mini|hochkant=1.6|Die Kirche Heiligste Dreifaltigkeit im Jahr 2018 mini|Das Kirchenportal
Die katholische Pfarrkirche Heiligste Dreifaltigkeit ist die älteste Kirche in Augsburg-Kriegshaber. Ihr Patrozinium lautet „Allerheiligste Dreifaltigkeit“. Ursprünglich neugotisch, ist die denkmalgeschützte Kirche nach baulichen Veränderungen, Zerstörung und Wiederaufbau heute in einem Zustand ohne eindeutigen Baustil.
Die Kriegshaberer Dreifaltigkeitskirche gehört zum Dekanat Augsburg II. Seit dem Jahr 2005 bildet sie zusammen mit der Kirche St. Thaddäus die Pfarreiengemeinschaft Augsburg-Kriegshaber.
Lage Die Kirche befindet sich im alten Ortskern von Kriegshaber. Sie liegt auf der Südseite der Ulmer Straße, schräg gegenüber der Synagoge Kriegshaber, nahe der Kreuzung der Ulmer Straße mit der Kriegshaberstraße und der Neusässer Straße.
Geschichte mini|hochkant|Die Kirche im Ursprungszustand, neugotisch
Katholische Kapellen in Kriegshaber Das Dorf Kriegshaber vor den Toren Augsburgs hatte zunächst keine eigene Kirche. Seine katholischen Einwohner gehörten dem Pfarrbezirk von St. Peter und Paul im östlich gelegenen Nachbardorf Oberhausen an.
Es gab jedoch in Kriegshaber seit dem Jahr 1689 eine katholische Kapelle „Mariä Heimsuchung“. Diese Kapelle wurde 1717 abgebrochen und durch den Neubau einer größeren Kapelle mit demselben Patrozinium an einem anderen Ort ersetzt (nordwestlich der Kreuzung Ulmer Straße/Neusässer Straße). 1816 wurde diese nochmals vergrößert.
In den Jahren 1883/1885, nach dem Bau der Kirche, wurde die Kapelle abgerissen, da sie baufällig war. Ihr barocker Altar ist jedoch erhalten und wird als „Marstaller Altar“ an Fronleichnam verwendet. Zwei Ölbilder kamen in die Seitenkapelle der Westheimer Kobelkirche und Statuen der zwölf Apostel in die Pfarrkirche St. Gallus in Steppach. Letzte Teile des Kapellengebäudes blieben noch bis nach 1920 erhalten.
Bau der Kirche Im Jahr 1858 wurde nordöstlich der Kreuzung Ulmer Straße/Neusässer Straße ein Friedhof eingeweiht, da der Friedhof in Oberhausen an seine Kapazitätsgrenze gelangt war. Im folgenden Jahr wurde in Kriegshaber eine Expositur gegründet und diese 1864 zu einer eigenen Pfarrei erhoben. 1866 begann man mit dem Bau der Pfarrkirche im neugotischen Stil unter dem Augsburger Architekten Max Treu. Es handelt sich bei dem Backsteinbau um einen Standardentwurf des Architekten, sehr ähnlich dem von St. Ulrich in Königsbrunn. Die Kirche wurde am 31. Mai 1868 benediziert und am 21. September 1873 geweiht.
Das Kirchenschiff bekam eine Breite von 16 und eine Länge von 24 Meter, der Chorraum eine Breite von 8 und eine Länge von 12 Meter. Die Außenwände wurden auf eine Höhe von 12 Meter hochgezogen und darauf ein Satteldach gesetzt. Der Kirchturm hatte ursprünglich eine Höhe von 46 Meter und besaß eine steilere Turmspitze als heute.
Die ursprüngliche Ausstattung der Kirche enthielt einen neugotischen Choraltar, den der Augsburger Schreiner und Bildhauer Karl Ebner schuf. Diesen schmückte ein Altarbild der Heiligsten Dreifaltigkeit, gemalt von Liberat Hundertpfund. Der Münchner Bildhauer Johann Riedmiller gestaltete dazu die Figuren. Die beiden 1872 hinzugefügten neugotischen Nebenaltäre, im Süden der Marienaltar und im Norden der Josephsaltar, stammen ebenfalls von der Hand Ebners und Hundertpfunds. Karl Ebner schuf außerdem auch eine neugotische Kanzel und zwei Beichtstühle.
Weitere Ausgestaltung mini|hochkant=1.5|Das Innere der Kirche im Ursprungszustand, neugotisch
1881 wurde der bestehende gemalte Kreuzweg durch einen aus Flachreliefs ersetzt. 1892 baute man einen neuen Tabernakel (von Karl Saumweber) mit Reliefs und Engelsfiguren von Max Fahrnberger ein. Von 1896 bis 1898 folgten mit Spitztürmen bekrönte Apostelfiguren aus dem Augsburger Bildhaueratelier Karl Port, die im Chorraum und zwischen den Fenstern im Langhaus angebracht wurden. 1903 wurden dem Chorraum zwei bunte Glasfenster mit Darstellungen der Taufe Christi und der Verkündigung des Herrn hinzugefügt, die aus der Münchner Glasmalerei Franz Xaver Zettlers stammten. 1906 überarbeitete der Kriegshaber Maler Josef Becher die Ausmalung der Kirche. Dabei wurden die bisher gemalten Kapitelle nun massiv ausgeführt. Die gekehlte Decke erhielt ein Deckengemälde des Malers Degenhart, das die Krönung Mariens darstellte. Der Boden des Gottesdienstraums wurde mit Solnhofener Platten belegt.
Umgestaltungen (veränderter Kirchturm und Versachlichung) Die Kirche wurde 1925 bis 1929 durch Michael Kurz teilweise umgestaltet, der auch Baumeister mehrerer anderer Augsburger Kirchen ist (Herz-Jesu-Kirche, St. Anton, St. Joseph, St. Konrad). Zu diesen Umbauten gehört ein neuer Emporenaufgang. Da der 46 Meter hohe Kirchturm, dessen Spitzhelm 13 Meter maß, baufällig geworden war, musste er 1929 bis zum Boden des Glockenstuhls abgetragen werden. Nach Plänen von Kurz wurde der Turm in sachlichem Stil mit einem weniger steilen Spitzhelm auf die heutige Höhe von 37 Metern wieder aufgebaut. Dabei wurde er mit einer neuen Turmuhr ausgestattet. Bei der Außenrenovierung verlor das Kirchenschiff seine neugotischen Fensterbandgesimse und Maßwerke, die nur bei den Fenstern erhalten blieben. Das rote Backsteinmauerwerk wurde verputzt und das ursprünglich mit einem Ziermuster gedeckte Dach ohne Verzierungen neu eingedeckt.
Im Rahmen einer Renovierung von 1936 bis 1941, die der Augsburger Architekt Karl Ostertag leitete, wurde schließlich auch die neugotische Inneneinrichtung entfernt. Die neugotischen Holzaltäre mit ihren Aufbauten, Bildern und Figuren wurden durch neue aus Marmor ersetzt. Vom Münchner Bildhauer Oswald Hofmann geschaffene Figuren der vier lateinischen Kirchenväter wurden seitlich des zentralen Tabernakels des neuen Hauptaltars aufgestellt. Davon stehen Augustinus und Ambrosius heute in der Taufkapelle. Ebenfalls von Hofmann stammt eine über dem Hauptaltar angebrachte Dreifaltigkeitsgruppe, sowie eine Heilig-Geist-Plastik für den Schalldeckel einer neuen Kanzel mit Figuren der vier Evangelisten. Zwei davon sind heute in der Seitenkapelle angebracht. Ebenfalls neugestaltet wurden die Kommunionbank und die Seitenaltäre.
Die ursprünglichen Altarbilder der Seitenaltäre befinden sich heute im Sitzungszimmer des Pfarrhauses.
Zerstörung im Zweiten Weltkrieg und Wiederaufbau Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche bei einem Bombenangriff auf Augsburg am 16. Juli 1944, einem Sonntag, durch Spreng- und Brandbomben weitgehend zerstört. Der Kirchturm und der Chorraum blieben stehen, aber der Rest der Kirche war bis auf die Westwand dem Boden gleichgemacht. Die Dreifaltigkeitsgruppe blieb erhalten und hängt bis heute über dem Altar.
mini|hochkant=1.5|Innenraum (2018) Ab 1948 begann der Abbruch der Ruinenreste und der Wiederaufbau der Kirche an derselben Stelle unter der Leitung von Michael Kurz. Dabei konnten die Fundamente und Ziegelsteine wiederverwendet werden. Beim Wiederaufbau wurden zwei Seitenschiffe hinzugefügt und das Langhaus um ein Joch auf sechs Joche verlängert, wobei die erhaltene Westwand entfernt wurde. Dadurch konnte die Zahl der Sitzplätze von 350 auf 450 vergrößert werden. Die vor der Zerstörung spitzbogigen Fenster wurden im Neubau als Rundbogenfenster ausgeführt, die Seitenschiffe erhielten Rundfenster. Das Mauerwerk und der Dachstuhl des Chors wurden ebenfalls abgetragen und neu gebaut.
1950 konnte die Kirche durch Bischof Joseph Freundorfer ein zweites Mal geweiht werden. 1958/1959 wurde sie mit Werken des Kriegshaberer Kirchenmalers Karl Radinger neu ausgestaltet, der einen neuen Hochaltar, eine Kanzel, einen Kreuzweg und eine große Weihnachtskrippe nach Tiroler Vorbild schuf.
Renovierungen und Umgestaltungen mini|Die Hlgst. Dreifaltigkeit und Kreuz über dem Chorraum
1965 wurde unter der Leitung des Neusäßer Architekten Karl Sendlinger der Altarraum umgestaltet und dabei, den liturgischen Veränderungen des Zweiten Vatikanischen Konzils entsprechend, ein einfacher provisorischer Volksaltar aus Holz errichtet. Dieser wurde 1972 durch einen künstlerisch gestalteten Volksaltar ersetzt.
Nach dem Wiederaufbau waren die Backsteine zunächst geschlämmt, so dass sich die gemauerte Steinstruktur noch zeigte. 1980 wurde ein durchgehender Putz aufgebracht, der das Mauerwerk verbirgt. Eine Seitenkapelle wurde 1982 errichtet, die der Augsburger Künstler Georg Bernhard ausmalte. Unter seiner Leitung wurde die Kirche 1987/1988 innen renoviert, wobei der Altar durch einen neuen Volksaltar aus rotem Marmor ersetzt wurde. Bernhard schuf dazu passend einen neuen Ambo und Osterkerzenleuchter aus dem gleichen Material sowie neue Kirchenfenster im Altarraum. Ein drittes Fenster wurde im Chorscheitel hinzugefügt. Die bis dahin dort angebrachte Dreifaltigkeitsgruppe wurde nun über dem Altar schwebend montiert. Die drei neuen Fenster in der Apsis symbolisieren mit jeweils einer Farbe die Dreifaltigkeit: links gelb (Gott Vater), in der Mitte rot (Gott Sohn) und rechts blau (heiliger Geist).
Im Jahr 2000 wurde eine Lourdes-Kapelle eingeweiht. Von 2004 bis 2007 fanden verschiedene Sanierungen statt.
Baubeschreibung Die Kirche ist eine dreischiffige, nach Osten ausgerichtete Basilika mit eingezogenem Chor, Querhaus und nördlichem Turm mit Spitzhelm. Das Mittelschiff hat eine Breite von 16 Metern, dies entspricht der Gesamtbreite des einschiffigen Vorgängerbaus. Die als Flure dienenden Seitenschiffe haben eine Breite von je 3 Metern. Die Gesamtbreite der heutigen Kirche ist damit 22 Meter. Das Hauptschiff hat eine Länge von 27 Metern und die Vorhalle eine Länge von 4 Metern. Die Höhe des Mittelschiffs ist 13,50 Meter und die der Seitenschiffe 4,50 Meter. Zwischen dem Mittelschiff und den Seitenschiffen sind Segmentbogenarkaden. Die Seitenwände sind durch raumhohe Pfeiler mit Kapitellen gegliedert.
Den Abschluss an der Westfassade bildet eine rundbogige Portalanlage. In die Vorhalle schneidet ein Portal aus Ziegelsplittbeton ein. Ein kleines Treppentürmchen im Südwesten erschließt den Zugang zur Orgelempore. Der 37 Meter hohe Kirchturm hat im unteren Bereich einen quadratischen Querschnitt, im oberen einen unregelmäßig achteckigen. Die Helmspitze ist aus Kupfer. Vom Turm aus ist nach Süden ein Querhaus mit Satteldach gebaut, das ursprünglich (1945) als Basis für einen zweiten Turm gedacht war, der aber nicht gebaut wurde. Das Satteldach des Hauptschiffs ist 23 Meter hoch. Die Seitenschiffe haben niedrige Pultdächer.
Der Chorraum hat eine Länge von 12 Metern und eine Breite von 8 Metern. Der Chorschluss ist polygonal. Über dem Chor ist ein Kreuzgratgewölbe, über der Apsis ein Schalengewölbe mit Stichkappen. Im Norden des Chors befindet sich eine Seitenkapelle, im Süden des Chors die Sakristei, im Osten des Chors ein Lagerraum. Zusammen mit den Anbauten hat die Kirche eine Gesamtlänge von 47 Metern.
Die Empore wird von einer fünfteiligen Rundbogenarkade gestützt. Das Mittelschiff hat eine Kassettendecke, die nach der Vorlage des Malers Lothar Schwink mit Kaseinfarbe in Braun- und Rottönen gestrichen ist. Die Seitenschiffe haben eine einfache Holzdecke. Der Boden ist mit Solnhofer Platten belegt, wie schon im Vorgängerbau.
Das Gebäude ist innen verputzt und geweißelt, außen verputzt und ockerfarben gestrichen.
Ausstattung Altäre mini|Der Chorraum
Der nach dem Wiederaufbau 1958/1959 geschaffene Altar im Chorscheitel wurde mit rechteckigen Flügelaltarbildern von Karl Radinger gestaltet, ebenso die beiden Seitenaltäre: der Marienaltar im Süden und der Josefsaltar im Norden. Radinger stimmte die Motive der vier Seitenaltarbilder so aufeinander ab, dass auf jedem je eine männliche Heiligenfigur hinter einer weiblichen steht (mit einer Ausnahme, wo anstatt einer Frau ein Knabe dargestellt ist).