Das Stift Neuberg oder Neuberger Münster ist ein ehemaliges Kloster der Zisterzienser (OCist) in der Marktgemeinde Neuberg an der Mürz im Bezirk Bruck-Mürzzuschlag in der Steiermark. Es wurde 1327 gegründet und 1786 im Zug der Josephinischen Reform aufgelöst. Die Stiftskirche, eine hochgotische Hallenkirche, dient heute als Pfarrkirche der lokalen Gemeinde. Das Kloster wurde bis 1869 als Kaiserliches Jagdschloss genutzt und wird im 21. Jahrhundert als sogenannter Stiftshof unterschiedlich verwendet. Die Zisterzienser-Klosteranlage steht als gotisches GesamtensembleDenkmalanlage „Stift Neuberg an der Mürz“ auf bda.org.at unter Denkmalschutz ().
Geschichte Die Stiftungsurkunde wurde am 13. August 1327 in Krems durch den Habsburger Herzog Otto den Fröhlichen (1301–1339) aus Anlass der Geburt seines Sohnes Friedrich im Einvernehmen mit seinen Brüdern König Friedrich dem Schönen und Herzog Albert II. der Weise oder der Lahme sowie seiner Gattin ausgefertigt.Stift Neuberg an der Mürz. Bauforschung - Astronomie - Geschichte. Erwin Reidinger mit einem historischen Beitrag von Gernot Peter Obersteiner. In: Steine sprechen. Zeitschrift, Österreichische Gesellschaft für Denkmal- und Ortsbildpflege, Wien April 2022, Nr. 157 Jahrgang LXI, S. 4–30.Georg Goeth: Das Herzogthum Steiermark: geographisch-statistisch-topographisch dargestellt und mit geschichtlichen Erläuterungen versehen. Band 1 (Brucker Kreis, 1. Teil), Verlag Heubner, 1840, S. 333 ff (im Kapitel Steuergemeinde Neuberg; ) – ausführliche zeitgenössische Beschreibung. Der Herzog schenkte dem Kloster viele Gründe im oberen Mürztal und übertrug dem Abt des Klosters die niedere Gerichtsbarkeit über alle Güter. Als Tochterkloster von Stift Heiligenkreuz, woher die ersten Mönche kamen, gehörte es der Filiation der Primarabtei Morimond an. 1327 lebten 12 Mönche und der Abt Heinrich in Neuberg, im Meierhof des Wernhard aus dem Berg. Das Stift bildete den Kern der Besiedlung des oberen Mürztales. Zu dem den Zisterziensern inkorporierten Dekanat gehörten bis in das 19. Jahrhundert die Pfarreien Neuberg (St. Anna, Maria am grünen Anger), Mürzzuschlag, Langenwang und Krieglach, mit Pflegstellen in Kapellen und Mürzsteg.Goeth, 1840, S. 332.
mini|Die ehemalige Stifts- und heutige Pfarrkirche in Neuberg an der Mürz
Zum Gedenktag des hl. Dionysius von Paris wurde am 9. Oktober 1327 Richtung Sonnenaufgang die Längsachse der Bernhardikapelle abgesteckt.Goeth, 1840, S. 333. Zum Gedenktag der hl. Juliana von Nikomedia wurde am 16. Februar 1329 Richtung Sonnenaufgang die Längsachse der Stiftskirche abgesteckt. 1336 wurde als erster Sakralraum die heutige Sakristei eingeweiht. 1344 wurde von Bischof Konrad von Gurk der Kapitelsaal konsekriert, in dessen Gruft 1347 der Stifter, Herzog Otto der Fröhliche beigesetzt wurde. Die Fertigstellung der Hallenkirche kam wegen einer Heuschreckenplage und einer Pestepidemie etwa in der Mitte des 14. Jahrhunderts zum Erliegen. Im September 1379 wurde hier im Vertrag von Neuberg die Teilung der Habsburgischen Länder zwischen Albrecht III. und Leopold III. vereinbart. 1396 wurde ein Großteil des Klosters Opfer eines verheerenden Brandes, jedoch die Kirche blieb weitgehend verschont. Erst nach der Mitte des 15. Jahrhunderts wurde die Kirche unter Kaiser Friedrich III. fertiggestellt, datiert wird die Fertigstellung mit 1471.Goeth, 1840, S. 334.
Der hölzerne Dachstuhl, aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts, ist mit mehr als 1100 m³ Lärchenholz der größte und bedeutendste erhaltene Holzdachstuhl im deutschen Sprachraum.Dieser wurde schon im 19. Jahrhundert wegen seiner handwerklichen Qualität gerühmt. So z. B. Goeth, 1840, S. 334. Aus der Zeit der Gotik sind die lebensgroße Sandsteinstatue der Neuberger Madonna und mehrere Flügelaltäre erhalten. Der Kreuzgang mit dem Kapitelsaal besitzt kostbare Reliefs, die zu den wichtigsten Zeugnissen der Skulptur des 14. Jahrhunderts in Österreich zählen. Die Ausstattung des Münsters wird vom frühbarocken Hochaltar dominiert, der 1612 entstand.
Nach wechselvoller Geschichte wurde das Kloster 1786 von Kaiser Joseph II. aufgehoben, und dem steiermärkischen Religionsfonds übergeben. Die Klosterkirche wurde Pfarrkirche von Neuberg. Neuberg blieb aber Dekanatssitz (aber in Spital am Semmering verwaltet), und Sitz der Herrschaft Neuberg. Diese war dem montanistischen Staatsärar unterstellt, unter Leitung der k.k. Hofkammer für Münz- und Bergwesen.Goeth, 1840, S. 337. Ein Trakt im Südosten der Stiftanlage wurde um 1850 zu einem Jagdschloss für Kaiser Franz Joseph umgebaut. Im Rest des Stifts waren Verwaltungsbehörden ansässig, die Herrschaftsverwaltung und ein k.k. Eisenwerks-Oberverweseramt, sowie Beamten- und Klerikerwohnungen, Magazine und Ähnliches untergebracht.Goeth, 1840, Kapitel Herrschaft Neuberg S. 340 ff. Zahlreiche dieser Objekte wie der Lindenhof (auch Stallhof) und weitere Wirtschaftsgebäude sowie ein Springbrunnenbecken im Garten stehen unter Denkmalschutz.
Nach 1918 wurde die Republik Österreich Eigentümer, und es wurde den Österreichischen Bundesforsten (ÖBf) zugeteilt, die hier ihre Gebietsverwaltung führten. 1996 wurde die Anlage für die Steirische Landesausstellung umfassend renoviert. Ende 2007 übergaben die Republik und die Bundesforste die Liegenschaften Stift und ehemaliges kaiserliches Jagdschloss mit einigen Auflagen und Wünschen an die Aigner Immobilien Gruppe., Website Stift Neuberg – Schloß Neuberg.
mini|Stiftshof Neuberg an der Mürz
Heutige Nutzung Mit schrittweiser Sanierung des weitläufigen Stiftsareals wurde ein Konzept zur Nutzung entwickelt, sodass sich private und gewerbliche Nutzer in die Räumlichkeiten des Stiftes einmieten können. Im Stift sind die Schauglashütte Kaiserhof, ein Naturmuseum, das Pölzl Museum und verschiedene Gärten zu besichtigen, das 1991 eröffnet wurde und aus einer Privatsammlung stammt. Die Erweiterung erfolgte durch Herbert Schliefsteiner. abgerufen am 15. November 2011. Im Stiftshof befinden sich in 50 Zimmern Übernachtungsmöglichkeiten. Aigner Immobilien hat Schloss und Stift übernommen und einer umfassenden Renovierung unterzogen. Heute werden die historischen Gebäude nachhaltig genutzt und bieten attraktive Gewerbeflächen, moderne Geschäftslokale, sowie Wohnungen. Die behutsame Sanierung verbindet den historischen Charakter mit zeitgemäßem Komfort.
Architektur Das ehemalige Stiftsgebäude entspricht dem Anlagenmodus des Mutterklosters Stift Heiligenkreuz und wurde großteils zu Kanzleien und Wohnungen adaptiert, wobei der mittelalterliche Bestand trotz der Brände im Eigentlichen erhalten blieb. Der Kreuzgang südlich der Kirche bildet im Verhältnis von 8 zu 9 Jochen einen rechteckigen Hof. Der Nord- und Ostflügel am Hof wurde 1344 geweiht. Der Süd- und Westflügel wurde in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts erbaut. Um 1640 wurden die Stiftsgebäude mit einem niedrigen Obergeschoß ausgebaut.
Stiftskirche
Die ehemalige Stiftskirche ist die heutige Pfarrkirche der Pfarre Neuberg an der Mürz. Sie ist, wie alle Zisterzienser-Klosterkirchen, dem Fest Mariä Himmelfahrt geweiht und liegt im Dekanat Mürztal in der Diözese Graz-Seckau.Pfarren im Dekanat Mürztal
Das Gotteshaus ist eine dreischiffige hochgotische Hallenkirche mit Krüppelwalmdach. Über der Vierung sitzt ein Dachreiter. Die geostete Kirche hat einen rechteckigen Grundriss und wurde gemäß den Ordensregeln schlicht gestaltet.Leopold Mazakarini: Kunstführer des ehemaligen Klosters Neuberg an der Mürz. Verlagshaus Kellner, Wien, S. 6f. Neuberg an der Mürz, Ehem. Zisterzienserabtei mit Übersichtsplan, Ehem. Stiftskirche Mariä Himmelfahrt mit Kreuzgang und Kapitelsaal mit Grundrissdarstellung, Ehemaliges Stiftsgebäude. In: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Dehio Steiermark (ohne Graz) 1982. S. 316.
Kirchenäußeres mini|Pfarrkirche Neuberg an der Mürz in der Osternacht 2025 Die Kirche ist aus Kalksteinquadern gemauert und weist massive Wände auf. Nur im Chorraum wirkt die Wand durch die drei großen Chorfenster weniger massiv. Die Fassade des blockförmigen Baues ist auf allen vier Seiten durch vierfach gestufte Strebepfeiler, die von Fialen bekrönt sind, gegliedert. An Süd-, West- und Ostfassade ist die Sockelzone gekröpft. An der Nordseite schließt ein spätgotischer Kapellenausbau aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, an das Kirchenschiff an, die Loretokapelle. Sie ist zweigeschoßig, das Obergeschoß ist über eine Spindeltreppe in der nordöstlichen Ecke erreichbar. An den Gebäudekanten des Anbaues befinden sich Strebepfeiler.
Die dreigeschoßige Westfassade ist durch einen Blendbogen, eine hochgotische Fensterrose, das spitzbogige Portal sowie Strebepfeiler gegliedert. Das gestufte spitzbogige Portal weist ein leeres Tympanon auf. Der krabbenbesetzte Giebel ist mit einem Wimperg bekrönt und wird von Fialen flankiert. Am spitzbogig geschlossenen Portal sieht man heute noch Reste einer im 19. Jahrhundert abgetragenen Vorhalle. Über der Fensterrose in der mittleren Fassadenzone befindet sich eine Konsole, die heute leersteht. Bis zum 17. Jahrhundert befand sich in dieser die sogenannte Neuberger Madonna. Während eines orkanartigen Sturmes wurde diese auf den Boden geweht und blieb dabei unbeschädigt.
Kircheninneres mini|Innenraum mit Hochaltar mini|hochkant|Orgel und Fensterrose Der lichtdurchflutete, neunjochige Kirchenraum wird durch acht Bündelpfeilerpaare in drei Kirchenschiffe geteilt. Zwischen dem fünften und dem sechsten Pfeilerpaar ist ein breiterer Raum, durch den ein Querschiff angedeutet wird, das Langhaus und Chor trennt. Dieses wird durch Verstärkungen der Säulen und Gurtbögen betont. Allerdings wird der gesamte Raum als Halle aufgefasst. Der Chor der Kirche ist, wie bei Kirchen der Zisterziensern üblich, gerade geschlossen. Über dem Kirchenraum ist Kreuzrippengewölbe. Die einzelnen Rippen sind birnstabartig profiliert. Die Kirche hat eine Länge von 67,50 Metern, und eine Breite von 24,20 Metern. Das Mittelschiff alleine ist 9,75 Meter breit. Die Scheitelhöhe der Kirche beträgt 19,50 Meter.
An den Wänden sind Gewölbemalereien sichtbar. An der Westwand befindet sich ein Fresko, das mit der Jahreszahl 1505 datiert ist. Es wird von der um 1670 eingebauten Orgelempore teilweise verdeckt. Das Fresko hat die Form eines Flügelaltares. Mittig ist die heilige Maria mit dem Jesuskind dargestellt. Links davon snd die Kreuzigung und rechts die Heiligen Georg und Christophorus zu sehen. Unterhalb befindet sich eine Darstellung der Vierzehn Nothelfer. Das Fresko wurde im Stil der Donauschule angefertigt.
Ausstattung Georgs-Altar Der Altar wurde 1622 erstmals so bezeichnet. Das Altarbild wurde von Franz Täglich aus Wiener Neustadt gemalt. Das Bild wird von Statuen der Heiligen Godefriedus und Laurentius flankiert. Diese sind etwas jünger als das Bild.Leopold Mazakarini: Kunstführer des ehemaligen Klosters Neuberg an der Mürz. Verlagshaus Kellner, Wien, S. 9.
Johannes Nepomuk-Altar In der Mitte befindet sich eine vergoldete Statue des heiligen Johannes Nepomuk. Die Statue ist von reicher Schnitzdekoration umrahmt. Statue und Schnitzwerk entstanden um 1730. Im Aufsatz ist die Zunge des heiligen Johannes Nepomuk dargestellt, die als Symbol für die Verschwiegenheit des Märtyrers gilt.
Barbara-Altar Der Altar entstand analog zum Altar des heiligen Johannes Nepomuk um 1730. In einem reich verzierten Schnitzrahmen ist eine vergoldete Statue der heiligen Barbara mit Turm dargestellt. Im Aufsatz befindet sich die Darstellung eines Kelches, ebenfalls ein Attribut der Heiligen.
Spätbarocker Altar Dieser Altar wurde um 1725 geschaffen. In diesen ist eine gotische Darstellung der Muttergottes mit Kind eingefügt. Die um 1450 entstandene Plastik stammt vermutlich von einem ehemaligen Flügelaltar.
Vorderer linker Seitenaltar