Schusswaffensicherung ist eine technische Vorkehrung bei einer Schusswaffe, die eine ungewollte Schussabgabe verhindern soll. Die Sicherheitsmerkmale unterscheiden sich je nach Art der Waffe (z. B. Revolver oder Automatische Schusswaffe) und konkretem Modell.David Nash: Understanding the Use of Handguns for Self-Defense, Looseleaf Law Publications, 2011, ISBN 9781608850259, S. 76–77
Die rechtlichen Regelungen für Schusswaffensicherungen sind unterschiedlich. Während beispielsweise das deutsche Waffengesetz diesbezüglich nicht reglementiert,Roger Mohr: Fachkundeprüfung für den Waffenhandel: Lehrgangsunterlage und Nachschlagewerk Verlag book-on-demand.de, 2011, ISBN 9783868059298, S. 59 haben manche Bundesstaaten der Vereinigten Staaten, vor allem Kalifornien, explizite rechtliche Regelungen.Gregg Lee Carter: Gun Control in the United States: A Reference Handbook, 2nd Edition, Verlag ABC-CLIO, 2017, ISBN 9781440835674, S. 102–103
Abzugsbügel mini|Abzugsbügel schützt den Abzug
Der Abzugsbügel schützt den Abzugszüngel gegen ungewollte Berührung und damit gegen unbeabsichtigte Schussauslösung.David Steier: Guns 101: A Beginner's Guide to Buying and Owning Firearms, Verlag Skyhorse Publishing, 2011, ISBN 9781626369719, S. 17
Abzugsgewicht
Jeder Abzug hat mit dem Abzugsgewicht einen Widerstand, der überwunden werden muss, um einen Schuss auszulösen. Bei Gebrauchswaffen sind es in der Regel 20–30 N, im Double Action Modus bis zu 70 N. Bei Sportwaffen, die nur am Schießstand benutzt werden, können die Abzugsgewichte deutlich geringer sein.Burkhard Madea (Hrsg.): Handbook of Forensic Medicine, Verlag John Wiley & Sons, 2014, ISBN 9781118570623, S. 1144
Manuelle Sicherung mini|Sicherungs- und Feuerwahlhebel, SIG 550: S – Sicher, 1 – Einzelschuss, 3 – Feuerstoß drei Schuss, 20 – Dauerfeuer
Eine manuelle Sicherung blockiert den Abzugsweg.Robin M. Coupland, Beat P. Kneubuehl, Markus A. Rothschild, Michael J. Thali: Wundballistik: Grundlagen und Anwendungen, Springer-Verlag, 2008, ISBN 9783540790099, S. 61–62 Sie kann auf verschiedene Teile des Abzugs wie das Abzugszüngel, die Abzugsstange oder die Schlageinrichtung wirken.Richard Blase: Die Jägerprüfung und Wissenswertes für den Jäger, in Frage und Antwort, Ausgabe 9, Verlag J. Neumann-Neudamm, 1954, S. 12 Je näher an der Patrone die Sicherung wirkt, desto zuverlässiger wirkt sie auch als Fallschutz. Moderne Waffen sichern daher die Schlageinrichtung (Schlagstück, -bolzen oder -stift).
Eine manuelle Sicherung kann über verschiedene Bedienkonzepte aktiviert und deaktiviert werden, z. B. ein Flügel-, Hebel-, Schiebe- oder Drehelement. Die Beschriftung lautet vielmals S bzw. F für Sicher/Safe bzw. Feuer/Fire. Manchmal signalisiert auch eine rote Markierung die Feuerbereitschaft.Frank Rabe, Christoph Frings: Grundlagen der Kriminaltechnik II: Lehr- und Studienbriefe Kriminalistik/Kriminologie, Band 17, Verlag Deutsche Polizeiliteratur, 2016, ISBN 9783801107796, S. 76–77
Bei vielen vollautomatischen Schusswaffen ist der Sicherungshebel mit dem Feuerwahlhebel kombiniert.Gordon L. Rottman: The M16, Osprey Publishing, 2011, ISBN 9781849086912, S. 56 Eine weitere Variante ist, das gleiche Bedienelement auch als Entspannhebel zu verwenden, so dass beim Sichern automatisch die Schlageinrichtung entspannt wird.Massad Ayoob: The Gun Digest Book of Sig-Sauer: A Complete Look At Sig-Sauer Pistols, Verlag F+W Media, 2004, ISBN 9780873497558, S. 37
Abzugssicherung mini|left|Abzugssicherung, Glock 36
Die Abzugssicherung ist ein zusätzlicher Hebel, der in das Abzugszüngel integriert ist. Dabei muss der Finger auf das Abzugszüngel gelegt werden, um die Abzugssicherung zu entsichern, erst dann kann das Abzugszüngel betätigt werden. Diese Art der Sicherung wurde nicht zuerst bei der Glock-Pistole verwendet, sondern ist schon bei einigen Revolvermodellen des Waffenherstellers Iver Johnson Arms Ende des 19. Jahrhunderts anzutreffen. Brian L. Massey: Iver Johnson Handguns 1871-1941, 2015, ISBN 978-0-9940751-1-6, S. 36–37
Griffsicherung mini|Griffsicherung, Colt M1911
Eine Griffsicherung befindet sich im Griff der Waffe. Um die Waffe zu entsichern, muss ein Sicherungselement mit dem Handballen heruntergedrückt werden. Das Drücken des Sicherungselements passiert automatisch, wenn man den Griff mit der Hand umfasst.Daniel R. Engel: The Truth About Firearms and Concealed Carry, Verlag Trafford Publishing, 2014, ISBN 9781490734569, S. 143 Ursprünglich wurde die Griffsicherung als Kindersicherung in den 1880ern entwickelt.Mark Geistfeld: Products Liability Law, Verlag Wolters Kluwer Law & Business, 2014, ISBN 9781454821373, S. 118 Griffsicherungen werden in der Regel zusätzlich zu manuellen Sicherungen verbaut.
Lade-, Halb- bzw. Sicherheitsraste des Hahns mini|Hahn in Halbraste, Colt Single Action Army Schusswaffen mit offenliegendem Schlaghahn verfügen oft über eine Lade- bzw. Halbraste als Sicherungseinrichtung.Das Glossar des SAAMI definiert die Half-cock-Stellung als „safety or loading position of many guns“, vgl. Glossary, archiviert bei web.archive.org vom ursprünglichen Original unter http://www.saami.org/glossary/display.cfm?letter=H, zuletzt abgerufen am 23. Februar 2018. Die Halbrast kam mit dem Steinschloss auf. Sie ermöglicht, neben der Ruhestellung und dem im schussbereiten Zustand des Hahns, eine dritte Stellung dazwischen, oft nur wenige Millimeter von der Ruhestellung. Ist der Hahn auf Halbrast, dann ist der Abzug blockiert und die Waffe kann nicht abgeschossen werden. Primär wurde die Halbrast als Sicherung während des Ladevorgangs genutzt. Beim Laden musste der Hahn von der Ruhestellung weg bewegt werden um das Zündkraut auf die Pfanne geben zu können. Die Halbrast war nicht unbedingt als dauerhafte Sicherung gedacht, denn bei vielen einfachen Waffen kann sie beim Stoß oder Fall trotzdem auslösen. Das Steinschloss wurde zum Perkussionsschloss entwickelt, die Halbrast blieb, denn zum Laden musste das Anzündhütchen auf das Piston gelegt werden.Gerald Prenderghast: Repeating and Multi-Fire Weapons: A History from the Zhuge Crossbow Through the AK-47, Verlag McFarland, 2018, ISBN 9781476631103, S. 42, 44 Auch bei Single-Action-Revolvern war die Halbraste zunächst notwendig, damit beim Laden und Entladen die Trommel frei rotiert werden konnte, ohne dazu den Hahn schussbereit spannen zu müssen, was ein Schussrisiko darstellen würde. Ihre Stellung war oft nur wenige Millimeter von der Ruhestellung entfernt. Die Halbraste wurde im praktischen Gebrauch oft genutzt, um einen vollständig geladenen Single-Action-Revolver sicher tragen zu können. Beim Winchester-Modell 1894 ist die Halbraste als dezidierte Sicherung vorgesehen.Vgl. WINCHESTER® Model 94 Family of Lever-Action Rifles, Carbines, and Muskets with Half-Cock Safety auf winchester.com vom 2. Oktober 2014, zuletzt abgerufen am 23. Februar 2018. Auch für Selbstladepistolen ist die Halbraste eine wichtige Sicherungseinrichtung. Wenn der Hahn einer Pistole ohne Halbrasteinrichtung per Hand gespannt wird, besteht die Gefahr der unbeabsichtigten Schussabgabe, sollte der Schütze mit dem Finger vom Hahn abrutschen, bevor er vollständig gespannt ist. Eine Halbrasteinrichtung kann in einem solchen Fall den Hahn abfangen und die Schussabgabe verhindern. Eine solche Halbrasteinrichtung zur Sicherung gegen einen unbeabsichtigt fallenden Hahn wird auch als Sicherheitsraste bezeichnet.Vgl. Ausbildungsgrundlagen für Schützenmeister und Pistolenjunioren der Schweizer Armee (Dokumentation 27.220 d), S. 3, als PDF abrufbar auf admin.ch, zuletzt abgerufen am 27. Februar 2018. Vor dem Hintergrund dieses Gedankens wurde beispielsweise bei der SIG P210, die in frühen Ausführungen nicht über eine Halbraste verfügte, nachträglich eine Sicherheitsraste als Sicherung ergänzt.Vgl. Ian McCollum, Military SIG P-49 Variations auf forgottenweapons.com vom 23. Februar 2018, zuletzt abgerufen am 23. Februar 2018.
Fallsicherung Eine Fallsicherung verhindert die unbeabsichtigte Schussabgabe, wenn ein starker Impuls (Aufprall oder Stoß) auf die Waffe einwirkt. Sie wirkt, indem sie die Schlageinrichtung blockiert, solange der Abzug nicht betätigt wird. Frühe Handwaffen hatten keine Fallsicherungen. Bei frühen Revolvern lag im entspannten Zustand der Zündstift des Hahns auf dem Zündhütchen der Patrone auf. Der Impuls des Aufpralls konnte den Hahn so weit beschleunigen, dass der Zündstift genügend Kraft auf das Zündhütchen ausübte, um es zu zünden. Als Sicherheitsvorkehrung wurde daher die Kammer der Revolvertrommel unter dem Hahn nicht mit einer Patrone geladen. Revolver bekamen Anfang des 20. Jahrhunderts Fallsicherungen. Doch auch moderne, auf günstige Produktionskosten ausgerichtete Modelle können über ungenügende Fallsicherungen verfügen.Vincent J.M. DiMaio: Gunshot Wounds: Practical Aspects of Firearms, Ballistics, and Forensic Techniques, Third Edition, Verlag CRC Press, 2015, ISBN 9781498725705, S. 328–332 Pistolen wurden erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts richtig fallsicher.Massad Ayoob: Gun Digest Book of Concealed Carry Volume II - Beyond the Basics, Verlag F+W Media, 2018, ISBN 9781946267139, S. 97
Magazinsicherung Die Magazinsicherung verhindert die Schussabgabe, wenn das Magazin nicht eingelegt ist, auch wenn sich eine bereits geladene Patrone im Patronenlager befindet. Der Grund für diese Sicherung ist, dass bei vielen Zwischenfällen die Waffenbenutzer von einer Ungefährlichkeit der Waffe nach Entfernung des Magazins ausgingen, obwohl die Patrone im Patronenlager trotzdem abgefeuert werden konnte. Von Teilen der Waffenbesitzer wird diese Sicherheitsvorkehrung abgelehnt. Sie argumentieren mit der Notwendigkeit einer Schussabgabe, auch wenn das Magazin entfernt ist.Michael Tonry (Hrsg.): Crime and Justice, Volume 45, University of Chicago Press, 2017, ISBN 9780226440941, S. 202
Zusammen mit der Magazinsicherung wird die Ladezustandsanzeige (siehe unten) diskutiert. Die Ladezustandsanzeige bietet eine andere Möglichkeit, die Gefährlichkeit der Waffe durch die geladene Patrone in der Patronenkammer anzuzeigen.
Ladezustandsanzeige mini|Ladezustandsanzeige, Ruger SR9 Die Ladezustandsanzeige zeigt an, ob sich eine Patrone in der Patronenkammer befindet und die Pistole somit potentiell gefährlich ist. Das erste Patent auf solche Vorrichtung wurde 1888 angemeldet; Anfang des 20. Jahrhunderts besaßen einige Pistolen diese Eigenschaft. Es gibt unterschiedliche technische Ausführungen, z. B. als hervorstehender Stift oder als farbige Anzeige. Die Verschiedenheit der technischen Ausführungen ist ein Nachteil, da nicht alle Benutzer jede Form der Anzeige verstehen. Deswegen gibt es in den USA Bestrebungen, die Ladezustandsanzeige zu standardisieren. Das Government Accountability Office geht davon aus, dass etwa 20 % der Todesfälle aufgrund ungewollter Schussabgabe mit einer Ladezustandsanzeige verhindert werden könnten. Da diese Sicherheitsvorkehrungen die Waffen teurer machen, werden sie von den Waffenherstellern nicht standardmäßig angeboten.Gregg Lee Carter: Guns in American Society: An Encyclopedia of History, Politics, Culture, and the Law, Band 1, Verlag ABC-CLIO, 2012, ISBN 9780313386701, S. 515
Entspanner mini|Entspannhebel (Nr. 5), SIG P226