miniatur|Bischof Michael Keller 1959 in der Katholischen Landvolkshochschule „Schorlemer Alst“

Michael Keller (* 16. Februar 1896 in Siegen; † 7. November 1961 in Münster, Westfalen) war ein deutscher katholischer Theologe und von 1947 bis 1961 Bischof von Münster. Er setzte sich für die Verbreitung der katholischen Soziallehre ein und förderte die Laienbewegung.

Leben Jugend und Studium mini|Wappen von Bischof Michael Keller Michael Keller wurde als Sohn des späteren Reichsgerichtsrates Josef Keller geboren. Sein Vater wurde 1910 als Hilfsrichter, ab 1912 als Richter, an den IV. Zivilsenat des Reichsgerichts in Leipzig versetzt.Wilhelm Gillmann: Auf dem Weg zum Priestertum. In: Franz Kroos (Hrsg.): Dr. Michael Keller, Bischof von Münster. Paulus-Verlag, Recklinghausen 1962, S. 15–37, hier S. 16. Michael Keller besuchte die humanistische Thomasschule zu Leipzig und legte Dort 1914 sein Abitur ab.Gottlieb Tesmer, Walther Müller: Ehrentafel der Thomasschule zu Leipzig. Die Lehrer und Abiturienten der Thomasschule zu Leipzig 1912–1932. Im Auftrag des Thomanerbundes, Selbstverlag, Leipzig 1934, S. 23. Im Anschluss begann er ein Studium der Katholischen Theologie an der Theologischen Fakultät Paderborn.Franz Kroos (Hrsg.): Dr. Michael Keller, Bischof von Münster. Paulus-Verlag, Recklinghausen 1962, S. 11. Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs meldete er sich freiwillig zum Kriegsdienst, wurde bei den sächsischen Ulanen ausgebildet und diente an der Ostfront, ab 1917 an der Westfront,Wilhelm Gillmann: Auf dem Weg zum Priestertum. In: Franz Kroos (Hrsg.): Dr. Michael Keller, Bischof von Münster. Paulus-Verlag, Recklinghausen 1962, S. 15–37, hier S. 31. zuletzt als Leutnant.Hubert Wolf: Antimodernismus und Modernismus in der katholischen Kirche. Beiträge zum theologiegeschichtlichen Vorfeld des II. Vaticanums. Ferdinand Schöningh Verlag, Paderborn 1998, ISBN 3-506-73762-7, S. 360. Er wurde mit dem Eisernen Kreuz 1. und 2. Klasse, dem Albrechts-Orden (Ritterkreuz 2. Klasse) sowie mit dem Allgemeinen Ehrenzeichen in Silber mit Schwertern ausgezeichnet.

Nach Ende des Krieges setzte er seine theologischen Studien am Canisianum in Innsbruck fort. Im Jahr 1921 empfing er die Diakonenweihe in Feldkirch und am 6. November 1921 die Priesterweihe in der Abtei St. Georgenberg-Fiecht bei Schwaz. Keller wurde in den Klerus des Bistums Osnabrück inkardiniert. Den Ausschlag dafür, dass er nicht Priester des Bistums Meißen wurde (wie es dem früheren Wohnort Leipzig entsprochen hätte), gab die enge Beziehung ins Emsland, in die Heimat seiner Mutter, die aus Aschendorf stammte.Franz Kroos (Hrsg.): Dr. Michael Keller, Bischof von Münster. Paulus-Verlag, Recklinghausen 1962, S. 12 und 16. Anschließend studierte er in Rom und wurde an der Universität Innsbruck zum Doctor theologiae promoviert. Während seiner Zeit in Innsbruck war er aktives Mitglied der katholischen Studentenverbindung KStV Rhenania Innsbruck, organisiert im KV und ÖKV.

Kaplan, Pfarrer, Spiritual und Regens Ab 1924 war er zehn Jahre Kaplan der Pfarre St. Elisabeth in Hamburg-Harvestehude. Von 1931 bis 1933 war er Pastor (regionale Bezeichnung für Pfarrer) der Kirche Maria Grün in Hamburg-Blankenese.Franz Kroos (Hrsg.): Dr. Michael Keller, Bischof von Münster. Paulus-Verlag, Recklinghausen 1962, S. 13. 1934 wurde er Diözesanvorsitzender und 1935 Prosynodalrichter des Deutschen Katecheten-Vereins. Der deutsche Zweig der Priestervereinigung Unio Apostolica wählte ihn zum Nationaldirektor.Franz Kroos (Hrsg.): Dr. Michael Keller, Bischof von Münster. Paulus-Verlag, Recklinghausen 1962, S. 14.

Von 1935 bis 1939 war Keller Spiritual am Priesterseminar Osnabrück. 1939 wurde er Regens und damit Leiter des Priesterseminars. 1943 wurde er als Domkapitular des Bistums Osnabrück berufen.

Bischof mini|Grab von Bischof Michael Keller im Dom zu Münster miniatur|Westwerk des Paulus-Doms (Innenansicht) Am 19. Juli 1947 wurde Michael Keller von Papst Pius XII. zum Bischof als Nachfolger des am 22. März 1946 verstorbenen Clemens August Kardinal Graf von Galen ernannt. Die Bischofsweihe spendete ihm am 28. Oktober 1947 der Kölner Erzbischof Josef Kardinal Frings in der Heilig-Geist-Kirche in Münster, da diese im Zweiten Weltkrieg nicht durch Bomben zerstört worden war.Wilhelm Damberg, Gisela Muschiol: Das Bistum Münster. Eine illustrierte Geschichte 805–2005. Verlag Aschendorff, Münster 2005, ISBN 3-402-03414-X, S. 213. Als bischöflichen Wahlspruch wählte er – auch als Ausdruck seiner Marienfrömmigkeit – eine Zeile aus dem lateinischen Hymnus Ave maris stella: „Iter para tutum“ („Bereite einen sicheren Weg“).Michael Keller: Iter para tutum. Apostolat in der modernen Welt. Hirtenworte des Bischofs von Münster. Aschendorff, Münster 1961.

Keller war ein Bischof, der sich stark um die Seelsorge kümmerte. Rastlos war er unterwegs, um möglichst bald alle Pfarreien seines Bistums und dessen fast 2000 Priester kennenzulernen.Heinrich Portmann: Damals, als der Bischof kam. In: Franz Kroos (Hrsg.): Dr. Michael Keller, Bischof von Münster. Paulus-Verlag, Recklinghausen 1962, S. 54–62, hier S. 59–60. Er warb für eine frühzeitige Erstkommunion der Kinder.Heinz Hürten: Michael Keller (1896–1961). In: Jürgen Aretz, Rudolf Morsey, Anton Rauscher (Hrsg.): Zeitgeschichte in Lebensbildern. Aus dem deutschen Katholizismus des 19. und 20. Jahrhunderts, Band 4. Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 1980, S. 208–224, hier S. 211. Er erkannte früh die Bedeutung der Laienbewegung Katholische Aktion. Er unterstützte besonders die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) und die Christliche Arbeiterjugend (CAJ), außerdem den Verband der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung (KKV), die Katholische Landvolkbewegung (KLB) und das Kolpingwerk.Heinz Hürten: Michael Keller (1896–1961). In: Jürgen Aretz, Rudolf Morsey, Anton Rauscher (Hrsg.): Zeitgeschichte in Lebensbildern. Aus dem deutschen Katholizismus des 19. und 20. Jahrhunderts, Band 4. Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 1980, S. 208–224, hier S. 219. Auf einer Kundgebung der KAB in Rheinhausen vor der Bundestagswahl 1957 erklärte er, dass ein Katholik die SPD nicht wählen könne, unter anderem weil diese Partei in wichtigen Punkten nicht dem Naturrecht folge.Heinz Hürten: Michael Keller (1896–1961). In: Jürgen Aretz, Rudolf Morsey, Anton Rauscher (Hrsg.): Zeitgeschichte in Lebensbildern. Aus dem deutschen Katholizismus des 19. und 20. Jahrhunderts, Band 4. Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 1980, S. 208–224, hier S. 221.

In der Not der Nachkriegsjahre redete Keller 1948 in strengen Worten denjenigen ins Gewissen, die den Flüchtlingen nicht halfen, und prangerte Wucherer und Ausbeuter an, und zwar auf eine für Bischöfe seiner Zeit ungewöhnliche Art: Seine Mahnungen und Forderungen ließ er als Plakate an den Kirchen aushängen.Heinz Hürten: Michael Keller (1896–1961). In: Jürgen Aretz, Rudolf Morsey, Anton Rauscher (Hrsg.): Zeitgeschichte in Lebensbildern. Aus dem deutschen Katholizismus des 19. und 20. Jahrhunderts, Band 4. Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 1980, S. 208–224, hier S. 216–217. Um der Gerechtigkeit willen setzte er sich für eine Umverteilung des vorhandenen Eigentums ein und wollte dazu „den Besitzenden schmerzliche Opfer auferlegen“.Zitiert nach Heinz Hürten: Michael Keller (1896–1961). In: Jürgen Aretz, Rudolf Morsey, Anton Rauscher (Hrsg.): Zeitgeschichte in Lebensbildern. Aus dem deutschen Katholizismus des 19. und 20. Jahrhunderts, Band 4. Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 1980, S. 208–224, Zitat S. 217. Er förderte die maßgeblich von Albrecht Beckel entwickelten „Sozialen Seminare“ zur Katholischen Soziallehre, mit denen das Bistum Münster allen deutschen Bistümern voranging.Heinz Hürten: Michael Keller (1896–1961). In: Jürgen Aretz, Rudolf Morsey, Anton Rauscher (Hrsg.): Zeitgeschichte in Lebensbildern. Aus dem deutschen Katholizismus des 19. und 20. Jahrhunderts, Band 4. Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 1980, S. 208–224, hier S. 219–220. In Hirtenbriefen machte er auf den christlichen Erziehungsauftrag der Eltern aufmerksam. Er förderte den Priesterberuf;Heinz Hürten: Michael Keller (1896–1961). In: Jürgen Aretz, Rudolf Morsey, Anton Rauscher (Hrsg.): Zeitgeschichte in Lebensbildern. Aus dem deutschen Katholizismus des 19. und 20. Jahrhunderts, Band 4. Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 1980, S. 208–224, hier S. 211–212. den Priestermangel bezeichnete er als seine größte Sorge als Bischof.Paul Reher-Baumeister: Zur Freiheit erziehen. Der Bischof und seine Kollegien. In: Franz Kroos (Hrsg.): Dr. Michael Keller, Bischof von Münster. Paulus-Verlag, Recklinghausen 1962, S. 88–99, hier S. 98. Er war maßgeblich am Wiederaufbau des Collegium Borromaeum Münster, des Collegium Ludgerianum, des Collegium Johanneum, des Collegium Augustinianum Gaesdonck, des St.-Pius-Kolleg Coesfeld und der Katholischen Akademie Franz-Hitze-Haus beteiligt. Unter seiner Ägide wurden die Pfarreien mit über 10.000 Gläubigen umstrukturiert. Von 1950 bis 1960 wurde 165 neue Kirchen fertiggestellt, weitere 23 waren in seinem Todesjahr im Bau oder in der Bauvorbereitung.Michael Schmolke: Bischof Michael als Bauherr. In: Franz Kroos (Hrsg.): Dr. Michael Keller, Bischof von Münster. Paulus-Verlag, Recklinghausen 1962, S. 105–106, hier S. 105.

Ein weiteres großes Anliegen waren ihm die Weltmission und Entwicklungshilfe durch die Ausbildung einheimischer Fachkräfte.Franz-Josef Eilers: „Das darf uns keine Ruge lassen!“ Bischof Michaels Sorge um die Weltmission. In: Franz Kroos (Hrsg.): Dr. Michael Keller, Bischof von Münster. Paulus-Verlag, Recklinghausen 1962, S. 100–104, hier S. 100 und 103. Keller war der erste deutsche Bischof, der 1956 – zusammen mit Julius Angerhausen – die katholischen Missionen in Afrika besuchte.Bernhard Niehues: Krankheit und Tod des Bischofs. In: Franz Kroos (Hrsg.): Dr. Michael Keller, Bischof von Münster. Paulus-Verlag, Recklinghausen 1962, S. 63–80, hier S. 63–64. Auf Einladung des Benediktinerpaters Thomas Ohm reiste er durch Ost- und Südafrika.Julius Angerhausen: Brückenschlag nach Afrika. Verlag Haus Altenberg, Düsseldorf 1957. Er verurteilte die Apartheid-Politik in Südafrika.Heinz Hürten: Michael Keller (1896–1961). In: Jürgen Aretz, Rudolf Morsey, Anton Rauscher (Hrsg.): Zeitgeschichte in Lebensbildern. Aus dem deutschen Katholizismus des 19. und 20. Jahrhunderts, Band 4. Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 1980, S. 208–224, hier S. 222.

In Kellers Amtszeit fiel der Wiederaufbau des St.-Paulus-Doms, der im Zweiten Weltkrieg stark zerstört worden war. Keller setzte gegen den Widerstand von Bevölkerung und Denkmalpflege durch, dass das architektonisch bedeutsame Westwerk mit dem Hauptportal nicht restauriert, sondern durch einfache, im Kreis angeordnete Fenster ersetzt wurde. Der Haupteingang führt seitdem durch das Paradies. Im Volksmund wurden die von Keller gebilligten Fenster als „Kellerfenster“, „Wählscheibe Gottes“ oder als „Seelenbrause“ bezeichnet.Die Wählscheibe, Der Spiegel, Nr. 51, 14. Dezember 1955, S. 46 ff.