlagenen Untergliederung der Gruppe.Sergio Marazzi: Atlante orografico delle Alpi. SOUISA: Suddivisione orografica internazionale unificata del Sistema Alpino. S. 282. Im Osten grenzt der Übergang Col Sant’Angelo am Misurinasee, der das Val d’Ansiei mit dem Val Popena und dem Höhlensteintal verbindet die Ampezzaner Dolomiten von den Sextner Dolomiten ab. Im Norden bildet der Pass Im Gemärk die Grenze zu den Pragser Dolomiten.Antonio Berti: Dolomiti orientali: Volume 1 - Parte 1º. S. 526. Nordwestlich grenzt die Gruppe im Val Travenanzes und der Forcella Bois sowie am westlich davon gelegenen Passo di Falzarego zur Fanesgruppe, die nach SOIUSA zu den östlichen Gadertaler Dolomiten zählt.
Im Südwesten bildet das Val Fiorentina mit dem gleichnamigen Torrente die Grenze zur Civettagruppe und den Zoldiner Dolomiten. Die östlich davon gelegene Forcella Forada und der nach Osten über das Val Forada in den Boite abfließende Rio Orsolina stellen die Grenze zum Monte Pelmo dar. Auf der gegenüberliegenden Ostseite des Valle del Boite bildet die Forcella Grande und das vom Übergang in Richtung Osten in das Val d’Ansiei verlaufende Val di San Vito die Grenze zu den südlich davon gelegenen Cadorischen Dolomiten.
Administrativ teilen sich die Ampezzaner Dolomiten auf die fünf Belluneser Gemeinden Auronzo di Cadore, Colle Santa Lucia, Cortina d’Ampezzo, Livinallongo del Col di Lana und San Vito di Cadore auf. Ein kleiner im Nordosten gelegener Teil in der Cristallogruppe gehört zur Südtiroler Gemeinde Toblach.
Gliederung Die Ampezzaner Dolomiten setzen sich aus mehreren Berggruppen zusammen. Die Zuordnung der Gruppen ist dabei nicht einheitlich. In der Alpenvereinseinteilung der Ostalpen (AVE) werden offiziell keine Untergruppen der Dolomiten unterschieden. In einigen Fällen, insbesondere in der deutschsprachigen Literatur, wird auch der Antelao zu den Ampezzaner Dolomiten gezählt, zugleich aber die nördlich des Antelao gelegene Marmarole-Gruppe nicht dazu gezählt. Nach SOIUSA und de Battaglia – Marisaldi gehören beide zu den Cadorischen Dolomiten.Franco de Battaglia, Luciano Marisaldi: Enciclopedia delle Dolomiti. S. 108. Auch Avoscan und Francescon zählen weder Antelao noch Marmarole zu den Ampezzaner Dolomiten.Carlo Avoscan, Fabrizio Francescon (Hrsg.): Rifugi della provincia di Belluno. Cenni storici, accessi, traversate, ascensioni alla ricerca delle creature più belle delle Dolomiti. S. 148. Die höchste Erhebung ist je nach Abgrenzung die Tofana di Mezzo mit oder der Antelao mit
Einhellig werden folgende sechs Gruppen den Ampezzaner Dolomiten zugeordnet. Nach SOIUSA lassen sich diese noch in östliche und westliche Ampezzaner Dolomiten untergliedern, je nachdem, ob sie östlich oder westlich des Flusses Boite liegen.
Cristallogruppe Die Cristallogruppe liegt nordöstlich von Cortina d’Ampezzo und gehört zu den östlichen Ampezzaner Dolomiten. Sie grenzt im Norden an die Pragser und im Osten an die Sextner Dolomiten.
Sorapissgruppe Östlich von Cortina und südlich der Cristallogruppe gelegen und Teil der östlichen Ampezzaner Dolomiten. Die Sorapiss-Gruppe grenzt im Süden an die Cadorischen und im Osten an die Sextner Dolomiten.
Pomagagnongruppe Nördlich von Cortina zwischen Cristallogruppe im Osten und Boite im Westen gelegen. Die Pomagagnongruppe, auch Pomagagnonzug, wird zum Teil auch als Untergruppe der Cristallogruppe angesehen.
mini|zentriert|hochkant=3|Das Ampezzaner Becken im Val del Boite vom Monte Nuvolau. Links wolkenverhüllt die Tofane, davor die Cinque Torre. Links der Bildmitte der Pomagagnonzug und die Cristallogruppe, rechts davon der Sorapiss und davor die Croda-da-Lago-Gruppe
Tofane Westlich des Boite und nordwestlich von Cortina gelegen. Die Tofane werden im Westen vom Val Travenanzes von der Fanesgruppe abgegrenzt.
Nuvolaugruppe Südwestlich von Cortina und südlich der Tofane gelegen. Die Nuvolaugruppe grenzt im Nordwesten und Westen an die Fanesgruppe sowie im Südwesten an die Marmolatagruppe.
Croda-da-Lago-Gruppe Südlich von Cortina gelegene Gruppe. Die Croda-da-Lago-Gruppe grenzt im Nordwesten am Passo di Giau an die Nuvolaugruppe und südlich an den Monte Pelmo. Im Osten grenzt das Boitetal die Gruppe vom Sorapiss und im Südosten vom Antelao ab.
Gipfel Tofana di Mezzo, – Tofane Monte Cristallo, – Cristallogruppe Punta Sorapiss, – Sorapissgruppe Cima d’Ambrizzola, – Croda-da-Lago-Gruppe Monte Averau, – Nuvolaugruppe Pomagagnon, – Pomagagnongruppe
Gewässer Flüsse Die Ampezzaner Dolomiten liegen zum größten Teil im Einzugsgebiet des Piave. Lediglich der zwischen den Wasserscheiden Im Gemärk und Col Sant’Angelo gelegene nordöstliche Bereich mit der Nord- und Ostseite der Cristallogruppe entwässert über Zuflüsse der Rienz in die Etsch. Der Großteil der Gruppe entwässert über den Boite, einem linken Zufluss des Piave. Die Nuvolaugruppe und die Croda-da-Lago-Gruppe zum Teil auch über den Cordevole und die Cristallogruppe teilweise über den Ansiei, der ebenfalls ein linker Nebenfluss des Piave ist.
Seen In den Ampezzaner Dolomiten gibt es zahlreiche kleinere Bergseen. Über 1900 m Höhe finden sich sieben, darunter zehn Seen. Daneben gibt es noch eine unzählige Anzahl von Feuchtgebieten, in denen sich nach der Schneeschmelze und nach längeren Regenperioden oder stärkeren Regenfällen Wasserflächen bilden, die in Trockenperioden wieder verschwinden. Der größte See, der vollständig in den Ampezzaner Dolomiten liegt, ist der Lago di Federa in der Croda-da-Lago-Gruppe mit einer Fläche von etwa 3,4 ha. Der zweitgrößte der Lago di Sorapiss mit einer Fläche von etwas mehr als 3 ha. Am Col Sant’Angelo an der Grenze zwischen den Ampezzaner Dolomiten und den Sextner Dolomiten liegt der Misurinasee mit einer Fläche von 14 ha.
Gletscher Im Kataster der italienischen Gletscher sind 2016 für den Bereich der Ampezzaner Dolomiten insgesamt zwölf kleinere Gletscher oder gletscherähnliche Flächen ausgewiesen. Diese verteilen sich auf die drei Gruppen Cristallo (drei Gletscher), Tofane (vier Gletscher) und Sorapiss (fünf Gletscher). Die drei Gletscherflächen des Antelao sind unter dem nach SOUISA aufgegliederten Ampezzaner Dolomiten nicht erwähnt. Der größte Gletscher ist der Cristallo-Gletscher, der 2009 eine Fläche von 24 ha besaß. Im Vergleich zum vorherigen, in den 1960er Jahren erstellten Kataster hat sich die Anzahl der Gletscher in den oben genannten Gruppen sogar erhöht, da sich einige größere Gletscher aufgeteilt haben und keine durchgehende Gletscherfläche mehr bilden. Insgesamt ist die Gletscherfläche in den Ampezzaner Dolomiten seit den 1960er Jahren in der Cristallo-Gruppe und in den Tofanen um 34 %, im Sorapiss um 28 % zurückgegangen.Claudio Smiraglia, Guglielmina Diolaiuti (Hrsg.): Il nuovo catasto dei ghiacciai italiani. S. 303–327.
Natur Flora Die unterschiedlichen Vegetationsstufen der Ampezzaner Dolomiten, die von der nivalen Hochgebirgsstufe bis zur Montanstufe reichen, bilden den Lebensraum für etwa 1160 Arten von Gefäßpflanzen. Den größten Anteil haben die Blütenpflanzen mit über 1000 Arten, wovon um die 150 in Venetien oder Italien auf der roten Liste stehen. Zahlreiche Arten stehen unter Schutz, darunter allein 35 Orchideengewächse, wie der Gelbe Frauenschuh.
Die alpinen Hochwälder weisen teilweise einen jahrhundertealten Baumbestand an Zirbelkiefern und Lärchen auf, wobei einzelne Bäume sogar über 500 Jahre alt sind. Einige Waldflächen, die sich im Gemeinschaftsbesitz der Regole befinden, werden seit 300 Jahren nicht bewirtschaftet. In den tieferen Lagen finden sich Mischwälder mit Weißtannen und Buchen.
Bergwiesen und alpine Matten sind der Lebensraum für einige seltene Pflanzen, wie dem Kärntner Tauernblümchen oder dem Berg-Pippau. Auf Feuchtwiesen kommen der Große Wiesenknopf und das Nordische Labkraut vor, die in Venetien lange Zeit als ausgestorben galten. Anzutreffen sind auch die seltene Einknollige Honigorchis und die Sibirische Schwertlilie.
Da im letzteiszeitlichen Maximum die Hochlagen der Ampezzaner Dolomiten eisfrei blieben, finden sich hier einige geobotanische Reliktarten wie das Dolomiten-Felsenblümchen oder Facchinis Steinbrech, der in Venetien nur in den westlichen Ampezzaner Dolomiten in den Tofane vorkommt.Michele Da Pozzo, Carlo Argenti, Cesare Lasen: Atlante floristico delle Dolomiti d’Ampezzo: specie notevoli, valori ecologici e fitogeografici. S. 205.
Fauna Trotz anthropogener Einflüsse bedingt durch die touristische Bedeutung und Erschließung der Ampezzaner Dolomiten, kann die Gruppe aufgrund der vielen unterschiedlichen Habitate eine reichhaltige und vielseitige Fauna aufweisen. Einen bedeutenden Einfluss auf die Erhaltung der Lebensräume übt die seit Jahrhunderten gemeinschaftlich geregelte Nutzung der Weide- und Waldflächen durch die Regole d’Ampezzo.
In den Ampezzaner Dolomiten kommen fast alle in den Alpen vorkommenden Arten vor. Zur Biodiversität tragen 160 Wirbeltierarten bei, darunter 31 Säugetier-, 113 Vögel- sowie 16 auf Amphibien, Reptilien und Fischen aufgeteilte Spezies. Größere Raubtiere, wie der Braunbär, Eurasischer Luchs, Goldschakal oder Greifvögel wie der Bartgeier und Gänsegeier haben sich bislang nur zeitweise in den Ampezzaner Dolomiten aufgehalten.
Zu den besonders schützenswerten Arten, die in den Ampezzaner Dolomiten vorkommen, gehören der in Italien seltene Wachtelkönig und der Baumschläfer.
Schutzgebiete Der nördliche Bereich der Ampezzaner Dolomiten ist Teil des Naturparks Dolomiti d’Ampezzo. Darunter fallen vollständig die Tofane und Teile der Cristallo-Gruppe sowie weitere Gruppen, wie beispielsweise die Fanesgruppe, die nicht zu den Ampezzaner Dolomiten zählen. Seit 2003 ist der Park zusätzlich als Natura-2000-Schutzgebiet ausgewiesen. Im FFH-Gebiet Dolomiti d’Ampezzo (WDPA-ID 555580642) sind auf Basis des Anhang I der FFH-Richtlinie insgesamt 17 Lebensraumtypen verzeichnet. Unter den schützenswerten Vogelarten werden 29 Spezies aufgelistet.
Die Sorapiss-Gruppe bildet mit den Marmarole und dem Antelao das FFH-Gebiet Gruppo Antelao - Marmarole - Sorapis (WDPA-ID 555540205), das in Teilen ebenfalls in die Ampezzaner Dolomiten fällt. In das FFH-Gebiet Monte Pelmo - Mondeval - Formin (WDPA-ID 555528630) fallen Teile der Nuvolau- und der Croda-da-Lago-Gruppe im Südwesten der Ampezzaner Dolomiten.
Tourismus Schutzhütten Rifugio Camillo Giussani, , CAI, Tofane Rifugio Nuvolau, , CAI, Nuvolaugruppe Rifugio Averau, , privat, Nuvolaugruppe Rifugio Capanna Tondi, , privat, Sorapiss Rifugio Scoiattoli, , privat, Nuvolaugruppe Rifugio Son Forca, , privat, Cristallogruppe Rifugio Cinque Torri, , privat, Nuvolaugruppe Rifugio Faloria, , privat, Sorapiss Rifugio Duca d’Aosta, , privat, Tofane Rifugio Croda da Lago, , CAI, Croda-da-Lago-Gruppe Rifugio Dibona, , privat, Tofane Rifugio Vandelli, , CAI, Sorapiss
Biwakhütten Bivacco Baracca degli Alpini, , Tofane Bivacco Slataper, , CAI, Sorapiss Bivacco Comici, , CAI, Sorapiss
Wintersportgebiete