mini|Beckingen, Lithographie aus dem Buch des Landrates Constantin von Briesen: Urkundliche Geschichte des Kreises Merzig, Saarlouis 1863. Das Bild zeigt links oben die neuerbaute neogotische Beckinger Pfarrkirche St. Johannes und Paulus. Im Vordergrund ist das Gut von Emmerich Joseph Weygold und dessen Frau Rosalie Cäcilie (geb. Demimuid, verw. Boulangé). Die Eheleute erwarben das Anwesen der ehemaligen Deutschordensniederlassung im Jahr 1852. Zunächst wurden die Gebäude nur zur Sommerfrische genutzt. Im Jahr 1856 errichtete man auf den Fundamenten des Hauptgebäudes der Kommende ein neues Haupthaus, das im Jahr 1991 abgerissen wurde. Der bogenförmige Gebäudeteil war das einzige Gebäude, das die Auflösung der Kommende in der Französischen Revolution überstanden hatte.Roman Fixemer: Zur Geschichte der neuen gotischen Kirche in Beckingen, Eine Aufarbeitung der handschriftlichen Aufzeichnungen der Pfarrer Franz Xaver Leidinger und Matthias Flesch über die Baugeschichte der katholischen Pfarrkirche Beckingen St. Johannes und Paulus von 1855 bis 1924, kommentiert, ergänzt und fortgeführt bis zum Jahre 2007, hrsg. von der Katholischen Kirchengemeinde Beckingen St. Johannes und Paulus, Merzig 2008, S. 164, 438–439. mini|Die Ordensballeien im Reich mini|Beckingen, Marcellus-Kapelle, Die Kapelle wurde 1634 vom Komtur des Deutschen Ordens erbaut. Im Jahr 1858 erwarb die Kirchengemeinde Beckingen die Marcelluskapelle von privaten Besitzern, doch das kleine Gotteshaus verfiel in den folgenden Jahrzehnten. Erst 1914/15 kam es zu ersten Restaurierungsmaßnahmen. Der einjochige Saalbau wird im Osten von einem dreiseitigen Chor abgeschlossen. Das verschieferte Walmdach wird zentral von einem kleinen hölzernen Dachreiter mit Geläut bekrönt. Saal und Chorseiten besitzen je ein spitzbogiges Buntglasfenster auf beiden Längsseiten. mini|Beckingen, Inneres der Marcellus-Kapelle mini|Beckingen, Wappenstein des Deutschherrenschlosses von 1664 mini|Beckingen, Herrenbergstraße 1, Deutschordenskommende, Wohnhäuser, Wirtschaftsgebäude, Brunnen, Torpfeiler, 1755 von Francois Motte d’Altviller mini|Saarfels, Wendalinus-Kapelle, Der ursprüngliche Bau stammt aus dem 15. Jahrhundert und war Jagdkapelle des Deutschherrenordens in Beckingen. Die Kommende Beckingen war eine Niederlassung des Deutschen Ordens an der mittleren Saar in Beckingen. Kommenden waren die kleinsten Organisationseinheiten des Deutschherrenordens, die regional zu Balleien zusammengefasst wurden Die Niederlassung in Beckingen war Bestandteil der Deutschordensballei Lothringen mit Sitz in Trier. Die nächstgelegenen Kommenden des Deutschherrenordens waren die Kommende St. Elisabeth im heutigen Saarbrücken, die Kommende Metz, sowie die Landkommende Trier.

Geschichte Kommendengründungen in der Umgebung Hinsichtlich der Idee der Pilgerfahrt ins Heilige Land und des damit verbundenen Kampfes gegen die Ungläubigen sind für die unmittelbare Umgebung Beckingens ein Ritter Peter von Merzig und dessen Neffe Friedrich von der Brücke bezeugt, die dem Kreuzzugaufruf des Vierten Laterankonzil (1215) folgten.

Dem Deutschen Orden wurden bereits unmittelbar nach seiner Gründung Schenkungen im Gebiet von Mosel und Saar übereignet. Eine erste Ordensniederlassung erfolgte im Jahr 1222 in Saarburg (an der oberen Saar), im Jahr 1228 kam es zur Gründung der Kommende St. Elisabeth bei Malstatt und Saarbrücken und im Jahr 1242 in Trier. Bereits vor 1245 wurden die Ordenshäuser des Saar-Mosel-Raumes zu einer Ordensprovinz, der Ballei Lothringen, zusammengefasst.Martin Uhrhan: Die Geschichte der Deutschordenskommende Beckingen, in: Christiane Henrich, Monika Silvanus, Martin Uhrhan, Volkmar Schommer: Beckingen im Wandel der Zeit, Eine Darstellung der Geschichte und Gegenwart der Gemeinde Beckingen und ihrer Gemeindebezirke, hrsg. von der Gemeinde Beckingen, Beckingen 1991, S. 98–100.

Schenkung durch die Herren von Beckingen Grundlage für die Gründung der Komturei Beckingen war eine Schenkung der beiden Brüder Gerhard und Jakob von Beckingen, die der Familie der Herren von Siersberg entstammten, vom 28. Januar 1293 an das Deutschherrenhaus in Trier. Jakob von Beckingen war Kanoniker des Trierer Stiftes St. Simeon in der Porta Nigra, Gerhard war Lehnsmann des Herzogs von Lothringen. Die Schenkung an den Orden umfasste Besitz innerhalb der Gemarkung Beckingens und sollte der Tilgung von Sündenstrafen der beiden Brüder dienen. Die Besitztümer sollten mit sofortiger Wirksamkeit dem Orden übereignet werden, allerdings sollten die Einkünfte erst nach dem Tod von Gerhard und dessen Frau Ida dem Deutschen Orden zufallen. Das Paar war zwar kinderlos, doch machten Familienmitglieder dem Deutschen Orden als Schenkungsempfänger Schwierigkeiten, indem sie eigene angebliche Besitzansprüche behaupteten. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts errichteten die Trierer Ordensbrüder im verkehrsgünstig gelegenen Beckingen an der Saar eine eigene Komturei. Die erste urkundliche Erwähnung eines Deutschen Hauses zu Beckingen erfolgte im Jahre 1320. Die Komturei Beckingen gehörte zur Ballei Lothringen mit Sitz in Trier, die das heutige Saarland, Teile der südlichen und östlichen Pfalz und vor allem weite Teile Lothringens umfasste. Die linksrheinisch gelegene Ballei Lothringen wurde im Norden durch die Kammerballei Koblenz und im Süden durch die Kammerballei Elsass-Burgund begrenzt.Martin Uhrhan: Die Geschichte der Deutschordenskommende Beckingen, in: Christiane Henrich, Monika Silvanus, Martin Uhrhan, Volkmar Schommer: Beckingen im Wandel der Zeit, Eine Darstellung der Geschichte und Gegenwart der Gemeinde Beckingen und ihrer Gemeindebezirke, hrsg. von der Gemeinde Beckingen, Beckingen 1991, S. 98–101.

Rechte und Besitzungen In Beckingen hatte ein Komtur seinen Verwaltungssitz, der unter anderem das Zehntrecht sowie die Hohe Gerichtsbarkeit ausübte, in der er auch Todesurteile aussprechen und vollziehen lassen konnte. Noch heute erinnert das Gewann „Galgenberg“ in Beckingen an den Ort der Urteilsvollstreckungen. Hochgerichtsbarkeit und Herrschaftsrechte hatte die Kommende Beckingen auch im Nachbarort Pachten.

Die Komturei Beckingen verfügte über erheblichen Land- und Waldbesitz, der größtenteils an Bauern und kleine Gewerbetreibende, Händler und Handwerker verpachtet war. Daneben besaß der Orden aber auch zahlreiche Höfe, Mühlen, Weinberge, Wasserrechte und Untertanen. Von den Pacht- und Zinseinnahmen sowie von geleisteten Schenkungen und den pekuniären Zuwendungen der Landesfürsten konnten die Ordensritter ein durchaus komfortables und privilegiertes Leben führen. Bereits im Jahr 1307 erwarb der Deutsche Orden von Ritter Arnold von Pittingen weitere Besitzrechte hinzu; in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts konnten darüber hinaus noch zusätzliche Besitzungen gekauft werden. Am 29. September 1436 schenkte der Trierer Bürger Peter von Dyepach der Beckinger Kommende weiteren Besitz. Weitere Schenkungen blieben dann allerdings bis zum Ende der Deutschordensherrschaft über Beckingen aus. Auf der Basis der Erstschenkung war die Deutschordenskommende im Laufe der Zeit in der Lage, in Beckingen die noch ausstehenden herrschaftlichen Rechte zu erwerben.Martin Uhrhan: Die Geschichte der Deutschordenskommende Beckingen, in: Christiane Henrich, Monika Silvanus, Martin Uhrhan, Volkmar Schommer: Beckingen im Wandel der Zeit, Eine Darstellung der Geschichte und Gegenwart der Gemeinde Beckingen und ihrer Gemeindebezirke, hrsg. von der Gemeinde Beckingen, Beckingen 1991, S. 101.

Kommendenhöfe Zur Schenkung des Jahres 1293 hatten vier Höfe in Beckingen gehört. Einer der bedeutendsten Höfe im Südwesten des Ortes war der Kondeler Hof am Kondeler Bach. Der Hof mit großer Viehwirtschaft wurde über lange Zeit von den Deutschordensrittern unter Zuhilfenahme von Gesinde direkt geleitet, während die Feldbestellung durch Frondienste der Untertanen erledigt wurde. Den Schwerpunkt bildete dabei die Schafzucht. Für das Jahr 1575 sind 350 Schafe überliefert. Ein Pachtvertrag aus dem Jahr 1766 spricht von der Höchstzahl von 800 Schafen. Im Dreißigjährigen Krieg brannte der Kondeler Hof im Jahr 1634 nieder und konnte erst am Ende des 17. Jahrhunderts wiederaufgebaut werden. Kurz vor der Französischen Revolution hatte man das Hofhaus und die Viehstallungen erneuert und die Schäferei an eine weniger sumpfige Stelle verlegt. Darüber hinaus gehörten zum Hof auch mehrere Fischteiche. In der Beckinger Bevölkerung kam es in den 1780er Jahren zu immer größeren Protesten gegen die Frondienste auf dem Hof.

Der zweitwichtigste landwirtschaftliche Betrieb der Kommende lag in der Nähe der Ordensniederlassung in Beckingen. Auch dieser Hof lag in der Eigenregie der Kommende und wurde weitgehend durch Frondienste bewirtschaftet. Zusammen bewirtschafteten die beiden Kommendehöfe ca. 294 Morgen Ackerland, was etwa 60 Hektar entspricht. Zusätzlich verfügte der Orden in Beckingen auch noch über Gärten und Weiden sowie Bungerte und Wingerte. Die umfangreiche Nutzung von Frondiensten hatte zur Folge, dass die Kommende die Zahl ihrer bezahlten Beschäftigten auf 15 bis 25 Personen begrenzen konnte. Dazu gehörten Knechte, Mägde, Müller, Bäcker und Winzer. Da sich die Ordensritter nur in begrenztem Umfang um die Verwaltung kümmerten, mussten zusätzlich Schreiber, Archivare, Cellerare, Amtmänner und Jäger als Fachkräfte eingestellt werden. Allerdings wurden von einem Angestellten meist mehrere Aufgabenbereiche bearbeitet.

Die Waldfläche im Besitz der Kommende betrug insgesamt 1152 lothringische Morgen (ca. 235 ha). Davon befanden sich 175 lothringische Morgen (ca. 37,5 ha) innerhalb des Beckinger Bannes. Besonders in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entwickelte sich der Holzverkauf zu einem gewinnbringenden Geschäft für die Beckinger Kommende.

Während der ganzen Zeit seines Bestehens versuchte der Deutsche Orden seine Beckinger Niederlassung zu vergrößern. So erwarb man im Jahr 1344 Besitzungen der Herren von Dagstuhl in Hargarten und Reimsbach sowie im Jahr 1467 in Haustadt nach dem Aussterben der dortigen niederen Adelsherrschaft, den Herren von Haustadt. Einen Teil des neuerworbenen Besitzes musste sich der Orden allerdings noch mit den Herren von Hemmersdorf teilen. Ebenfalls im Jahr 1467 erlangte die Beckinger Kommende durch einen Kaufvertrag mit Johann von Hilbringen Besitzrechte in den Nachbarorten Fickingen (seit 1923 in "Saarfels" umbenannt) und Haustadt. Im Jahr 1498 kam der Orden durch Verkauf des Gerhard von Hilbringen, einem Verwandten des Johann von Hilbringen, zu einem noch größeren Besitz. Gerhard und dessen Frau Lise verkauften für 400 Rheinische Gulden ihren ererbten Teil an den Herrenrechten, die Nieder- und Hochgerichtsbarkeit, den Zehnt sowie das Patronatsrecht in Haustadt und Honzrath.

Etwa einhundert Jahre später, im Jahr 1584, gelang es der Beckinger Deutschordenskommende, von Philipp Jakob von Flersheim, Herr zu Felsberg, und dessen Gemahlin Maria (geb. Vögtin von Hunolstein) zwei Drittel des Dorfes Haustadt zu erwerben. Der Erwerb des übrigen Drittels von Haustadt konnte der Orden, trotz kleinerer Erfolge durch den Tausch von Wiesen in Oppen mit dem Abt des Klosters Sankt Peter und Maria in Mettlach, allerdings nicht in seinen Besitz bringen. Zur Gesamtmasse des Kaufes des Jahres 1584 gehörte auch die Haustadter Mühle sowie ein kleinerer Waldbesitz, der im Jahr 1642 durch einen weiteren Kauf vergrößert werden konnte. Zusätzlich verfügte der Orden in Haustadt über mehrere Höfe, sodass sich sein dortiger Landbesitz auf ca. 120 Morgen belief.