Il Sant’Alessio (deutsch: Der heilige Alexius; Schreibweise in der Partitur: Il S. Alessio) ist eine Oper (Originalbezeichnung: „Dramma musicale“) in einem Prolog und drei Akten von Stefano Landi (Musik) mit einem Libretto von Giulio Rospigliosi, dem späteren Papst Clemens IX. Die Erstfassung entstand 1631. Sie wurde vermutlich im Februar 1632 im Teatro Barberini in Rom uraufgeführt, die Zweitfassung ebenda in der Karnevalsaison 1634 anlässlich eines Besuchs des polnischen Prinzen Karl Alexander.
Handlung
Alessio (Alexius von Edessa) verlässt nach seiner Hochzeit heimlich seine Familie, um auf Pilgerreise zu gehen. Nach einem Aufenthalt beim Heiligtum in Edessa verschlägt ihn ein Sturm zurück in die Heimat, wo er sich seiner Familie jedoch nicht zu erkennen gibt. Sein Vater Eufemiano hält ihn für einen Bettler und gestattet ihm, unter der Treppe seines Palasts zu wohnen. Dort lebt Alessio unerkannt mehrere Jahre. Ein Dämon aus der Hölle begibt sich auf die Erde, um seinem tugendhaften Leben ein Ende zu bereiten und ihn auf den weltlichen Weg zurückzuführen. Er überredet Alessios Braut, zur Suche nach ihrem Mann eine gefahrvolle Reise zu unternehmen. Auch seine Mutter will sich der Fahrt anschließen. Alessio gelingt es jedoch, ihnen das Vorhaben auszureden, ohne ihnen seine wahre Identität zu offenbaren. Alessio bleibt auch standhaft, als sich der Dämon als Eremit verkleidet direkt an ihn wendet. Wenig später verkündet ihm ein Engel seinen bevorstehenden Tod, den er freudig annimmt. Nachdem eine Stimme in der Kirche auf ein besonderes Ereignis im Haus Eufemianos hingewiesen hat, begeben sich Papst und Kaiser dorthin und finden unter der Treppe den toten Bettler. Sein Abschiedsbrief weist diesen als den langvermissten Alessio aus. Engel trösten die trauernde Familie damit, dass Alessio unter Jubel in den Himmel aufgenommen wurde. Die Stadt Rom kann sich über einen neuen Heiligen freuen. Ihm wird der ehemalige Tempel des Herkules gewidmet.
Die folgende Inhaltsangabe basiert auf dem Libretto der Zweitfassung von 1634. Die kursiv gekennzeichneten Textteile sind weitgehend wortgetreue Übersetzungen der originalen Szenenanweisungen.
Prolog
mini|links|Prolog: Roma und Sklaven
Roma befindet sich umgeben von vielen Sklaven auf einem Siegesdenkmal. Nachdem sie die Lobesreden für den Durchlauchtigsten Prinzen Alexander Karl von Polen und den allgemeinen Jubel über die Ankunft seiner Hoheit angehört hat, kündigt sie an, die Lebensgeschichte des Heiligen Alexius vorzustellen, der bei ihren Bürgern nicht nur wegen des Ruhms seiner Heiligkeit, sondern auch wegen seiner Waffenkunst hoch geschätzt wurde. Um zu zeigen, dass ihr ihr Status als Königin der Herzen wichtiger ist als alles andere, befiehlt sie, die genannten Sklaven von ihren Ketten zu befreien.
Nach dem Aufgang des Vorhangs sieht man Roma in einem Theater auf einem Thron aus Waffen und verschiedenen Wappen und zu ihren Füßen einen Chor von Sklaven.
Während Roma von ihrem Thron herabsteigt, besingen die Sklaven das Glück, dass ihnen nach der Ankunft Alexanders bevorsteht. Anschließend stellt sich Roma dem Publikum vor und erzählt von der Kriegstüchtigkeit ihrer Einwohner und der Tugend des Alexius, der seinen Reichtum verschmähte, um unerkannt von seinen Verwandten in Armut zu leben („Roma son io, ch’il soglio“). Die Sklaven preisen sie als Königin ihrer Herzen.
Erster Akt
Vor dem Palast des römischen Senators Eufemiano
Szene 1. Eufemiano begrüßt den römischen Ritter Adrasto nach dessen Rückkehr aus dem Krieg. Adrasto bedauert, dass sein Freund, Eufemianos Sohn Alessio, nicht anwesend ist, der seine Familie vor mehreren Jahren verlassen hat und seitdem vermisst wird. Da er damit eine nicht verheilte Wunde Eufemianos aufreißt, versichert er ihm, dass er schon vor einiger Zeit dessen Diener beauftragt habe, nach Alessio zu forschen. Er habe auch von einem aus Palästina zurückgekehrten Pilger gehört, bei dem es sich möglicherweise um Alessio handelte. Als sich die Diener diesem jedoch nähern wollten, war er bereits weitergereist. Eufemiano erinnert sich an Alessios heimliche Abreise in der Nacht nach seiner Hochzeit, die ihm noch immer unerklärlich ist.
Szene 2. Alessio denkt über die Eitelkeit der Menschen und die Vergänglichkeit der weltlichen Dinge nach. Um sich von den Ketten der Welt befreien, wendet er sich im Gebet an Gott (Arietta für eine Stimme: „Se l’ore volano“).
Szene 3. Martio und Curtio, zwei Pagen Eufemianos, verhöhnen Alessio (Arietta für zwei Stimmen: „Poca voglia di far bene“). Sie halten ihn für einen fremden Bettler, der im Palast ihres Herrn Unterschlupf gefunden hat. Alessio hört die beiden demütig an, bis sie ihn vertreiben.
In der Hölle
mini|links|I.4: Die Hölle
Szene 4. Während im Hintergrund die Leiden der Verdammten zu sehen sind, beschließen singende und tanzende Dämonen, Alessios Tugend zu hintertreiben, um ihn um seinen Ruhm zu bringen (Aria: „Si disserrino l’atre porte“). Ein einzelner Dämon macht sich auf den Weg zur Erde, um Alessios Standhaftigkeit auf betrügerische Weise auf die Probe zu stellen. Die Dämonen rufen zu den Waffen (Moresca und Chor der Dämonen: „Sdegno orribile alla luce“).
Rom
mini|I.5: Alessios Mutter, Braut und Amme
Szene 5. Alessios Mutter, seine Braut, seine Amme und die beiden Pagen beweinen seine Abwesenheit. Die Amme versucht vergeblich, die anderen zu trösten. Auf ihren Rat bitten alle Jesus darum, Alessio zu unterstützen, wo immer er auch sein möge (Chor der Hausbediensteten: „Dovunque stassi“).
Ein Wald
mini|links|I.: Das Ballett im Wald
Szene ergänzt zur Einleitung eines Balletts. Curtio ist zur Entspannung in das Landhaus seines Herrn gezogen. Er plant einige Unternehmungen, um den Pilger zu verspotten, und lädt die Bauern der Gegend zum Tanz ein. Martio erkennt, dass alles dafür bereit ist, dass er am nächsten Tag mit dem Pilger kommen kann (Ballo: „Già veggo, il tutto è lesto“).
Zweiter Akt
Szene 1. Eufemiano vergleicht sein eigenes Unglück mit der Freude von Adrastos Eltern, die diese bei Adrastos Heimkehr empfinden (Sinfonia: „O te felice, o genitor d’Adrasto“).
Szene 2. Der Dämon enthüllt, dass er Alessios Frau dazu überredet hat, zur Suche nach ihrem Mann die Stadt zu verlassen. Er glaubt, dass sich Alessio ihr nun offenbaren werde, um sie von der gefährlichen Reise abzuhalten.
Szene 3. Die Braut hat ein Pilgergewand angezogen und ist bereit zur Abreise. Die Amme beobachtet sie unerkannt und berichtet der Mutter davon, damit diese ihr die Fahrt ausredet.
Szene 4. Da die Mutter die Reise der Braut nicht verhindern kann, will sie sich ihr anschließen. Der als Bettler verkleidete Alessio hört das Gespräch mit an. Nach einem kurzen Gebet um himmlische Hilfe mischt er sich ein und erzählt, dass er aus eigener Erfahrung von der Unsinnigkeit einer solchen Reise wisse. Je länger sie ihn suchen, desto weiter werde sich der Gesuchte von ihnen entfernen. Zudem gebe es auf dem Weg Berge und tausenderlei Gefahren. Während die Mutter alle diese Argumente ignorieren will, erinnern seine Worte die Braut an Alessio selbst. Sie beschließt daher, auf ihn zu hören, auf die Reise zu verzichten und bis zu ihrem Tod als verschmähte Gattin zu leben. In ihrem Schmerz über diesen Gedanken fällt sie in Ohnmacht.
Szene 5. Alessio ist zutiefst bewegt über das Leid seiner Familie. Er gerät in einen Gewissenskonflikt und denkt darüber nach, ob er sich ihnen zu erkennen geben soll.
mini|links|II.6: Der als Eremit verkleidete Dämon, Alessio und der Engel
Szene 6. Der Dämon nähert sich Alessio in der Kleidung eines Eremiten und rät ihm, die Leiden seiner Familie zu beenden und zu ihnen zurückzukehren. Alessio ist verwirrt. Er vermutet, dass es sich um ein Trugbild der Hölle handelt und betet um göttliche Hilfe. Da steigt ein Engel vom Himmel herab. Der Dämon kann dessen Gegenwart nicht ertragen und zieht sich zurück.
Szene 7. Der Engel versichert Alessio, dass der Eremit ein Dämon war. Er solle daher seinen Rat ignorieren. Alessio sei von Gott berufen und auf einem rühmenswerten Weg. Er werde bald sterben und im Himmel großen Lohn erhalten. Alessio erwartet freudig seinen Tod.
Szene 8. Der Dämon will jedoch noch nicht aufgeben. Als Martio, der ihn für einen Eremiten hält, ihn verspotten will, verletzt ihn der Dämon mit seinem Feuer. Darauf versucht Martio, ihn festzunehmen. Der Dämon verwandelt sich in einen Bären.
mini|II.9: Religione
Szene 9. Religione erscheint, um Alessio bei seinem gottesfürchtigen Tod beizustehen. Sie fordert die Welt auf, seiner Tugend und ihr selbst zu folgen und nicht auf trügerische Begleiter hereinzufallen. Sie verschwindet in einem von Wolken umhüllten Wagen in die Luft.
Szene 10. Ein Bote teilt Adrasto und Eufemiano mit, dass in der Chiesa Maggiore eine himmlische Stimme erklungen sei, die alle gequälten Seelen zu sich gerufen habe, um ihnen Trost zu spenden. Eufemiano erkennt, dass er sich auf den Himmel verlassen kann. Nach einem Orchester-Ritornell beenden ein hoffnungsfrohes Terzett („Questo Egeo ch’è stabil campo“), ein Chor und ein weiteres Ritornell den zweiten Akt.
Dritter Akt
Szene 1. Der Dämon hat bei seiner Aufgabe versagt („Mal si resiste a fermo core“). Er stürzt zurück in die Hölle, wo er von einem Flammenmeer verschlungen und von den anderen Dämonen begrüßt wird.
Szene 2. Adrasto bemerkt eine gewisse Unruhe in der Bevölkerung. Ein Bote erzählt ihm, dass im Haus Eufemianos große Trauer herrsche. Eine Stimme aus dem Himmel habe verkündet, dass derjenige aus dem irdischen Kleid zu den Sternen berufen sei, der sich um Gott bemühe. In der Kirche habe man anschließend eine freundliche Stimme gehört: „Eufemianos Dach beherbergt den niedrigen Diener, der Gott gefällt.“ Papst Innozenz und Kaiser Honorius seien daraufhin zu diesem Haus gegangen und hätten dort einen erfrorenen Mann gefunden. In diesem habe man den vermissten Alessio erkannt. Adrasto macht sich auf den Weg zum Palast.
Bogengänge und Garten von Eufemianos Palast
mini|links|III.3: Amme, Braut, Mutter, Eufemiano; Alessio unter der Treppe; Adrasto und Volk
Szene 3. Eufemiano, die Braut und die Mutter trauern um Alessio, dessen Körper unter der Treppe des Palasts ruht. Martio und Curtio flehen zu Gott um Vergebung für ihre Schuld. Ein Mann aus dem Chor liest einen Brief vor, den Alessio vor seinem Tod geschrieben hat. Darin berichtet er seiner Familie von seinen Erlebnissen nach der Abreise. Nachdem er zum Heiligtum Edessas gepilgert war, habe er weiter reisen wollen, doch widrige Winde haben ihn in die Heimat zurückgebracht. Dort sei er unerkannt als Bettler von seinem Vater aufgenommen worden. Das Leid seiner Familie habe ihn tief berührt. Er hoffe, dass sie nun Frieden finden können.
Szene 4. Eine Gruppe von Engeln versichert den Angehörigen, dass Alessios Seele im Himmel mit Jubel empfangen wurde und nun die Sternenkrone und das goldene Gewand trage. Es gebe daher keinen Grund mehr zur Trauer. Eufemiano, Mutter und Braut sind getröstet.
mini|III.5: Religione, die acht Tugenden und der Engelschor
Szene 5. Religione tritt mit dem Chor der acht Tugenden, durch die Alessio seine Heiligkeit erlangte, aus dem Haus. Sie fordert die Anwesenden auf, seinen Körper in den vormaligen Tempel des Herkules zu bringen und dort zu beten, denn Alessio sei mehr als Herkules fähig gewesen, die Hölle zu überwinden. Ein Engelschor beglückwünscht die Stadt Rom für ihren neuen Heiligen.
Gestaltung