mini|hochkant=1.6|Roitz auf einem Messtischblatt aus den 1930er-Jahren Roitz, , war ein Dorf in der Niederlausitz, das 1977/1978 vollständig umgesiedelt und später vom Braunkohlentagebau Welzow-Süd abgebaggert wurde. Die ehemalige Gemarkung bzw. das renaturierte Grubenareal gehört heute zur Gemarkung der Stadt Spremberg (Landkreis Spree-Neiße, Brandenburg).
Lage Roitz lag ca. 4 km westlich der Altstadt von Spremberg und hatte mit Josephsbrunn eine nördlich vom Dorf liegende Kolonie. Die Gemeinde lag südlich des Lausitzer Grenzwalls und war ursprünglich von Wäldern und Äckern umgeben. Die Kochsa, ein Bach, der bei Cantdorf in die Spree mündet, entsprang in Roitz. In früheren Jahrhunderten führte mit der Zuckerstraße eine wichtige Handelsstraße, die Mitteldeutschland mit Schlesien verband, südlich am Ort vorbei. mini|Gedenkstein für Roitz Heute erinnert ein Gedenkstein an den nicht mehr existierenden Ort. Der Findling mit der Inschrift „Roitz 1350–1976“ liegt auf der Hochkippe Pulsberg in der Nähe des Rodelbergs und markiert den früheren Dorfplatz. An Josephsbrunn erinnert mit der „Josephsbrunner Höhe“ eine eigene Gedenkstelle abseits vom Roitzer Gedenkstein. Mehrere Wege oder Straßen in diesem Gebiet wurden nach der Gemeinde oder markanten Stellen benannt, wie etwa die Roitzer Straße oder die Consulhöhe.
Geschichte Die erste urkundliche Erwähnung, damals noch als Roycz, später auch Raicz und Raiz, geht auf das Jahr 1527 zurück. Der Name ist sorbischen Ursprungs (raj = Freude, Vergnügen, Paradies). Um 1785 wurde ca. 800 Meter nördlich des Ortskerns das Vorwerk Josephsbrunn angelegt.
Roitz im Besitz der von Schütz Nach dem Tod des ungarisch-böhmischen Königs Ludwig II. in der Schlacht bei Mohács (1526) und dem Regierungsantritt von König Ferdinand (später auch Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation) erhielten die Brüder Siegmund und Georg von Schütz die Bestätigung ihrer Lehen, das Dorf Roitz mit dem Rittersitz und Vorwerk, Trattendorf, 6 Hufen in Terpe, 4 Hufen zu Groß Buckow, 45 Groschen in Graustein, einen freien Hof in Spremberg, drei Gärten und einen Weinberg vor Spremberg sowie eine Wiese unter der Proschimer Heide und die erbliche Freiheit, Brennholz aus der Proschimer Heide zu lesen und zu hauen, ausgenommen davon war Zimmer- und Bauholz. Den Lehenseid legte schließlich nur Siegmund ab, sodass angenommen werden kann, dass er der tatsächliche Besitzer von Roitz war und sein Bruder Georg nur Mitbelehnter. Da es sich um eine Wiederbelehnung handelte, kann angenommen werden, dass Siegmund schon einige Jahre vor 1527 Besitzer von Roitz war.
Siegmund hatte drei Söhne namens Christoph, Otto und Hans, von denen Hans früh starb, sodass nach dem Tod des Vaters 1541 lediglich noch Christoph und Otto den Lehnseid ablegten. Christoph und Otto von Schütz kauften 1542 von ihrem Vetter Heinrich von Schütz das Rittergut Pulsberg. Während Otto das neu hinzu gekaufte Rittergut Pulsberg übernahm, blieb Christoph in Roitz. 1548 bestellte er Trattendorf als Leibgedinge für seine Frau Barbara von Reichenbach. Die Söhne von Christoph von Schütz und der Barbara von Reichenbach, Hans und Georg, teilten nach dem Tod des Vaters das Erbe. Hans von Schütz übernahm Trattendorf und Georg von Schütz übernahm Roitz. Sie werden 1568 als Besitzer der beiden Dörfer genannt, als sie einen Rechtsstreit mit Marten Wuschatz und der ganzen Gemeinde Trattendorf wegen Fischerei- und Holzungsrechten austrugen. 1591 konnte Georg d. Ä. von Schütz auf Roitz noch das Rittergut Pulsberg erwerben. Pulsberg war von Joachim von Schütz, dem Sohn des obigen Otto von Schütz 1588 an Heinrich von Peichwitz verkauft worden, der es dann 1591 an Georg d. Ä. weiterverkaufte. 1610 war Georg d. Ä. von Schütz gestorben, und seine Söhne Christoph, Georg d. J. und Siegmund sowie ihre noch minderjährigen Brüder Samuel und Otto erhielten den Lehnbrief über die vom Vater ererbten Lehengüter Roitz und Pulsberg. In der brüderlichen Teilung von 1612 erhielt Georg Pulsberg. Die übrigen Brüder teilten sich zunächst Roitz. Samuel ist noch vor 1628 verstorben, und Siegmund konnte Klein Loitz übernehmen. Christoph war anscheinend in Geldnöten und musste 1635 ein Darlehen bei Matthes Hauffe, Krüger zu Stradow aufnehmen. 1638 verkaufte er das Recht auf freie Holzlese in der Proschimer Heide an Adam Leupold zu Spremberg, Reuthen und Anteil Graustein. Er starb 1641 und hinterließ fünf nicht lehnsberechtigte Töchter. Otto d. Ä. von Schütz war schon kurz vorher verstorben. Er hinterließ den minderjährigen Sohn Otto und die Tochter Anna. Georg d. J. auf Pulsberg versuchte nun die Belehnung mit Roitz auch im Namen seines Bruders Siegmund auf Klein Loitz und seines minderjährigen Neffens Otto zu bekommen. Das Oberamt verweigerte dies jedoch mit der Begründung, dass Lehensfehler begangen wurden.
Otto d. J. von Schütz konnte die Ansprüche seiner Onkels schließlich 1651 durch die Zahlung von 3.100 Talern ablösen und Besitzer von Roitz werden. 1659 trug Otto von Schütz einen Rechtsstreit mit den Erben des Georg von Muschwitz auf Wintdorf wegen 1000 Talern versprochenem Ehegeld für dessen Ehefrau (vermutlich eine Tante des Otto von Schütz) aus, den der Landeshauptmann Georg Abraham von Grünberg auf Cottbus (1603–1672) entscheiden musste. 1662 stritten sich Erdmann Ludwig von Pfuhl auf Stradow, Otto von Schütz auf Roitz und Martin Reichenbach auf Radeweise wegen ihres jeweiligen Beitrags zu den Pfarr- und Schulhausbauten. Am 14. Februar 1706 starb Otto von Schütz im Alter von 75 Jahren und wurde in Stradow begraben.
Die Söhne Wolf Siegmund und Nickel Erdmann erhielten noch am 25. November 1706 die Belehnung mit den väterlichen Gütern. Nickel Erdmann starb nur ein Jahr später, sodass Wolf Siegmund alleiniger Herr auf Roitz wurde. 1708 lebten 9 Kossäten in Roitz, 1718 waren es 10 Kossäten; Roitz hatte 10 Wohnhäuser (außer dem Rittergut). 1722 hatte Wolf Siegmund von Schütz Streit mit Marianne von Loeben auf Pulsberg wegen der Koppelhütung. Er starb am 2. Januar 1727 unter Hinterlassung von drei unmündigen Söhnen Ferdinand Siegmund, Georg Siegmund und Carl Erdmann. Anscheinend blieb Roitz zunächst im gemeinsamen Besitz der drei Brüder, bis 1745 Ferdinand Siegmund seine Brüder auszahlen konnte. 1755 hatte Roitz 100 Konsumenten. Die durchschnittliche Ernte (in Dresdner Scheffel) betrug 330 Scheffel Korn, 10½ Scheffel Korn, 17 Scheffel Gerste, 72 Scheffel Hafer, 15 Scheffel Erbsen, 87 Scheffel Heidekorn (= Buchweizen), 2 Scheffel Hopfen und 4 Scheffel Lein. Er legte 1764 erneut den Lehnseid ab. Aber bald darauf muss er gestorben sein, denn am 5. September 1788 legte bereits sein Sohn Adolf Siegmund von Schütz den Lehnseid für das Rittergut Roitz ab. Er verkaufte Roitz 1768 an Christian Joseph von Tietzen und Hennig.
Roitz im Besitz der von Tietzen und Hennig Christian Joseph von Tietzen und Hennig (1729–1793) war mit Henriette Charlotte, geborene von Diepow (1760–1806) verheiratet. Das Paar hatte fünf Kinder, drei Töchter und zwei Söhne, darunter den 1787 geborenen späteren preußischen General der Kavallerie und Kommandeur des 5. Armeekorps Wilhelm Ferdinand Joseph Tietzen und Hennig. Christian Joseph wurde wie auch seine Brüder Tobias, Johann Gottfried und Johann Gottlob 1788 in den Reichsadelsstand erhoben. Er war außerdem Erbherr in Josephsbrunn und Laubsdorf. Schon 1768 hatte er Streit mit seinem Nachbarn Johann Schmidt auf Pulsberg wegen der Hütung. 1771 prozessierte die Gemeinde zu Roitz gegen Christian Joseph von Tietzen und Hennig wegen Back- und Brennholzes. Das Rittergut Roitz wurde zwischen 1782 und 1790 von einem Lehngut in ein Erbgut umgewandelt. 1793 ist Christian Joseph von Tietzen und Hennig gestorben. Seine Witwe heiratete in zweiter Ehe den Amtmann Dürr, den Besitzer von Stradow und Wolkenberg. Sie starb am 4. April 1806. 1808 verpachtete Wilhelm von Tietzen und Hennig das Rittergut Roitz an Premier-Leutnant Anton Wilhelm von Goerschen. 1810 wohnten 11 Kossäten und 13 Häusler oder Büdner in Roitz. Möglicherweise verpachtete er Roitz um 1812 an Heinrich Rudolf von Warnsdorf, denn sein Sohn und spätere Besitzer des Rittergutes Bernhard von Warnsdorf wurde 1812 in Roitz geboren. 1815 verkaufte Wilhelm von Tietzen und Hennig schließlich das Rittergut Roitz an Christian Erdmann Zeissig. mini|Roitz auf dem Urmesstischblatt 4451 Welzow von 1846 19. und 20. Jahrhundert Christian Erdmann Zeissig war der Sohn des Matthäus Zeissig, der 1763 das Rittergut Göritz, das er vorher schon als Pächter bewirtschaftet hatte. 1786 trat er Göritz an seinen Sohn Christian Erdmann Zeissig ab. 1804 verkaufte dieser Göritz an den Oberregierungsrat Hans Carl Gottlob von Reinsperg. Die Topographisch-statistische Uebersicht des Regierungsbezirks Frankfurth a. d. O. von 1820 (Stand: 1818) unterscheidet das adlige Dorf mit Vorwerk mit 195 Einwohnern und 31 Wohnhäusern, den Roitzer Anbau (Josephsbrunn) mit sieben Büdnerwohnungen und 25 Einwohnern, die Roitzer Schäferei mit einem Wohnhaus und drei Bewohner, die Roitzer (Wind-)Mühle mit einem Wohnhaus und drei Einwohnern und die Roitzer Ziegelscheune, die unbewohnt war.
1829 bis 1834 war eine Frau Amtmann Weiß geb. Zeissig, sicher eine Tochter des Christian Erdmann Zeissig die Besitzerin des Rittergutes. Während ihrer Besitzzeit fand die Regulierung von Gemeinde- und Gutsbesitz und die Ablösung der Dienste statt. Frau Amtmann Weiß verkaufte Roitz 1838 für 27.300 Taler an Wilhelm von Meyern-Hohenberg (1773–1848). Von ihm gelangte das Rittergut Roitz an Frau Ernestine Elisabeth Christiane Schober, geb. Kiesewetter, geschiedene von Warnsdorf.
Die Topographisch-statistische Uebersicht des Regierungs-Bezirks Frankfurt a. d. O. von 1844 (Stand: 1840) führt Frau Schober bereits als Besitzerin auf. Sie war zuerst mit dem späteren königlich-preußischen Major Heinrich Rudolf von Warnsdorf (1775–1855) verheiratet, der 1798 eine Hälfte das Mannlehenritterguts Gersdorf am Queis übernommen hatte (1799 kaufte er auch die andere Hälfte von seinem Bruder). Die Ehe von Ernestine Elisabeth Christiane geb. Kiesewetter und Heinrich Rudolf von Warnsdorf wurde geschieden, und sie heiratete in zweiter Ehe den Superintendenten Johann Gottlieb Schober, der allerdings schon 1848 verstorben war. 1843 erscheint ein Schenkwirt Schumann zu Roitz. 1845 wurde der Windmühlenbesitzer Kossack in Roitz für den Fortfall des Mahlzwangs auf seiner Mühle entschädigt. Die Windmühle stand ca. 500 Meter nordöstlich des Ortskerns. Nach Berghaus hatte das Gut Roitz mit Josephsbrunn 1853 eine Gesamtgröße von 1241 Morgen 108 Quadratruten, davon waren 418 Morgen 15 Quadratruten Acker, 23 Morgen 93 Quadratruten Wiesen, und 506 Morgen und eine Quadratrute Forstland. Die Schatzung betrug 500 Gulden. Ernestine Elisabeth Christiane Schober starb 1856.
Von 1857 bis 1861 war ihr Sohn Bernhard von Warnsdorff (* 1812 in Roitz) aus ihrer ersten Ehe Besitzer des Rittergutes Roitz. Er war schon vorher Verwalter auf Roitz gewesen. 1845 war er zum Feuer- und Wege-Polizei Commissarius des 3. Bezirks des Kreises Spremberg gewählt worden. Er zog 1861 von Roitz weg und verkaufte das Gut an Friedrich August Richter.