mini|hochkant|Kerstin Soederblom 2017 Kerstin Söderblom (* 29. Mai 1963 in Darmstadt) ist eine deutsche evangelische Pfarrerin. Sie wurde 1999 in Frankfurt am Main ordiniert. Seit den 1980er-Jahren ist sie in der kirchlichen Frauen- und Lesbenbewegung aktiv. Seit 1990 ist sie Mitglied im Netzwerk Labrystheia, einem Ökumenischen Netzwerk für lesbische Theologinnen. Seit 1996 ist sie zudem Mitglied im European Forum of Lesbian, Gay, Bisexual and Transgender (LGBT) Christian Groups (European Forum)European Forum of Lesbian, Gay, Bisexual and Transgender (LGBT) Christian Groups (European Forum). Abgerufen am 22. Januar 2018..

Kindheit Söderblom wuchs mit einer Schwester und zwei Brüdern in Bensheim an der Bergstraße auf. Ein Bruder ist bereits 2009 verstorben. Ihre Eltern stammen beide aus Hamburg. Ihre Mutter Christa Söderblom war bis zur Rente Hauswirtschaftsmeisterin. Ihr Vater Klaus Söderblom war Kaufmann jüdischer Herkunft.

Studium, Promotion und Vikariat Söderblom studierte nach dem Abitur zunächst ein Jahr Englisch und Französisch an der Concordia University in Montreal (Kanada). Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland studierte sie Diplompädagogik und Evangelische Theologie in Heidelberg, Montpellier (Frankreich) und Hamburg. Sie schloss beide Studiengänge erfolgreich ab. Von 1988 bis 1996 war Söderblom im Göttinger Frauenforschungsprojekt zur Geschichte der Theologinnen aktiv. Es wurde von der mittlerweile verstorbenen Professorin Hannelore Erhart geleitet. Das Forschungsprojekt richtete mehrere Forschungssymposien aus. Söderblom veröffentlichte gemeinsam mit Mitgliedern des Forschungsprojekts zwei Bücher. Sie selbst forschte vor allem über die beiden Theologinnen Klara Hunsche und Sophie Kunert-Benfrey.

Von 1993 bis 1996 promovierte sie an der Universität Hamburg über Die Bedeutung von christlicher Religion in den Lebensgeschichten lesbischer Frauen. Fulbert Steffensky war ihr Doktorvater. Gefördert wurde ihre Dissertation durch das „Große Lutherstipendium“. Abgerufen am 22. Januar 2018. der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau EKHN. Zudem war sie Stipendiatin und Kollegiatin im Promotionskolleg der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) Religion in der Lebenswelt der Moderne in Marburg unter Leitung von Karl-Fritz Daiber und Siegfried Keil.

Nach ihrer Doktorarbeit schloss sie ihr Vikariat in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau EKHN an. Sie absolvierte es im Frankfurter Nordend in der damaligen Epiphaniasgemeinde, heute PetersgemeindePetersgemeinde Frankfurt. Abgerufen am 22. Januar 2018.. Ihre Mentorin war Pfarrerin Lisa Neuhaus. Anschließend ging sie von 1998 bis 1999 für ein Auslandsvikariat nach New York City zum Büro des Lutherischen Weltbundes Lutheran World Federation bei den Vereinten Nationen.

Beruflicher Werdegang Nach ihrer Zeit in New York City arbeitete Söderblom vier Jahre in Frankfurt-Griesheim in der Segensgemeinde. Abgerufen am 22. Januar 2018. als Gemeindepfarrerin. Der Beginn ihrer Arbeit war von Kontroversen um ihre Lebensform begleitet. Eine Minderheit in der Gemeinde sprach sich gegen ihre Wahl aus. Nach einer Testphase von drei Monaten wurde sie am 19. Dezember 1999 von der damaligen Pröpstin Helga Trösken in der Segenskirche in Frankfurt-Griesheim ordiniert. Söderblom zog mit ihrer damaligen Partnerin Randi O. Solberg aus Norwegen ins Pfarrhaus ein.

Von 2003 bis 2008 arbeitete Söderblom als wissenschaftliche Mitarbeiterin im kirchlichen Dienst an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Sie war Mitglied der Sozietät der Praktischen Theologie, die von Hans-Günter Heimbrock geleitet wurde. Sie bot zahlreiche Grund- und Aufbauseminare im Bereich der Religionspädagogik und im Bereich der Praktischen Theologie an.

Schwerpunkte ihrer wissenschaftlichen Arbeit sind und waren interkulturelle und raumsensible Seelsorge und Beratung, empirische TheologieEinführung in die Empirische Theologie. Abgerufen am 22. Januar 2018. und Queer Theologie. In diesen Bereichen hat sie drei Monographien mit herausgegeben und zahlreiche Artikel veröffentlicht. Sie selbst hat phänomenologische Feldforschungen zur Vorder- und Rückseite des Frankfurter Flughafens betrieben und die Rolle der Seelsorge sowohl im Passagierbereich als auch im Bereich der Flüchtlingsunterkunft auf dem FlughafenFlüchtlingsunterkunft auf dem Flughafen Frankfurt. Abgerufen am 30. April 2021. untersucht.

Berufsbegleitend hat Söderblom in dieser Zeit eine Weiterbildung als Gemeindeberaterin und Organisationsentwicklerin am Institut für Personalberatung, Organisationsentwicklung und Supervision (IPOS)Institut für Personalberatung, Organisationsentwicklung und Supervision (IPOS). Abgerufen am 22. Januar 2018. absolviert. Zudem ist sie zertifizierte Mediatorin, Supervisorin und Coach nach den Standards der Deutschen Gesellschaft für Supervision (DGSv) und der Deutschen Gesellschaft für CoachingDeutsche Gesellschaft für Coaching (DGfC). Abgerufen am 22. Januar 2018., in denen sie auch Mitglied ist. In diesen Bereichen hat sie seit 2003 zunächst nebenberuflich gearbeitet. 2009 übernahm sie in dem Institut eine hauptberufliche Projektstelle im Bereich der Kirchlichen Regionalentwicklung. Sie begleitete drei Dekanate in Pilotprojekten bei ihrem Versuch, sich regional zu vernetzen und sich inhaltlich stärker zu profilieren.

2014 bis 2019 arbeitete Söderblom als Studienleiterin und Pfarrerin beim Evangelischen Studienwerk e.V. in Villigst in Westfalen. Sie war dort zuständig für kirchliche Kontakte und das geistliche Programm. Daneben stellten Seelsorge und Beratung der Stipendiaten Schwerpunkte ihrer Arbeit dar.

Seit 2020 ist sie Hochschulpfarrerin an der Evangelischen Studierendengemeinde (ESG) in Mainz.Evangelische Studierendengemeinde (ESG) in Mainz. Abgerufen am 7. August 2020.

2021 erhielt Söderblom den Leonore-Siegele-Wenschkewitz-Preis.

Ehrenamtliches Engagement Ehrenamtlich engagiert sich Söderblom seit den 1980er-Jahren für die rechtliche Gleichstellung und Anerkennung lesbischer, schwuler, bi- und transsexueller (LSBT) Lebensformen und Geschlechtsidentitäten. Sie ist dabei vor allem im kirchenpolitischen und theologischen Bereichen im In- und Ausland tätig. So hat sie in den 1990er-Jahren mit anderen Mitgliedern kirchlicher LSBT-Netzwerke wie die Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK), die Ökumenische Arbeitsgemeinschaft Lesben und Kirche (LuK)Ökumenische Arbeitsgemeinschaft Lesben und Kirche (LuK). Abgerufen am 22. Januar 2018., das Ökumenische Netzwerk Labrystheia, das Maria und Martha Netzwerk (MuM)Maria und Martha Netzwerk (MuM). Abgerufen am 22. Januar 2018. und das Netzwerk Katholischer Lesben (NKaL)Netzwerk Katholischer Lesben (NKaL). Abgerufen am 22. Januar 2018. an verschiedenen Synoden (Kirchenparlamenten) teilgenommen, um die Gleichstellung von Lesben und Schwulen in den Kirchen voranzutreiben und kirchliche Segnungs- und Traugottesdienste in den evangelischen Kirchen zu ermöglichen. In diesem Bereich hat Söderblom seit den 1990er-Jahren zahlreiche Artikel veröffentlicht. Sie ist mit anderen Mitgliedern der genannten Netzwerke in Göttingen und Frankfurt am Main in Schulen unterwegs gewesen, um über sexuelle Identität und verschiedene Geschlechtsidentitäten aufzuklären und mit Schülern ins Gespräch zu kommen.

Im Rahmen ihrer Mitgliedschaft im European Forum of LGBT Christian Groups (European Forum). Abgerufen am 18. Januar 2018. hat sie gemeinsam mit ihrer damaligen Partnerin Randi O. Solberg aus Norwegen ein dreimoduliges Training „Safe Space“ zur Stärkung von LSBT in Zentral- und Osteuropa entwickelt. Die Module wurden zwischen 2006 und 2007 mit zehn lesbischen und schwulen Teilnehmenden aus Lettland, Serbien, Bosnien-Herzegowina, Rumänien, Moldau, Polen, Tschechische Republik und Russland in Riga, Straßburg und Sofia durchgeführt. Die Safe-Space-Module wurden zur Blaupause für alle weiteren Trainingsprojekte in Zentral- und Osteuropa, die das European Forum bis heute durchführt, beispielsweise das Eastern European Mentoringprojekt. Söderblom arbeitet darin als Mentorin mit.

Ebenfalls im Rahmen ihrer Mitgliedschaft im European Forum war sie Mitglied von verschiedenen internationalen Teams. Sie haben Workshops bei den Vollversammlungen des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK) 2006 in Porto Alegre/Brasilien und 2013 in Busan/Südkorea zur Gleichstellung von christlichen LSBT in den Kirchen gehalten. Zudem hat sie im Jahr 2011 das European Forum in einem internationalen Team bei der International Peace Convocation. Abgerufen am 24. Januar 2018. in Kingston/Jamaica vertreten. Sie haben dort im Rahmen der Abschlussveranstaltung der Dekade zur Überwindung von Gewalt den einzigen Best Practice Workshop zur Bekämpfung von homo- und transfeindlicher Gewalt angeboten.

Seit den 1990er-Jahren ist Söderblom als Rednerin, Predigerin, Podiumsteilnehmerin und Moderatorin auf zahlreichen Kirchentagen engagiert. Von 2011 bis 2017 hat Söderblom als lesbische Theologin und Pfarrerin in verschiedenen Projektleitungen zu schwul-lesbischen Veranstaltungen und seit 2013 zur Planung des Programms des so genannten Zentrum RegenbogenZentrum Regenbogen auf dem Ev. Kirchentag. Abgerufen am 22. Januar 2018. auf den Kirchentagen in Hamburg, Stuttgart„Im Zeichen des Regenbogens“ Website evangelisch.de. Abgerufen am 18. Januar 2018. und Berlin„Wie fremde Sprachen lernen…“ Website evangelisch.de. Abgerufen am 18. Januar 2018. mitgearbeitet.

Söderblom ist seit 1987 regelmäßige Teilnehmerin der LesbentagungenLesbentagungen in der Ev. Akademie Bad Boll. Abgerufen am 18. Januar 2018. der Evangelischen Akademie in Bad Boll, die von Herta Leistner, Monika Barz und Ute WildHättest du gedacht, daß wir so viele sind? Lesbische Frauen in der Kirche von Barz, Monika / Leistner, Herta / Wild, Ute, Stuttgart 1987, ISBN 978-3-7831-0849-1 gegründet worden sind. Zwischen 1998 und 2011 hat sie mit Unterbrechungen als ehrenamtliche Teamerin an der Planung und Durchführung der Tagungen mitgewirkt. Seit 2013 bietet sie dort Workshops zur queeren Re-Lektüre biblischer TexteWorkshops zur queeren Re-Lektüre biblischer Texte auf den Lesbentagungen der Ev. Akademie Bad Boll. Abgerufen am 18. Januar 2018. an.

Leben und Werk Der Verlust des Bruders 2009 prägte Söderblom stark. Eine intensive Auseinandersetzung mit Tod und Trauer gehören seitdem persönlich und professionell zu ihrem Grundansatz von Theologie und Seelsorge. Söderblom ist seit 2014 zertifizierte Sterbebegleiterin.

Nicht nur weil ihr Vater jüdischer Herkunft ist, engagiert sich Söderblom seit ihrem Studium im jüdisch-christlichen Dialog. Außerdem beteiligt sie sich als Theologin aktiv am interreligiösen Dialog und setzt sich gegen Antisemitismus ein.

Ein großer Schwerpunkt ihrer Arbeit besteht in ihrem Einsatz für Respekt und rechtliche Gleichstellung für Lesben, Schwule, Bi-, Transsexuelle, Transgender, Intersexuelle und Queere (LSBTTIQ) im kirchlichen Bereich und darüber hinaus. Ihr Engagement gegen Homophobie und Transfeindlichkeit verbindet sie mit klaren Positionen gegen Antisemitismus, Rassismus und Islamfeindlichkeit.

Für viele gilt Söderblom als Vorbild und Ansprechpartnerin in Fragen zu queerer Bibellektüre und zur Queer Theology im deutschsprachigen Raum. Für Vorträge, Seelsorge und Beratung von LSBTTIQ wird sie im In- und Ausland angefragt. Seit 2015 veröffentlicht sie regelmäßig Blogeinträge auf der Kreuz & Queer-Seite von evangelisch.deKreuz & Queer -Seite von evangelisch.de. Abgerufen am 22. Januar 2018.. Seit 2016 ist sie außerdem theologische Beraterin und Referentin bei der Evangelischen Schulstiftung in der EKBO, wo sie gemeinsam mit anderen Fachkräften Vorträge und Workshops zu Themen von Diversity und zu einer inklusiven und diversitätssensiblen Schule anbietet.