Die Filialkirche St. Bartholomäus ist die katholische Kirche von Bernbach, einem Ortsteil der Gemeinde Freigericht im Main-Kinzig-Kreis (Hessen). Die denkmalgeschützte Saalkirche von 1908 im Stil der Neuromanik dominiert das Ortsbild.Waltraud Friedrich (Red.): Main-Kinzig-Kreis II (Altkreis Gelnhausen). Bd. 1. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2010, ISBN 3-8062-2469-2, S. 399 f.

Geschichte Eine Kapelle in Bernbach wurde 1718 gebaut und zehn Jahre später konsekriert. Im Jahr 1874 folgte eine Erweiterung der Kapelle, für die 1876 eine Barockorgel erworben wurde.opencaching.de: Chronik der Katholischen Kirchengemeinde St. Bartholomäus in Bernbach, abgerufen am 11. Januar 2018.

Die heutige Kirche wurde in den Jahren 1907–1908 nach den Plänen des Mainzer Architekten August Greifzu errichtet, nachdem die bisherige Kapelle zu klein geworden war und nicht mehr erweitert werden konnte. Ursprünglich hat Greifzu eine dreischiffige Hallenkirche mit Querhaus im neuromanischen Stil geplant. Diese wurde aufgrund der Größe der Gemeinde jedoch als einschiffige Saalkirche ausgeführt. Der ursprüngliche Plan wurde 1908–1909 mit der Kirche St. Christophorus in Niederselters verwirklicht.Bistum Limburg, Pfarrei Bad Camberg: , abgerufen am 11. Januar 2018.

Bis 1923 ist die Gemeinde Bernbach eine Filiale der Pfarrei St. Anna in Somborn (ehemals St. Peter und Paul). 1923 wurde die Gemeinde zur Kuratie mit eigenem Priester erhoben. 1978 erfolgte schließlich die Erhebung zur Pfarrei. Seit 1999 sind Bernbach und Altenmittlau/St. Markus pfarramtlich verbunden., abgerufen am 11. Januar 2018. Zum 1. Januar 2023 fusionierten die Pfarreien des Freigerichts und Hasselroth zur neuen Gemeinde St. Peter und Paul; seitdem ist die Kirche wiederum Filialkirche.Fusionsurkunde der Pfarreien Amtsblatt des Bistums Fulda Nr. 114 vom 14. Dezember 2022, abgerufen am 2. Januar 2023.

Architektur Die Ausrichtung der neuromanischen Kirche erfolgte nicht, wie üblich, nach Osten, sondern aufgrund der Grundstückslage nach Süden. Der Saalbau hat ein kurzes Querhaus mit einer Kapelle am östlichen Querarm und eine Apsis mit Kegeldach, Blendarkaden und 7/14-Schluss im Süden. Die Kirche ist ca. 21 m lang und hat eine Breite von etwa 12 m. Das Gewölbe im Innern ist ca. 12 m hoch, der Glockenturm im Nordwesten mit einem oktogonalen Helm ist 36 m hoch.hr-online.de: , abgerufen am 11. Januar 2018.

Die Fassade von Schiff und Turm wird durch mehrere in rotem Sandstein ausgeführte Achsen gegliedert, die von verputzten Flächen mit Blendarkaden unterbrochen werden. In Farbgebung und Gestaltung lehnte Greifzu sich dabei stark an den Limburger Dom an.

Ausstattung Von der originalen Ausstattung der Kirche ist nur wenig vorhanden. Der neuromanische Hochaltar, der sich in die Apsis einfügte und die Kommunionbank sind in den Jahren 1973–1976 entfernt worden und durch einen neuen Altar und Ambo ersetzt worden. Die Kirchenbänke wurde ebenso erneuert.kirchbau.de, abgerufen am 17. Juli 2019 Im Innern hat die Kirche bei der Renovierung 1994–1996 ein helles Gesamtbild erhalten. Die Begleitstreifen und die unterschiedlichen Farbtöne der Sandsteinstruktur unterstreichen die architektonischen Bögen und Bänder. Die Farbgebung ist auf der Grundlage der ursprünglichen Ausmalung im neuromanischen Stil angepasst und hebt den Altarraum als geistliches Zentrum stärker hervor. Helmut Lutz gestaltete Altar, Ambo, Sakramentsstele und Kredenz aus vorgerostetem Eisen und Eichenholz und passte die weitere Ausstattung wie Taufbecken und Evangeliar-Pult dazu an.

In der Seitenkapelle (bis 1976 Sakristei) befindet sich seit 1995 eine Kreuzigungsgruppe, die aus vorhandenen Figuren zusammengestellt und farblich angepasst wurde.

Fenster Die Buntglasfenster stammen noch aus der Bauphase der Kirche. Sie sind von der Linnicher Kunstanstalt für Glasmalerei und Kunstverglasung hergestellt worden. Die beiden Chorfenster zeigen den Kirchenpatron Bartholomäus und den Bistumspatron Bonifatius. In den Rosetten sind Anna mit Maria (links), Josef mit dem Jesuskind (rechts) sowie Cäcilia, die Patronin der Kirchenmusik (über der Orgel) dargestellt.

Die unteren Fenster zeigen die Darstellung den Kreuzwegstationen. Aufgrund veränderter Fensteranzahl nach Renovierungen enthält dieser wohl einmalige Fensterkreuzweg durch die Glasmalerei Peters neben den bekannten 14 Stationen zwei weitere österliche Motive – Auferstehung und die Begegnung mit den Emmaus-Jüngern.Beschreibung auf der Homepage der Pfarrei, abgerufen am 17. Juli 2019

Orgel Nach dem Bau der Kirche wurde zunächst die Orgel von 1876 aus der alten Kapelle aufgestellt und bis 1928 verwendet. Im Jahr 1933 erhielt die Kirche eine neue Orgel der Firma Späth. Das Instrument (opus 447) hatte elf Register auf zwei Manualen und Pedal.Opusliste Gebr. Späth Ennetach, abgerufen am 11. Januar 2018. In den Jahren 1942 und 1964 wurde die Orgel jeweils durch die Orgelbaufirma Späth erweitert.

Im Zuge der Kirchenrenovierung 1975 wurde die Orgel durch Karl Böhmer & Sohn aus Rodenbach grundlegend überarbeitet. 1984 wurde sie durch Orgelbauer Schmidt aus Altenhaßlau überholt.

1996 hat Dieter Noeske die Orgel grundlegend überarbeitet und im neubarocken Stil neu intoniert.Gelnhäuser Neue Zeitung vom 12. November 2012: Zur Stippvisite bei den Orgeln, abgerufen am 11. Januar 2018 (PDF; 905 kB). Sie verfügt über 1283 Pfeifen in 21 Registern mit elektro-pneumatischer Traktur. Die Disposition lautet wie folgt: I Manual C–g31. Prinzipal 8′2. Rohrflöte 8′3. Octave 4′4. Koppelflöte 4′5. Quinte ′6. Octave 2′7. Mixtur IV–V ′8. Trompete 8′II Manual C–g39. Gedackt 8′10. Salicional 8′11. Prinzipal 4′12. Traversflöte 4′13. Waldflöte 2′14. Sesquialtera I–II15. Vox Humana 8′ TremulantPedal C–f116. Subbass 16′17. Octavbass 8′18. Gedackbass 8′19. Octavbass 4′20. Trompete 16′21. Trompete 8′ Koppeln: Normalkoppeln: II/I, I/P, II/P Superoktavkoppel: II/I Spielhilfen: freie Kombination, Organum Plenum, Zungenabsteller

Glocken Am 25. März 1908 wurden drei Glocken für die neue Kirche geweiht. Sie stammten aus der Gießerei Schilling in Apolda und erklangen in den Tönen f1 – a1 – c2. Nachdem die beiden größeren Glocken 1917 zu Rüstungszwecken demontiert wurden, wurden 1923 zwei neue Glocken der gleichen Töne durch die Glockengießerei Otto aus Hemelingen/Bremen gegossen und die bestehende Glocke umgegossen. Hierbei wurde das Material der demontierten aber noch nicht eingeschmolzenen Glocken verwendet. Die Finanzierung erfolgte unter anderem durch Spenden von Bernbacher Amerika-Auswanderern. 1941 wurden diese beiden neuen Glocken wiederum zu Rüstungszwecken demontiert. Am 23. Mai 1948 wurden drei neue Glocken eingeweiht, die seither mit der alten Glocke ein vierstimmiges Geläute bilden. Nr.NameGussjahrGießer, GussortDurchmesser (mm)Gewicht (kg)Nominal1St. Bartholomäus1948Otto, Bremen-Hemelingen1030700g12Schutzengel1948Otto, Bremen-Hemelingen860400b13Ave Maria1923Otto, Bremen-Hemelingen750225c24Arme Seelen1948Otto, Bremen-Hemelingen690200d2 Die Schutzengel- und die Bartholomäusglocke übernehmen den Uhrenschlag. Eine differenzierte Läuteordnung unterscheidet nach Festgrad und Kirchenjahreszeit.

Bildergalerie

Literatur Waltraud Friedrich (Red.): Main-Kinzig-Kreis II (Altkreis Gelnhausen). Bd. 1. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2010, ISBN 3-8062-2469-2, S. 399–400.

Einzelnachweise

Weblinks

Pfarrgemeinde St. Peter und Paul

Bartholomaus Kategorie:Neuromanisches Bauwerk in Hessen Kategorie:Neuromanisches Kirchengebäude Kategorie:Saalkirche in Hessen Kategorie:Kirchengebäude im Main-Kinzig-Kreis Kategorie:Filialkirche des Bistums Fulda Kategorie:Bartholomäuskirche (Patrozinium) Kategorie:Disposition einer Orgel Kategorie:Geläut Kategorie:Bauwerk in Freigericht (Hessen) Bernbach