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Li Chevalier (vereinfachtes Chinesisch: 诗蓝 ; Pinyin : Shī Lán; * 30. März 1961 in Peking) ist eine französische Künstlerin und Malerin. Im Jahr 1986 erwarb sie die französische Staatsbürgerschaft. Ihre Arbeit bewegt sich an der Schnittstelle zwischen Europa und Asien.

Li Chevalier ist Mitglied der Taylor Stiftung und der ADAGP (Société Des Auteurs dans les Arts Graphiques et Plastiques, einem Zusammenschluss von Autoren der grafischen und bildenden Künste in Frankreich). Seit 2010 organisiert sie monographische Ausstellungen im Museo d’Arte Contemporenea di Roma (Museum für zeitgenössische Kunst in Rom), im chinesischen Nationalmuseum der bildende Kunst, im Today Art Museum in Peking Today Art Museum sowie im Kunstmuseum Schanghai.

Ihre Werke sind mittlerweile Teil der Dauerausstellung des Nationalen Kunstmuseums von China (auch NAMOC genannt) und des chinesischen Nationalen Zentrums für Darstellende Künste. Neben den Gemälden zweier anderer französisch-chinesischer Künstler, Zao Wouki und Chuh Teh Chun, schmücken zwei ihrer wichtigsten Werke seit 2011 die Wände der französischen Botschaft in China. 2014 erhielt sie die Goldmedaille der SNBA (Société Nationale des Beaux-Arts, einer französischen Künstlervereinigung) für ihre Installation und den Grand Prix für Bildhauerei der ADAGP. Li Chevalier wurde insbesondere durch ihre experimentelle Malerei bekannt, welche aus einer Verschmelzung westlicher Medien und Bestandteilen der alten chinesischen Kunst entsteht. Dank ihrer Installationen und ihrem sehr persönlichen Stil der Inszenierung gehört sie zu den berühmtesten Multimediakünstlerinnen.

Biografie mini|400x400px|Monographische Ausstellung, MACRO, 2017 Li Chevalier ließ sich in den achtziger Jahren in Frankreich nieder. Zwischen 1986 und 1990 absolvierte sie ein Masterstudium am Institut für politische Studien in Paris. Anschließend studierte sie politische Philosophie an der Universität La Sorbonne Paris. Es folgte ein Aufbaustudium unter der Leitung von Louis Sala-Molins und Robert Misraho. Angesichts der dramatischen Auswirkungen der kulturellen Revolution auf sie selbst und ihre Zeitgenossen, schien der Umweg eines Studiums der Politik und der Philosophie unvermeidlich. mini|394x394px|Cantabile per Archi, Zentrum für darstellende Kunst Chinas, 2013 Ihre künstlerische Ausbildung erhielt Li Chevalier in den neunziger Jahren, zunächst während verschiedener Studienaufenthalte in Italien (unter anderem am Institut für Kunst und Restaurierung in Florenz). In Frankreich nahm sie an den Masterkursen der französischen Maler Thibaut de Reimpré und Pierre Henry teil. 2003 wurde sie in den SNBA aufgenommen. Sie zählt zu den Vertretern der SNBA, die im Rahmen der Kunstveranstaltung „L’Art en Capital“ im Grand Palais in Paris, eine der größten Kunst-Veranstaltungen Frankreichs ausstellten.

Im Jahr 2003 machte sich Li Chevalier auf den Weg nach London, um sich am Atelier Dali des Central Saint Martins College of Art and Design zu perfektionieren. Anschließend schrieb sie sich an der Kunsthochschule ein und absolvierte 2007 ein Studienjahr unter der Leitung von Stephan Williams. Noch im selben Jahr gewann sie einen Wettbewerb, welcher es ihr ermöglichte, ihre Werke an der Sommerausstellung der Royal Academy of Arts (Königlichen Akademie für Kunst in London) auszustellen. Der Direktor der Akademie entdeckte Chevaliers Arbeit und wurde zu einem der ersten Kunstsammler Londons, der ihre Werke sammelte.

Im Jahr 2008 kehrte sie dann nach China zurück. Der berühmte Theoretiker chinesischer Kunst, M. Penfeng, Vize-Vorsitzender des ästhetischen Forschungszentrums der Universität Peking und Vorsitzender des chinesischen Pavillons für die 54. Biennale von Venedig, setzte sich für Li's Teilnahme an der chinesischen Delegation ein. Leider wurde dieser Vorschlag aufgrund ihrer französischen Staatsangehörigkeit abgelehnt.

Hauptausstellungen Monografische Ausstellungen Die letzte monografische Ausstellung der Künstlerin fand 2017 in dem Museum d’Arte Contemprenea di Roma statt. Im Dezember 2004 widmete die Virginia Commonwealth University’s School of the Arts Li Chevalier eine monografische Ausstellung. Dort wurde erstmals eine Kollektion der experimentellen Tuschmalereien gezeigt, welche heute als besonderes Merkmal ihres Stils gilt. An der Byam Shaw School des Central Saint Martins College of Art in London wurde 2006 ebenfalls eine monografische Ausstellung von Li Chevalier veranstaltet. Seit 2010 wurden insgesamt drei große Retrospektiven von Li Chevalier ausgestellt: Im Nationalen Kunstmuseum Chinas (auch Namoc genannt) in Peking im Dezember 2010, anschließend im Today Art Museum in Peking im Mai 2010 und daraufhin im Kunstmuseum Schanghai im September 2011. Seit 2010 werden Werke von ihr in der Dauerausstellung des National Art Museum of China gezeigt.

mini|Li Chevalier in ihrem Atelier, Peking

Unter der Schirmherrschaft des Bürgermeisters von Bordeaux Alain Juppé und des Organisationskomitees der Feier zum 50. Jahrestag der französisch-chinesischen diplomatischen Beziehungen des Außenministeriums im Jahr 2014, stellte die Unterwasserbasis Bordeaux „L’Art du Croisement“ (die Kunst der Mischung), eine monografische Kollektion der Künstlerin, aus. Danach sind die Gemälde der Künstlerin in die permanente Sammlung des Institutes Institut Bernard Magrez aufgenommen worden.

Gruppenausstellungen mini|Li Chevalier in ihrem Atelier in Peking Im Jahr 2007 gewann Li Chevalier einen Wettbewerb und durfte daraufhin ihr Werk an der Royal Academy of Arts in London ausstellen. Diverse internationale Kunstmessen stellten ihre Gemälde aus, wie beispielsweise die Internationale Kunstmesse London (2007), die Internationale Kunstmesse Glasgow (2008), die Internationale Kunstmesse des Nordens (2008), die Internationale Kunstmesse Schanghai (2008), die Internationale Kunstmesse Peking (2011) und die Nationale Kunstgalerie von Qatar Al Bida in Doha (2003). In den Jahren 2007 und 2011 zählte sie zu den Vertretern der SNBA für „L’Art en Capital“ (Die wesentliche Kunst) im Grand Palais in Paris.

Zu ihren weiteren künstlerischen Veranstaltungen zählen außerdem eine Teilnahme an der Internationalen Ausstellung der Bildhauerei sowie die Installation Open (Offen) in Venedig, die Präsentation ihrer Werke in der Ausstellung „Art pour la Paix“ (Kunst für den Frieden) im Sitz der UNESCO, in mehreren Ausstellungen im Kunstmuseum Wuhans in China (2010), im Jin Zhi Jian Museum in Peking (2010), im Kunstmuseum Huanties (2009), im Kunstmuseum Shang Shang in Peking (2010), in der Kunstgalerie der Columbia-Universität in den USA, im koreanischen Kulturzentrum Pekings, in der New Age Galerie in der Stadt der Künste im Espace 789 in Peking, in der Astley Galerie in Schweden sowie im Kunstmuseum der Akademie von Sankt Petersburg (2015). In Paris widmete die SNBA Li Chevalier einen exklusiven Raum im Carrousel du Louvre für ihre Installation Stèle de lumières, (Lichtstelen) hommage à Victor Segalen.

Im Oktober 2015 nahm sie an der vom Maison Bleu Studio veranstalteten Ausstellung Vide et Plein (Voll und leer) teil. Gérad Wuriguera, ein Kritiker der Ausstellung, schrieb über ihr Werk: „Hier wird eine Art Schwermut deutlich, eine irreführende Distanz, aber hauptsächlich eine echte Beherrschung. Diese ernsten und geheimnisvollen Bilder, welche die Natur widerspiegeln, sind vor allem eine Evokation, aber diese Evokation der Quintessenz der Natur, die nur ihrer Autorin zugehörig ist. Letztendlich erlag Li Chevalier der Versuchung allerdings nicht, eine Brücke zwischen Ost und West zu bauen: Sie hat eine Welt geschaffen, ihre eigene Welt“.

Kunststil Tuschezeichnung auf Leinwand Encre et Entre (Tusche und Zwischen) mini|307x307px|L'origine du monde. MACRO ROMA

Im Spannungsfeld der immer stärker werdenden kulturellen Globalisierung teilt sich die chinesische Kunstszene in zwei antagonistischen Tendenzen. Einerseits die Verschärfung der identitären Abschottung und andererseits die klare Ausrichtung nach Westen mit seiner künstlerischen Sprache: Die amerikanische Pop Art und der europäisch geprägte Realismus oder Surrealismus. Li Chevalier lebt seit drei Jahrzehnten zwischen Asien und Europa, sie zählt jedoch zu denjenigen, die sich für einen dritten Weg entschieden haben. Sie absolvierte ihre Ausbildung in den beiden wichtigsten Kulturzentren Europas: In Italien, einem Land, in dem der Klassizismus weiterhin anhält, sowie am Central Saint Martins in London, das für seinen Avantgardismus bekannt ist. Chevalier wagt sich auf ein hybrides Terrain und spricht eine Sprache des Zusammenkommens.

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Der französische Sinologe Francois Jullien schrieb in seinem Artikel Encre et Entre (Tusche und Zwischen) über Li Chevalier's Werk: „‚Encre‘ (Tusche), eine eigenartige künstlerische Sprache, entsprungen aus dem tausendjährigen Orient. ‚Entre‘ (Zwischen), einer räumlichen Verbindung zwischen zwei Ufern, dem Orient und dem Abendland, einem zeitlichen Dialog, der Vergangenheit und Gegenwart verbindet. Li Chevalier nutzt die Flüssigkeit der Tusche (im Gegensatz zur ‚Plumpheit‘ der Ölmalerei) und die Mehrdeutigkeit der Formen in einer halb-abstrakten Sprache. Anhand der zusätzlichen Verwendung von anderen Materialen und einer Revolution der Basis versucht sie, den Lyrismus der Tusche zu verstärken. Sie arbeitet auf Leinwand und benutzt Pigmentfarbstoff, Splitter von Mineralstoffen, Sand, Papier und Kalligraphie. Sie experimentiert zudem mit verschiedensten Formaten, von winzigen über riesigen, bis hin zu quadratischen oder rechteckigen Formen. Ihr Verhältnis zu Inszenierungen lässt sich als eine Eroberung des gesamten Ausstellungsraums beschreiben und Li Chevalier lässt sie damit zu einer echten Installation werden.“

Die Symbolik betreffend, sind Landschaftsmalereien von Li Chevalier, die sich selbst als eine Erbin der Malereischule des lettrés bezeichnet, ein Vorwand, um ihr „philosophisches Erstaunen“ zum Ausdruck zu bringen. Ohne Hinweise auf eine religiöse Zugehörigkeit zu geben, bemalt die Künstlerin die „Toris“ (Türen, welche vor Tempeln angebracht sind, um eine Grenze zwischen der materialistischen Welt und dem Ort der Meditation darzustellen): Eine einsame Bank ohne jeglichen Halt oder ein Kreuz, welches sich verloren auf einer Insel inmitten des Meeres dem Wind beugt. Die Titel ihrer Werke verstärken die Symbolik zusätzlich. Vide de l’autre (Leere des Anderen), Solitude qui habite l’Homme (Einsamkeit, die dem Menschen innewohnt), Au-delà de l’horizon (Über den Horizont) oder Symphonie du destin (Symphonie des Schicksals). Symphonie du destin ist seit 2011 im Empfangsraum der französischen Botschaft in China zu sehen. Das Kunstwerk zeigt eine flüchtige Landschaft mit Figuren, die das Gefühl vermitteln, vom Horizont, dem „Übergang zum Jenseits“, verschluckt zu werden. Die Präsenz von dahintreibenden bretonischen oder korsischen Menhiren verweisen auf dieselbe Faszination wie diejenige von Victor Segalen für Stelen, diese behauenen Steine, die die Erde schmücken, dem Horizont zugewendet wie Markierungssteine und die den Zeitverlauf verkörpern.

Schönheit und humanistisches Ideal