mini|Palazzo dei Papi Die Papstwahl 1268–1271 fand nach dem Tod von Clemens IV. zwischen November 1268 und 1. September 1271 statt. Sie war damit die am längsten dauernde Papstwahl der Geschichte der römisch-katholischen Kirche.Wright, David. 18. April 2005. Inside Longest Papal Conclave in History. ABC News.McWhirter, Norris. 1983. Guinness Book of World Records. Bantam Books. S. 464. Dies war vor allem auf die Machtkämpfe zwischen den Kardinälen zurückzuführen. Die Wahl von Teobaldo Visconti zu Gregor X. war der erste Fall einer Wahl per Kompromiss.Trollope, Thomas Adolphus. 1876. The Papal Conclaves, as They Were and as They are. Chapman and Hall. S. 54. Er wurde von einem Komitee von sechs Kardinälen gewählt, dem die anderen zehn Mitglieder zustimmten. Die Wahlen fanden mehr als ein Jahr statt, nachdem der Magistrat von Viterbo das Kardinalskollegium in den Papstpalast von Viterbo gesperrt hatte, die Rationen auf Wasser und Brot reduziert wurden und das Dach auf legendäre Weise entfernt worden war.Bower, Archibald. 1766. The History of the Popes: From the Foundation of the See of Rome to the Present Time. S. 283–284.
Infolge der langen Wahldauer verkündete Papst Gregor am 7. oder 16. Juli 1274 während des zweiten Konzils von Lyon die Apostolische Konstitution Ubi periculum. In ihr wurde das Konklave erfunden, dessen Regeln sich am Ablauf der Wahl in Viterbo orientierten. Diese Wahl wird auch oft als das erste Konklave bezeichnet.Levillain, Philippe, The Papacy: An Encyclopedia. Routledge. ISBN 0-415-92228-3. S. 392.
Kardinalwähler Das Kardinalskollegium war geteilt zwischen den französisch-neapolitanischen Kardinälen, welche meist von Papst Urban IV. kreiert wurden und den nicht-französischen, meist italienischen Kardinälen, deren Zahl ausreichte, einen französischen Papst zu verhindern.Miranda, Salvator. 1998. Papal elections and conclaves of the 13th Century (1216–1294). Die Krönung von Karl I. durch Papst Clemens IV. zum König von Neapel und Sizilien, einem vormalig päpstlichen Lehen,Baumgartner, Frederic J. 2003. Behind Locked Doors: A History of the Papal Elections. Palgrave Macmillan. ISBN 0-312-29463-8. S. 41. festigte den Einfluss der französischen Monarchie in Italien. Das führte zu einer Spaltung des Kardinalskollegiums zwischen den Kardinälen, die Frankreich befürworteten, und denen, die es ablehnten.Trollope, 1876, S. 59. Konradin, letzter Herrscher aus dem Haus der Staufer, wurde nur einen Monat vor dem Tod von Clemens IV. in Neapel enthauptet.Trollope, 1876, S. 60.
Beim Tod von Clemens IV. gab es zwanzig Kardinäle.R. Sternfeld, Der Kardinal Johann Gaetan Orsini (Papst Nikolaus III.) 1244–1277 (Berlin 1905), S. 156; John Paul Adams Sede Vacante 1268–71; K. Eubel, Hierarchia Catholica Medii Aevi (1913) S. 8; cfr. Miranda, Salvator. 1998. Papal elections and conclaves of the 13th Century (1216–1294). Bernard Ayglerius, OSB, Abt von Montecassino, angeblich der einzige Kardinal, welcher von Papst Clemens IV. kreiert wurde, wurde von der Wahl ausgeschlossen, da es keinen Nachweis für seine Ernennung gab. Siehe Eubel, S. 8 und John Paul Adams Sede Vacante 1268–71; Sternfeld erwähnt ihn nicht und sagt auf Seite 200, dass zwischen 1262 und 1273 keine Kardinäle ernannt wurden. Ein Kardinal, Rodolphe von Albano, nahm überhaupt nicht an der Wahl teil und starb während dieser.R. Sternfeld, Der Kardinal Johann Gaetan Orsini (Papst Nikolaus III.) 1244–1277 (Berlin 1905), S. 156; John Paul Adams Sede Vacante 1268–71. Daher nahmen neunzehn Kardinäle an der Papstwahl teil. Zwei von ihnen starben ebenfalls während der Wahl.R. Sternfeld, Der Kardinal Johann Gaetan Orsini (Papst Nikolaus III.) 1244–1277 (Berlin 1905), S. 156.
Kardinal NationalitätR. Sternfeld, Der Kardinal Johann Gaetan Orsini (Papst Nikolaus III.) 1244–1277 (Berlin 1905), S. 156–171. Kardinaltitel Ernannt amKonrad Eubel, Hierarchia Catholica Medii Aevi, (1913), I, S. 7–8.PapstAnmerkungen Odo von Châteauroux Frankreich Kardinalbischof von Frascati 28. Mai 1244 Innozenz IV. Kardinaldekan István Báncsa † Ungarn Kardinalbischof von Palestrina Dezember 1251 Innozenz IV. Verstorben am 9. Juli 1270 Johannes von Toledo OCist England Kardinalbischof von Porto und Santa Rufina 28. Mai 1244 Innozenz IV. Henricus de Segusio Piemont Kardinalbischof von Ostia und Velletri Mai 1262 Urban IV. Verließ am 8. Juni 1270 das Konklave und kehrte später zurückJohn Paul Adams Sede Vacante 1268–71. Simone Paltanieri (oder Paltinieri, oder Paltineri) Padua Kardinalpriester von Santi Silvestro und Martino ai Monti 17. Dezember 1261 Urban IV. Komiteemitglied Kardinalprotopriester Simon Monpitie de Brie Frankreich Kardinalpriester von San Cecilia 17. Dezember 1261 Urban IV. Späterer Papst Martin IV. Anchero Pantaléon Frankreich Kardinalpriester von Santa Prassede Mai 1262 Urban IV. Kardinalnepot Guillaume de Bray Frankreich Kardinalpriester von San Marco Mai 1262 Urban IV. Guy de Bourgogne OCist Herzogtum Burgund oder Kastilien Kardinalpriester von San Lorenzo in Lucina Mai 1262 Urban IV. Komiteemitglied Annibale Annibaldi OP Rom Kardinalpriester von Santi XII Apostoli Mai 1262 Urban IV. Riccardo Annibaldi Rom Kardinaldiakon von Sant’Angelo in Pescheria 1238Cardinali di curia e «familiae» cardinalizie dall 1227 al 1254. 2 vols. Padova : Antenore, 1972. (Italia sacra, 18–19), I, S. 128. Gregor IX. Komiteemitglied Neffe von Papst Alexander IV.
Kardinalprotodiakon Ottaviano Ubaldini Florenz Kardinaldiakon von Santa Maria in Via Lata 28. Mai 1244 Innozenz IV. Komiteemitglied Giovanni Gaetano Orsini Rom Kardinaldiakon von San Nicola in Carcere 28. Mai 1244 Innozenz IV. Komiteemitglied Späterer Papst Nikolaus III. Ottobono Fieschi dei Conti di Lavagna Genueser Kardinaldiakon von Sant’Adriano am Forum Romanum Dezember 1251 Innozenz IV. Späterer Papst Hadrian V. Kardinalnepot Uberto Coconati Piemont Kardinaldiakon von Sant’Eustachio 17. Dezember 1261 Urban IV. Giacomo Savelli Rom Kardinaldiakon von Santa Maria in Cosmedin 17. Dezember 1261 Urban IV. Komiteemitglied Späterer Papst Honorius IV. Goffredo da Alatri Alatri Kardinaldiakon von San Giorgio in Velabro 17. Dezember 1261 Urban IV. Giordano Pironti † Terracina Kardinaldiakon von Santi Cosma e Damiano Mai 1262 Urban IV. Gestorben im Oktober 1269 Vizekanzler Matteo Rosso Orsini Rom Kardinaldiakon von Santa Maria in Portico Mai 1262 Urban IV. Neffe von Nikolaus III.
Abwesender Kardinal
KardinalNationalitätKardinaltitelErnannt amPapstAnmerkungen Raoul Grosparmi † (Rodolphe de Chevriêres) Frankreich Kardinalbischof von Albano 17. Dezember 1261 Urban IV. Er begleitete König Ludwig IX. von Frankreich auf seinen Kreuzzug nach Tunesien und starb am 11. August 1270.The Cardinals of the Holy Roman Church: Raoul Grosparmi.
† bezeichnet die Kardinäle, welche während der Wahl starben.
Kardinalfraktionen + Nationalität der Kardinäle Land KardinäleRom 5Frankreich† 5Piemont 2England, Florenz, Genua, Ungarn†, Alatri, Padua, Terracina†, Herzogtum Burgund oder Kastilien 1 Nach zeitgenössischen Berichten in den Annales Piacentines war das Kollegium in die Anhänger von Karl von Neapel und der kaiserlichen Partei geteilt. Die genaue Aufteilung ist aber heute unklar.Sternfeld, S. 156 ff. und S. 317–321.Sternfeld, S. 317.Sternfeld, S. 317–318.Sternfeld, S. 318.
Nach SternfeldS. 156–181, 317–321. ist es sogar möglich, vier Parteien zu identifizieren. Die beiden zusätzlichen Gruppen waren Anhänger unterschiedlicher Parteien des römischen Adels. In der Wahl schlossen sich die Anhänger von Annibaldi der kaiserlichen Partei an und Orsini schloss sich den Anhängern des Königs von Neapel an.Cfr. Sternfeld, S. 164, 169–170.
Ablauf mini|Der Dom von Viterbo, wo die Wahl begann. Die Wahl begann, indem sich die Kardinäle im Bischofspalast trafen, abstimmten und in die jeweiligen Residenzen zurückkehrten. Nach der Tradition sollte die Wahl in der Stadt stattfinden, in der der Vorgängerpapst starb. Über die Kandidaten der fast dreijährigen Wahl ist wenig bekannt. Als sicher gilt, dass die Kardinäle Odo von Châteauroux, Johannes von Toledo, Giovanni Gaetano Orsini, Ottaviano Ubaldini, Riccardo Annibadi und Ottobono Fieschi als papabile galten.Sternfeld, S. 157–160, 170–171. Nach späteren Berichten, welche von zeitgenössischen Quellen nicht gedeckt werden, wurde nach zwei Monaten Philipp Benizi, der Generalprior des Servitenordens, welcher nach Viterbo kam, um die Kardinäle zu ermahnen, vorgeschlagen. Auch der heilige Bonaventura wurde angeblich zur Wahl vorgeschlagen. Heutige Gelehrte behandeln die Berichte mit Skepsis und betrachten sie als Erfindungen der Hagiographen der beiden Heiligen.John Paul Adams Sede Vacante 1268–71 und Ambrogio Piazzoni: Histora wyboru papieży. Kraków 2003, S. 194. Karl von Neapel hielt sich während der ganzen Wahl in Viterbo auf.The Quarterly Review. 1896. S. 511–512. Philipp III. von Frankreich besuchte die Stadt im März 1271.
links|mini|Der heilige Philip Benizi, der nach zwei Monaten fast gewählt wurde. Ende 1269, nach mehreren Monaten ohne Ergebnis, in denen sich die Kardinäle zeitweise trafen,Christopher M. Bellitto: The General Councils: A History of the Twenty-one Church Councils from Nicaea to Vatican II. Paulist Press, 2002, ISBN 0-8091-4019-5, S. 61. befahlen Ranieri Gatti,Trollope, 1876, S. 61. der Präfekt von Viterbo, und Albertus de Montebono,Walter Hilliard Bidwell und John Holmes Agnew. Eds. 1876. Eclectic Magazine. S. 476. der Podestà, die Kardinäle im Papstpalast von Viterbo bis zur Wahl eines Papstes einzusperren. Am 8. Juni 1270 richteten die Kardinäle ein Schreiben an beide Magistrate mit der Bitte, Henricus de Segusio, Kardinalbischof von Ostia, wegen seiner schlechten Gesundheit aus dem „Palatio discooperto“ zu entlassen, und schrieben, dass er auf sein Wahlrecht verzichten werde.
Nach dem Bericht von Onofrio Panvinio schlug Kardinal Johannes von Toledo vor, das Dach zu entfernen, um dem Heiligen Geist den Weg zu öffnen. Dies setzten die beiden Magistrate um. Dies ist der erste schriftliche Nachweis der Vorstellung, dass der Heilige Geist die Kardinäle leiten soll. Andere Quellen besagen, dass Karl I. von Neapel die Ernährung der Kardinäle mit Wasser und Brot und die Abdeckung des Daches anordnete.Sladen, Douglas Brooke Wheelton, and Bourne, Francis. 1907. The Secrets of the Vatican. Hurst and Blackett Limited. S. 48–50. Einige Quellen berichten, dass das Dach wiederhergestellt wurde, nachdem die Kardinäle mit einem Interdikt für die Stadt Viterbo gedroht hatten.
Das Komitee Auf Druck von Philipp III. von Frankreich und anderer Herrscher beschlossen die Kardinäle am 1. September 1271 ihre Autorität auf ein sechsköpfiges Komitee zu übertragen. Diesem gehörten Giovanni Gaetano Orsini, Giacomo Savelli (beide Orsini-Fraktion), Simone Paltinieri, Ottaviano Ubaldini, Guy de Castella (alle drei kaiserliche Fraktion) und Riccardo Annibaldi (Annibaldi-Fraktion). Die Anhänger des Königs von Neapel waren im Komitee nicht vertreten.Sternfeld, S. 180–181.
Das Komitee wählte einen Italiener aus Piacenza, Teobaldo Visconti, der nicht Kardinal war und im Gefolge von Eduard I., dem ältesten Sohn von Heinrich III., als Päpstlicher Legat am Kreuzzug des Prinzen Eduard teilnahm. Nachdem er über seine Wahl informiert wurde, reiste er am 19. November 1271 aus Akkon ab und erreichte am 12. Februar 1272 Viterbo. Er nahm den Namen Gregor X. an. Am 13. März 1272 erreichte er Rom und wurde vierzehn Tage später gekrönt.
Nachwirkungen
Diese Papstwahl bildete die Grundlage für das kanonische Recht über die Konklaven in der späteren apostolischen Konstitution Ubi periculum, welche Papst Gregor X. während des zweiten Konzils von Lyon am 7. oder 16. Juli 1274 verkündete. In den bekannten Berichten des französischen Historikers Georges Goyau werden die politischen Intrigen von Karl I. und seinem Neffen Philipp III., welche die Einwohner von Viterbo beeinflussten, nicht erwähnt.