Peter Immanuel Dahn (* um 1735 in Sobernheim; † nach 1802 vermutlich in Kreuznach) war ein Jurist im Dienst der Geistlichen Güterverwaltung der Kurpfalz. Er verfasste 1772 eine General Beschreibung des kurpfälzischen Oberamts Kreuznach.
Leben Peter Immanuel Dahn wurde in Sobernheim in der Kurpfalz geboren. Dieser Zweig der Familie Dahn, der in Meisenheim,1706 war Christophorus Henricus Dahn aus Meisenheim Schüler des Reformierten Gymnasiums Kreuznach; Jakob Daniel Humbert: Panegyrici graeci et latini oratione pedestri et numeris adstricta scripti, germanici item heroico carmine compositi, qvibvs Gymnasium crucenacense IV. Id. Septembr. MDCCVI … Anton Henscheidt, Frankfurt am Main 1706, S. 9 und Oratio VI, S. 27–29 (Google-Books).Als Studenten der Rechtswissenschaften Meisenheimio (= aus Meisenheim) sind Ludwig Konrad Dahn (Jena 1699) und Christoph Henrich Dahn (Jena 1706, 1707) belegt. Kreuznach,Philipp Jakob Dahn, Student der Rechtswissenschaften aus Creutzenach in Frankfurt an der Oder (1695) und Jena (1698, 1699). Heidelberg, Mannheim und Sobernheim ansässig war, geht zurück auf Johann Henrich Dahn (1647–1708) aus Edesheim, gräflich Nassau-Diezischer (später freiherrlich Steinkallenfelsischer)Wilhelm Fabricius: Die Herrschaften des unteren Nahegebietes. Der Nahegau und seine Umgebung. (Erläuterungen zum Geschichtlichen Atlas der Rheinprovinz 6). Behrend, Bonn 1914, S. 87. und freiherrlich Boos von Waldeck’scher gemeinschaftlicher Amtmann der Ämter Boos und Abtweiler, Amtskeller zu Meisenheim.Vgl. Ludwig Hepding: Quentell, eine niederhessische Familie in der Lutherstadt Worms. In: Archiv für Sippenforschung 107 (1987), S. 208–229, bes. S. 216f. Peter Immanuel Dahn war dessen Urenkel und wahrscheinlich ein Sohn von Philipp Julius Dahn (* um 1705; † nach 1784),Philippus Julius Dahn, Heydelbergensis, stud. jur., 1724 immatrikuliert in Heidelberg. gräflich Löwenhauptscher RatDie Grafen von Manderscheid-Kail und die Grafen von Lewenhaupt-Raasepori, Herren von Reipoldskirchen, erhoben in der Region territoriale Ansprüche aus der Grafschaft Falkenstein unter anderem in Bretzenheim, Biebelsheim und Ippesheim, Harxheim oder Hillesheim und ließen sich durch örtliche Amtleute vertreten, die von ihnen eine Nebenbestallung erhielten; vgl. Der Evangelischen Neue Religions-Beschwehrden. Regensburg 1719, bes. S. 1016 und 1022 (Google-Books). und Keller des Florent-Joseph de Lâtre de Feignies (1677–1762) zu Gonnesweiler auf Marienpfort. Philipp Julius Dahn besaß in Sobernheim das freiadelige Pfalz-Simmern’sche HofgutAufstellung der Freihöfe in Sobernheim durch den Oberamtmann Franz Philipp von Hundheim vom 22. Juni 1746; vgl. H. Fligel: Urkundliche Geschichte des churpfälzischen Amtes Böckelheim, Bd. II bis zum Jahre 1801. Wilhelm Wildt, Sobernheim 1869, S. 17 (Digitalisat des Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz Koblenz). und erwarb 1770 den benachbarten freiadeligen Rittersitz der Familie Latre de Feignies.Vgl. Urkunde vom 18. Januar 1770, ausgestellt in Sobernheim. Verkäufer waren die Brüder Franz Karl Johann Adolf und Christian Wilhelm Franz von Latre zu Feignies und Gonnesweiler; Landeshauptarchiv Koblenz (Bestand 54F Familie de Latre de Freignies, Urkunde 31) u. a.Vgl. Mannheimer Zeitung, Nr. LXXXIV vom 14. Juli 1784, S. 356 (Google-Books). 1753 beglaubigte er in Sobernheim als Notar Zeugenaussagen zur Erschießung des Christian Fuchs in Gemünden durch Bauern aus Laufersweiler,Vgl. Friedrich K. Abicht: Kirchengeschichte des Fleckens Gemünden und seines Filials Schlierschied auf dem Hunnsrück. Kehr, Kreuznach 1845, S. 57f. 1754 ergriff er als Notar im Namen von Marie Catherine Heeser von LilienthalGeborene Winckelmann, verheiratet mit dem Reichskammergerichts-Prokurator und Hohenlohe-Bartensteinischen Rat Johann Conrad Maria Joseph Heeser († 1752) aus einer Siegerländer Juristenfamilie, der 1733 mit dem Prädikat „von Lilienthal“ nobilitiert wurde; vgl. Grosses vollständiges Universal Lexicon Aller Wissenschaften und Künste, Bd. LVII. Johann Heinrich Zedler, Leipzig / Halle 1748, S. 465. und der Baronin Maria Eva von Metzenhausen (* um 1707; † 1781)Verheiratet mit Peter Georg von Zitzewitz (1714–1787). Besitz von der Herrschaft Linster aus dem Erbe der Boos von Waldeck.Vgl. Antoine Namur: Rapport … pendant l′année 1862. In: Publications de la Société pour la Recherche et la Conservation des Monuments Historiques dans le Grand-Duché de Luxembourg 19 (1864=1863), S. xxviii. 1772 war er in Merxheim unter den erbetenen Testamentszeugen des Freiherrn Philipp Henrich von und zu Stein-Kallenfels (1714–1778).Vgl. Friedrich Toepfer (Bearb.): Urkundenbuch für die Geschichte des graeflichen und freiherrlichen Hauses der Voegte von Hunolstein, Bd. III. Campe, Nürnberg 1872, Nr. CCXXIII, S. 178–181, bes. S. 180. Dessen Vater Carl Casimir von und zu Steinkallenfels (1662–1722),Grabmal in Abtweiler. kurpfälzisch-sponheimischem Regierungspräsidenten und Oberamtmann von Trarbach, war eine juristische Disputation von Philipp Jacob Dahn (* um 1675/85; † vor 1740) aus Kreuznach gewidmet,Heinrich Ernst Flörcke, Philipp Jacob Dahn Crucenacensis Palatinus: De praesentia partis in negotiis secularibus et ecclesiasticis. Müller, Jena 1699 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München). der vermutlich Großvater von Peter Immanuel Dahn war und später kurpfälzischer Regierungs- und Hofgerichtsadvokat in Heidelberg, ab 1720 in Mannheim wurde.
Peter Immanuel Dahn, Sobernheimensis immatrikulierte sich 1753 an der Universität Jena und studierte Rechtswissenschaften. Bei seiner Abreise aus Jena im Mai 1757 widmeten ihm 42 „Freunde und Landesleute“ – Studenten der Theologie, der Rechtswissenschaften und der Medizin –d. h. G. G. B. = der heiligen GottesGelahrtheit Beflissener, B. R. B. = Beider Rechte Beflissener, d. M. B. = der Medizin Beflissener bzw. d. M. W. B. = der Medizinischen Wissenschaften Beflissener. eine gedruckte Ode. Unter den Unterzeichnern waren aus der sponheimischen Kurpfalz Bernhard Georg Buhl aus Kreuznach,Franciscus Buhl, Crucenaco-Palatinus immatrikulierte sich am 16. April 1691 in Frankfurt an der Oder, Conradus Buhl Crucenacensis Palatinatus am 27. November 1720 als Medizinstudent in Straßburg. ein Jurist, und Johann Friedrich Schreiner (1737–1791) aus Allenbach, später Pfarrer in Hennweiler, aus der Grafschaft Falkenstein Johann Andreas Böhmer aus Framersheim, später Pfarrer in der Pfalz, sowie aus dem Herzogtum Pfalz-Zweibrücken Johann Friedrich Gervinus (* um 1735; † 1826) aus Zweibrücken, später Hofmeister von Karl August von Hardenberg, dann preußischer Gesandter,Vgl. Elke Richter, Georg Kurscheidt (Hrsg.): Johann Wolfgang Goethe Briefe, Bd. I/2 Briefe 23. Mai 1764 – 30. Dezember 1772. Kommentar. Akademie, Berlin 2008, S. 133, 152, 169, 171, bes. S. 220, 247, 271 und 509. Bernhard Ludwig Klick aus Bergzabern, später pfalz-zweibrückischer Regierungsrat, und Karl Philipp Koch, später Kirchschaffner, Notar und Friedensrichter in Kusel. 1761 hat sich Peter Emanuel Dahn, Palatino-Sobernheimensis zusammen mit Philipp Henrich Dahn – wohl seinem Bruder – an der Universität Heidelberg immatrikuliert.
Nach dem Studium trat Peter Emmanuel Dahn als Renovator in die Chur-Pfältzische Geistliche Administration in Heidelberg ein.Vgl. Churpfältzischer Hoff- und Staats-Calender, Auf das Jahr … MDCCLXIV. Churfürstl. Hof-Buchdruckerey Pierron / Spies, Mannheim 1764, S. 115 (Google-Books); Churfürstlich-Pfalzbaierischer Hof- und Staatskalender auf das Jahr 1800. Franz, München 1800, S. 280 (Google-Books) u. a. Seine Aufgabe in der Güterverwaltung war es, Erbpachtverträge in regelmäßigen Abständen oder bei einem Wechsel der Pächter zu erneuern („Renovation“), damit die Rechtsverhältnisse auch über längere Zeiträume hinweg gesichert blieben.Vgl. etwa Urkunde über das Rüdesheimer Hofgut des Disibodenberger Hofes zu Kreuznach von 1698, Heidelberg: „Alle 15 Jahre ist der Vertrag vor dem Gericht zu Rüdesheim zu erneuern“; Landeshauptarchiv Koblenz (Bestand 33 Reichsgrafschaft Sponheim, Urkunde 16675). Darüber hinaus war der Renovator, der vor allem im Außendienst eingesetzt wurde,Vgl. Meinrad Schaab: Geschichte der Kurpfalz, Bd. II. Kohlhammer, Stuttgart 1992, S. 88. auch als Landvermesser und Bauträger tätig.
Dahn wurde insbesondere mit der Renovation der auf kurpfälzischem Gebiet liegenden Güter und Gefälle des ehemaligen Klosters Disibodenberg bei Odernheim am Glan im Oberamt Kreuznach beauftragt.Landeshauptarchiv Koblenz (Bestand 33 Reichsgrafschaft Sponheim, Kurpfälzische geistliche Administration, Kellerei Disibodenberg). Bereits 1570 hatte die Kurpfalz die auf ihrem Territorium gelegenen Disibodenberger Höfe in Sobernheim und Kreuznach eingezogen.Vgl. Michael Frey: Versuch einer geographisch-historisch-statistischen Beschreibung des kön. bayer. Rheinkreises, Bd. III. F. C. Neidhard, Speyer 1837, S. 360 (Google-Books). Durch den „Seltz- und Hagenbacher Austausch“ von 1768 zwischen der Kurpfalz und Pfalz-Zweibrücken kam mit einigen anderen Gebieten auch die Ruine des ehemaligen Klosters Disibodenberg selbst zur Kurpfalz; die auf Pfalz-Zweibrückener Territorium liegenden geistlichen Gefälle des ehemaligen Klosters waren jedoch ausdrücklich von der Übertragung ausgenommen. Vertrag vom 30. Januar 1768, Mannheim; Landesarchiv Speyer (Bestand A 1 Kurpfalz, Urkunde 76); vgl. Landeshauptarchiv Koblenz (Bestand 24 Fürstentum (Herzogtum) Pfalz-Zweibrücken, Amt Meisenheim, Kirchenschaffnei, Kloster Disibodenberg). Von der kurpfälzischen Kellerei Disibodenberg mit Sitz in Kreuznach mitverwaltet wurden die Schaffnereien der ehemaligen Klöster Kumbd bei Simmern,Landeshauptarchiv Koblenz (Bestand 33 Reichsgrafschaft Sponheim, Sachakte 2245). St. Marienpfort bei WaldböckelheimLandeshauptarchiv Koblenz (Bestand 33 Reichsgrafschaft Sponheim, Sachakte 2247) und Ravengiersburg.Akten, 1726–1771; Landeshauptarchiv Koblenz (Bestand 33 Reichsgrafschaft Sponheim, Sachakte 2266). In einigen Fällen wurde Dahn auch für andere Schaffnereien tätig wie die der Stifte St. Katharinen zu OppenheimVgl. Urkunde vom Januar 1766: „Renovation … durch Renovator Peter Immanuel Dahn vor Schultheiß Reinhard Freund und vier genannte Schöffen des Gerichts Lonsheim“; Hauptstaatsarchiv Darmstadt (Bestand C 2 Salbücher, Nr. 369/5 und 6). oder St. Peter zu Kreuznach.Vgl. Zeichnung des St. Peter-Hinterwalds bei Münster am Stein, 1788; Landeshauptarchiv Koblenz (Bestand 702, Karte 2555 S. 41/42).
Dahns Vorgänger als Renovator für den Bereich der Disibodenberger Kellerei war Ludwig Conrad Gruber († 1785),Vgl. Renovationsakte, 1756; Landeshauptarchiv Koblenz (Bestand 33 Reichsgrafschaft Sponheim, Sachakte 2225 III); Karl Henning Wolf: Die Heidelberger Universitätsangehörigen im 18. Jahrhundert. (Heidelberger Abhandlungen zur mittleren und neueren Geschichte NF 4). Winter, Heidelberg 1991, S. 74f. der um 1765 Oeconomus und Provisor fisci der Universität Heidelberg wurde.Vgl. Churpfältzischer Hoff- und Staats-Kalender, Auf das Jahr … MDCCLXVI. Churfürstl. Hof-Buchdruckerey, Mannheim 1766, S. 69 und S. 120. Peter Immanuel Dahn wird zwischen 1764 und 1802 urkundlich als Renovator erwähnt.Meist als „P. I. Dahn“ oder „P. J. Dahn“, vgl. aber bes. Landeshauptarchiv Koblenz (Bestand 702 Karten und Pläne, Karte 530): „Pet. Im. Dahn“; Hessisches Staatsarchiv Darmstadt (Bestand C 2, Nr. 369/5 und 6): „Renovator Peter Immanuel Dahn“. Nach der Annexion der linken Rheinseite durch die Erste Französische Republik wurde der Disibodenberg 1797 zum Nationaleigentum erklärt.