Prometeo. Tragedia dell’ascolto () ist eine Oper des italienischen Komponisten Luigi Nono. Die Uraufführung erfolgte am 25. September 1984 in der Kirche San Lorenzo in Venedig unter der Leitung von Claudio Abbado. Eine zweite, revidierte Endfassung wurde ein Jahr später, am 25. September 1985 in Mailand uraufgeführt.

Libretto Im Libretto von Massimo Cacciari sind italienische Fassungen von Texten zusammengestellt, die dem Mythos von Prometheus gewidmet sind. Im Einzelnen sind dies Werke von Aischylos (Der gefesselte Prometheus), Sophokles (Die Trachinierinnen, Ödipus auf Kolonos), Euripides (Alkestis), Pindar (Nemeische Oden), Hesiod (Theogonie), Johann Wolfgang von Goethe (Prometheus), Friedrich Hölderlin (Hyperion), Friedrich Nietzsche, Rainer Maria Rilke und Walter Benjamin.

Aufbau Das Werk besteht aus neun Teilen: Prologo Isola prima Isola seconda: Io – Prometeo / Hölderlin / Stasimo primo Interludio primo Tre voci a) Isola Terza – Quarta – Quinta Tre voci b) Interludio secondo Stasimo secondo

Besetzung Die Endfassung von 1985 sieht folgende Besetzung vor: Fünf Vokalsolisten (2 Soprane, 2 Altisten, 1 Tenor) Zwei Sprecher (ein Mann, eine Frau) Chor (12 Sänger) Vier Orchestergruppen, jede mit Querflöte, Piccolo, Klarinette, Fagott, Horn, 4 Violinen, Bratsche, Cello, Kontrabass Sieben Gläser Sechs Instrumentalsolisten: Bassflöte/Piccolo/C-Flöte, Bassklarinette/B-Klarinette/Es-Klarinette, Posaune/Tuba/Euphonium, Bratsche, Cello, Kontrabass Zwei Dirigenten. Die Klänge von Sängern und Instrumentalisten werden durch Live-Elektronik verfremdet.

Entstehungs- und Aufführungsgeschichte Prometeo, das bedeutendste Spätwerk Nonos, entstand ab 1981 im Experimentalstudio des Südwestfunks unter Mitwirkung von Hans Peter Haller und André Richard. Bei der Uraufführung 1984 in Venedig unter der Leitung von Claudio Abbado wirkten unter anderem das Chamber Orchestra of Europe und der Chor der Hochschule für Musik Freiburg mit. Die Bühne wurde vom Architekten Renzo Piano als hölzerne Arche gestaltet, wobei die Ausführenden auf Balkonen auf drei Ebenen verteilt waren.“Prometeo” Musical space, Venice (Italy) Die Holzstruktur verblieb nach der Aufführung von 1985 jahrelang im Lagerraum der Mailänder Scala und wurde bisher nicht mehr benutzt. Es bestehen aber Pläne, sie in Matera wiederzuverwenden, das 2019 eine Kulturhauptstadt Europas war.In vista del 2019 Matera punta su rigenerazione e partecipazione Mariagrazia Barlette, in: Edilizia e Territorio, 24. Oktober 2014

Die französische und deutsche Erstaufführung folgten 1987 in Paris (Festival d’Automne) und Frankfurt am Main (Alte Oper), eine West-Berliner Aufführung 1988 im Rahmen der Berliner Festwochen an der Berliner Philharmonie, mit dem Ensemble Modern unter der Leitung von Friedrich Goldmann, mit David Shallon (Paris / Frankfurt) und Ingo Metzmacher (Berlin) als zweiten Dirigenten. Weitere Aufführungen folgten u. a. in Gibellina (Sizilien) (1991), Amsterdam (1992), Salzburg (1993), Lissabon (1995), Brüssel (1997).Lydia Jeschke: Prometeo – Geschichtskonzeptionen in Luigi Nonos Hörtragödie. Franz Steiner Verlag, Stuttgart, 1997. S. 9 Fn. 1. Die südamerikanische Erstaufführung fand im November 2013 im Teatro Colón in Buenos Aires statt. Zum 100. Geburtstag von Nono fanden Aufführung in der Kirche San Lorenzo in Venedig statt.

Eigenheiten des Werks Nono verfolgt in Prometeo eine Ausdifferenzierung des Klanges, die nicht durch die Ausschreitung der Extreme innerhalb eines weiten Spektrums entsteht. Sie beruht stattdessen auf Nuancenreichtum innerhalb einer kleinen Spannweite, wobei neben der Artikulation und der Dynamik auch die Klangfarbe und die Raumakustik einbezogen werden. Für den sechsten Takt fordert Nono ein siebenfaches, d. h. ein unglaublich leises Piano. Jürg Stenzl erläutert:

Einzelnachweise

Literatur Caroline Lüderssen: Der wiedergewonnene Text: ästhetische Konzepte des Librettos im italienischen Musiktheater nach 1960 (). Stefan Drees: Prometeo. In: Elisabeth Schmierer (Hrsg.): Lexikon der Oper, Bd. 2, Laaber 2002, S. 412 f. Peter Andraschke: Schöpferisches Feuer. Kompositorische Prometheus-Fantasien. In: Freiburger Universitätsblätter, Jahrgang 39, Heft 150, 2000, S. 75–88, hier: 80–84.

Weblinks Eva-Maria Magel: „Prometeo“ in Darmstadt. In: FAZ, 19. Juli 2015 Andrew Clements: Nono, Prometeo. CD-Rezension (englisch). In: The Guardian, 4. Januar 2008 Programmheft zur französischen Erstaufführung: Luigi Nono – Festival d’Automne a Paris. Contrechamps, 1987 (PDF, französisch)

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