Das Großstadtrevier ist eine deutsche Fernsehserie, die im Ersten ausgestrahlt wird. Sie wird seit Mai 1984 von Studio Hamburg produziert und umfasst aktuell 522 Episoden in 38 Staffeln. Die erste Episode wurde am 16. Dezember 1986 ausgestrahlt. Für das 2026 anstehende 40. jährige Jubiläum der Serie soll ein dritter Primetimeeinsatz des Großstadtreviers mit dem Arbeitstitel Knockout entstehen. Seit dem 2. März 2026 werden zehn neue Folgen aus den Staffeln 37 und 38 immer montags in der ARD ausgestrahlt. Ab 5. Oktober 2026 sollen die Staffeln 38-40 in der ARD ausgestrahlt werden. Das Spezial zum 40 Jährigen Jubiläum der Serie "Knockout" soll zur Primetime am 6. Januar 2027 zu sehen sein.https://pressekits.ard.de/grossstadtrevier (Abruf 24. August 2026)

Handlung Gezeigt wird der Polizeialltag im Hamburger Stadtteil St. Pauli und auf dem Kiez, im Mittelpunkt stehen dabei die Beamten des fiktiven 14. Polizeikommissariats/PK14 (bis Staffel 23, 14. Polizeirevier). Im Wesentlichen besteht die Handlung aus drei Teilbereichen.

Zum einen aus dem Bereich der alltäglichen Polizeiarbeit mit hauptsächlich kleineren Delikten wie Diebstahl, Nachbarschaftsstreitigkeiten, Verkehrsdelikten, Familienstreitigkeiten. Hier wird zusätzlich die oft unbürokratische und zwischenmenschliche Hilfe der Beamten, insbesondere wenn es um ältere Mitbürger, Kinder und Obdachlose geht, als fast selbstverständlicher Teil der Arbeit dargestellt.

Des Weiteren gibt es den Bereich rund um Kiez und Reeperbahn, bei dem sich die Beamten vornehmlich mit Prostitution, Menschenhandel, Drogen und Gewalt beschäftigen, sich aber auch mit den Sorgen der Menschen, die dort leben und arbeiten, auseinandersetzen. Dafür bediente man sich auch realer Lokalitäten wie des Travestie-Cabarets Pulverfass und der Boxkneipe Zur Ritze. Bei der Arbeit rund um die Reeperbahn erweisen sich die zahlreichen Kontakte von Dirk Matthies auf dem Kiez oft als hilfreich.

Der dritte Teilbereich ist das Privatleben der Polizeibeamten des PK14 und deren Miteinander bei der Arbeit, getreu dem Motto Einer für alle, alle für einen. Hier werden besonders der Zusammenhalt und der familiäre Umgang der Beamten miteinander hervorgehoben; deutlich wird dies durch gemeinsame Fahrten aufs Land und das gemeinsame Feierabendbier in der Stammkneipe Big Harry (vorher bei Elli’s). Auch die privaten Aktivitäten der Beamten, welche hin und wieder auch als dienstliche Angelegenheiten enden, sind des Öfteren Bestandteil der Serie.

Auch größere Verbrechen wie Mord, Geiselnahme, Raubüberfall werden gelegentlich thematisiert.

Drehorte Seit Staffel 33 werden die Innenaufnahmen und der Eingang des Kommissariates im Studio Hamburg Atelier 3 im Hamburger Stadtteil Tonndorf gedreht. Die Außenaufnahmen finden vor dem Torbogen Elsässer Straße 20/22 in Dulsberg statt.Das „Großstadtrevier“ zieht ins neue Kommissariat. hamburger-allgemeine.de, 25. Mai 2019, abgerufen am 26. Mai 2019.

Zuvor befand sich das Revier in einem Gebäude in der Mendelssohnstraße/Ecke Paul-Dessau-Straße, Hamburg-Bahrenfeld. Das rote Backsteingebäude, in dem sich zudem außerhalb der Drehzeiten die Büros der Studio Hamburg Produktion GmbH (die das Großstadtrevier bis einschließlich der 32. Staffel produzierte) befanden, wurde sowohl für Innen- als auch Außenaufnahmen genutzt.

In den Episoden 1 bis 28 wurde für die Außenaufnahmen das damalige reale Polizeirevier 12 (heute eine Außenstelle des Polizeikommissariats 14), Klingberg 1 in 20095 Hamburg (neben dem Chilehaus) genutzt. Das Schild mit der Aufschrift „Polizeirevier 12“ wurde entsprechend überklebt.

Weitere wiederkehrende Hauptdrehorte sind die Reeperbahn, Sankt Michaelis, die Sankt-Josefs-Kirche in St. Pauli sowie die St. Pauli-Landungsbrücken. Einige Episoden spielen außerhalb Hamburgs, so wurde die 300. Episode (ausgestrahlt unter dem Episodentitel 5 nach 12 am 10. Januar 2011) in Bad Segeberg in den Kulissen des Freilichttheaters am Kalkberg gedreht, in dem sonst die Karl-May-Spiele stattfinden und war als Western angelegt. Zudem wurden drei Episoden auf Gut Rundhof im Gasthof Weißer Hirsch gedreht. Die Episode Fährmann hol’röver wurde auf der zum Bezirk Hamburg-Mitte gehörenden Nordseeinsel Neuwerk gedreht.

Ein weiterer besonderer Drehort war das ehemalige Feuerlöschboot Repsold, das für Ausflugsfahrten auf der Unter- und Oberelbe genutzt wird. Im Großstadtrevier diente die Repsold acht Jahre lang Dirk Matthies (Jan Fedder) als Wohnschiff.

Kritiken Matthias Röhe schrieb in einem Buch über die Vorabendserie: „Am 16. Dezember 1986 wird die erste Folge ‚Großstadtrevier‘ ausgestrahlt. Die Kultserie ist damit geboren und vom ersten Tag an erfolgreich. So erfolgreich, dass gleich nach Ausstrahlung weitere Folgen produziert und gesendet werden. Heute schreiben wir das Jahr 2016 und noch immer werden in Hamburg und Umgebung Folgen für diese Serie gedreht. Zwar sind in der Zwischenzeit viele Köpfe gerollt, aber Witz und Charme sind geblieben.“Matthias Röhe: Die Kultbullen aus Hamburg bei de.scribd.com, abgerufen am 9. September 2022.

Die Hörzu meinte: „Wenn eine Serie in zwei Jahren ihren dreißigsten Geburtstag feiert, hat sie sich längst zur Kultserie erhoben und schwebt über den Niederungen des Serienalltags. In bisher 27 Staffeln mit circa 350 Episoden bedient ‚Großstadtrevier‘ eine Krimifarbe, die sich internationalen Trends und Modernisierungsbestrebungen beharrlich verweigert. Das imaginäre 14. Revier in einem imaginären Teil von Hamburg St. Pauli wirkt seit der ersten Folge, als wäre die Zeit stehengeblieben. Alle agieren bedächtig, sogar die Bösewichte. Eine physische Seite besitzt ‚Großstadtrevier‘ praktisch nicht. Selbst eine Prügelei sieht so schmerzfrei aus wie ein Backs. Initiiert vom legendären Jürgen Roland (‚Stahlnetz‘) wirkt ‚Großstadtrevier‘ mehr wie eine Familienserie. Das Menschlich-Allzumenschliche bricht sich immer wieder Bahn. Kleinbürger und Senioren laden ihre Sorgen im Revier ab und genießen freundliche Aufmerksamkeit. Irgendwer hat immer Zeit, der menschliche Faktor ist rund um die Uhr verfügbar. In den ersten fünf Staffeln bildeten Mareike Carrière und der knorrige Arthur Brauss die zentrale Streifenwagenbesatzung. Im Jahr 1991 übernahm mit Folge 37 Jan Fedder […] der seitdem mit Unterbrechungen als Dirk Matthies die Rolle seines Lebens spielt und mit schnoddrig-nuschelnder Hanse-Schnauze den Ton angibt. Die Besetzung wechselte naturgemäß immer mal wieder. Sitzfleisch bewiesen besonders Peter Neusser und Edgar Hoppe. Am schwierigen Vorabend der ARD ist das ‚Großstadtrevier‘ der ruhende Pol und ein verlässlicher Quotenbringer, wenn sich auch kaum junge Zuschauer vor dem Bildschirm einfinden. Im Lauf der Jahre lieferte fast jeder deutsche Krimiautor ein Drehbuch für die Serie ab. Längst wurden Jan Fedder und Maria Ketikidou von der realen Polizei zu ‚Ehrenkommissaren‘ befördert. Innovationen sind vom ‚Großstadtrevier‘ nicht zu erwarten, das Serien-Mammut genießt Bestandsschutz. Wo es so unverfroren menschelt, schweigt die Kritik.“ „Man kann die deutsche Krimiserie auch als Anleitung in fernöstlicher Gelassenheit lesen. Gemütlich und unaufgeregt verfolgen Hamburger Cops überschaubare Delikte, um sie ohne Aufregung der Aufklärung zuzuführen.“ bei hoerzu.de.

Martin Schwickert von rp-online.de fasste zusammen: „34 Staffeln mit 461 Folgen, ein 250 Seiten starkes Nachschlagewerk und Quoten, die regelmäßig über der Zwei-Millionen-Marke liegen: Die Krimiserie „Großstadtrevier“ ist ein Dinosaurier des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, aber noch lange nicht vom Aussterben bedroht. Seit 1986 ermitteln die Männer und Frauen des 14. Polizeikommissariats in St. Pauli. Das Milieu im Kiez, aber auch die gut durchmischte Sozialstruktur des Stadtteils zwischen Reeperbahn und Landungsbrücken lieferten dabei einen unerschöpflichen Vorrat an klein- und großkriminellem Erzählstoff.“Martin Schwickert: Im Großstadtrevier gehen die Ermittlungen weiter bei rp-online.de, abgerufen am 9. September 2022.

Mit dem Umzug des Reviers kam auch vereinzelt negative Kritik: „Nach dem großen Relaunch ist das ‚Großstadtrevier‘ nicht mehr das, was es einmal war.“ Es „herrscht nun die gleiche optische Kühle und Sterilität wie in den anderen Vorabendserien auch, wie in den Billigsoaps am Nachmittag, wie in der ‚Lindenstraße‘.“ „Es herrscht einfach keine Atmosphäre mehr im ‚Großstadtrevier‘. Alle […] Helden sind nun gefangen im gefrorenen Einheitslook der billigheimernden Soko-Kultur vom anderen Kanal. Da können die Kulissenbauer noch so sehr schwärmen vom bewegten Wasser im Hintergrund und von den hinter die Fenster projizierten Verkehrsszenen, es ist nicht mehr dasselbe, es wirkt einfach nicht mehr echt.“Das ‚Großstadtrevier‘ hat seinen Charme verloren bei dwdl.de, abgerufen am 9. September 2022.

Die 35. Staffel erzielte mit 12,3 Prozent Marktanteil beim Gesamtpublikum und durchschnittlich 2,727 Millionen Zuschauern einen neuen Marktanteils-Bestwert einer „Großstadtrevier“-Staffel seit mehr als zehn Jahren.

Spielfilm Der erste Großstadtrevier-Spielfilm St. Pauli, 6 Uhr 07 wurde im Jahr 2021 ausgestrahlt.

Der zweite Großstadtrevier-Spielfilm Im Moment der Angst wurde im Januar 2025 ausgestrahlt. Unter der Regie von Florian Gottschick und nach einem Drehbuch von Andreas Kaufmann erreichte der Film einen Marktanteil von 20,0 Prozent bei 5,08 Millionen Zuschauenden. Der Film wurde für den Deutschen FernsehKrimi-Preis 2025 nominiert.

Besetzung Aktuelle Hauptdarsteller Schauspieler Rollenname Episoden Staffeln Jahre Amtsbezeichnung Maria Ketikidou Hariklia „Harry“ Möller 64– 8– 1994– Polizeihauptmeisterin, früher Polizeimeisterin dann Polizeiobermeisterin; Zivilfahnderin, Partnerin von Nils Sanchez Saskia Fischer Frau Küppers 244– 21– 2007– Polizeioberrätin Sven Fricke Daniel Schirmer 327– 26– 2012– Polizeikommissar Patrick Abozen Lukas Petersen 424– 32– 2018– Polizeioberkommissar Enrique Fiß Nils Sanchez 460– 34– 2021– Zivilfahnder; Partner von Harry Möller, kommt vom PK 22 Sinha Melina Gierke Bente Hinrichs 483– 35– 2023– Polizeihauptkommissarin, kommt von der Schleswig-Holsteinischen Polizei im Kreis Dithmarschen Özgür Karadeniz Tarkan Yildiz 516– 38– 2026– Polizeioberkommissar; Wachhabender

Ehemalige Hauptdarsteller