mini|Vandenbroucke im Trikot von Acqua & Sapone
Frank Vandenbroucke (* 6. November 1974 in Mouscron, Belgien; † 12. Oktober 2009 in Saly Portudal, Petite-Côte, Senegal) war ein belgischer Radrennfahrer. Gegen Ende der 1990er Jahre war er eine der schillerndsten Figuren der Radsportszene.
Karriere Kindheit und Juniorenkarriere (1974–1992) Im Alter von vier Jahren wurde Vandenbroucke als Zuschauer bei einer Rallye-Veranstaltung von einem der Teilnehmer mit dem Auto angefahren. Als Folge daraus musste er sich im Verlauf seiner Karriere vier Knieoperationen unterziehen, die ihn immer wieder zurückwarfen. Bevor er jedoch den Radsport für sich entdeckte, versuchte er sein Glück zunächst in der Leichtathletik und wurde dort 1986 belgischer Schülermeister. Nachdem er im Jahr 1989 eine Radsport-Lizenz beantragt hatte, gelang ihm noch im selben Jahr der erste Sieg bei einem Rennen in Brakel. Zwei Jahre später, im Alter von 17 Jahren, sicherte sich Vandenbroucke seinen bis dahin größten Erfolg mit dem Gewinn der belgischen Meisterschaft in der Debütanten-Kategorie und ein Jahr später gelang ihm beim Straßenrennen der UCI-Straßen-Weltmeisterschaften der Junioren in Athen der Gewinn der Bronzemedaille.frankvdbroucke.be, , abgerufen am 2. März 2014
Aufstieg (1993–1998) Nach seiner sehr erfolgreichen Zeit im Juniorenbereich begann Vandenbroucke seine Profikarriere im Jahr 1993, im Alter von 19 Jahren, beim Radsportteam Lotto-Caloi, wo sein Onkel Jean-Luc Vandenbroucke als Sportlicher Direktor und sein Vater als Mechaniker tätig waren. In seinem ersten Jahr startete Vandenbroucke noch als Stagiaire, ehe er 1994 einen Profi-Vertrag erhielt. Experten verglichen ihn zu dieser Zeit mit der Radsport-Legende Eddy Merckx, da er, wie Merckx, die Fähigkeiten hatte, sowohl Eintagesrennen als auch mehrtägige Etappenrennen zu gewinnen.
Im Frühjahr der Saison 1995 wechselte er zu einer der zu dieser Zeit erfolgreichsten Mannschaften überhaupt. In Patrick Lefeveres italienischer Mapei-Équipe fasste Vandenbroucke schnell Fuß und konnte in seinem ersten Jahr gleich den prestigeträchtigen Halbklassiker Paris–Brüssel gewinnen. Im nächsten Jahr gelangen Vandenbroucke Gesamtsiege bei den Etappenrennen Mittelmeer- und Österreich-Rundfahrt inklusive mehrerer Etappensiege. Zudem konnte er auch den Grand Prix Ouest France und den Scheldeprijs gewinnen. Auch im darauffolgenden Jahr feierte er Siege bei Rund um Köln und der Luxemburg-Rundfahrt. 1998 gelang Vandenbroucke dann der große Durchbruch. Er siegte beim Halbklassiker Gent–Wevelgem und gewann die Etappenrennen Paris–Nizza und Tour de la Région Wallonne mit jeweils zwei Etappensiegen in überzeugender Manier.radsportnews.net, Gent–Wevelgem: Sieg für Lokalmatador Frank Vandenbrouckeradsportnews.net, Frank Vandenbroucke der „Patron“ von Paris-Nizza 1998
Karrierehöhepunkt (1999) Zu Beginn der Saison 1999 verließ Vandenbroucke das Mapei-Team um seine Landsleute Patrick Lefevere und Johan Museeuw und wechselte zur französischen Équipe Cofidis.radsportnews.net, Vandenbroucke wechselt zu Cofidis und wird der „natürliche Teamkapitän“ Im Frühjahr siegte er neben kleineren Rennen wie dem GP d’Ouverture La Marseillaiseradsportnews.net, Vandenbroucke beginnt seine Saison mit einem Sieg, Voigt im Sprint geschlagen und Omloop Het Volk,radsportnews.net, Eindrucksvoller Frank Vandenbroucke gewinnt „Het Volk“ – Eine belgische Angelegenheit… in überlegener Manier bei Lüttich–Bastogne–Lüttich, dem ältesten Radklassiker. Vor dem Rennen hatte Vandenbroucke sogar den Ort seiner rennentscheidenden Attacke im Fernsehen preisgegeben.radsportnews.net, Triumphaler Empfang für Frank Vandenbrouckeradsportnews.net, Vandenbroucke besteht seine Meisterprüfung Im Jahr 2009 gab der Belgier in einem Interview bekannt, dass er sich vor diesem Sieg mit dem Blutdopingmittel EPO gedopt hatte. Gleichzeitig bezeichnete er Fahrer, die neue Dopingprodukte ausprobierten, als „Pioniere“. Auch er wäre gern ein solcher gewesen.radsport-news.com, Vandenbroucke wäre gern Doping-„Pionier“ gewesen
Nur wenige Wochen später schrieb Vandenbroucke erstmals seit langer Zeit wieder negative Schlagzeilen. Durch seine Kontakte zu Bernard Sainz, der in den französischen Dopingskandal verwickelt schien, der im Rahmen der Tour de France aufgedeckt worden war, geriet der Belgier ebenfalls ins Blickfeld der französischen Ermittler.radsportnews.net, Französische Radprofis unter Anklage wegen illegalem Doping-Handel Zwar gab Vandenbroucke zu, dass ihm Sainz unbekannte Präparate verabreicht hatte, doch Doping konnte ihm nicht nachgewiesen werden.radsportnews.net, Frank Vandenbroucke von Doping-Verdacht befreit Sein Team war aber bereits auf Distanz zu ihm gegangen und suspendierte ihn für einige Monate.radsportnews.net, Cofidis suspendiert Frank Vandenbroucke und Phillippe Gaumontradsportnews.net, Frank Vandenbroucke voll rehabilitiert – Cofidis hebt Suspendierung auf Bei der Vuelta a España gewann er zwei Etappen und die Punktewertung. Er beendete die Saison aufgrund der Frühjahrsergebnisse auf dem dritten Platz der Gesamtwertung des Radsport-Weltcups.
Abstieg auf Raten (2000–2007) Im Winter 1999/2000 folgte dann eine Posse um Vandenbrouckes Vertrag bei Cofidis. Zuerst hatte Vandenbroucke im Dezember 1999 die Vertragsauflösung mit seinem Team verkündet, da er sich aufgrund der unbegründeten Suspendierung respektlos behandelt fühlte.radsportnews.net, Vandenbroucke bleibt bei Cofidisradsportnews.net, Frank Vandenbroucke verlässt Cofidisradsportnews.net, Weiteres Rätselraten um Vandenbrouckes Zukunft Im Januar 2000 nahm er diese aber zurück, da er kein neues Team gefunden hatte, das ihm ein höheres Gehalt zahlen wollte. Sein bis Ende 2001 laufender Vertrag wurde bei gleichbleibenden finanziellen Bezügen um ein Jahr verkürzt.radsportnews.net, Kein neues Team gefundenradsportnews.net, Cofidis setzt Vandenbroucke unter Druckradsportnews.net, VDB ist „sehr zufrieden“ über neuen, alten Vertrag Vandenbroucke sagt alle Klassiker-Starts ab
In der Saison 2000 erlangte Vandenbroucke, der unter starken Depressionen litt, zumeist nur durch Rennabsagen Aufmerksamkeit.radsportnews.net, Frank Vandenbroucke leidet an Depressionenradsportnews.net, Vandenbroucke sagt alle Klassiker-Starts ab
Trotzdem verpflichtete ihn das italienische Team Lampre-Daikin zur Saison 2001 für ein Jahr.radsportnews.net, Lampre verpflichtet Frank Vandenbroucke Der erste Comebackversuch wurde immer wieder hinausgezögert und verschoben, und als es bei der Baskenland-Rundfahrt im April 2001 endlich so weit war, stieg Vandenbroucke vorzeitig aus dem Rennen aus.radsportnews.net, Frank Vandenbroucke wagt sich in die „Hölle“ Dies sollte zugleich der letzte Rennauftritt des Belgiers für Lampre sein. Nach einem Nervenzusammenbruch im Sommer und der Erklärung, nie mehr für Lampre zu fahren, waren auch die Verantwortlichen des Teams mit ihrer Geduld am Ende.radsportnews.net, Vandenbroucke fährt 2001 keine Rennen mehrradsportnews.net, Steht Vandenbroucke vor Rauswurf bei Lampre?radsportnews.net, Vandenbroucke offenbar von Lampre entlassenradsportnews.net, Lampre droht Vandenbroucke offen mit Entlassung
2002 nahm ihn dann sein alter Mentor Patrick Lefevere im Team Domo-Farm Frites wieder unter seine Fittiche.radsportnews.net, Vandenbrouckes Unterschrift bei Domo Formsacheradsportnews.net, Vandenbroucke: „Meine letzte Chance“ Dort war Vandenbroucke auch wieder mit Johan Museeuw vereint und alles schien, als könne er an die vorangegangenen Erfolge anknüpfen. Ende Februar wurde Vandenbroucke jedoch fristlos entlassen, da sein Arzt Bernard Sainz aufgrund des Mitführen von Dopingprodukten in seinem PKW verhaftet wurde und angab, auch bei Vandenbroucke gewesen zu sein.radsportnews.net, Vandenbroucke in neuen Dopingskandal verwickeltradsportnews.net, Kometenhafter Aufstieg und ein Abstieg auf Ratenradsportnews.net, Domo-Teamchef fiel „aus allen Wolken“ Im März wurde Vandenbroucke, nach einer nur 45-minütigen Anhörung, von der UCI für sechs Monate wegen des Besitzes von Dopingpräparaten gesperrt, behauptete aber, dass das gefundene Clenbuterol für seinen Hund und das gefundene EPO „aus einer anderen Zeit seines Lebens“ gewesen seien.radsportnews.net, „Clenbuterol für den Hund, EPO aus anderer Zeit“radsportnews.net, Vandenbroucke für sechs Monate gesperrt Einen positiven Dopingtest gab es jedoch nicht, woraufhin Vandenbroucke Einspruch gegen die Sperre einlegte.radsportnews.net, „Mabuse“-Patient Vandenbroucke nicht positivradsportnews.net, Vandenbroucke ruft Sportgericht TAS an Trotzdem musste der gebürtige Wallone sein Comeback abermals verschieben, obwohl nach seiner Kündigung bereits einige Teams Interesse bekundet hatten.radsportnews.net, Marlux und Collstrop wollen Vandenbroucke Im Juni wurde die verhängte Sperre dann wegen eines Formfehlers aufgehoben und sein Comeback wurde für August angekündigt.radsportnews.net, Vandenbroucke darf wieder Rennen fahrenradsportnews.net, Vandenbroucke: Comeback im August Allerdings wurde Vandenbroucke im Juli von den flämischen Behörden mit einer 18-monatigen Dopingsperre, davon zwölf auf Bewährung, belegt, die allerdings nur für die belgische Region Flandern galt.radsportnews.net, Vandenbroucke nun doch wegen Dopings gesperrt Ende Juli feierte Vandenbroucke sein Comeback bei Domo-Farm Frites, die ihn wieder eingestellt hatten.radsportnews.net, Vandenbroucke wieder bei Domo
Zur Saison 2003 wechselte der Belgier zusammen mit Lefevere erneut das Team und wechselte zu Quick Step-Davitamon. Zwei Tage vor Ablauf der Sperre untersagten ihm die flämischen Behörden die Strecken von Omloop Het Volk und der Flandern-Rundfahrt gemeinsam mit seinen Teamkollegen abzufahren, da die Sperre nicht nur eine Teilnahme an Wettkämpfen, sondern auch ein Verbot von organisierten Gruppenaktivitäten beinhaltete.radsportnews.net, Vandenbroucke darf nicht trainieren in Flandern Die Flandern-Rundfahrt beendete er als Zweiter hinter Peter Van Petegem, den er an den letzten Anstiegen versucht hatte abzuhängen, da er wusste, dass er im Schlusssprint gegen ihn keine Chance hatte.radsportnews.net, „Jetzt glaube ich wieder an großen Klassikersieg“ Im Oktober gab Vandenbroucke dann überraschend die Trennung von Quick Step bekannt, da er sich mit seinem Sportlichen Leiter Patrick Lefevere, der ihn wegen seiner Zufriedenheit nach dem zweiten Platz bei der Flandern-Rundfahrt kritisiert hatte, überworfen hatte.radsportnews.net, Vandenbroucke verläßt Quick Step