mini|Junge Armenierin in Baku, The Illustrated London News, 1873 mini|Junge Armenierin in Schamachi, Ende 19. Jh. Die Armenier in Aserbaidschan waren Staatsbürger der Sowjetunion mit armenischer Herkunft und ostarmenischer, in den Städten aber oft russischer Muttersprache, die in der Aserbaidschanischen Sozialistischen Sowjetrepublik lebten und traditionell meist der Armenischen Apostolischen Kirche angehörten. 1979 lebten in der Aserbaidschanischen SSR etwa 475.500 Menschen, die sich als Armenier erklärten, etwa 7,9 % der Bevölkerung, davon 215.807 in der Hauptstadt Baku, wo sie 14,1 % der Bevölkerung ausmachten. Ebenfalls viele Armenier gab es in Sumgait, wo es etwa jeder Fünfzehnte war, und in Kirowabad mit 40.354 Menschen und 17,5 %. In der Autonomen Oblast Bergkarabach waren 1989 von 187.769 Einwohnern 145.403 Armenier, also 77,4 %, während der nördlich davon gelegene Rajon Schaumjan fast ganz armenischsprachig war. Während des Bergkarabachkonflikts kamen bei den Pogromen in Sumgait (1988), Kirowabad (1988) und Baku (1990) mehrere hundert Armenier ums Leben. Zwischen 1988 und 1994 mussten fast alle Armenier das von der Republik Aserbaidschan kontrollierte Gebiet verlassen und fanden in Armenien oder der Republik Bergkarabach (siehe Republik Arzach) Zuflucht – ähnlich, wie in umgekehrter Richtung so gut wie alle Aserbaidschaner aus Armenien und Bergkarabach vertrieben wurden. Von den 146.600 Einwohnern der Republik Arzach laut Volkszählung 2012 waren über 99 % Armenier. Die Zahl der Armenier im Herrschaftsgebiet der Republik Aserbaidschan belief sich dagegen im Jahre 1999 auf weniger als 3000 Menschen, die mehrheitlich mit Personen aserbaidschanischer ethnischer Identität verheiratet oder gemischter Herkunft waren. Angesichts der offiziell propagierten Armenierfeindlichkeit war es in Aserbaidschan schon damals nicht möglich, seine armenische Identität preiszugeben. Im September 2023 eroberte Aserbaidschan Bergkarabach, worauf die Armenier flohen, teilweise nach Berichten auch vertrieben und evakuiert wurden.

Geschichte mini|Nördlich des Arax: Iranisch Armenien mit Erivan, Chirvan mit Baku; südlich des Arax: Aderbeitzan mit Tauris (Täbris), H. Moll Geographer, London 1736. mini|Ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung in den russischen Provinzen Transkaukasiens nach der Volkszählung 1897 mini|Ethnische Mehrheitsgebiete im Kaukasus 1886; orange (Nr. 39): armenische Mehrheit. mini|Ethnische Mehrheitsverhältnisse in Nachitschewan um 1897 mini|Kirche des Heiligen Gregor des Erleuchters in Baku, um 1900 mini|Kirche des Heiligen Gregor des Erleuchters (Baku), Znund (6. Januar) 1904 mini|Kirche der Heiligen Muttergottes (Baku), um 1910 Vor der Oktoberrevolution hatte das zum Russischen Kaiserreich gehörende Transkaukasien eine polyethnische Bevölkerung, wobei laut Volkszählung 1897 in der Gubernija Eriwan (1828 bis 1840 Armenische Oblast) die Armenier, in der Gubernija Jelisawetpol und der Gubernija Baku dagegen die Tataren (татары, nach 1918 азербайджанцы, Aseris genannt) die Mehrheit bildeten, während in der Gubernija Tiflis die Georgier und in der Oblast Kars die Türken die stärkste ethnische Gruppe bildeten.Первая Всеобщая перепись населения Российской Империи 1897 г. Под ред. Н.А.Тройницкого. т.II. Общий свод по Империи результатов разработки данных Первой Всеобщей переписи населения, произведенной 28 января 1897 года. С.-Петербург, 1905. Таблица XIII. Распределение населения по родному языку, в: Первая всеобщая перепись населения Российской Империи 1897 г. Распределение населения по родному языку, губерниям и областям. В расположенном ниже списке выберите регион. Эриванская губерния. Демоскоп (Demoscope.ru), 2017.

Von der Antike bis zum Ende der persischen Herrschaft in Transkaukasien Während es eine armenische – seit dem 4. Jahrhundert christianisierte – Bevölkerung in der Region seit dem Altertum gab,Robert Hewsen: Armenia: A Historical Atlas. Chicago University Press, Chicago 2001. geht die turksprachige Bevölkerung auf die Landnahme der Seldschuken im 11. Jahrhundert zurück, in deren Folge das zuvor hier wahrscheinlich vorherrschende iranische Altaserbaidschanische durch die heute als Aserbaidschanisch bezeichnete Turksprache verdrängt wurde und sich der schiitische Islam gegen den zuvor hier praktizierten Zoroastrismus durchsetzte.E. Yarshater: The Iranian Language of Azerbaijan. Encyclopædia Iranica, 18. August 2011.C. E. Bosworth: Arran. Encyclopædia Iranica, 12. August 2011.Olivier Roy: The new Central Asia. I.B. Tauris, London 2007, ISBN 978-1-84511-552-4, S. 6. Bis Mitte des 14. Jahrhunderts überwogen die christlichen Armenier in der Region, doch spätestens mit Timurs Eroberungszügen wurden Muslime zur Mehrheitsbevölkerung.George A. Bournoutian: The Population of Persian Armenia Prior to and Immediately Following its Annexation to the Russian Empire: 1826–1832. The Wilson Center, Kennan Institute for Advanced Russian Studies, Washington 1980. S. 11–14. In Baku, wo um das Jahr 500 bereits eine armenische Kirche errichtet wurde, gab es noch im 15. Jahrhundert eine überwiegend christliche Bevölkerung. Am stärksten bewahrte ihren christlich-armenischen Charakter die Region Bergkarabach mit ihren bis ins 18. Jahrhundert bestehenden fünf christlichen Fürstentümern (Meliktümern) der armenischen Meliks, darunter dem Haus Hassan-Dschalaljan von Chatschen (Groß-Arzach). Unter letzteren entstand 1216 das Kloster Gandsassar, das von etwa 1400 bis kurz nach der russischen Eroberung 1816 Sitz des Katholikats von Aghwank (Albania) war.Robert H. Hewsen: The Kingdom of Arc'ax, in: Thomas J. Samuelian und Michael E. Stone (Hrsg.): Medieval Armenian Culture. University of Pennsylvania Armenian Texts and Studies, Scholars Press, Chico (California) 1984. S. 52–53. ISBN 0-89130-642-0Robert H. Hewsen: The Meliks of Eastern Armenia: A Preliminary Study. Revue des Études Arméniennes 9 (1972). S. 299–301.

Das erstmals im 5. Jahrhundert erwähnte Dschulfa, armenisch Dschugha, war im Mittelalter ein bedeutendes Handelszentrum, in dem sowohl Muslime als auch armenische Christen lebten. Mit den Kriegen zwischen dem Osmanischen Reich und Persien unter den Safawiden im 16. Jahrhundert verfiel die Stadt. 1604 ließ Schah Abbas I. die Stadt, die er gegen die Türken nicht verteidigen konnte, niederbrennen und die über 20.000 Einwohner zwangsweise in die persische Metropole Isfahan umsiedeln, wo die Armenier ein neues Stadtviertel mit 24 Kirchen errichteten, das sie Nor Jugha (Neu-Culfa) nannten und das bis heute das Wohnviertel der Isfahaner Armenier ist.H. Nahavandi, Y. Bomati: Shah Abbas, empereur de Perse (1587–1629). Perrin, Paris 1998. Im alten armenischen Siedlungsgebiet um Dschugha am Arax lebten seitdem keine Armenier mehr, doch zeugte noch bis zu seiner Zerstörung 2005 der dortige armenische Friedhof von der armenischen Vergangenheit der Stadt.

Russisches Kaiserreich Das Verhältnis in der Bevölkerung um 1800 im damaligen Iranisch-Armenien, das neben Erivan auch Nachivan, Gangia (später Jelisawetpol) und das ganze heutige Aserbaidschan zwischen Kura und Arax (also ohne den Osten um Baku am Kaspischen Meer, das damalige Schirwan) umfasste, wird auf 20 % armenische Christen und 80 % schiitische Muslime geschätzt. Mit der Expansion des Russischen Kaiserreiches gingen bis 1828 alle Gebiete des heutigen Armeniens und Aserbaidschans für das kadscharische Persien endgültig verloren. In der Folge wanderten viele Armenier aus den noch persischen Gebieten, aber auch aus Türkisch-Armenien nach Russisch-Armenien aus, während Muslime den umgekehrten Weg einschlugen. Infolgedessen waren in der Armenischen Oblast, die größere Teile des heutigen Armeniens mit Jerewan sowie Nachitschewan und Igdir umfasste, die Armenier bald wieder in der Mehrheit, während es auch in Großstädten des heutigen Aserbaidschan wie Jelisawetpol und Baku starke armenische Minderheiten gab. Einen Schwerpunkt armenischer Besiedlung bildeten die gebirgigen Teile des ehemaligen Khanats Karabach – im Wesentlichen die spätere autonome Oblast Bergkarabach –, wo laut einer Volkszählung von 1823 ein Großteil der Dörfer beziehungsweise 97,5 % der ländlichen Bevölkerung armenisch war.Jamal Javanshir Qarabaghi (Autor), George A. Bournoutian (Übersetzer): A History of Qarabagh: An Annotated Translation of Mirza Jamal Javanshir Qarabaghi's Tarikh-E Qarabagh. Mazda Publishers, Costa Mesa 1994. S. 18. Nach Bergkarabach wanderten weniger Armenier aus Persien und Türkisch-Armenien ein als in die Gubernija Jerewan. Immerhin drei Dörfer Bergkarabachs, in denen besondere, persisch beeinflusste Dialekte gesprochen werden – Maraga bei Martakert (bis zur Zerstörung 1992) im Nordosten, Melikjanlu und Tsakuri im Süden – wurden von armenischen Zuwanderern aus Persien gegründet,Jos J. S. Weitenberg: Armenia. In: Ulrich Ammon (Hrsg.): Sociolinguistics: An International Handbook of the Science of Language and Society, Band 3. Walter de Gruyter, Berlin / New York 2006. S. 1900–1902, hier 1901.Thomas de Waal: Black Garden – Armenia and Azerbaijan Through Peace and War. New York University Press, 2003, ISBN 0-8147-1944-9, S. 151. während im Rest Bergkarabachs seit alter Zeit Armenier mit ihrem traditionellen Karabach-Dialekt lebten.Бакур Карапетян, Самвел Карапетян [Bakur Karapetjan, Samwel Karapetjan]: Тайны Гандзака (Кировабада) и Северного Арцаха [Geheimnisse von Gandsak (Kirowabad) und Nord-Arzach]. Детская книга, Москва [Moskau] 1998.Александр Саркисович Манасян [Alexander Sarkissowitsch Manasjan]: Карабахский конфликт в ключевых понятиях и избранные темы в расширенном формате [Der Karabachkonflikt in Schlüsselkonzepten und ausgewählte Themen in erweitertem Format]. Ереван [Jerewan], 2002. S. 45.А. Т. Марутян, Г. Г. Саркисян, З. В. Харатян [H. T. Maroutian, H. G. Sargsian, Z. V. Kharatian]: [Zur ethnokulturellen Charakteristik von Arzach]. Լրաբեր հասարակական գիտությունների 6, S. 3–18. Հայաստանի գիտությունների ակադեմիա [Armenische Akademie der Wissenschaften], Ереван [Jerewan] 1989. ISSN 0320-8117 Weniger stark ausgeprägt als im umliegenden ländlichen Raum war die armenische Mehrheit in der größten und wichtigsten Stadt Bergkarabachs, Schuscha, wo laut Volkszählung des Russischen Reiches 1897 von 25.881 Einwohnern 14.420 Armenier (55,7 %), 10.778 Tataren (41,6 %) und 359 Russen (1,4 %) waren.Первая всеобщая перепись населения Российской Империи 1897 Es gab eine russisch-orthodoxe und fünf armenisch-gregorianische Kirchen, zwei schiitische Moscheen, eine Realschule, Seiden- und Baumwollweberei sowie bedeutenden Handel.Brockhaus Konversations-Lexikon, 14. Auflage. Band 14, Eintrag Schuschá. Leipzig, Berlin, Wien 1895. Allerdings hatte auch Jelisawetpol eine starke armenische Minderheit, laut der Volkszählung von 1886 waren es 8914 Menschen oder 43,9 %. Im Ujesd Nachitschewan innerhalb der Gubernija Eriwan hatten die Tataren laut Zensus 1897 einen Bevölkerungsanteil von 57 %, während die Armenier 42 % ausmachten. 1916 wurde der Anteil der Armenier in Nachitschewan mit nur noch 40 % angegeben.Richard G. Hovannisian: Republic of Armenia: The first year, 1918–1919 (Vol. I). University of California Press, Berkeley 1971. S. 91. ISBN 0-520-01984-9

Die Beziehungen zwischen christlichen Armeniern und muslimischen Tartaren waren weithin gespannt und mündeten im Laufe der Russische Revolution 1905 in die bis 1907 andauernden armenisch-tatarischen Massaker, bei denen 128 armenische und 158 tatarische Dörfer zerstört oder geplündert wurden und etwa 3000 bis 10.000 Menschen starben, wobei die Zahl der Opfer auf Seiten der schlecht organisierten Tataren höher war.Svante Cornell: Small Nations and Great Powers: A Study of Ethnopolitical Conflict in the Caucasus, Taylor & Francis, London 2000. S. 69.Tadeusz Swietochowski: Russia and Azerbaijan: A Borderland in Transition. Columbia University Press, New York City 1995, ISBN 0-231-07068-3, ISBN 978-0-231-07068-3

Demokratische Republik Aserbaidschan