mini|Dom zu Brixen von Nordosten mini|Fassade zum Domplatz mini|Blick auf den Dombezirk von der westlichen Brixner Talflanke Der Dom Mariae Aufnahme in den Himmel und St. Kassian ist der größte Sakralbau der Südtiroler Stadt Brixen und Bischofskirche der römisch-katholischen Diözese Bozen-Brixen. Der Dom trägt die Titel Kathedrale und Basilica minor und steht unter dem Patrozinium von Mariä Himmelfahrt und des heiligen Kassian. Zusammen mit umliegenden Baulichkeiten, darunter dem Domkreuzgang, der Johanneskapelle sowie der Frauenkirche, ist er Bestandteil des Brixner Dombezirks.
Der Wohnsitz des Bischofs war schon bald nach Gründung der Stadt von Säben nach Brixen verlegt worden, von wo aus er das ehemals einflussreiche Fürstbistum Brixen regierte. 1964 wurde der Bischofssitz nach Bozen verlegt, die dortige Stadtpfarrkirche Maria Himmelfahrt fungiert seither als Konkathedrale. Dennoch sind die Kathedra des Bischofs und das Domkapitel weiterhin in Brixen beheimatet, wodurch der Brixner Dom den Platz der ranghöchsten Kirche der Diözese einnimmt. Auch sind die ersten drei Bischöfe von Bozen-Brixen (Joseph Gargitter, Wilhelm Egger und Karl Golser) hier beigesetzt.
Geschichte Der älteste Vorgängerbau war eine Münsteranlage aus ottonischer Zeit mit einer dreischiffigen Doppelchorkirche (Symbol von Papst- und Kaisertum), die vermutlich mit einer flachen Holzdecke ausgestattet war. Die Anlage war noch vor der Verlegung des Bischofssitzes von Säben nach Brixen, die um 990 stattfand, vollendet worden. Der Ostchor der Kirche war den Heiligen Petrus und Ingenuin (Bischof von Säben um 600) geweiht und verfügte über eine St.-Martins-Krypta, der Westchor mit einer St.-Nikolaus-Krypta war dem Heiligen Stefan geweiht. Nach dem Ende des Investiturstreites entsprach die Doppelchorkirche dem Sinne der religiösen Reformen nicht mehr. Bischof Hartmann (1140–1164) ließ den Westchor deshalb abbrechen und an seiner Stelle zwei Fassadentürme errichten.Karl Wolfsgruber: Brixner Dombezirk, S. 8 ff.
mini|Deckengemälde von Paul Troger: Anbetung des Lammes Im Jahre 1174 fiel die Münsteranlage einem Großbrand zum Opfer. In der Folge wurden unter den Bischöfen Richer von Hohenburg und Heinrich von Berchtesgaden beim Wiederaufbau bauliche Adaptierungen im Stile der Hochromanik vorgenommen. Das Langhaus wurde eingewölbt und ein einschiffiges Querhaus eingezogen. Der Dom wurde 1237 von Bischof Eberhard von Salzburg geweiht und nach weiteren Brandschäden 1274 nochmals geweiht. In der Zeit der Gotik wurden an den Dom mehrere Kapellen angebaut. Bedeutendere Umbauten gab es dann unter Bischof Nikolaus von Kues, der die Ostapsiden entfernen und diese mit einem gotischen Hochchor mit Spitzbogenfenstern und Netzgewölben ersetzen ließ. Unter der Leitung des Hofbaumeisters Hans Reichle erhielt der romanische Nordturm 1610–1613 seine heutige frühbarocke Form. Der Südturm wurde 1748 an den Nordturm angeglichen.
Fürstbischof Kaspar Ignaz Graf Künigl (1702–1747) befürwortete bereits am Beginn seiner langen Amtszeit eine grundlegende Renovierung des alten Gebäudekomplexes, während er vom Domkapitel zu einem barocken Neubau gedrängt wurde. Er zog es dann aber vor, zuerst seine Diözese in seelsorglicher Hinsicht zu stabilisieren (Volksmissionen), bevor er Hand an den Dom legen ließ. Erst 1745 war es soweit. Für die Durchführung des umfassenden Umbaus, der bis 1754 andauerte, wurde gewissermaßen die Creme des Tiroler Barocks in Brixen zusammengezogen: Josef Delai aus Bozen als Architekt, Teodoro Benedetti aus Mori als Stuckateur und Altarbauer, Stephan Föger aus Innsbruck, die auch an der Planung beteiligt waren; weiters Paul Troger aus Welsberg als Freskant, Joseph Schöpf aus Telfs als Maler der Altarblätter, Dominikus Moling aus Wengen als Gestalter der Altarstatuen, der Troger-Schüler Michelangelo Unterberger aus Cavalese als Maler des Hochaltarbildes. Die Bauleitung hatten unter anderem Josef Delai und die Priester Franz Penz und Georg Tangl inne. Am 10. September 1758 wurde das nahezu komplett umgestaltete Münster mit der Weihe durch Fürstbischof Leopold Graf Spaur vollendet. Die klassizistische Vorhalle wurde 30 Jahre später von Jakob Pirchstaller aus Trens fertiggestellt.
Im Jahr 1895 wurde das Freskenensemble Paul Trogers durch die Restaurierungsarbeiten von Albrecht Steiner von Felsburg nachhaltig verändert, indem er nicht nur dessen Scheinkuppel in der Vierung durch seinen „Triumph der Religionen“, sondern auch dessen gemalte Scheinarchitektur um das große Deckenbild in grün-grauer Tönung durch vergoldete und eingefärbte neubarocke Stuckaturen ersetzte; dem damaligen Zeitgeschmack kam das zwar entgegen, aus heutiger Sicht war es kein glücklicher Eingriff, auch wenn für das neue Kuppelgemälde ein Entwurf Paul Trogers für das Stift Geras in Niederösterreich als Vorlage diente.
Umfangreiche Restaurierungsarbeiten nahm 1985/86 die Werkstätte Peskoller aus Bruneck vor, wobei im Außenbereich die originalen Farbtönungen und die Barockornamentik wiederhergestellt und im Innenbereich die Deckenfresken gereinigt und die Stuck- und Wandfelder nachgefärbt wurden. 2001 wurde das Domdach neu eingedeckt und die Turmhelme wurden restauriert.
Architektur mini|Innenraum des Brixner Doms Die sich heute barock zeigende Kirche wurde 1758 geweiht, nachdem das ursprünglich romanische Münster nahezu vollständig umgebaut worden war. Die klassizistische Vorhalle wurde 1788 von Jakob Pirchstaller errichtet. Der einschiffige Innenraum ist 62,70 m lang, 21,50 m breit und 22,70 m hoch. Das Gotteshaus verfügt über eine bedeutende barocke Innenausstattung.
Die Deckenfresken stammen von dem berühmten Tiroler Barockmaler Paul Troger und sind die einzigen, die er in Tirol geschaffen hat. Sie bestehen aus dem großflächigen Gemälde der Anbetung des Lammes, aus dem Engelskonzert über der Orgelempore, dem heiligen Kassian als Lehrer und als Glaubensbote in den zwei Armen des Querschiffes und der Aufnahme Mariens in den Himmel über dem Hochaltar. Die von ihm ebenfalls geschaffene Scheinkuppel in der Vierung wurde 1895 durch den Triumph der Religion von Albrecht Steiner von Felsburg ersetzt, der auch die gemalte Scheinarchitektur Trogers um das Deckenbild mit vergoldeten Stuckaturen austauschte.
Am rechten Chorpfeiler befindet sich die sogenannte Leinberger Madonna, eine Statue der Maria mit Kind vom bayrischen Bildhauer Hans Leinberger aus der Zeit um 1520. Diese wertvolle Figur, im Stil am Übergang von der Gotik zur Renaissance, kam über München und Meran auf Initiative von Prälat Ludwig Kaas und Papst Pius XII. 1952 zum Bestand des Brixner Doms. Auf der linken Seite des Chorpfeilers ist ein Bronzerelief angebracht, das an den Südtiroler Chinamissionar Josef Freinademetz erinnert.
miniatur|Typische Inkrustationsarbeit im Dom Zu beiden Seiten des Hochaltars befinden sich Galerien des schwäbischen Bildhauers Joseph Stapf, die als Fürstenoratorien gedacht waren. Die Kommunionbank ist ein Werk des Theodor Benedetti und des Rupert Röck aus Gossensaß. Die Kanzel schuf der Brixner Bildhauer Josef Wieser. Sie zeigt das Relief Christus am Jakobsbrunnen . Das Chorgestühl und die Kirchenbänke aus Nussholz stammen vom Hoftischler Ferdinand Schwabl, dessen Werkstatt auch die Beichtstühle, die Möbel in den Sakristeien und die Portale herstellte. Die Sanctusleuchter im Chorraum stammen aus der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts aus Flandern. Eine der Hängeampeln wurde 1609 von Wolfgang Neidhardt in Augsburg hergestellt, die andere 1754 vom Brixner Glockengießer Josef Graßmair der anderen nachgebildet. Die Wandarme am Triumphbogen sind von 1686 und kommen aus Nürnberg.
Der bischöfliche Marmorthron wurde 1912 von der Firma Linser in Innsbruck hergestellt. Die Fenster stammen aus den Jahren 1894–1897. Die Glasluster kommen aus Murano und sind von 1992.
Ausstattung Altäre mini|Hochaltar mit dem Gemälde von Michelangelo Unterberger mini|Deckenfresko von Paul Troger über dem Hochaltar: Aufnahme Mariens in den Himmel Hochaltar Der Hochaltar wurde 1753 von Teodoro Benedetti vollendet und ist einer der bedeutendsten Barockaltäre Tirols. Über der Mensa erhebt sich der mächtige oktogonale Tabernakelaufbau mit Kaiserkrone, den Marmorstatuen der Apostel Petrus und Paulus sowie zwei füllhorntragenden Engeln zu beiden Seiten vom Bildhauer Dominikus Moling aus Wengen. Das Hochaltarbild mit der Darstellung des Marientods ist ein Hauptwerk von Trogers Landsmann und Zeitgenossen Michelangelo Unterberger.
Volksaltar und Ambo Der moderne Volksaltar stammt von Martin Rainer und wurde 1966 geschaffen. Auf dem aus Kupfer getriebenen Altar ist ein Relief des segnenden Christus zu sehen. Der gleiche Künstler schuf auch den Ambo, welches als Motiv die Bergpredigt zeigt.
Kassianaltar Der Kassianaltar wurde 1754–1756 von Franz Faber aus Telfs hauptsächlich aus Rosso-di-Francia-Marmor errichtet. Im Sarkophag aus weißem Carrara-Marmor befinden sich die Reliquien der heiligen Bischöfe Ingenuin von Säben und Albuin von Brixen; ihre Statuen sind zwischen den seitlichen Säulen zu sehen. Das Altarbild schuf Paul Troger 1753; es stellt das Martyrium des heiligen Kassian dar. Das Relief im Altaraufsatz entstand nach einem Entwurf von Franz Sebald Unterberger. Es stellt die Totenfeier des heiligen Albuin dar. Der Altar wurde vom Domkapitel gestiftet.
Rosenkranzaltar Der Rosenkranz- bzw. Sakramentsaltar wurde vom Trientner Steinbildhauer Francesco Oradini 1751–1753 aus weißem Brentonico-Marmor und schwarzem Bergamasco geschaffen. Zwischen vier Säulen sind die Statuen des heiligen Stephanus und des heiligen Laurentius zu sehen; Reliefs im Giebel zeigen den Abschied Jesu von den Aposteln sowie König David und den Propheten Jesaja. Das Altarbild der Rosenkranzkönigin mit dem heiligen Dominikus und der heiligen Katharina von Siena stammt von Franz Sebald Unterberger. Zu beiden Seiten des Altars hängen je acht Reliefmedaillons mit den Rosenkranzgeheimnissen, wahrscheinlich entstanden um 1611. Der Altar wurde von der Rosenkranzbruderschaft gestiftet.
Annenaltar Der St.-Anna-Altar wurde 1762–1764 von Franz Faber aus gelbem Brentonico und violettem afrikanischem Pavonazzo geschaffen. Die Seitenfiguren stellen die heiligen Jungfrauen Katharina und Christina dar, im Giebelrelief ist die Anbetung der Könige zu sehen. Das Altarbild der hl. Anna mit Maria und Jesuskind, Joachim und Josef schuf Franz Linder aus Wien. Der Rokoko-Altar wurde von der St.-Anna-Bruderschaft gestiftet. miniatur|Kassianaltar
Salvatoraltar Der Salvatoraltar stammt ebenfalls von Franz Faber und entstand 1763–1764. Er verwendete hierfür genuesischen Verde antico und gelben Torre-Marmor des Nonsbergs. Das Giebelrelief stellt den heiligen Augustinus dar, die Seitenfiguren aus weißem Carrara-Marmor die heiligen Bischöfe Martin und Nikolaus. Das Altarbild zeigt die Verklärung Christi auf dem Berg Tabor und wurde von Christoph Unterberger nach der „Transfiguration“ von Raffael gemalt. Der Altar wurde von der Salvatorbruderschaft gestiftet.
Agnesaltar Der St.-Agnes-Altar ist ein weiteres Werk des Franz Faber, diesmal 1764–1766 aus sizilianischem Diaspro und weißem Carrara-Marmor geschaffen. Die Seitenstatuen stellen die Bischöfe Lukanus und Hartmann dar, im Aufsatz der hl. Leopold. Das Altarbild von Christoph Unterberger zeigt das Martyrium der hl. Agnes. Der Altar wurde von Fürstbischof Leopold Graf Spaur gestiftet.
Johannes-Nepomuk-Altar Der Johannes-Nepomuk-Altar wurde 1754–1756 von Theodor Benedetti aus Brentonico- und Carrara-Marmor geschaffen. Er ist der erste klassizistische Altar in Tirol. Die Seitenskulpturen stammen von Dominikus Moling und stellen den hl. Christophorus und den hl. Oswald dar. Das Altarbild malte Gian Domenico Cignaroli in Wien. Der Altar wurde vom damaligen Brixner Domherren und späteren Kardinal Christoph Anton von Migazzi gestiftet.
Allerheiligenaltar