Lobendorf, , ist ein bewohnter Gemeindeteil der Stadt Vetschau/Spreewald im Landkreis Oberspreewald-Lausitz in Brandenburg. Vom 1. Januar 1925 bis zum 30. Dezember 2001 war Lobendorf ein Ortsteil der damals eigenständigen Gemeinde Repten.
Lage Lobendorf liegt südlich des Spreewaldes in der Niederlausitz, rund anderthalb Kilometer südlich von Vetschau. Umliegende Ortschaften sind Vetschau im Norden, Eichow im Osten, Tornitz im Südosten, Repten im Südwesten und die Brandtemühle im Westen. Lobendorf zählt zum amtlichen Siedlungsgebiet der Sorben/Wenden in Brandenburg.
Durch Lobendorf führt die Kreisstraße 6623 von Vetschau nach Wüstenhain. Die Landesstraße 525 (Ogrosen–Vetschau) ist etwa einen Kilometer von Lobendorf entfernt. Die Bundesautobahn 15 befindet sich unmittelbar nördlich des Ortes, die Anschlussstelle Vetschau liegt zwei Kilometer nordwestlich.
Geschichte Lobendorf wurde erstmals am 1. Dezember 1450 als Lobindorff erstmals urkundlich erwähnt.Rudolf Lehmann: Historisches Ortslexikon für die Niederlausitz. Band 1: Die Kreise Luckau, Lübben und Calau. Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2011, ISBN 978-3-941919-89-1, S. 318f. Der Ortsname geht möglicherweise auf das niedersorbische Wort „łoboda“ zurück und bezieht sich somit auf die Pflanzenart der Meldengewächse, eine weitere Deutung lässt auch eine Ableitung von einem ebenfalls „Łoboda“ lautenden Personennamen zu.Ernst Eichler: Die Ortsnamen der Niederlausitz. VEB Domowina-Verlag, Bautzen 1975, S. 74. 1527 wurde der Name erstmals mit der heutigen Schreibweise genannt, der sorbische Ortsname lautete 1761 Lobozice und 1843 Łoboźice.
mini|Gutshaus Lobendorf mini|Ansicht der Gutsanlage Bei seiner Ersterwähnung gehörte der Ort mitsamt Gutshof der Familie von Zabeltitz. Lobendorf gehörte zum Markgraftum Niederlausitz und kam im Jahr 1635 zum Kurfürstentum Sachsen. Östlich des Ortes verlief damals die Grenze zum Kurfürstentum Brandenburg. Im Jahr 1708 lebten vier Kossäten und ein Büdner in Lobendorf, im Jahr 1718 waren es drei Kossäten, die eine Schatzung von 250 Gulden zu entrichten hatten. Im Jahr 1755 zählte Lobendorf 36 Einwohner. Im 18. Jahrhundert ließen die damaligen Gutsbesitzer das Herrenhaus Lobendorf errichten. Vor 1790 hieß der Gutsbesitzer Peter König, seine Söhne, auch Johann Georg auf Lobendorf, wurden als von König geadelt. Die Söhne des Johann Georg von König und seiner Frau Johanna Christine Müller wurden alle zwischen 1782 und 1789 in Lobendorf geboren, wählten aber den Offiziersberuf.Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Briefadeligen Häuser. 1907. Erster Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1906, S. 412 f.
Das Kurfürstentum Sachsen wurde 1806 zum Königreich Sachsen erhoben, nach der auf dem Wiener Kongress beschlossenen Teilung Sachsens kam Lobendorf zum Königreich Preußen. Bei der Gebietsreform von 1816 wurde der Ort dem Landkreis Calau in der Provinz Brandenburg zugeordnet.
Im Jahr 1818 zählte Lobendorf 71 Einwohner in dreizehn Wohngebäuden, es gab eine Schäferei und eine Ziegelei. Bei der Volkszählung am 1. Dezember 1871 hatten die Landgemeinde und der Gutsbezirk Lobendorf zusammen 97 Einwohner in 21 Haushalten. Von den Einwohnern waren 46 Männer und 51 Frauen; 21 Einwohner waren jünger als zehn Jahre und alle Einwohner waren evangelisch-lutherischer Konfession.Königliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke des Preußischen Staats und ihre Bevölkerung. Teil II: Provinz Brandenburg, Berlin 1873, 210–217. Eingepfarrt war Lobendorf seit jeher in die Landkirchengemeinde Vetschau.
Mitte des 19. Jahrhunderts trug die Familie von Rabenau, vertreten zunächst durch August Ferdinand von Rabenau-Repten (1748–1813), folgend später sein Enkel, der Leutnant Herrmann Karl von Rabenau, die örtliche Gutsinhaberschaft.Karl Friedrich Rauer (Hrsg.): Alphabetischer Nachweis (Adressbuch) des in den Preussischen Staaten mit Rittergütern angesessenen Adels. Selbstverlag, Berlin 1857, S. 178. Nach den vorherigen mehrfachen Besitzerwechseln ging das kreistagsfähige Rittergut schließlich an die Familie von Leszczyński, an den Offizier Paul von Leszczynski, verheiratet mit Hedwig von Winterfeld-Nieden. Gut Lobendorf, 373 ha, war zusammen mit dem Gut in Repten, 471 ha, ein Gesamtkomplex.Vgl. Reprint: ISBN 3-226-00787-4. In den Jahren um 1914 verpachteVgl. Ernst Seyfert: Güter-Adreßbuch für die Provinz Brandenburg. . Verzeichnis sämtlicher Rittergüter, Güter und Höfe über 20 ha. Nach amtlichen Angaben. Handbuch der Königlichen Behörden. In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band VII, 2. Auflage, Reichenbach’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1914, S. 230–231. der General das Gut an seinen Schwiegersohn, den Politiker Wolfgang Gans zu Putlitz (1857–1931). Seit 1918 besaß die Tochter des Generals, Hedwig Freifrau Gans zu Putlitz geb. von Leszczynski (1872–1938), die Güter in Lobtendorf und Repten.Vgl. Ernst Seyfert, Hans Wehner, Alexander Haußknecht, Ludwig Hogrefe: Landwirtschaftliches Adreßbuch der Rittergüter, Güter und Höfe der Provinz Brandenburg. . Verzeichnis sämtlicher Rittergüter, Güter und Höfe von ca. 20 ha aufwärts, Mit Unterstützung von Staats- und Kommunalbehörden, sowie des Brandenburgischen Landbundes zu Berlin, sowie der Kreislandbünde. Nach amtlichen Quellen und auf Grund direkter Angaben bearbeitet. in: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band VII, 4. Auflage, (Letzte Ausgabe-Paul Niekammer-Reihe), Verlag Niekammer’s Adreßbüchern GmbH, Leipzig 1929, S. 193. Sie lebte zumeist auf dem Gut ihres Mannes in Pommern, in Barskewitz.
Die Erbin verkaufte das Gut in den 1930er-Jahren an eine Familie Lonke. Das Gutshaus wurde Mitte der 1990er Jahre von einem Ehepaar gekauft und als Wohnhaus umgebaut.
Bereits 1897 wurde der Betrieb einer normalspurigen Anschlussbahn des Braunkohletagewerks Hety bei Lobendorf nach der Station Vetschau aufgenommen.Amtsblatt der Königl. Preuß. Regierung zu Frankfurt a./O. Stück 6, Trowitzsch & Söhne, Frankfurt a. O. 10. Februar 1897, S. 50.
Am 1. Januar 192510 Ortsteile ergeben eine vielfältige Gemeinde. Stadt Vetschau/Spreewald, abgerufen am 22. Juli 2023. (nach abweichenden Angaben auch 1926 oder 1928) wurden die Landgemeinde und der Gutsbezirk Lobendorf nach Repten eingegliedert. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kam der Ort zur Sowjetischen Besatzungszone. Seit 1949 gehörte Lobendorf zur DDR, bei der Gebietsreform am 25. Juli 1952 wurde die Gemeinde Repten mit dem Ortsteil Lobendorf dem Kreis Calau im Bezirk Cottbus zugeordnet. Nach der Wiedervereinigung lag Lobendorf zunächst im Landkreis Calau in Brandenburg, der am 6. Dezember 1993 im neu gebildeten Landkreis Oberspreewald-Lausitz aufging. Am 31. Dezember 2001 wurde Repten mit Lobendorf nach Vetschau eingemeindet.
Einwohnerentwicklung Einwohnerentwicklung in Lobendorf von 1875 bis 1910Jahr EinwohnerJahr EinwohnerJahr Einwohner 1875 100 1890 88 1910 91
Lobendorf war lange Zeit ein sorbischsprachiges Dorf, laut preußischer Bevölkerungsstatistik lag der Anteil der Sorben in der Bevölkerung bei 84 Prozent. Danach ging der Anteil sorbischsprachiger Einwohner stark zurück. Arnošt Muka ermittelte für seine Statistik über die sorbische Bevölkerung in den Gemeinden der Niederlausitz insgesamt 92 Einwohner in Lobendorf, davon waren zehn Sorben und 82 Deutsche, was einem sorbischsprachigen Bevölkerungsanteil von 11 Prozent entspricht.Arnošt Muka: Statistik der Lausiter Sorben. Hrsg. und dt. Übersetzung von Robert Lorenz. Domowina-Verlag, Bautzen 2019, ISBN 978-3-7420-2587-6, S. 155. In den folgenden Jahren ging die Nutzung der sorbischen Sprache völlig zurück.
Literatur Rudolf Lehmann (Hrsg.): Historisches Ortslexikon für die Niederlausitz. Band 1: Die Kreise Luckau, Lübben und Calau. Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde, Marburg 1979, ISBN 3-921254-96-5. Nachdruck: Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2013, ISBN 978-3-941919-89-1, doi:10.35998/9783830542971 (Open Access), S. 318 f. Lobendorfer Haide., In: Edmund Veckenstedt: Wendische Sagen, Märchen und abergläubische Gebräuche. Verlag Leuschner & Lubensky, Graz 1880, S. 48. Reprint 2014.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Ort in der Niederlausitz Kategorie:Ort im Landkreis Oberspreewald-Lausitz Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Oberspreewald-Lausitz) Kategorie:Geographie (Vetschau/Spreewald) Kategorie:Ersterwähnung 1450 Kategorie:Gemeindeauflösung 1925