mini|hochkant|Coelestin V. in einem Fresko von Niccolò di Tommaso Die Papstwahl 1292–1294 war die letzte Papstwahl, die nicht in der Form eines Konklaves stattfand. Sie dauerte vom 5. April 1292 bis 5. Juli 1294. Nachdem Nikolaus IV. am 4. April 1292 gestorben war, berieten die zwölf Kardinäle mehr als zwei Jahre über einen Nachfolger des Papstes. Einer der Kardinäle starb während der Sedisvakanz. Am Ende wurde mit Peter vom Morrone (Pietro da Morrone) der dritte von sechs Nichtkardinälen im Spätmittelalter zum Papst gewählt. Er nahm den Namen Coelestin V. an.
Zeitgenössische Quellen deuten an, dass Peter vom Morrone mit der Annahme der Wahl zögerte, als er in seiner Einsiedelei davon erfuhr. Durch sein asketisches Leben war er auf die Aufgaben eines Papstes nicht vorbereitet. Er geriet unter den Einfluss von Karl II. von Neapel. Dies führte selbst bei den Kardinälen, die mit dem neapolitanischen Königshaus sympathisierten, zur Unzufriedenheit. Coelestin trat am 13. Dezember 1294 zurück.
Wähler Zu Anfang nahmen zwölf Kardinäle an der Wahl teil. Nach dem Tod des Kardinalprotopriesters Jean Cholet am 2. August 1293 waren es nur noch elf. Die besten Informationen über den Ablauf der Wahl stammen von Iacopo Stefaneschi, päpstlichem Subdiakon, Kaplan und vor allem Neffen von Matteo Rosso Orsini, 1295 von Bonifaz VIII. zum Kardinaldiakon von San Giorgio in Velabro kreiert.Herde: Cölestin V. S. 33 f. Kardinal Herkunft Rang Kardinaltitel Kreierungsdatum Ernennender Papst Anmerkungen Latino Malabranca Orsini, OP Rom Kardinalbischof Bischof von Ostia e Velletri 12. März 1278 Nikolaus III. Kardinaldekan, Generalinquisitor, Neffe von Nikolaus III. Gerhard von Parma Parma Kardinalbischof Bischof von Sabina 12. März 1278 Nikolaus III. Giovanni Boccamazza Rom Kardinalbischof Bischof von Frascati 22. Dezember 1285 Honorius IV. Neffe von Honorius IV. Matteo d’Acquasparta OFM Todi Kardinalbischof Bischof von Porto e Santa Rufina 16. Mai 1288 Nikolaus IV. Apostolische Pönitentiarie Jean Cholet Frankreich Kardinalpriester San Cecilia 12. April 1281 Martin IV. Kardinalprotopriester, verstorben am 2. August 1293 Benedetto Caetani Anagni Kardinalpriester Santi Silvestro e Martino ai Monti 12. April 1281 Martin IV. Kardinalprotopriester nach dem 2. August 1293; späterer Papst Bonifatius VIII. Hugues Aycelin, OP Frankreich Kardinalpriester Santa Sabina 16. Mai 1288 Nikolaus IV. Pietro Peregrossi Mailand Kardinalpriester San Marco 16. Mai 1288 Nikolaus IV. Kämmerer des Heiligen Kardinalskollegiums Matteo Rosso Orsini Rom Kardinaldiakon Santa Maria in Portico 22. Mai 1262 Urban IV. Kardinalprotodiakon, Erzpriester des Petersdoms Giacomo Colonna Rom Kardinaldiakon Santa Maria in Via Lata 12. März 1278 Nikolaus III. Erzpriester von Santa Maria Maggiore Napoleone Orsini Rom Kardinaldiakon Sant’Adriano am Forum Romanum 16. Mai 1288 Nikolaus IV. Pietro Colonna Rom Kardinaldiakon Sant’Eustachio 16. Mai 1288 Nikolaus IV.
Wahlverlauf hochkant|mini|Santa Maria sopra Minerva: Hier wurde die Wahl fortgesetzt Sechs der 12 Kardinäle, die 1292 lebten, stammten aus Rom. Sie verteilten sich gleichmäßig auf die Fraktionen der mächtigen römischen Familien Colonna und Orsini. Diese Familien bekriegten einander seit mehr als hundert Jahren. Dabei ging es nicht nur um die Führungsrolle in Rom selbst, sondern auch um die Auseinandersetzung um das Königreich Sizilien, das seit der Sizilianischen Vesper 1282 geteilt war. Die Colonna standen auf der Seite Aragons, die sich als Erben der Staufer verstanden, während die Orsini für den Franzosen Karl II. von Anjou Partei ergriffen, der faktisch nur noch König von Neapel war. Gleichzeitig waren sich die römischen Kardinäle einig in dem Bestreben, einen Papst von außerhalb verhindern zu wollen.John Paul Adams: Sede Vacante and Conclave, 1292–1294. Dies verhinderte die seit Alexander III. notwendige Zweidrittelmehrheit.;;Baumgartner, 2003, S. 43.;Peter Herde, Das Kardinalskollegium und der Feldzug vom Orvieto im Val del Lago (1294). in Erwin Gatz (Hrsg.): Römische Kurie. Kirchliche Finanzen. Vatikanisches Archiv. Studien zu Ehren von Hermann Hoberg. Rom 1979, S. 325–327. Jakob II. von Aragón finanzierte die Colonnafraktion mit Gold. Es ist aber nicht bekannt, ob es Simonie war. Karl II. leistete jährliche Zahlungen an neun Kardinäle, die für Ausgaben im Königreich Sizilien gedacht waren. In der Liste von 1291 fehlen zwar Gerhard von Parma und Benedikt Gaetani, da sie damals nicht an der Kurie weilten, sie dürften aber später ebenfalls bedacht worden sein.Herde: Cölestin V. S. 45 f. Es darf jedoch angenommen werden, dass alle Kardinäle an einer Lösung des Konflikts um Sizilien, der durch die Sizilianische Vesper ausgelöst worden war, Interesse hatten, zumal die Zahlungen von der Insel für die kurialen Finanzen nicht unbedeutend waren.Herde: Cölestin V. S. 48.
Zehn Tage nach dem Tod von Nikolaus IV. eröffnete der Dekan des Kardinalskollegiums, Latino Malabranca, die Wahlversammlung im Palast der Familie Savelli bei Santa Sabina auf dem Aventin mit einer Kritik an der Eroberung Siziliens durch die Aragonesen. Beim ersten Skrutinium (Abstimmung mit Stimmzetteln) erreichte kein Kandidat vier Stimmen. Das Konklave wurde im Dominikanerkloster Santa Maria sopra Minerva fortgesetzt, da der Kardinaldekan diesem Orden angehörte. Am 29. Juni brachen in Rom Unruhen aus, zudem veranlasste eine Malariaepidemie, der Jean Cholet zum Opfer fiel, die nicht aus Rom stammenden Kardinäle zum Rückzug nach Rieti, Benedikt Caetani reiste in seine Heimatstadt Anagni.Herde: Cölestin V. S. 48 f. Nur die römischen Kardinäle blieben in der Stadt.Herde: Cölestin V. S. 49. Im September kehrten Benedikt Caetani und Matthäus von Acquasparta nach Rom zurück, Peregrossi und Aycelin blieben in Rieti, Gerhard von Parma traf erst an Ostern 1293 wieder ein.
Die Sedisvakanz heizte die seit einem Jahrhundert herrschenden Auseinandersetzungen zwischen den Anhängern beider Familien in Rom weiter an. Zudem starben die beiden zu Ostern 1293 neugewählten Senatoren aus den Familien Colonna und Orsini nur kurz nach der Wahl. Adelspaläste und Kirchen wurden geplündert. Als sich das Gremium im Sommer 1293 wieder versammelte, hatte sich somit die Sicherheitslage erheblich verschlechtert. Da immer noch keine Einigung erzielt werden konnte, zog sich zu Beginn der Sommerhitze und wegen der Unruhen die Mehrheit der Kardinäle erneut nach Rieti zurück, diesmal allerdings auch die Orsini. In Rom blieben nur die beiden Colonna und ihr Parteigänger Boccamazza, Benedikt Caetani hielt sich in Viterbo und bei Todi auf. Da die außerhalb Roms weilenden Kardinäle die nötige Mehrheit hätten erreichen können, behauptete die Colonnafraktion, sie sei am rechten Ort und könne allein die Wahl vornehmen,Die Konklaveordnung Gregors X. sah vor, dass die Neuwahl in dem Ort zu vollziehen sei, in dem sich die Kurie beim Tod des Papstes befand. wandte sich aber auch an abwesende Kardinäle mit der Aufforderung, sich ihr anzuschließen. Zwei Adressaten sind bekannt: Aycelin und Peregrossi. Während der Franzose ablehnte, folgte der Mailänder der Aufforderung.Herde: Cölestin V. S. 50. Damit hatten die Colonna zwar keine Mehrheit, aber eine Sperrminorität. Diese Rechtsauffassung wurde von den anderen Kardinälen und ihren juristischen Ratgebern bestritten, weil die Konklaveordnung Gregors X. nicht die volle Rechtskraft erlangt habe.Herde: Cölestin V. S. 51–53. Da auch die Colonna die Schwächen ihrer juristischen Argumentation einsahen, einigte man sich darauf, die nicht aus Rom stammenden Kardinäle einen neuen Konklaveort festsetzen zu lassen. Ergebnis des Kompromisses war die Ladung nach Perugia für das Fest des Hl. Lukas, den 18. Oktober 1293. Bereits Anfang September begann die Stadt mit den Vorbereitungen für das Konklave.Herde: Cölestin V. S. 53 f.