Der Schmied von Gent ist eine „Große Zauberoper“ in drei Akten (neun Bildern) von Franz Schreker auf ein eigenes Libretto nach Smetse Smee aus den Légendes flamandes (1858) von Charles De Coster in Albert Wesselskis Übersetzung Vlämische Mären (1916). Die Uraufführung fand am 29. Oktober 1932 in der Städtischen Oper Berlin statt.

Handlung

Die Oper spielt in Gent im 16. Jahrhundert, gegen Ende des Achtzigjährigen Kriegs. Der fleißige Schmied Smee ist ein Anhänger der niederländischen Geusen, die sich gegen die spanische Besatzung auflehnen. Nachdem ihn sein Konkurrent Slimbroek deswegen in Verruf gebracht hat, verliert er seine Kundschaft und gerät ins Elend. Im Zorn wirft er Slimbroek in den Fluss und will sich anschließend selbst das Leben nehmen. Da schlagen ihm Stimmen aus der Hölle einen Pakt vor: Er kann sieben Jahre in Glück und Reichtum leben, wenn er ihnen danach seine Seele überlässt. Smee geht darauf ein.

In seinem neuen Wohlstand denkt Smee nicht nur an sich selbst und seine Familie, sondern kümmert sich auch wohltätig um die Armen der Stadt. Nun sind die sieben Jahre um, und er überlegt, wie er aus dem Pakt wieder herauskommen kann. Ein Bettler mit seiner Frau und einem kleinen Kind bittet ihn um Hilfe. Smee beschlägt seinen Esel kostenlos neu und beschenkt die Familie reichlich. Der Bettler gibt sich als der heilige Josef zu erkennen und verspricht Smee als Lohn die Erfüllung dreier Wünsche. Smee wünscht sich, dass niemand mehr gegen seinen Willen von seinem Pflaumenbaum herunterklettern, aus seinem Lehnstuhl aufstehen oder aus seinem Sack schlüpfen kann. Kurz darauf kommen im Auftrag der Hölle nacheinander der Henker Jakob Hessels, der Blutherzog Alba und Astarte. Smee setzt Hessels auf seinem Baum fest, Alba in seinem Lehnstuhl und Astarte in seinen Sack, verprügelt sie und erhält von letzterer sogar seinen Pakt zurück. Luzifer persönlich vernichtet daraufhin Smees Schmiede.

Unmittelbar danach stirbt der plötzlich gealterte Smee. An der Höllenpforte fürchtet man sich jedoch vor ihm und lässt ihn nicht ein. Auch Petrus am Himmelstor verweigert ihm den Eintritt, da er noch seinen Sack mit Lebensmitteln aus der Hölle bei sich hat. Smee eröffnet am Tor eine Schenke für die ankommenden Seelen, in der er nach deren Tod mit seinem Gesellen Flipke und seinem ehemaligen Konkurrenten Slimbroek zecht. Als schließlich auch seine Frau in den Himmel kommt, versucht er, sich unter ihrem Rock hinein zu mogeln. Petrus bemerkt den Trick jedoch. Seine Frau wendet sich an den heiligen Josef, der Smees gute und schlechte Taten gegeneinander aufwiegt und ihn mit seinen Kumpanen in den Himmel lässt.

Erster Akt

1. Bild. Smees Schmiede

Szene 1. Smee und seine Gesellen freuen sich über den Klang ihrer Arbeitsgeräte. Seine Frau findet zwar, dass er seine Leute zu sehr antreibt, doch da er selbst mitmacht, sind alle fröhlich bei der Sache.

Szene 2. Ein Knappe bringt das Pferd seines Herrn Don d’Avila zum Beschlagen herbei. Er richtet Smee aus, dass sein Herr keinen „Geusenzauber“ bei der Arbeit wolle. Höhnisch stimmen die Schmiede ein kämpferisches „Geusenlied“ an. Smees Frau warnt vor dem neidischen Konkurrenten Slimbroek.

2. Bild. Vor Smees Haus

Szene 3. Auf einer Bank sitzend betet die Frau um ein Ende Slimbroeks „am Misthaufen“, da seinetwegen die Kundschaft ausbleibe und ihre Familie ins Elend geraten sei. Smees Schmiedefeuer ist mittlerweile erloschen.

3. Bild. Vor Slimbroeks Schmiede

Szene 4. Adlige bedrängen den „hässlichen rothaarigen“ Slimbroek, endlich ihre Aufträge fertigzustellen. Er muss sie jedoch vertrösten, weil ihm die benötigten Gesellen fehlen. Hämisch verweist er darauf, dass sie doch auch zu seinem Konkurrenten Smee gehen könnten. Dieser und alle seine Gesellen seien allerdings reformierte Geusen. Er humpelt in seine Schmiede, wobei er seine Flasche mitnimmt, aus der er während des Gesprächs getrunken hat.

Szene 5. Die Adligen unterhalten sich über Slimbroeks üblen Charakter. Sie wagen sich jedoch nicht mehr in die Schmiede Smees, der ihnen eigentlich lieber wäre.

Szene 6. Nachdem sich die Adligen zurückgezogen haben, kommt Slimbroek angetrunken wieder aus seiner Schmiede.

Szene 7. Slimbroek macht sich über den verarmten Smee lustig. Zum Gelächter der anwesenden Bürger und Schiffer wirft Smee ihn in den Fluss Leie. Slimbroek stößt Drohungen aus.

4. Bild. Stadtgraben am Fluss

Szene 7. Smee ist zwar gerächt, doch immer noch verarmt und ohne Hoffnung auf eine bessere Zukunft. In seiner Verzweiflung beschließt er, seinem Leben ein Ende zu bereiten. Da sprechen ihn Stimmen aus der Hölle an und schlagen einen Handel vor: Wenn er ihnen seine Seele verkauft, soll er sieben Jahre in Reichtum leben. Anschließend soll er nicht etwa in der Hölle brennen, sondern sie werden ihn aufessen. Smee akzeptiert und unterschreibt auf dem schwarzen Papier, dass vor ihm herunter flattert.

5. Bild. Smees Schmiede

Szene 8. Eine flammende Kugel rollt vom Hintergrund auf die Schmiede zu. Smee läuft dem Licht entgegen.

Szene 9. Die Frau, die sich vor Schrecken nicht mehr in die Schmiede traut, berichtet Smee aus dem Nebenzimmer, wie die Kugel beim Zerplatzen „Lärm wie tausend Donner“ gemacht habe. Daraufhin habe sich die Werkstatt von alleine aufgeräumt und das Schmiedefeuer entzündet.

Szene 10–12. Verschiedene Händler bringen Lebensmittel, Bier und Wein. Smee beruhigt seine erschrockene Frau damit, dass dies Vorschüsse auf neue große Aufträge seien, die man ihm übertragen habe.

Szene 13. Ein Mann, „steif, blond, schmieriger Kittel, dicker Kopf, bleich, mit einer Laterne und einem Grabscheit“, gräbt im Boden der Schmiede einen Sack mit Goldmünzen aus, gibt der Frau eine Ohrfeige und entschwindet wieder.

Szene 14. Auch die von einem Unbekannten herbeigerufenen Schmiedegesellen erscheinen wieder. Jetzt sind Smee und seine Frau alle Sorgen los.

Zweiter Akt

Garten vor Smees Schmiede, sieben Jahre später

Szene 1. Smee ist jetzt reich und hoch geehrt. Man hat ihm sogar einen Sitz im Senat angeboten. Doch da sich seine Frist dem Ende naht, macht er sich Gedanken über die Zukunft. Es bedrückt ihn auch, dass es immer noch Arme in der Stadt gibt, obwohl er sie so großzügig unterstützt.

Szene 2. Nachdem seine Frau in die Küche gegangen ist, grübelt Smee darüber nach, dass es in der Hölle keine Natur, keine Werkleute und keine Frau gibt.

Szene 3 (Pastorale). Ein ärmlich gekleideter Bürger erscheint mit seiner Frau, die auf einem Esel reitet und einem nackten Kleinkind im Arm hält. Er bittet Smee darum, sein Reittier neu zu beschlagen. Smee nimmt die Arbeit selbst kostenlos vor und beschenkt die Bettler zudem reichlich mit Lebensmitteln. Daraufhin gibt sich der Bettler als Josef, Gatte der „hochheil’gen Jungfrau Maria“, zu erkennen und verspricht ihm die Erfüllung dreier Wünsche. Nach kurzer Überlegung, wie er seinem Schicksal entgehen könnte, wünscht sich Smee, dass niemand mehr gegen seinen Willen von seinem Pflaumenbaum herunterklettern, aus seinem Lehnstuhl aufstehen oder aus seinem Sack schlüpfen kann. Joseph verspricht das, segnet Smee und setzt seine Reise fort.

Szene 4. Aus Freude über seinen Plan fängt Smee an, mit seiner Frau zu tanzen.

Szene 5. Weitere Personen erscheinen, um an Smees Fest teilzunehmen. Da meldet der Gesell Flipke einen „recht ekligen Kerl“, der Smee sprechen wolle. Smee schickt alle fort.

Szene 6. Da die sieben Jahre um sind, kommt Jakob Hessels, „der größte Ketzerschlächter und Henker“, aus der Hölle, um Smee abzuholen. Er gestattet es Smee nicht einmal, sich von seiner Familie zu verabschieden. Doch er erlaubt ihm, noch einmal auf seinen Pflaumenbaum zu steigen, um sich dort satt zu essen. Oben angekommen schwärmt Smee so sehr von den guten Pflaumen, dass ihm Hessels nachsteigt, um selbst zu kosten. Er klebt dort fest und wird von Smee verdroschen, der den Pakt herauszwingen möchte. Doch da Hessels selbst nur eine bestrafte Seele ist und den Vertrag nicht bei sich hat, lässt Smee ihn laufen.

Szene 7. Dem nächsten Abgesandten der Hölle, dem von der Reise ermüdeten „Blutherzog“ Alba, lässt Smee von Flipke und den Gesellen seinen schweren Lehnstuhl bringen.

Szene 8. Nachdem Alba im Lehnstuhl festsitzt, verspotten ihn die Gesellen mit Geusenliedern und schlagen so lange auf ihn ein, bis er mitsamt dem Lehnstuhl im Boden versinkt, aus dem dann eine Flamme herausschießt. Smee hat seinen Vertrag immer noch nicht zurück.

Szene 9. Der Rauch verflüchtigt sich allmählich. An Stelle des Lehnstuhls ist nun Astarte zu sehen, die „Stimme der glitzernden Bäume“, mit einer Krone auf dem Haupt. Sie ist unter ihrem blutroten Purpurmantel nackt, ihr Körper mit Wunden bedeckt. Sie selbst hat damals den Pakt eingefädelt, der Smee aus seiner Not gerettet hat. Smee behauptet, sein Sack, den er einst vom heiligen Josef selbst erhalten habe, könne ihre Wunden heilen. Astarte schlüpft hinein und ist gefangen. Smee fordert für ihre Freilassung das schwarze Papier mit dem Pakt zurück. Da erscheint seine Frau, der Smee nun alles erklärt. Sie besprüht Astarte zornig mit Weihwasser. Dieser bleibt nichts anderes mehr übrig, als den Pakt herauszurücken. In diesem Moment bricht die Schmiede auseinander. Im Hintergrund zwischen den Mauern erscheint Luzifer, „nackt und schön mit einem Banner“, auf dem in feurigen Lettern steht: „Schöner als Gott!“. Auf seinen Wink kommen alle möglichen Lebensmittel aus der Schmiede gelaufen, um die sich Luzifers Diener balgen. Die Fluten der Leie erheben sich, und alles versinkt in den Wellen.

Dritter Akt

1. Bild. Vor den Trümmern der Schmiede, früher Morgen

Szene 1. Smee ist plötzlich alt geworden und legt sich zum Sterben hin. Er bittet seine Frau, ihm sein Kleid zu lassen, da er nach dem Tod als Schmied weiter wandern will. Seine Frau will für ihn beten und hofft, ihn „am Ziel“ wiederzufinden. Zu den Klängen eines Trauermarschs zündet sie zwei Kerzen an, die sie zu beiden Seiten ihres Mannes aufstellt. Die Bühne verfinstert sich, und schließlich verlöschen auch die Kerzen. Ein grünes Licht beginnt zu leuchten. Smee steht auf, packt Lebensmittel in seinen Sack und geht fort.

2. Bild. Straße

Szene 2. Smee kommt an einem schwarzen Haus vorbei, aus dem Flammen lodern. Er bleibt stehen. Der Pförtner (Hessels) und die Teufel erkennen den „tückischen Schmied“ und schließen entsetzt die Tore. Auch Astarte lässt ihn nicht in die Hölle ein, sondern jagt ihn „mit verhaltener Zärtlichkeit“ fort.

3. Bild. Am Himmelstor

Szene 3. Smee gelangt zum Tor des Paradieses, wo er die Engel das Gloria singen hört.

Szene 4. Petrus erscheint und weist Smee ab, da er noch immer seinen Sack bei sich trägt.

Szene 5. Nun weiß Smee nicht mehr weiter. Er will wissen, was es mit dem Sack auf sich hat, öffnet ihn und bemerkt erstaunt, dass er voller Lebensmittel ist, die ihm offenbar Astarte zugesteckt hat. Er beschließt, vor der Pforte des Paradieses eine Schenke für die „müden Himmelswand’rer“ zu eröffnen. So kann er Geld verdienen und zudem noch ein gutes Werk tun, bis ihn der „heilige Brummbär“ einlässt. Petrus Stimme erklingt: „Smee!“

Szene 6. Als erstes taucht Slimbroek auf. Smee bietet ihm zu essen und zu trinken an und behauptet, sein Amt sei eine Art „Probezeit“.

Szene 7. Smee baut einen einfachen Tisch und Stuhl auf, als sein Geselle Flipke daher kommt. Dieser ist beim Einsturz der Schmiede ums Leben gekommen und informiert Smee darüber, dass seine Frau schwer erkrankt sei.

Szene 8. Kurz darauf fliegt eine Seele – Smees Frau – eilig auf das Tor zu. Smee ruft ihr zu, dass er ebenfalls hinein möchte. Sie versteckt ihn unter ihrem Rock.

Szene 9. Als die Frau schüchtern an die Himmelstür pocht, entdeckt Petrus unter dem Rock Smees Beine. Smee muss weiterhin draußen bleiben, doch seine Frau verspricht ihm, sich bei Josef für ihn einzusetzen. Smee will sich unterdessen betrinken.