mini|Ausstellungsplakat 1909–1910 von George Buckup, 1909, Altonaer Museum (Schwarz-Weiß-Abbildung) mini|Ausstellungsplakat 1911 von Carl Becker, Altonaer Museum (Schwarz-Weiß-Abbildung) mini|Ausstellungsplakat 1912 von Carl Rathjen, Altonaer Museum (Schwarz-Weiß-Abbildung) Der Altonaer Künstlerverein (AKV), auch Altonaer Künstler-Verein, wurde 1909 gegründet, war ab 1934 nahezu inaktiv und wurde 1953 aufgelöst. Die zur preußischen Provinz Schleswig-Holstein gehörende Stadt Altona wurde am 1. April 1937 durch das Groß-Hamburg-Gesetz Teil des Landes Hamburg und verlor ihren Status als selbständige Stadt durch ihre Eingemeindung in die Hansestadt Hamburg am 1. April 1938.
Geschichte Wilhelminische Epoche Der Altonaer Künstlerverein wurde in der Wilhelminischen Epoche im Frühjahr 1909 gegründet.Curt Francke, Vorsitzender das Altonaer Künstlervereins in: Eröffnung der schleswig-holstein. Kunstausstellung, Altonaer Nachrichten, Abendausgabe, 25. Mai 1914, S. 1 Am 20. August 1909 war in einem kleinen Vermerk auf Seite 8 der Morgenausgabe der Altonaer Nachrichten zu lesen, dass sich Altonaer Maler, Zeichner, Bildhauer und Architekten zu einem beruflichen Verein mit dem Namen Altonaer Künstlerverein zusammengefunden haben, um ihre künstlerischen und wirtschaftlichen Interessen zu fördern. Die darin genannten 20 Mitglieder waren Wilhelm Battermann, Carl Becker, Georg Bindhardt, George Buckup, Berthold Clauss, Bertha Dörflein (Dörflein-Kahlke), Carl Ehrich, Curt Francke, August Henneberger, Hans Kolitz, Jacob Mittelsdorf, Adolf Möller, Martha Nopitsch, Fritz (Carlos Friedrich) Peters-Weber, Carl Rathjen, Rudolf Schäfer, Oskar Schwindrazheim, Otto Stichling, Hermann Stuhr und der Direktor des Altonaer Museums Otto Lehmann.Altonaer Künstlerverein, Altonaer Nachrichten, 20. August 1909, S. 8 Carl Rathjen wurde einstimmig zum Präsidenten des Vereins gewählt, lehnte aber die Wahl ab.Carl Rathjens 80. Geburtstag, Altonaer Nachrichten, 11. Dezember 1935, S. 5 Die erste Ausstellung des Vereins fand im Altonaer Museum vom 5. Dezember 1909 bis zum 5. Januar 1910 statt. George Buckup entwarf das Ausstellungsplakat. Es zeigt ein Paar, ein Bild betrachtend, in einer Bekleidung, wie sie bis ca. 1870 modern war, die Dame in Krinoline und Schute mit Boa und Sonnenschirm, der Herr im Frack mit Vatermörder, Halstuch, Zylinder und Spazierstock.
Die erste Mitgliederliste wurde im Januar 1910 verfasst.Axel Feuß: Altonaer Künstlerverein 1905–1939, S. 42, Anmerkung 11. Dort ist erwähnt, dass die im Buch oft genannte erste, 1910 entstandene Mitgliederliste im Januar entstand. Sie befindet sich heute im Bestand des Altonaer Museums, wie auch unter anderem das von 1913 bis 1939 geführte Protokollbuch des Vereins. Ende Januar oder Anfang Februar 1911 wurde eine Generalversammlung abgehalten, in der Wilhelm Battermann, Carl Becker, Georg Bindhardt, Curt Francke und Fritz Peters-Weber in den Vorstand gewählt wurden. Zudem wurde für die Ausstellung im März 1911 im Altonaer Museum die Ausstellungs- und Hängekommission gewählt, die aus Wilhelm Battermann, Carl Becker, Georg Bindhardt, Curt Francke und Carl Rathjen bestand. Bezüglich des Ausstellungsplakats entschied man sich für einen Entwurf von Carl Becker.Der „Altonaer Künstler-Verein“ hielt unlängst eine Generalversammlung ab, Altonaer Nachrichten, Morgenausgabe, 3. Februar 1911, S. 5 Um den Künstlern die Ausstellung zu ermöglichen, spendete das Altonaische Unterstützungsinstitut im Vorfeld der Ausstellung zweimal 1000 Mark.Axel Feuß: Altonaer Künstlerverein 1905–1939, S. 17 Anfang April 1911 verlobte sich Berthold Clauss mit Erna Mittelsdorf, der Tochter von Jacob Mittelsdorf und dessen Frau Marta, geborene Schmogrow.Bekanntmachung der Verlobung, Altonaer Nachrichten, Morgenausgabe, 13. April 1911, S. 4
Am 7. Dezember 1911 erwarb die Stadt Altona für 800.000 Mark das Donner’sche Schloss der 1909 verstorbenen Helene Donner mit dem dazugehörigen Park, dem heutigen Donners Park, um es für kulturelle Veranstaltungen zu nutzen. Vom 21. Mai bis zum 23. Juni 1912 fand dort eine Doppelausstellung statt, die einerseits eine Ausstellung von Kunst und kunstgewerblichen Gegenständen aus altonaischem Privatbesitz war und andererseits eine Ausstellung des Altonaer Künstlervereins. Die Ausstellung mit Gegenständen aus altonaischem Privatbesitz umfasste über 1600 Ausstellungsstücke. Unter dem Privatbesitz befanden sich auch Werke von aktuellen und späteren Mitgliedern des Altonaer Künstlervereins. Die meisten Kunstwerke waren von Altonaer und Hamburger Künstlern. Viele waren lebende oder verstorbene Mitglieder des Hamburger Künstlervereins, wie auch der 1897 verstorbene Altonaer Maler Louis Gurlitt, der mit ca. 176 Werken am besten auf der Ausstellung vertreten war. Zudem wurden eine Marmorbüste von Christian Behrens und ein Ölporträt von Carl Rahl ausgestellt, die Louis Gurlitt darstellten. An der Ausstellung des Altonaer Künstlervereins beteiligten sich 15 Mitglieder mit 122 Werken. aus Altonaischem Privatbesitz und des Altonaer Künstler-Vereins im Donnerschen Schloß, Altona, 1912, S. 4, 12–75, 80–83 Im Gesamtausschuss der Ausstellung saßen der Oberbürgermeister Bernhard Schnackenburg, zwei Senatoren und einige wichtige Persönlichkeiten der Stadt Altona, der Direktor des Altonaer Museums Otto Lehmann sowie die fünf Vereinsmitglieder Carl Becker, Albrecht Burchard, Jacob Mittelsdorf, Oskar Schwindrazheim und der Vereinsvorsitzende Carl Rathjen. Otto Lehmann war zudem der Vorsitzende des Arbeiterausschusses, dem unter anderen auch die fünf Vereinsmitglieder angehörten, von denen wiederum Jacob Mittelsdorf der stellvertretende Vorsitzende des Arbeiterausschusses war.Ausstellung von Kunstwerken aus Altonaischem Privatbesitz im Donner’schen Schloss, Altonaer Nachrichten, Morgenausgabe, 14. April 1912, S. 4 Für die Plakatgestaltung sorgte der Künstlerverein, der innerhalb des Vereins einen Wettbewerb veranstaltete. Den ausgelobten Preis von 80 Mark gewann Carl Rathjen für seinen Entwurf.Axel Feuß: Altonaer Künstlerverein 1905–1939, S. 18, 43, Anmerkung 33 Bildhauer und Gründungsmitglied Otto Stichling beteiligte sich nicht an der Ausstellung, er starb vor ihr am 28. April 1912 im Sanatorium von Lankwitz.Berlin, 29. April. Der bekannte Bildhauer Prof. Stichling..., Altonaer Nachrichten, Abendausgabe, 29. April 1912, S. 3
Von Anfang an versuchte der Verein der Öffentlichkeit ein Bild einer geschlossen auftretenden Künstlerschaft zu vermitteln und die Künstler als sozial notwendiges Instrument der Stadt Altona im Bewusstsein der Öffentlichkeit zu verankern. In einem Brief an den Magistrat drückte der Vereinsvorsitzende Curt Francke 1913 den Wunsch des Vereins aus, mit den städtischen Behörden enger zusammenzuarbeiten. Francke schlug ihm die Einrichtung eines Altonaer Kulturfonds vor, der sich nur die lokalen Kunstinteressen und Künstler nutzbar machen solle. Zwei Wochen später teilte der Magistrat ihm in der Antwort mit, dass er den Wünschen der Künstler wohlwollend gegenüberstehe und der Verein bei einer zu errichtenden Brunnenanlage im Isebektal beratend zugezogen werde. Nach einem Gespräch mit dem Oberbürgermeister Schnackenburg berichtete Franke in der Vereinssitzung vom 18. März 1913, dass der Magistrat der Schaffung eines städtischen Kunstfonds sympathisch gegenüberstehe. Eine weitere Beteiligung des Vereins an kommunalen Aktivitäten bot sich für das 1914 bevorstehende 250-jährige Stadtjubiläum an, das in Form einer Gartenbauausstellung gewürdigt werden sollte.
Bereits im Februar 1913 wurde von der inzwischen verheirateten Bertha Dörflein-Kahlke der Wunsch der Schleswig-Holsteinischen Kunstgenossenschaft herangetragen, anlässlich des Stadtjubiläums eine Gemeinschaftsausstellung mit dem Altonaer Künstlerverein zu veranstalten, was jedoch der Selbstdarstellung und den eigennützigen Bestrebungen des Vereins entgegenstand und abgelehnt wurde. In einer Unterredung im November zwischen den Mitgliedern Wilhelm Battermann und Friedrich Mißfeldt, der auch der 1. Vorsitzende der Schleswig-Holsteinischen Kunstgenossenschaft war, wurde das Thema erneut diskutiert. Am 5. Dezember fand eine Generalversammlung des Künstlervereins statt, an der auch Friedrich Mißfeldt und Fritz Stoltenberg in ihrer Funktion als Vorstandsmitglieder der Schleswig-Holsteinischen Kunstgenossenschaft teilnahmen. Curt Francke berichtete, dass dem Verein an der Fischers Allee ein Grundstück für den Bau eines eigenen Ausstellungsgebäudes zur Verfügung stehe. Die Kosten für das Gebäude würden sich auf 15.000 Mark belaufen, die durch geringe Beiträge aus den beiden Vereins- und Genossenschaftsvermögen, durch Eintrittsgelder, Postkartenverkauf, Verlosungen und eine öffentliche Ausgabe von 150 Anteilscheinen zu je 100 Mark gedeckt werden können. Den Ausführungen Franckes folgte die Zustimmung der Mitglieder. Bereits auf der Versammlung wurden Anteile für 1400 Mark ausgegeben und erworben. Es wurde eine Finanzkommission gebildet, die aus dem außerordentlichen (fördernden) Mitglied und Maschinenfabrikanten Carl Menck (Mitinhaber von Menck & Hambrock, Sohn von Johannes Menck) sowie den ordentlichen (künstlerisch tätigen) Mitgliedern Wilhelm Battermann, Albrecht Burchardt und Hans Kolitz (Sohn von Louis Kolitz) bestand. Die Kommission hatte unter anderem die Aufgabe, wohlhabende und kunstliebende Kreise, Vereine, Banken, das Königliche Commerz-Collegium, das Altonaische Unterstützungsinstitut und Zeitungen unter anderen für das Ausstellungsprojekt als Förderer zu gewinnen. Innerhalb weniger Tage wurden bereits 10.000 Mark zusammengetragen.Axel Feuß: Altonaer Künstlerverein 1905–1939, S. 18–20 Am 23. Dezember 1913 verstarb das Gründungsmitglied Jacob Mittelsdorf.† Professor Mittelsdorf, Altonaer Nachrichten, Morgenausgabe, 25. Dezember 1913, S. 2Ueber Leben und Wirken von Professor Mittelsdorf, Altonaer Nachrichten, Abendausgabe, 30. Dezember 1913, S. 2