Die Schlacht von Long Island war ein Gefecht zwischen der britischen und der Kontinentalarmee während des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges. Sie fand am 27. August 1776 im heutigen Prospect Park in Brooklyn statt. In der ersten großen Schlacht seit Beginn des Krieges besiegten die Briten General George Washington und eroberten den strategisch wichtigen Hafen von New York.
Hintergrund Durch die Erfahrungen in den Kämpfen von Lexington und Concord, Bunker Hill und Boston wurde den Briten klar, dass die Rebellion nicht bloß mit einer Machtdemonstration zu beenden war. In London ging die Regierung davon aus, dass Neuengland das Zentrum der Rebellion sei. Dennoch war man sich sicher, dass es in den Kolonien genug Männer gab, die weiterhin loyal zu England standen. Dementsprechend wurde ein Plan entwickelt, um eine Armee auszuheben und die Aufständischen zu überwältigen.
Der Plan sah vor, mit der Hauptstreitmacht von Boston nach New York zu marschieren. Dort sollten sich Einheiten aus Halifax, South Carolina, Irland sowie England und Söldner aus Hessen mit ihnen vereinigen. Von dort aus sollten sie die Kolonien am Hudson River durch die Besetzung von New York teilen. Gleichzeitig sollten Truppen aus Kanada über den Hudson nach Connecticut und Massachusetts eindringen und somit die Rebellen in New England isolieren und vernichten. Obwohl sowohl in der britischen Armee als auch in der Regierung der Wunsch nach einer Verhandlungslösung stark ausgeprägt war, überwog letztlich die Meinung, die Kontinentalarmee in einer einzigen Entscheidungsschlacht zu vernichten und damit den Krieg und die Rebellion zu beenden.Galowitz: Revolutionary War, Battle of Brooklyn : Battle of Long Island. Xlibris, Philadelphia 2007, S. 17.
Auftakt Verteidigungsanlagen In Erwartung eines Angriffs auf Long Island hatte George Washington Truppen nach New York beordert. Bereits im Februar hatte Washington General Charles Lee in die Stadt entsandt, um die Verteidigung zu organisieren. Lee sah sich mit mehreren Problemen konfrontiert. Zum einen musste er sich um die vielen Loyalisten in der Stadt kümmern, zum anderen war das Stadtgebiet umgeben von tiefem Wasser, was eine Verteidigung gegen die Royal Navy fast unmöglich machte. Um die Loyalisten unter Kontrolle zu halten, gab Lee den Befehl, führende Köpfe unter ihnen zu verhaften und die Stadtteile der Loyalisten von bewaffneten Einwohnern aufseiten der Rebellen zu bewachen. Da die Verteidigung der gesamten Stadt nicht möglich schien, beabsichtigte Lee, ein Verteidigungssystem zu errichten, das zumindest verhindern sollte, dass der Feind dauerhaft Fuß fassen konnte. Nach diesem Plan erforderte die Uferlinie des East River die größte Aufmerksamkeit, da es hier möglich schien, den britischen Angriffen auf die Stadt den besten Widerstand zu leisten.
Um den Feind von der Verbindung zwischen dem Sund und dem Fluss abzuschneiden, musste erstens der Durchgang am Hell Gate durch ein Fort am Horn’s Hook, am unteren Ende der achtundachtzigsten Straße, sowie durch Werke auf der gegenüberliegenden Seite am heutigen Hallet’s Point blockiert werden. Anschließend wurden auf beiden Seiten des Flusses an der Mündung in den Hafen, wo die Stadt am stärksten exponiert war, Batterien aufgestellt. Auf der New Yorker Seite befand sich an der Kreuzung von Catherine und Cherry Street eine Batterie (Waterbury’s Battery). Zur Deckung des Feuers wurde direkt darüber eine Schanze (Badlam’s Redoubt) errichtet. Ein Stück weiter unten wurde unterhalb der Wall Street eine weitere Batterie (Coenties Battery) aufgestellt. Zusammen mit einem Teil der Grand Battery und Fort George umfassten diese drei Anlagen alle Werke auf Long Island. Am gegenüberliegenden Ufer in Brooklyn Heights wurden weitere Werke errichtet. Lee hielt den Besitz und die Sicherheit von Brooklyn für wichtiger als Manhattan. Um sie zu halten, schlug er vor, eine Kette von Redouten zu errichten, die sich gegenseitig stützten.
Alle Straßen, die vom Wasser heraufführten, wurden verbarrikadiert. Auf den Hügeln Jones’, Bayard’s und Lispenard’s nördlich der Stadt sollten Forts errichtet werden, um den Landzugang aus dieser Richtung zu sichern. Auf der gesamten Insel bis King’s Bridge wurden an verteidigungsfähigen Punkten Redouten, Redans und Flesches errichtet. Nachdem Washington am 13. April in New York angekommen war, vollendete und erweiterte er die Befestigungsanlagen von General Lee. Im Juni beschloss Washington, den Norden Manhattans durch den Bau einer Zitadelle zu befestigen, die bald Fort Washington genannt wurde. Außerdem befahl er den Bau eines weiteren Forts auf dem Kamm der Hudson Palisades gegenüber von Fort Washington.Field: The Battle of Long Island. Long Island Historical Society, Brooklyn 1869, S. 46, S. 64.Johnston: The campaign of 1776 around New York and Brooklyn. Long Island Historical Society, Brooklyn 1878, S. 54ff.Schecter: The battle for New York. Pimlico, London 2003, S. 117f.
Ankunft der Briten Zwischen dem 25. und 26. Juni trafen die Greyhound mit William Howe an Bord und drei weitere große Schiffe vor Sandy Hook ein und ankerten an derselben Stelle. Am 3. Juli trafen dort 130 weitere Schiffe ein. Es wurden Vorbereitungen getroffen, um sie an der Küste von Long Island in der Nähe der Narrows anzulanden. Als man jedoch erfuhr, dass die Amerikaner auf einem nicht weit entfernten Hügelrücken postiert waren, schiffte Howe seine Truppen gegenüber auf Staten Island aus und schlug dort ein Lager auf, um auf die Ankunft seines Bruders Admiral Richard Howe mit Verstärkung aus England zu warten. Mit der Ankunft von Admiral Howe am 12. Juli war die britische Flotte auf fast 300 Transport- und Kriegsschiffe angewachsen. Am 1. August erreichte General Henry Clinton mit weiteren Kriegsschiffen und 3.000 Soldaten New York. Bis zum 12. August erreichten die Briten eine Stärke von 24.000 MannSchecter: S. 97, S. 104., S. 112ff.Johnston: S. 94ff.
Am Morgen des 22. August begann General Howe mit der Anlandung seiner Truppen. Während die Greyhound, die Phoenix und die Rose mit ihren Kanonen die Landung deckten, erreichte ein 4.000 Mann starkes Vorauskommando unter General Clinton und Cornwallis die Küste von Gravesend. Nach der erfolgreichen Landung wurde Cornwallis abkommandiert, um das Dorf Flatbush zu besetzen. Colonel Edward Hands Schützen waren an der Küste stationiert, leisteten aber keinen Widerstand gegen die Landung. Stattdessen hielt er sich dicht an der Front des Feindes, marschierte einen Teil des Weges neben ihnen, vermied aber einen offenen Kampf auf dem Feld mit der Übermacht. Gegen Mittag hatten weitere 11.000 Mann nach Long Island übergesetzt. Als Washington die Nachricht erhielt, dass etwa 8.000 britische Soldaten auf Long Island gelandet waren, hielt er dies für eine Täuschung und ging davon aus, dass sich der größere Teil der Briten noch auf den Transportern befand, um in Kingsbridge zu landen und auf New York vorzustoßen. Washington unterschätzte die Größe der britischen Streitkräfte und schickte nur sechs Regimenter zur Verstärkung von General Sullivan auf Long Island.Schecter: S. 126–129.
General Sullivan ließ seine Männer in Erwartung eines Angriffs am nächsten Morgen angekleidet und mit ihren Musketen bewaffnet schlafen gehen. Die Briten unternahmen jedoch keinerlei Bemühungen, weiter vorzudringen. Es kam lediglich zu einzelnen Geplänkeln, die sich bis zum 24. August hinzogen. Washington war sich immer noch unsicher über die wahren Absichten des Feindes. Er hatte immer noch den Verdacht, dass die Anlandung bei Gravesend ein Täuschungsmanöver sein könnte. Die Ankunft von Brigadegeneral Samuel Parsons ermöglichte es ihm jedoch, Sullivan vier weitere Regimenter als Verstärkung zu schicken. Gleichzeitig wurde Sullivan durch Israel Putnam ersetzt.
Auf Long Island befanden sich nun die gesamten Brigaden von Brigadegeneral John Nixon und Brigadegeneral Nathaniel Heard, mit Ausnahme von zwei Regimentern auf Governor’s Island, der größte Teil der Brigaden von Stirling und Parson sowie die Hälfte der Brigaden von John Morin Scott und James Wadsworth. Am 25. August erhielt Putnam Anweisungen von Washington. Er wurde angehalten, eine angemessene Verteidigungslinie um sein Lager und seine Werke auf dem vorteilhaftesten Gelände zu bilden. Die Wälder in der Umgebung sollten gut bewacht werden und falls nötig durch Verhaue gesichert werden, um dem Feind das Vorankommen so schwer wie möglich zu machen. Die Miliz sollte die inneren Linien besetzen, während die stärksten Einheiten unter allen Umständen verhindern sollten, dass der Feind die Wälder durchquert und sich den Werken nähert. Am 26. August traf der Rest von Stirlings Brigade ein: das 1. Delaware-Regiment unter Oberst John Haslet, das 1. Maryland-Regiment unter Oberst William Smallwood, die Pennsylvania-Schützen von Oberstleutnant Kachlein, zwei oder drei unabhängige Kompanien aus Maryland und hundert Mann des 20. Kontinentalregiments unter Oberstleutnant Thomas Knowlton. Damit war die Truppe auf Long Island in der Nacht zum 27. August auf insgesamt etwa siebentausend einsatzbereite Männer angewachsen.Johnston: S. 148–154.
Die Schlacht Nachtmarsch Am Vorabend der Schlacht wurden die amerikanischen Verteidigungsanlagen wie folgt aufgestellt. General Parson hatte den Oberbefehl auf den Gowanus Heights. Stirling befand sich auf der rechten Seite, wozu die Gowanus Road und der Martense Lane Pass gehörten, während Sullivan auf der linken Seite und in der Mitte mit den Pässen Bedford und Flatbush stand.
General Clinton hatte jedoch bei einer Aufklärungsmission von einem weiteren Pass erfahren, mit dem sich der linke Flügel umgehen und so die Amerikaner bei Gowanus Heights umfassen ließen. Der Plan sah vor, dass die 4. Brigade unter Generalmajor James Grant von den Narrows aus und Generalleutnant Philipp von Heister entlang des Flatbush-Passes auf die amerikanischen Linien marschieren sollten. Gleichzeitig würde General Clinton auf dem Jamaica Pass die linke Flanke umgehen und so den Amerikanern in den Rücken fallen.Johnston: S. 160f. Am Abend des 26. August um 20 Uhr setzte sich General Clinton mit einem Vorauskommando von 4.000 Mann in Bewegung. Gegen 2 Uhr morgens hatte Clinton Howard’s House erreicht. Clinton schickte eine Patrouille aus, um zu sehen, ob es besetzt war, und erfuhr, dass nur fünf Männer den Pass bewachten. Clinton nahm diese Männer schnell gefangen. Zwei Stunden nach der Einnahme des Passes traf General Howe mit weiteren 6.000 Mann ein. Um 8:30 Uhr hatten die Briten den Pass durchquert und das Dorf Bedford erreicht, wo die Soldaten sich ausruhen konnten.Schecter: S. 138ff.
Täuschungsangriff In der Nacht war Generalmajor Grant gemäß dem britischen Plan mit 5.000 Mann von Denyse’s Ferry die Gowanus Road hinauf in Richtung Martense Lane Pass gezogen. Um 23 Uhr hatten sie das Red Lion Inn erreicht. Grant beobachtete die amerikanische Stellung dort die nächsten drei Stunden. Um 2 Uhr morgens schickte Grant 300 Männer in den Pass, um die Amerikaner zu vertreiben. Bevor ihr Kommandant Major James Burd jedoch gefangen genommen wurde, schickte er Boten an Putnam, um ihn über den britischen Angriff zu informieren.Schecter: S. 141ff.