Die deutsch-slowakischen Beziehungen sind geprägt von der Partnerschaft der Slowakei innerhalb der Europäischen Union mit Deutschland als größter Volkswirtschaft der Gemeinschaft. Innerhalb der EU haben beide Länder den Euro als Währung eingeführt und nehmen am Schengener Abkommen teil. Außerhalb der EU sind sie Mitglieder des Europarates, der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa sowie der NATO. Deutschland und die Slowakei sind durch den Schifffahrtsweg Donau miteinander verbunden.

Vom Deutschen Auswärtigen Amt werden die Beziehungen als "traditionell freundlich" eingeschätzt.

Geschichte (Ost-)Franken und Mährerreich

Die Beziehungen zwischen Deutschland und der Slowakei können geschichtlich schon auf die Vorgängerstaaten, nämlich das Mährerreich (das Territorien der heutigen Slowakei sowie Mährens umfasste) sowie das Fränkische Reich bzw. danach das Ostfrankenreich zurückgeführt werden.

Irgendwann zwischen 817 und 822 erkannten die Mährer die Souveränität des bairisch-fränkischen Königs Ludwig des Deutschen über ihr Gebiet an, infolgedessen ihre Boten 822 am Landtag in Frankfurt teilnahmen.Třeštík: Vznik Velké Moravy, S. 125.

Die Christianisierung der Mährer begann im Jahr 831 damit, dass Fürst Mojmir I. und sein Umfeld durch Bischof Reginhar von Passau getauft wurden. Diese fürstliche Entscheidung war auch für dessen Untertanen bindend. Seit dieser Zeit zählten die Passauer Bischöfe die mährischen Gebiete zum Bistum Passau.

Im August 846 zog Ludwig der Deutsche mit einem fränkischen Heer gegen das die Mährer, setzte deren Herrscher Mojmir I. ab und installierte dessen Neffen Rastislav (846–870) als neuen mährischen Herrscher, von dem sich Ludwig eine größere Vasallentreue erhoffte. Die genauen Hintergründe, die zur Absetzung Mojmirs I. führten, sind unter Historikern umstritten. Der Historiker Eric J. Goldberg vertritt die Auffassung, Mojmir sei aufgrund seiner Politik hin zu einem souveränen christlich-slawischen Königreich eine ernste Bedrohung für König Ludwig geworden und wurde deshalb abgesetzt. Dem hält Dušan Třeštík entgegen, dass die Formulierung in den Primärquellen zu allgemein sei und Ludwig die Mährer wohl eher als Teil einer Gesamtoffensive gegen die angrenzenden Slawen attackierte.Goldberg: Struggle for the Empire, S. 138, Třeštík: Vznik Velké Moravy, S. 147–155, Třeštík: Počátky Přemyslovců, S. 272.

In den frühen 850er Jahren begann Rastislav eine zunehmend vom Ostfrankenreich unabhängige Politik zu führen. Im Jahr 855 zog Ludwig der Deutsche mit einem fränkischen Heer gegen die Mährer, wurde aber bei Rastislavs Festung von diesem besiegt. In der Folge konnte Rastislav die Tributzahlungen an das Ostfrankenreich vorübergehend einstellen und verjagte den gesamten bairischen Klerus aus seinem Land. Von geschichtlicher Bedeutung wurde Rastislavs Bemühen, mit Hilfe von Byzanz und der Ostkirche sein Land aus dem fränkischen Einflussbereich zu entziehen. Nachdem Papst Nikolaus I. Rastislavs Bitte, slawischsprachige Priester zum Aufbau einer eigenen mährischen Kirchenorganisation zu entsenden, nicht entsprach, wandte sich Rastislav im Jahr 862 an den byzantinischen Kaiser Michael III. Dieser entsprach den Forderungen des mährischen Fürsten und entsandte die byzantinischen Priester und Gelehrten Kyrill und Method, die 863 im Mährerreich ankamen.Hoensch: Geschichte Böhmens, S. 36. Im Jahr 864 griff Ludwig der Deutsche das Mährerreich an und zwang Rastislav bei der Devín zur Kapitulation. Die vertriebenen bairischen Geistlichen konnten zwar nun nach Mähren zurückkehren, das Wirken Kyrills und Methods sowie der slawischen Liturgie blieb aber weiterhin bestehen. Kyrill und Method gingen 867 nach Rom, um dort ihre slawische Liturgiesprache durch den Papst gegenüber dem bairischen Klerus legitimieren zu lassen. Im selben Jahr erhob Papst Hadrian II. die slawische Liturgiesprache als mit dem Lateinischen, dem Griechischen und dem Hebräischen gleichberechtigt.Kováč: Dejiny Slovenska, S. 30. Zwei Jahre später starb Kyrill in Rom, sein Bruder Method wurde 870 zum mährischen ErzbischofHavlík: Svatopluk Veliký, S. 27. (des Mährerreiches und des Plattensee-FürstentumsHavlík: Svatopluk Veliký, S. 8.) ernannt, konnte aber erst 873 nach einer dreijährigen Inhaftierung in Bayern nach Mähren zurückkehren. Im Mährerreich war es währenddessen zu einem Machtwechsel gekommen. Nachdem Ludwig der Deutsche bei einem weiteren Angriff auf Mähren 869 erneut von Rastislav geschlagen wurde, nutzte er dessen Mitregenten und Neffen Svatopluk I., um Rastislav 870 abzusetzen und das Mährerreich zu besetzen. Nachdem 871 auch Svatopluk von den Ostfranken des Verrats beschuldigt und als mährischer Herrscher abgesetzt und verschleppt wurde, brach unter Führung des mährischen Fürsten Slavomir ein erfolgreicher antifränkischer Aufstand aus, in dessen Folge Svatopluk entlassen wurde und sich erneut als Fürst des Mährerreiches durchsetzen konnte.Třeštík: Vznik Velké Moravy, S. 199–200.

Svatopluk vernichtete noch 871 das fränkische Besatzungsheer und schloss 874 mit Ludwig dem Deutschen ein Friedensabkommen, das ihm unter Beibehaltung der Treue gegenüber den Franken und der Abführung von Tributzahlungen eine weitgehende Handlungsfreiheit ermöglichte. Nach dem Abkommen begann Svatopluk mit einer zügigen Ausdehnung des Mährerreiches durch Eroberungskriege und Heiratspolitik. In der Zeitspanne von 874 bis 884 konnte Svatopluk so Wislanien, Pannonien, das hintere Theißland, Schlesien, Böhmen und die Lausitz dem Mährerreich einverleiben.Třeštík: Počiatky Přemyslovců, S. 280–281. Das so geschaffene slawische Großreich umfasste etwa 350.000 km² mit ungefähr einer Million Einwohnern.Havlík: Kronika o Velké Moravě, S. 363, Steinhübel: Nitrianske kniežatstvo, S. ? Die Angriffe des neuen ostfränkischen Königs Arnulf von Kärnten und das von diesem nach Mitteleuropa gerufene nomadische Reitervolk der Magyaren in den Jahren 892 bis 893 wehrte Svatopluk erfolgreich ab.Třeštík: Počiatky Přemyslovců, S. 280–282. Im Jahr 894 starb Fürst Svatopluk I., sein Nachfolger auf dem mährischen Thron wurde sein ältester Sohn Mojmir II. (894–902/7). Dieser sah sich sofort einer Reihe erster Probleme gegenüber, so der Loslösung eroberter Territorien, dem Druck des Ostfrankenreiches, der stetig steigenden magyarischen Gefahr sowie innerstaatlichen Konflikten. Laut Dušan Třeštík gelang es Mojmir II. jedoch von Beginn an diese geschickt zu bewältigen.

Noch im Todesjahr seines Vaters schloss er einen Friedensvertrag mit dem ostfränkischen König Arnulf von Kärnten, um seine Machtübernahme im Mährerreich gesichert antreten zu können.Třeštík: Počátky Přemyslovců, S. 285. Nachdem 893 der fürs Mährerreich zuständige Bischof Wiching (ein Benediktinermönch aus der Abtei Reichenau am Bodensee) zu König Arnulf übergelaufen war, verfügten die Mährer über keinen anerkannten Bischof. In einem 898/899 an den Papst gerichteten Brief ersuchte Mojmir II. diesen um die Erneuerung des mährischen Erzbistums. Der Papst entsprach der Bitte Mojmirs II. und entsandte den Erzbischof Johannes und die Bischöfe Benedikt und Daniel nach Mähren.Vlasto: The Entry of the Slavs, S. 83. Im Jahr 895 sagten sich die Böhmen vom Mährerreich los, worauf Mojmir II. einen vergeblichen Rückeroberungsfeldzug gegen sie führte. Im Jahr 896 siedelten sich mit Erlaubnis der Mährer die Magyaren im hinteren Theißland an und unternahmen mit den Mährern gemeinsame Plünderungszüge gegen die Franken. 897 erklärten sich auch die Sorben für vom Mährerreich unabhängig. Im Mährerreich selbst kam es unterdessen 899 zu einem Bürgerkrieg zwischen Mojmir II. und seinem wahrscheinlich in Nitra residierenden Bruder Svatopluk II. (894–899), während welchem die bairische Armee den besiegten Svatopluk II. befreite und nach Baiern brachte. Im Jahr 900 besetzten die Magyaren nach einem Feldzug in Italien das fränkische Pannonien, um sich definitiv im Karpatenbecken niederzulassen.

Laut dem tschechischen Historiker Martin Wihoda zwang das zunehmende Selbstvertrauen der Magyaren die Mährer zum Handeln. Zu Beginn des Jahres 901 schloss Mojmir II. einen Friedensvertrag mit den Baiern und wehrte mit deren Hilfe 902 einen magyarischen Angriff aus dem von diesen beherrschten Pannonien ab. Die mit dem beiderseitigen Friedensschluss aufgekommene Stabilität im mittleren Donaugebiet begünstigte in den nächsten Jahren auch den bairisch-mährischen Handel, wie ihn die Raffelstettener Zollordnung nachweist. Im Jahr 904 wurde jedoch der magyarische Fürst Kurszán bei einer Festtafel in Baiern ermordet, woraufhin sich die Rache der Magyaren nicht nur gegen die Baiern, sondern auch gegen das mit diesen Verbündete Reich Mojmirs II. richtete.Wihoda: Morava v době knížecí, S. 87. Dušan Třeštík vermutet, dass das mährische Heer 905–906 in einer einzigen Schlacht bei Nitra von den Magyaren vernichtet wurde, in deren Verlauf auch Mojmir II. starb. Infolge dieser Katastrophe soll das Mährerreich archäologischen Quellen zufolge in Chaos und heidnischen Aufständen versunken sein. Die vernichtende Niederlage der Baiern bei der Schlacht von Pressburg im Jahr 907, bei welcher diese nochmals versuchten die alten Verhältnisse wiederherzustellen, bedeutete den endgültigen Fall des Mährerreiches.Třeštík: Počátky Přemyslovců, S. 286–287.

Hoch- und Spätmittelalter Das Gebiet der heutigen Slowakei war seit spätestens 1108 und bis in das Jahr 1918 ein Teil Ungarns. Der seit dem 11. Jahrhundert intensiv betriebene Bergbau und die vor allem seit dem 13. Jahrhundert (nach dem Land entvölkernden großen Mongoleneinfall von 1241/1242) angekommenen deutschen Siedler machten aus der Slowakei im Mittelalter, aber auch noch bis ins 18. Jahrhundert, das wohlhabendste Gebiet des Königreichs Ungarn. Ihren Höhepunkt erreichte die deutsche Besiedlung im 14. Jahrhundert. Im Gebiet von Pressburg (Bratislava) gab es wohl auch schon etwas früher Deutsche. Sie haben vor allem ältere slowakische Städte (v. a. Pressburg), Markt- und Bergbausiedlungen besiedelt und wurden meist von den Königen als Spezialisten (Handwerker, Bergleute) angeworben. Ungefähr bis zum 15. Jahrhundert bestand die Führungsschicht aller slowakischen Städte fast ausschließlich aus Deutschen.

Die drei Hauptsiedlungsgebiete waren Bratislava und Umgebung, die deutschen Sprachinseln in der Zips (Zipser Sachsen) sowie das Hauerland. Hinzu kamen ab dem 18. Jahrhundert in der Karpato-Ukraine im Tereswa- bzw. Mokrjankatal sowie bei Munkatsch noch zwei weitere kleine deutsche Sprachinseln. Zusammen stellten die Bewohner der fünf Siedlungsgebiete aber keine homogene Gruppe dar, oftmals hatten sie nicht einmal Kenntnis voneinander. mini|Sigismund von Luxemburg, geboren in Nürnberg, seit 1433 römisch-deutscher Kaiser, herrschte als König von Ungarn über die heutigen slowakischen Gebiete. Im Rahmen der Hussitenkriege waren auch diese von den Feindseligkeiten betroffen. Das 11. und 12. Jahrhundert waren eine Zeit von Auseinandersetzungen zwischen Ungarn einerseits und dem Heiligen Römischen Reich (das später auch den Zusatz „Deutscher Nation“ trug) und/oder Böhmen andererseits, die sich oft in der Slowakei abspielten. 1412 verpfändete Sigismund von Luxemburg einige Städte der Zips an Polen-Litauen. Die Städte verblieben unter polnisch-ungarischer Verwaltung bis 1772. 1419–1437 musste Sigismund von Luxemburg auch in der Slowakei gegen die tschechischen Hussiten kämpfen. 1440–1453 besetzte der tschechische Adlige Johann Giskra (Ján Jiskra) die Slowakei im Zuge der Thronkämpfe im Königreich Ungarn für die Habsburger. Von 1439 bis 1806 stellte das Haus Habsburg fast ununterbrochen die deutschen Könige und römisch-deutschen Kaiser, sodass durch die Herrscher enge Verbindungen zwischen den Gebieten des späteren Deutschland und der späteren Slowakei geknüpft wurden.