Wasserknappheit besteht, wenn nicht genügend Wasser verfügbar ist, um den Wasserbedarf der Bevölkerung zu decken.

Auf allen Kontinenten sind Menschen von Wasserknappheit betroffen. Im Jahr 2019 erklärte das Weltwirtschaftsforum Wasserknappheit und ihre Auswirkungen als die größte Gefahr des kommenden Jahrzehnts: Etwa die Hälfte der Weltbevölkerung leidet mindestens einen Teil des Jahres unter schwerer Wasserknappheit, wobei die Gründe sowohl klimatischer als auch nicht-klimatischer Natur sind.Sechster Sachstandsbericht des IPCC, Pörtner, H.-O et al.: , in: Climate Change 2022: Impacts, Adaptation and Vulnerability, Cambridge University Press 2022, S. 10. Drei Viertel der Weltbevölkerung leben in Staaten, die auf absehbare Zeit dauerhaft von Wasserknappheit betroffen sind.

Allgemeines 97 % des gesamten Wassers auf der Erde ist Salzwasser. Von den 3 % Süßwasser sind nur 0,014 % leicht zu erreichen, denn der stark überwiegende Anteil befindet sich an schwer erreichbaren Orten wie den polaren Eiskappen. Dennoch ist prinzipiell genug Wasser vorhanden, um den Bedarf der Menschheit zu decken. Trotzdem wird eine globale Wasserkrise erwartet, verschärft durch die globale Erwärmung, die ungleiche Verteilung der Ressource und den starken Anstieg der Nachfrage nach Wasser. Es wird erwartet, dass die globale Nachfrage die Menge des verfügbaren Wassers innerhalb von 15 Jahren um 40 % übersteigt.

Global besteht Wasserknappheit, weil das Süßwasser geographisch und saisonal ungleich verteilt ist.S. L. Postel, G. C. Daily, P. R. Ehrlich: Human appropriation of renewable fresh water. Science 271, S. 785–788 (1996).H. H. G. Savenije: Water scarcity indicators; the deception of the numbers. Physics and Chemistry of the Earth B, 25, S. 199–204 (2000). Die Hauptgründe für einen Anstieg der Wasserknappheit weltweit sind die wachsende Weltbevölkerung, steigender Lebensstandard, verändertes Konsumverhalten und eine Ausweitung der Bewässerungsfeldwirtschaft.C. J. Vörösmarty, P. Green, J. Salisbury, R. B. Lammers: Global water resources: Vulnerability from climate change and population growth. Science 289, S. 284–288 (2000).A. E. Ercin, A. Y. Hoekstra: Water footprint scenarios for 2050: A global analysis. Environment International 64, S. 71–82 (2014). Weitere Gründe sind der Klimawandel, zum Beispiel die Veränderung im Wetterverhalten (Dürren und Überschwemmungen), Abholzung, zunehmende Wasserverschmutzung sowie ein verschwenderischer Wasserverbrauch und ineffiziente Wasserbereitstellung. Somit wird Wasserknappheit oft durch anthropogene Eingriffe in den Wasserkreislauf verursacht. Experten sind sich sicher, dass die Wasserknappheit kein ökologisches Problem ist, sondern ein durch politisches Mismanagement erzeugtes.

In Südasien waren 2023 nach Schätzungen des UN-Kinderhilfswerk UNICEF 347 Millionen Menschen unter 18 Jahren „einer hohen oder extrem hohen Wasserknappheit ausgesetzt“.

Mit zunehmenden Dürreereignissen wie z. B. dem Dürresommer 2022 rückt das Problem Wasserknappheit auch in Mitteleuropa in das öffentliche Bewusstsein. Ging man in Deutschland lange davon aus, dass mehr als genug Wasser vorhanden sei, und riet daher zu großzügigem Wassereinsatz, um Leitungen durchzuspülen, kommt es nun verstärkt zu Mangellagen. So meldeten während des Dürresommers 2022 mehr als 50 % der Kommunen in Deutschland eine Wasserknappheit. 16 % der Kommunen erließen Restriktionen wie das Verbot der Autowäsche oder Bewässerung und dergleichen, um Wasser einzusparen. In manchen Kommunen war der Wassermangel so stark, dass nicht mehr ausreichend Wasser für Haushalte und Feuerwehreinsätze zur Verfügung stand. Größter Verbraucher mit 72 % Anteil ist die Industrie.Dürresommer. Industrie muss kaum Wasser sparen. In: Tagesschau.de, 4. Oktober 2022. Abgerufen am 5. Oktober 2022.

Globale Verteilung mini|Globale Verwendung von Wasserressourcen. Quelle:2016 FAO Daten. mini|hochkant=1.4|Globaler Wasserverbrauch 1900–2025 nach Regionen, in Milliarden m³ pro Jahr. Insgesamt gibt es 14.000 Kubikkilometer an einfach erreichbaren Süßwasservorräten auf der Erde. Dieses schließt Oberflächenwasser in Flüssen und Seen, aber auch Grundwasser mit ein. Von diesem Gesamtangebot werden 5.000 Kubikkilometer von der Menschheit genutzt und wiederverwendet. Theoretisch ist also genug Süßwasser vorhanden, um eine Weltbevölkerung von acht Milliarden Menschen oder sogar einen Bevölkerungsanstieg auf neun Milliarden Menschen zu versorgen. Aber durch die ungleiche geographische Verteilung dem ungleich starken Konsum, sowie dem Mismanagement von Wasser besteht in einigen Regionen der Welt Wasserknappheit, in denen große Teile der Weltbevölkerung leben.

Wasserknappheit als Resultat von Übernutzung wird vor allem durch die Landwirtschaft und hier vor allem durch die Viehzucht verursacht, aber auch durch die Industrie. Menschen in Industrieländern verbrauchen circa zehnmal so viel Wasser wie Menschen in Entwicklungsländern. Ein Großteil dieses Verbrauchs wird durch indirekten Wasserverbrauch, zum Beispiel in der landwirtschaftlichen oder industriellen Produktion von Konsumgütern, verursacht. Durch die Globalisierung von Produktionsketten wird viel Wasser in Schwellen- und Entwicklungsländern verbraucht, um Güter zu produzieren, die in Industrieländern verbraucht werden.

Physische und ökonomische Wasserknappheit Wasserknappheit wird in zwei Arten unterteilt: Physische/Natürliche Wasserknappheit Ökonomische Wasserknappheit

Physische Wasserknappheit entsteht, wenn der Wasserbedarf die natürlich vorhandenen Ressourcen einer Region übersteigt. Ökonomische Wasserknappheit entsteht durch schlechtes Management der vorhandenen Wasserressourcen. Nach Aussagen des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen ist schlechtes Wassermanagement häufiger als fehlende natürliche Ressourcen die Ursache von Wasserknappheit. Die meisten Länder und Regionen, die unter Wasserknappheit leiden, hätten nämlich eigentlich genügende Vorkommen, aber nicht das nötige Know-how oder die Technik, um es der Bevölkerung zugänglich zu machen.United Nations Development Programme (2006). Human Development Report 2006: Beyond Scarcity–Power, Poverty and the Global Water Crisis. Basingstoke, United Kingdom:Palgrave Macmillan. Aride Regionen leiden häufig unter physischer Wasserknappheit. Sie kann aber auch entstehen, wenn Ressourcen übernutzt werden, zum Beispiel für Wasserkraftwerke, Staudämme oder künstliche Bewässerung. Auswirkungen von physischer Wasserknappheit sind zum Beispiel Umweltzerstörung, Verbrauch des Grundwassers oder Verschwendung.

Ökonomische Wasserknappheit wird verursacht durch fehlende Investitionen in Infrastrukturen und Technologien, um Süßwasser von Flüssen, Wasserspeichern und anderen Wasserquellen zu verteilen. Ein Viertel der Weltbevölkerung ist von ökonomischer Wasserknappheit betroffen. Durch die fehlende Infrastruktur sind betroffene Menschen oft gezwungen, sehr weite Wege zurückzulegen, um zu Wasserquellen zu gelangen. Zudem ist dieses Wasser dann oft durch Haushaltsabwasser oder Abflüsse aus der Landwirtschaft verschmutzt. Große Teile Afrikas leiden unter ökonomischer Wasserknappheit; die Wasserknappheit könnte hier durch einen Ausbau der Infrastruktur stark verringert werden. Oft sind auch wirtschaftlich oder politische schwache Bevölkerungsteile von der Wasserknappheit betroffen. Der Verbrauch liegt in Industrieländern bei 200–300 Litern pro Tag, in Entwicklungsländern bei ca. 10 Litern. Verschiedene internationale Organisationen empfehlen ein Minimum von 20 Litern, das innerhalb von einem Kilometer Entfernung zum Haushalts erreichbar sein soll. In Ländern mit Wasserknappheit wird in großen Teilen mit Wasser als Ressource spekuliert. Hinzu kommt die weitgehende Privatisierung von Wasser weltweit. In den USA beispielsweise liegt der Marktanteil der Konzerne Coca-Cola, Danone, Nestlé und PepsiCo bei über 70 Prozent. Laut der Sustainable Development Goals (SDG) der Vereinten Nationen, behindern Privatisierungen massiv den Fortschritt zum universellen Zugang zu Trinkwasser.

Wasser als Menschenrecht mini|In der Meatu Region von Simiyu, Tansania (Afrika) wird Wasser oft über Löcher, die in trockene Flussbetten gegraben werden, gewonnen. Diese Aufgabe wird meist durch Mädchen übernommen, weswegen sie keine Schulbildung erhalten. Unicef Veröffentlicht am 5. April 2010. Abgerufen am 3. Januar 2018Impact of water scarcity on girls education The Citizen, Tansania, veröffentlicht am 14. November 2017. Abgerufen am 3. Januar 2018 Seit 2010 gilt Wasser als universelles Menschenrecht. Dies wurde formell durch die Generalversammlung anerkannt.

Der UN-Ausschuss für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte vereinbarte, dass Wassersicherheit fünf Grundelemente enthält. Dazu gehört das Recht auf ausreichendes, sicheres, angemessenes, physisch zugängliches und erschwingliches Wasser für den persönlichen und privaten Verbrauch.

Auf dem Millennium-Gipfel der Vereinten Nationen wurde der Zugang zu sicherem Trinkwasser als eines der Millenniums-Entwicklungsziele festgelegt. Die MDG 7 setzte die Halbierung des Anteils der Menschen ohne dauerhaft gesicherten Zugang zu hygienisch einwandfreiem Trinkwasser von 65 Prozent auf 32 Prozent als Ziel. Auch in den seit 2015 geltenden Zielen für nachhaltige Entwicklung wird eine universelle Trinkwasserversorgung weltweit angestrebt.

Auswirkungen auf die Umwelt (Wasserknappheit hat verschiedene Auswirkungen. Dazu gehört allgemein die Unterdeckung der vorhandenen Nachfrage, aber auch der wirtschaftliche Wettbewerb um die Wasserquantität und -qualität. Als weitere Auswirkungen sind Auseinandersetzungen unter den Verbrauchern, die irreversible Abnahme des Grundwassers und darüber hinausgehende negative Auswirkungen auf die Umwelt zu nennen.)

Wasserknappheit hat viele negative Auswirkungen auf die Umwelt. Die Übernutzung der Ressource, wie es bei Wasserknappheit üblich ist, führt zu Versalzung, Eutrophierung und dem Verlust von Auen und Sumpfgebieten. Außerdem erschwert Wasserknappheit das Flussmanagement und die Genesung von städtischen Flüssen.

Über die letzten hundert Jahre sind mehr als die Hälfte der Sumpfgebiete oder Moorlandschaften der Erde verschwunden oder wurden zerstört. Diese Gebiete sind aber wichtig, da sie nicht nur der Lebensraum vieler Arten sind, sondern auch Anbaugebiete für Reis und andere Lebensmittel. Sie wirken auch als natürliche Filter und schützen umgebende Gebiete vor Überflutung und Stürmen. Süßwasserseen wie zum Beispiel der Aralsee in Zentralasien wurden auch in Mitleidenschaft gezogen. Der ehemals größte Süßwassersee hat innerhalb von 30 Jahren mehr als 58.000 Quadratkilometer seiner ehemals 68.000 Quadratkilometer an Fläche verloren und ist zunehmend versalzt.

Landabsenkung, das allmähliche Absinken von Gebieten, ist eine andere Auswirkung von Wasserknappheit. Die geologische Umfrage der Vereinigten Staaten hat geschätzt, dass mehr als 17.000 Quadratmeilen in 45 US-Bundesstaaten von Landabsenkungen betroffen sind, die meisten davon durch das Abpumpen von Grundwasser. In einigen Regionen, wie Houston, ist das Land mehr als neun Fuß gesunken. Texas Comptroller of Public Accounts. Abgerufen am 2. Oktober 2014.

Klimawandel