mini|hochkant=1.2|Friedhofskapelle Tschernitz
Tschernitz () ist ein Ortsteil der gleichnamigen Gemeinde Tschernitz im Landkreis Spree-Neiße in Brandenburg.
Lage Tschernitz liegt in der Niederlausitz unmittelbar nördlich der Grenze zu Sachsen. Die Stadt Spremberg ist etwa zehn Kilometer und die Grenze zu Polen etwa fünf Kilometer entfernt. Umliegende Ortschaften sind die Stadt Döbern im Norden, der zur Gemeinde Neiße-Malxetal gehörende Ortsteil Jerischke im Nordosten, die Jämlitz-Klein Dübener Ortsteile Zschorno und Jämlitz im Osten und Klein Düben im Süden, das im sächsischen Landkreis Görlitz liegende Groß Düben im Südwesten, Wolfshain und Hinterberge im Westen sowie der zur Gemeinde Felixsee gehörende Ortsteil Friedrichshain im Nordwesten.
Durch Tschernitz verläuft die Bundesstraße 156, die Bundesstraße 115 verläuft nordöstlich des Ortes.
Geschichte Erste Erwähnung Tschernitz wurde als wendische Siedlung angelegt und erstmals am 20. Oktober 1283 in einem Schreiben des Meißner Landgrafen Heinrich des Erlauchten als Tzermenitz urkundlich erwähnt. Weitere bekannte Schreibweisen waren im Laufe der Zeit Cerniske, Tschirnik, Zernitz, Zernischke oder Zerniczk, bis 1937 hieß der Ort amtlich Tzschernitz, bis die Schreibweise von den Nationalsozialisten in das heutige Tschernitz geändert wurde. Der aus dem Sorbischen stammende Ortsname ist vom Wort cermnica abgeleitet und bedeutet Siedlung auf rotem Boden. mini|Hermann Killisch von Horn. Bekanntester Gutsbesitzer in Tschernitz. Um 1885.
Gutshistorie Im 14. Jahrhundert wurden die Herren von Hackenborn aus Priebus mit Tschernitz belehnt. 1429 bekam Herzog Johann von Sagan für seine Dienste im Kampf gegen die Hussiten die Herrschaft Priebus als Lehen, wodurch diese zu Schlesien kam. Tschernitz bildete daraufhin eine schlesische Enklave innerhalb des Königreichs Sachsen. Um das Jahr 1500 wurde Valentin von Berge von den Herzögen Johann und Georg von Sagan mit Tschernitz belehnt. Zwischen 1670 und 1792 waren die Herren von Dyherrn Besitzer des Rittergutes. Letzte Vertreterin dieser Familie vor Ort war Klementine Freiin von Dyher(r)n (* 12. April 1783; † 6. Juni 1850). Sie war verheiratet mit dem 1811 für Sachsen und 1819 für Preußen geadelten Friedrich von Goldammer (* 18. April 1769; † 2. April 1847). Friedrich von GoldammerGothaisches Genealogisches Taschenbuch der Briefadeligen Häuser. 1910. Vierter Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1909, S. 238. war u. a. ad interim kgl. preuß. Landrat. Für Mitte des 19. Jahrhunderts ist ein Heinze von Luttitz, eigentlich August Heintze, gleichso Besitzer in Jocksdorf, belegt.Karl Friedrich Rauer (Hrsg.): Alphabetischer Nachweis (Adressbuch) des in den Preussischen Staaten mit Rittergütern angesessenen Adels. Selbstverlag, Berlin 1857, S. 137. Er war ein Adoptivsohn eines Freiherrn von Lüttitz-Tschernitz mit Bestätigung des Freiherrentitels 1831 für Sachsen.Maximilian Gritzner: Chronologische Matrikel der Brandenburgisch-Preussischen Standeserhöhungen und Gnadenacte. Mitscher & Roestell, Berlin 1874, S. 108.Vgl. Walter von Hueck et al.: Genealogisches Handbuch des Adels. Adelslexikon. Band VIII, Band 113 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1997, S. 130. Die Bestätigung zur Namensführung in Preußen erfolgte erst 1840.Nachträge zum Adelslexicon der Preußischen Monarchie. In: Leopold Freiherr von Ledebur (Hrsg.): Archiv für Deutsche Adels-Geschichte, Genealogie, Heraldik und Sphargistik. Vierteljahresschrift. Band 1, Verlag L. von Warnsdorff, Berlin 1863, S. 301. Nach den Gothaischen Genealogischen Taschenbüchern (GGT) lebten die Freiherren mindestens bis 1863 im Dorf.
Etwas später kam die Familie Killisch-Horn, dann Killisch von HornGothaisches Genealogisches Taschenbuch der Briefadeligen Häuser 1919. Dreizehnter Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1918, S. 430. an das Gut in Tschernitz, Hermann Killisch von Horn mit dem Hauptgut in Reuthen. Ihm gehörten vor Ort um 1880 etwa 471 ha im Ort, eine Ziegelei und eine Brennerei. Sein Wohnsitz war in Berlin. Reprint: ISBN 3-226-00787-4. Der Rittergutsbesitzer Th. Moser in 1914 kam ebenso aus Berlin. Das Rittergut war nur noch 191 ha groß. Davon waren rund 38 ha Waldbestand.Ernst Seyfert: Güter-Adreßbuch für die Provinz Brandenburg. . Verzeichnis sämtlicher Rittergüter, Güter und Höfe von ca. 20 ha aufwärts. Handbuchbuch der Königlichen Behörden. Nach amtlichen Quellen und auf Grund direkter Angaben bearbeitet. In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher, Band VII, 2. Auflage, Reichenbach’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1914, S. 358–359. Ende der 1920er Jahre war wieder ein Berliner der Gutsherr vor Ort, Konrad Fleischer. Der Besitz umfasste nach wie vor 191 ha.Ernst Seyfert, Hans Wehner, Alexander Haußknecht, GF Hogrefe: Landwirtschaftliches Adreßbuch der Rittergüter, Güter und Höfe der Provinz Brandenburg. . Verzeichnis sämtlicher Rittergüter, Güter und Höfe von ca. 20 ha aufwärts, Mit Unterstützung von Staats- und Kommunalbehörden, sowie des Brandenburgischen Landbundes zu Berlin, sowie der Kreislandbünde. Nach amtlichen Quellen und auf Grund direkter Angaben bearbeitet. In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band VII, 4. Auflage, (Letzte Ausgabe-Paul Niekammer-Reihe), Verlag Niekammer’s Adreßbüchern GmbH, Leipzig 1929, S. 283.
Glashütte/Glashüttenwerk Nebend der stetigen gutsherrlichen Entwicklung entstand 1829/1830 eine Glashütte im Dorf, als GründungDie Glashütte. Zeitschrift für die Glas- und Emaille-Industrie. Jahrgang 69. 1939, Selbstverlag, Dresden 1939, S. 39. von Glasmacher August Klein und von Faktor Klaus August Warmbrunn, die beide aus dem benachbarten Friedrichshain kamen. Warmbrunn besaß 1850 das Rittergut GosdaHeinrich Berghaus: Landbuch der Mark Brandenburg und des Markgrafenthums Nieder-Lausitz in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Band 3, Verlag Adolph Müller, Brandenburg 1856, S. 710. mit Herrenhaus Gosda II und kandidierte 1852 auch als Regionalpolitiker für die Erste Kammer der Provinz Brandenburg.Vgl. Außerordentliche Beilage zum Amtsblatt №. 43 der Königlich Preußischen Regierung zu Frankfurt a. d. O. Trowitzsch & Sohn, Frankfurt a. d. O., Ausgegeben den 28. Oktober 1852, S. 7. Später firmierte das Glashüttenwerk als FilialeG. Krause: Chemiker-Zeitung. Central-Organ für Chemiker, Apotheker, Techniker, Ingenieure, Fabrikanten. No. 5, Jahrg. IV, Selbstverlag Dr. Krause, Köthen, den 29. Januar 1880, S. 76. von Warmbrunn, Quilitz & Co. Berlin/TschernitzWarmbrunn, Quilitz & Co., In: P. Schwahn: Himmel und Erde. Illustrirte naturwissenschaftliche Monatsschrift. Jahrg. XIV, September 1902-Heft 12, Hrsg. Urania (Berlin) Gesellschaft, Verlag Hermann Paetel, Berlin 1902. Unpagniert. und sammelte große Erfahrung bei der Herstellung von Medizinglas.
Bevölkerung Vor dem Dreißigjährigen Krieg lebten in Tschernitz zehn Bauern, vier Gärtner und vier Büdner. Durch den Krieg und die Pest sank die Einwohnerzahl in den nächsten Jahren stark, 1653 waren acht Bauernhöfe zerstört. 1829 wurde eine Glashütte errichtet, 1840 waren zwei Wassermühlen verzeichnet.
Bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts hinein war Tschernitz ein Dorf mit überwiegend sorbischsprachigen Einwohnern. Arnošt Muka zählte in den 1880er-Jahren insgesamt 632 Einwohner im Ort, davon waren etwa 35 Einwohner Sorben (6 %).Arnošt Muka: Statistik der Lausitzer Sorben. Deutsch von Robert Lorenz. Domowina-Verlag, Bautzen 2019, ISBN 978-3-7420-2587-6, S. 157. Ernst Tschernik zählte im Jahr 1954 bei 1.486 Einwohnern nur noch vier sorbischsprachige Einwohner und drei Einwohner mit Sorbischkenntnissen, darunter zwei Kinder, was einem Anteil von nur 0,6 % entspricht. 1820 wurde Tschernitz, welches über keine eigene Dorfkirche verfügt, nach Dubraucke eingepfarrt. In Tschernitz lebten Angehörige der briefadeligen Familie von Poncet, die in der Region, besonders um Wolfshain, besonders der Landrat und direkte Vorfahre Julius Eduard von Poncet, kleine Güter und Fabriken, wie die Gross-Kölziger Brikettfabrik von Poncet,Rudolf Kramer: Deutsches Industrie-Adreßbuch. Ausgabe 1909, Band 1: Bergwerke, Salinen, Hütten- u. Walzwerke und ihre Nebenbetriebe: Kokereinen u. dergl. Kommissions-Verlag der Rheinisch-Westfälischen Verlags-Anstalt GmbH, Bochum 1909, S. 80. besaßen. Aus Tschernitz stammte der Rittmeister d. R. Hans sen. von Poncet (1866–1919), Gutsbesitzer im niederschlesischen Konradswalde, er war der VaterVgl. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Briefadeligen Häuser 1914. Achter Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1913, S. 720 f. des Offiziers Hans von Poncet.
1939 hatte Tschernitz 1.500 Einwohner, während des Zweiten Weltkrieges sank diese Zahl auf 1.289 Einwohner im Jahr 1946.Rudolf Lehmann (Hrsg.): Historisches Ortslexikon für die Niederlausitz. Band 2: Die Kreise Cottbus, Guben, Spremberg und Sorau. Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2011, ISBN 978-3-941919-90-7, S. 425 f. mini|Kilometerstein B 115.
Politische Zugehörigkeiten Nach dem Wiener Kongress ging die Niederlausitz 1815 an das Königreich Preußen über. 1816 wurden neue Kreise gebildet, Tschernitz wurde mit Teilen des ehemaligen Landkreises Guben sowie den Standesherrschaften Sorau, Triebel, Forst und Pförten zum Landkreis Sorau zusammengelegt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Tschernitz dem Kreis Spremberg zugeordnet, der ab Juli 1952 im Bezirk Cottbus lag. Im Zuge der brandenburgischen Kreisreform vom 6. Dezember 1993 kam Tschernitz zum Landkreis Spree-Neiße. Bereits im Juli 1992 schloss sich die Gemeinde zur Erledigung ihrer Verwaltungsaufgaben dem Amt Döbern-Land an. Am 26. Oktober 2003 erfolgte der Zusammenschluss mit Wolfshain zu der neuen Gemeinde Tschernitz.
Einwohnerentwicklung Einwohnerentwicklung in Tschernitz von 1875 bis 2002Jahr EinwohnerJahr EinwohnerJahr Einwohner187566119391.50019811.156189070919461.28919851.37419101.39119501.48719891.46619251.42919641.26819951.51819331.41719711.31320021.305
Wappen mini|hochkant|Ortswappen von Tschernitz Tschernitz versuchte im Jahr 2006, sich ein Ortsteilwappen und eine Dienstflagge genehmigen zu lassen. Das Ministerium des Innern des Landes Brandenburg lehnte eine Genehmigung des Wappens allerdings ab, da die Wappenführung eines einzelnen Ortsteils in der Verordnung über kommunale Hoheitszeichen nicht vorgesehen ist. Somit handelt es sich bei dem Wappen um kein offizielles Hoheitszeichen, der Ortsteil Tschernitz verwendet es lediglich für repräsentative Zwecke.
Blasonierung:Deutsche Kommunale Wappenschau: Tschernitz, Gemeinde Tschernitz. Stand 14. Januar 2018.Eine offizielle Blasonierung liegt aktuell (Januar 2018) nicht vor. Durch von Gold und Blau gevierten Schildhauptpfahl gespalten; vorne in Gold freischwebend ein halbrechter schwarzer Adler, auf der Brust belegt mit einem liegenden silbernen Halbmond; hinten in Rot eine silberne Glasflasche über drei aus dem Schildfuß wachsenden goldenen Flammen.
Der Schildhauptpfahl erinnert an ein „T“, den Anfangsbuchstaben des Ortsnamens. Der halbe Adler verweist auf die historische Zugehörigkeit der Gemeinde zum Fürstentum Sagan. Das Stammeswappen der Familie Sagan zeigt den schlesischen Adler mit aufgelegtem Halbmond, der damit auch im Ortsteilwappen erscheint. Die Flammen und die Darstellung eines typischen technischen Glases aus älterer Tschernitzer Produktion symbolisiert die erwerbstechnische Tradition der ehemaligen Glashütte im Ort.
Das Wappen wurde vom Heraldiker Frank Diemar gestaltet.
Wirtschaft 1984 nahm in Tschernitz ein Farbfernsehkolbenwerk die Produktion auf. 1994 wurde die Treuhandanstalt von Samsung übernommen, 2007 zog sich Samsung allerdings zurück. Seit 2008 ist Firma GMB Glasmanufaktur Brandenburg in Tschernitz ansässig.
GMB meldete im Juli 2025 Insolvenz an. Der Insolvenzverwalter leitete Ende November die Abwicklung in die Wege. GMB gilt als letzter verbliebener Hersteller von Flachglas für Solarmodule in Europa.Letzter Solarglashersteller der EU schließt Türen 28. November 2025.
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