mini|350px|Staaten mit Botschaften in Osttimor mini|350px|Staaten mit diplomatischen Missionen von Osttimor 350px|mini|Staaten mit diplomatischen Beziehungen zu Osttimor
Die Außenpolitik Osttimors wird durch die bilateralen Beziehungen Osttimors mit Staaten auf der ganzen Welt geprägt. Daneben ist Osttimor auch Mitglied in mehreren internationalen Organisationen.
Hintergrund mini|José Ramos-Horta, Außenminister der Exilregierung auf einer Pressekonferenz in Amsterdam (1976) mini|Außenminister Dionísio Babo (links) und Tijjani Muhammad Bande, Präsident der Generalversammlung der Vereinten Nationen aus Nigeria (2019) mini|Blauhelmsoldaten aus Osttimor
Die Außenpolitik begann bereits während des Endes der portugiesischen Kolonialzeit 1975. Aufgrund der indonesischen Bedrohung versuchte die FRETILIN, die größte Partei der Kolonie im Ausland Unterstützung für ihr Ziel der Unabhängigkeit zu finden. Als Indonesien damit begann in das Grenzgebiet verdeckt einzudringen, rief die FRETILIN einseitig die Unabhängigkeit aus. Die Unabhängigkeitserklärung der Demokratischen Republik Osttimor (, ) RDTL wurde von insgesamt nur zwölf Staaten anerkannt, neben den ehemaligen portugiesischen Kolonien Angola, Kap Verde, Guinea-Bissau, Mosambik und São Tomé und Príncipe, auch von der Volksrepublik China (als einzigem ständigen Mitglied des Weltsicherheitsrates), Kuba und Vietnam.Frédéric B. Durand: Three centuries of violence and struggle in East Timor (1726–2008). (PDF; 243 kB) Online Encyclopedia of Mass Violence, (online), 7. Juni 2011, Zugriff am 28. Mai 2012, Portugal, Indonesien, Australien, die Vereinigten Staaten und die Vereinten Nationen verweigerten aber die Anerkennung. Aber auch die indonesische Annexion 1976 wurde nicht akzeptiert. International galt Osttimor weiterhin als „abhängiges Territorium unter portugiesischer Verwaltung“.José Ramos-Horta: Funu – Osttimors Freiheitskampf ist nicht vorbei! Ahriman, Freiburg 1997, ISBN 3-89484-556-2.
Während in Osttimor selbst der bewaffnete Widerstand gegen die Besatzer weiter geführt wurde, versuchten Vertreter der FRETILIN und später der überparteilichen Dachorganisation des Widerstands, der Conselho Nacional de Resistência Timorense (CNRT), eine diplomatische Lösung für den Konflikt zu erreichen. Ab 1976 hatte die FRETILIN mit José Ramos-Horta, der bis 1977 Außenminister der Exilregierung war, auch einen Ständigen Vertreter bei den Vereinten Nationen. Neben kommunistischen Staaten, wie die Volksrepublik China und Kuba, kam Unterstützung vor allem von der römisch-katholischen Kirche, den lusophonen Staaten in Afrika und Portugal, später auch von Irland. Exilpolitiker fanden Zuflucht in Mosambik, Kuba und Europa. Nach dem Papstbesuch 1989, dem Ende des Kalten Krieges und dem Santa-Cruz-Massaker 1991 kam auch vermehrt Unterstützung aus der restlichen Europäischen Union, Australien und den USA. 1996 erhielten der osttimoresische Bischof Carlos Filipe Ximenes Belo und José Ramos-Horta den Friedensnobelpreis.
Nach dem Zusammenbruch der indonesischen Diktatur einigten sich die Vereinten Nationen, Indonesien und Portugal über die Abhaltung eines Unabhängigkeitsreferendum in Osttimor, in dem sich die Bevölkerung klar für die Unabhängigkeit von Indonesien aussprach. Als eine letzte Gewaltwelle durch indonesische Sicherheitskräfte und pro-indonesische Milizen ausbrach, schickten die Vereinten Nationen mit den Internationalen Streitkräften Osttimor (INTERFET) eine von Australien geführte Streitmacht, um wieder für Ordnung zu sorgen. Osttimor kam für drei Jahre unter UN-Verwaltung und wurde am 20. Mai 2002 in die Unabhängigkeit entlassen.
Osttimor nutzt alle Wege für freundschaftliche Beziehungen. Mit der ehemaligen Besatzungsmacht Indonesien hat es sich ausgesöhnt, ebenso mit der Kolonialmacht Portugal. Über die Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder (CPLP) hält Osttimor auch enge Kontakte mit den afrikanischen Mitgliedern, Brasilien und Macau. Portugal dient auch, zusammen mit Irland, als Tor zur Europäischen Union. Seit 2025 ist Osttimor Mitglied des ASEAN. Der katholische Glauben dient als verbindendes Element mit den Philippinen. Die melanesische Kultur einiger Ethnien Osttimors bildet die Grundlage der guten Beziehungen zu Papua-Neuguinea und den Südseestaaten. So bildet Osttimor eine Verbindung zwischen Südostasien, dem Pazifik und den lusophonen Staaten.
In Australien gibt es viel Sympathie, da Osttimoresen bei der Schlacht um Timor auf Seiten der Alliierten kämpften und so eine japanische Invasion Australiens verhinderten. Trotzdem gab es jahrelang Streit über die Grenzziehung in der Timorsee und der Ausbeutung der dortigen Bodenschätze. Auch war Australien das einzige Land weltweit, das de facto die indonesische Annexion von Osttimor anerkannte.
Große Unterstützung erhält Osttimor von Kuba und der Volksrepublik China, während die Vereinigten Staaten ebenfalls enge Beziehungen zu dem südostasiatischen Land pflegen. Weitere wichtige Partner sind Neuseeland, das Vereinigte Königreich, Südkorea und Japan.
Aufgrund seiner langen Geschichte der Fremdherrschaft hat Osttimor besondere Beziehungen zur Westsahara geknüpft und unterstützt sowohl den Kosovo, als auch die Palästinensischen Autonomiegebiete. Als ehemals fragiler Staat engagiert sich Osttimor in einer Führungsposition bei den g7+-Staaten.
Osttimors Außenpolitik folgt dem Prinzip „Viele Freundschaften schließen und Null Feinde“ ().Außenministerium Osttimors: Kuartel Jerál ONU, Nova Iorke 27 Setembru 2019, 27. September 2019, abgerufen am 1. Oktober 2019. Auf diese Weise erreichte das Land auf dem Asia Power Index 2024 des australischen Lowy Institutes Platz 20 im Bereich diplomatischer Einfluss. Insgesamt befand sich das Land auf Platz 25.
Mit der Agência de Cooperação de Timor-Leste (ACTL) koordiniert Osttimor auch seine eigene Entwicklungshilfe für andere Länder. Die ACTL verfügt über die Möglichkeit eigene Vertretungen in Ländern ohne diplomatischen Vertretungen Osttimors zu gründen. Eine dieser „Technischen Vertretungen für Zusammenarbeit“ () befindet sich in Bissau. Guinea-Bissau ist der wichtigste Nutznießer von osttimoresischer Entwicklungshilfe.
mini|Das Außenministerium in Dili Das Außenministerium Osttimors hat seinen Sitz im Stadtteil Fatuhada der Landeshauptstadt Dili.
Beziehungen zu Organisationen ASEAN mini|Außenministerin Magno im ASEAN-Sekretariat zu Gast
Seit dem 26. Oktober 2025 ist Osttimor Mitglied des ASEAN. Ein Großteil der Handelsbeziehungen läuft über die Staaten Südostasiens.Direcção-Geral de Estatística: , abgerufen am 10. Januar 2018.
Nach der Aufnahme in das ASEAN Regional Forum (ARF) im Juli 2005 wurde der Antrag zur Aufnajme in die ASEAN am 28. Juli 2006 in Kuala Lumpur gestellt. In Vorbereitung zum Beitritt hat Osttimor am 14. Januar 2007 einen Vertrag über Freundschaft und Zusammenarbeit mit den ASEAN-Staaten unterzeichnet. Im August 2007 erklärten die ASEAN-Staaten ihre grundsätzliche Bereitschaft, Osttimor aufzunehmen. 2010 wohnte Osttimor als „Sondergast der Präsidentschaft“ den ASEAN-Gipfeltreffen bei. Während Indonesien, Malaysia, Brunei, Thailand, Kambodscha, die Philippinen und Myanmar Osttimor bei seinem Wunsch auf Vollmitgliedschaft unterstützten, wurden hinter vorgehaltener Hand Bedenken geäußert, die ASEAN hätte bereits mit Myanmar genug Probleme. Vor allem Singapur war skeptisch, ob Osttimor einen Beitritt verkraften würde.The Diplomat, 6. Juni 2011, ASEAN Needs Timor-Leste, aufgerufen am 20. Mai 2012.Länderinformationen des Auswärtigen Amtes – Timor-Leste – Außenpolitik: Abschnitt „Beziehungen zu ASEAN“, aufgerufen Dezember 2010. Noch im Mai 2011 bremste Osttimors Premierminister Xanana Gusmão Hoffnungen. Noch fehle es dem Land an den nötigen „Humanressourcen“.idrpress.com: Timor Leste Hopes Enter ASEAN Next Year. 9. Dezember 2010.Independente, 13. Mai 2011, Gusmao recognizes failure to join ASEAN 2022 erklärten die ASEAN, man wolle Osttimor aufnehmen. Premierminister Taur Matan Ruak rechnete mit einer Aufnahme Ende 2023.DW: ASEAN-Staaten wollen Osttimor aufnehmen, 11. November 2022, abgerufen am 10. August 2023. Allerdings erklärte nach einem erneuten Regierungswechsel Premierminister Xanana Gusmão im August 2023, Osttimor werde als demokratischer Staat den ASEAN nicht beitreten, solange Militärregierungen, wie in Myanmar, im Bündnis akzeptiert werden.RTTL: PM Gusmão declares Timor-Leste will not join ASEAN, 6. August 2023, abgerufen am 10. August 2023. Beim folgenden ASEAN-Gipfel ermunterte die ASEAN Osttimor, weiterhin daran zu arbeiten, die Voraussetzungen für einen Beitritt zu erfüllen.Lusa: ASEAN recomenda a Timor-Leste ser criterioso sobre processo de adesão, 6. September 2023, abgerufen am 9. September 2023.
Europäische Union mini|Eine europäische Delegation im osttimoresischen Außenministerium
Die Europäische Union hat einen Delegationsleiter nach Dili entsendet, ebenso hat Osttimor einen Ständigen Vertreter bei der Europäischen Union. Erst als Repräsentant des CNRT, mit der Unabhängigkeit als Vertreter des Staates Osttimor. Staatsbürger Osttimors sind von der Visapflicht für die Schengenstaaten befreit.Eingeführt mit der am 9. Juni 2014 in Kraft getretenen vom 15. Mai 2014. Auch Bürger der Schengenstaaten können nach Osttimor visafrei einreisen.
Die Europäische Union hat für 2008 15 Millionen Euro für die ländliche Entwicklung zugesagt, 2011 startete die EU ein 39-Millionen-Euro-Programm für Osttimor. , aufgerufen am 20. Mai 2012. 2006 waren es bereits 23 Millionen US-Dollar.Loro Horta: „Timor-Leste – The Dragon’s Newest Friend“, 2009 (PDF; 103 kB), aufgerufen am 20. Mai 2012.
2020 vereinbarte die EU eine Zahlung von 5,5 Millionen US-Dollar an Osttimor zur Bewältigung der Folgen des Klimawandels in ländlichen Gebieten.Außenministerium Osttimors: European Union and Timor-Leste sign USD 5.5 million Financing Agreement to help rural communities fight the negative effects of climate change, 24. Januar 2020, abgerufen am 24. Januar 2020.
G7plus mini|Mitgliedsstaaten der g7+
Osttimor gehört zu den Gründungsmitgliedern der g7+-Staaten und nimmt hier eine Führungsrolle ein. Die offizielle Gründung fand am 8. April 2010 in Dili statt. Die Gruppe besteht aus fragilen Staaten, die über die Organisation Erfahrungen austauschen und gemeinsam gegenüber Geberstaaten von Entwicklungshilfe auftreten. Weitere Mitglieder sind unter anderem Afghanistan, Haiti und die Demokratische Republik Kongo.Speech by his excellency the Prime Minister Kay Rala Xanana Gusmão at the opening session of the “g7+” meeting (PDF; 93 kB), aufgerufen am 20. Mai 2012. Die Finanzministerin Osttimors Emília Pires war von 2010 bis 2012 Vorsitzende der g7+.Suara Timor-Lorosa’e auf Timor Lorosae Nação: Due its success of overcoming 2006 crises, TL now chairs G7+ for two years. 12. April 2010. Osttimor gilt hier als gelungenes Beispiel für einen Staat, der wieder stabilisiert wurde. Das g7+-Sekretariat befindet sich in Dili. Generalsekretär der g7+ ist der Osttimorese Hélder da Costa.
Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder mini|Mitgliedsstaaten der CPLP (blau)
Osttimor ist seit 2002 Mitglied bei der CPLP, in der es besonders freundschaftliche Beziehungen mit Angola und Mosambik pflegt, was auch historische Gründe hat. Kap Verde und Guinea-Bissau gewährte Osttimor finanzielle Unterstützung, während Brasilien und Portugal das südostasiatische Land fördern. Von 2014 bis 2016 leitet Osttimor die Gemeinschaft. Seit 2021 leitet der Osttimorese Zacarias da Costa für zwei Jahre die CPLP als Generalsekretär.Tatoli: , abgerufen am 15. Juli 2021.
Vereinte Nationen
Bereits seit 1976 hatte die osttimoresische Exilregierung einen Repräsentanten bei den Vereinten Nationen. Nach Ende der indonesischen Besatzung stand Osttimor bis 2002 drei Jahre lang unter UN-Verwaltung. Leiter war der UN-Sonderbeauftragte für Osttimor. Bis zum 31. Dezember 2012 waren UN-Missionen im Land aktiv.