[ { "type": "ExternalData", "service": "page", "title": "Beagle conflict.map" } ] Der Beagle-Konflikt war eine Auseinandersetzung zwischen Argentinien und Chile von 1904 bis 1984 über Gebietsansprüche im Beagle-Kanal.
Während der spanischen Kolonialzeit war das Gebiet um Patagonien und Feuerland von europäischer Besiedelung nahezu unberührt geblieben und die geographischen Details an der Südspitze Amerikas waren auch nach den Unabhängigkeitsbestrebungen der südamerikanischen Länder ab 1810 noch unklar. So wurde der Beagle-Kanal erst 1829 auf einer Vermessungsreise der Beagle entlang der südamerikanischen Ostküste bis zur Inselwelt rund um Feuerland von Robert FitzRoy entdeckt.
Die anfängliche Einigung der beiden jungen südamerikanischen Staaten auf die kolonialen Verwaltungsgrenzen ließ daher vieles unklar. Chile und Argentinien schlossen 1881 einen Grenzvertrag, um den Grenzverlauf vom Norden bis nach Feuerland definitiv zu regeln. Doch Argentinien blieb mit dem Erreichten unzufrieden.Michael Morris, „The Strait of Magellan“, ISBN 0-7923-0181-1, 248 Seiten, auf S. 120: „Rearguard Argentine efforts has been made to gain recognition for some kind of shared management regime for the strait, in order to mitigate what was perceived as the striking diplomatic defeat for Argentina in the 1881 treaty granting Chile control over the strait.“ (Übersetzung: Nachträgliche Bemühungen wurden von argentinischer Seite unternommen, um die Anerkennung einer gemeinsamen Zuständigkeit für die Magellanstraße zu erlangen und so das zu lindern, was als die markante diplomatische Niederlage Argentiniens bei der Vertrag von 1881 empfunden wurde, nämlich Chile die Kontrolle über die Magellanstraße zu überlassen)Carlos Escudé und Andrés Cisneros, in Historia general de las relaciones exteriores de la República Argentina Kapitel
Die Schwierigkeiten der Grenzmarkierung und die daraus resultierenden Auseinandersetzungen erreichten im Jahr 1978 ihre gefährlichste Phase, als Argentinien das Urteil eines gemeinsam aufgerufenen internationalen Tribunals für null und nichtig erklärte und am 22. Dezember 1978 den Befehl zur militärischen Besetzung der Inseln gab. Die Krise wurde durch Vermittlung von Papst Johannes Paul II. im selben Jahr entschärft. Eine Einigung erreichten die beiden Länder allerdings erst am 2. Mai 1985. Seitdem werden die lange umstrittenen drei Inseln Lennox, Picton und Nueva am Ostende des Beagle-Kanals auch von Argentinien als chilenisch anerkannt.
Die argentinische Kriegsandrohung von 1978 ist einer der Gründe der Unterstützung Chiles für das Vereinigte Königreich während des Falklandkrieges.
mini|Die Inseln südlich des Beagle-Kanals
Von der Kolonialzeit bis zum Vertrag von 1881
Während der Kolonialzeit und gleich nach der Unabhängigkeit Argentiniens und Chiles von der spanischen Krone blieb die südlichste Region Amerikas von neuen Siedlern unbewohnt. Nur indianische Ureinwohner lebten in dieser Region.
Der spanische König Philipp II. unternahm 1584 den Versuch, diese Region zu besiedeln, um so eine Inbesitznahme durch andere europäische Mächte zu verhindern. Dieser Versuch endete kläglich. Nur einer der Bewohner konnte vor dem Verhungern gerettet werden. Fortan wurde diese gescheiterte Gründung Puerto del Hambre genannt.
Während der Kolonialzeit wurden die administrativen Grenzen jedes der Verwaltungszentren der spanischen Krone in Amerika festgelegt, aber auf Grund der fehlenden geographischen Kenntnisse über die weit entfernten und unbewohnten Regionen konnten diese nur in allgemeiner Form angegeben werden. Außerdem bestand für den Besitzer dieser Territorien, den König von Spanien, keine Notwendigkeit, sie alle genau und systematisch zu begrenzen. In der Tat wurde der Beagle-Kanal erst 1829 von Robert FitzRoy entdeckt und nach dem Schiffsnamen Beagle benannt.
Als Chile und Argentinien unabhängige Staaten wurden, gingen beide Seiten vom Prinzip des Uti possidetis aus: Jeder sollte das behalten, was das (entsprechende) frühere spanische Verwaltungszentrum besaß. Nachdem sich zunächst in Chile allmählich eine stabile Regierung etablieren konnte, kümmerte sich diese um seine Südgrenze und gründete im Jahr 1843 die Siedlung „Fuerte Bulnes“, später nach Punta Arenas umgesiedelt, am Nordufer der Magellanstraße. Vier Jahre später protestierte die argentinische Regierung gegen diesen Akt.
mini|Die Umarmung von Maipú. Die nationalen Unabhängigkeitshelden José de San Martín von Argentinien und Bernardo O’Higgins von Chile umarmen sich nach dem Sieg über die royalistische Armee in der Schlacht von Maipú. Beide Länder teilen Sprache, Kultur, Religion, Geschichte und auch familiäre Bande.
Zu dieser Zeit befand sich Argentinien in einem Zustand interner Kämpfe um die Macht zwischen Unitariern und Föderalisten.
Als sich mit der Zeit die Probleme der Grenzbestimmung häuften, wurde 1855 zwischen beiden Staaten ein Grenzvertrag geschlossen, in dem die Grundlagen zur Lösung der Probleme festgelegt wurden, aber nicht die Probleme selbst gelöst. Deren Lösung wurde vertagt. Die wichtigsten Punkte des Vertrags waren:
Die Grenzen sollen nach dem Uti-possidetis-Prinzip bestimmt werden. Wenn keine Übereinkunft gefunden wird, soll ein Vermittler beauftragt werden. Probleme sollen friedlich gelöst werden.
Als Argentinien 1876 begann, nach der Vertreibung der Ureinwohner seine südlichen Regionen zu besiedeln, wuchsen die Spannungen mit Chile nochmals. Beide Länder konnten aber nach langen Bemühungen am 23. Juli 1881 einen Grenzvertrag abschließen. Dieser ist bis heute gültig und legt die Grenze zwischen beiden Ländern fest:
(Art.I) Vom Norden bis zum 52. Breitengrad verläuft die Grenze „über die höchsten Berggipfel …, die die Gewässer teilen“ (Art. II) Bestimmt die Grenze der nördlichen Region der Magellanstraße als eine Ost-West-Linie, etwa vom Punta Dungeness bis zu dem Punkt, den Art. I regelt. (Art.III) betrifft Feuerland und die Inseln um Feuerland: Ausgehend vom Kap Espiritu Santo auf 52 Grad 40 Minuten südlicher Breite verläuft die Grenzlinie nach Süden auf 68 Grad 34 MinutenIm Artikel 4° des Protokolls von 1893 (Protocolo Adicional y Aclaratorio de 1893) wurde diese Angabe nach Westen korrigiert, nämlich auf 68° 38,5 Minuten W westlicher Länge „bis zum Berühren des Beagle-Kanals“ (hasta tocar el Canal beagle). Über die umliegenden Inseln sagt der Vertrag, dass die Staateninsel und der umliegende Archipel Argentinien gehören sollen, dazu noch „… and the other islands there may be on the Atlantic to the east of Tierra del Fuego and of the eastern coast of Patagonia“. Zu Chile sollen gehören „… all the islands to the south of the Beagle Channel up to Cape Horn, and those there may be west of Tierra del Fuego“.
Die Gültigkeit des Vertrages von 1881 mini|Zusammenfassung argentinischer Kartographie seit 1881 im Beagle-Kanal. Die benannten Karten können im Artikel Beagle-Kartographie ab 1881 angesehen werden.
Gleich nach dem Vertrag von 1881 wurde dieser sowohl in Argentinien als auch in Chile dahingehend interpretiert, dass die drei Inseln Lennox, Picton und Nueva zu Chile gehören.
Diese Auffassung ist durch argentinische, chilenische und andere Kartografen belegt. Carlos Escudé und Andrés Cisneros in ihrem Werk Historia general de las relaciones exteriores de la República Argentina meinen zu diesem Thema:
Auch der argentinische Hauptvertreter in der chilenisch-argentinischen Kommission zur Grenzziehung nach dem Vertrag vom 1881, Francisco P. Moreno, hielt die argentinische Position für unbegründet. In einem Memorandum an den britischen Botschafter in Buenos Aires 1918 sah er eine Niederlage für seine Regierung voraus, sollte diese die Inseln weiter beanspruchen:
Die chilenische Kartographie zeigte konstant und kontinuierlich die drei Inseln als chilenisches Territorium.
Im Laufe der Zeit begann man, sich mehr für die Inseln zu interessieren, und 1904 bat Argentinien Chile zum ersten Mal darum, einen Kompromiss in dieser Frage zu finden.
Es wurde mehrfach versucht, auf direktem, bilateralen diplomatischen Weg eine Lösung für diese Frage zu finden, aber obwohl sich einige schwere Zwischenfälle (beispielsweise der Snipe-Zwischenfall 1958 oder der Quidora-Zwischenfall) ereigneten, konnten die Parteien zu keiner Übereinkunft gelangen.
Internationales Schiedsgericht 1971–1977
1971 einigten sich Chile und Argentinien, den Disput einem internationalen Schiedsgericht zu unterbreiten. Der Report and Decision of the Court of Arbitration (PDF; 4,9 MB) bestätigte Chiles Souveränität auf allen Inseln südlich von Feuerland und die auf internationalem Recht basierende Seehoheit. Diese reichte bis tief in den Atlantik und lief damit den Bestrebungen Argentiniens zuwider (vor allem seiner nationalistischen Kreise), als regionale Macht anerkannt zu werden.
Die direkten Verhandlungen mini|Karte mit den chilenischen Basislinien in Patagonien und Feuerland
Chile erkannte das Urteil noch am Tag der Verkündung an und ließ es durch das Dekret n°416Dekret n°416 (PDF; 100 kB) am 14. Juli 1977 in Form von Basislinien in chilenisches Recht umsetzen.
Am 25. Januar 1978 erklärte Argentinien das Urteil für nichtig. Argentinien gab mehrere Gründe an, um die Ablehnung zu rechtfertigen, aber eine Revision des Urteils forderte es nicht. Dadurch beging Argentinien einen Bruch des Völkerrechts. Parallel zu verstärkten Kriegsvorbereitungen versuchten beide Regierungen durch direkte Verhandlungen, einen für beide Seiten tragbaren Kompromiss zu erreichen, aber die Gespräche blieben erfolglos.
Die Operation Soberania
Ab der Nichtigkeitserklärung übte Argentinien militärischen Druck auf Chile aus, um eine Änderung des Status quo zu erzwingen.Zeitung „Clarin“ aus Buenos Aires vom 20. Dezember 1998 Clarin
Vom argentinischen Generalstab wurde eine Operation geplant, welche die militärische Besetzung der umstrittenen Inseln und auch den Einmarsch in Chile zum Ziel hatte. Am 5. Oktober 1978 wurden in Argentinien die Reservisten mobilisiert.Siehe die ausführlichste militärische Analyse der Planung anhand der öffentlich bekannten Daten vom Oberst des chilenischen Heeres Rubén Madrid Murúa in La Estrategia Nacional y Militar que planificó Argentina, en el marco de una estrategia total, para enfrentar el conflicto con Chile el año 1978, die in Memorial del Ejército de Chile, Edición Nº 471, Santiago, Chile, 2003, Seite 62 im Netz
Am 22. Dezember 1978 begann Argentinien die Operation Soberanía mit der Absicht, die Inseln militärisch zu besetzen; wenige Stunden später wurde der Befehl jedoch zurückgezogen und die päpstliche Vermittlung angenommen.
Die Vermittlung des Papstes
Nur das päpstliche Vermittlungsangebot konnte die Junta in Buenos Aires in letzter Minute davon abhalten, einen Krieg zu beginnen. Am 8. Januar 1979 erreichte die päpstliche Vermittlung die Unterzeichnung der Akte von Montevideo, welche die unmittelbare Kriegsgefahr bannte.
Der Falklandkrieg In Argentinien verschärfte sich die innenpolitische Lage dermaßen, dass die Regierung Galtieri um ihr Überleben kämpfte. Am 30. März 1982 fand in Buenos Aires die bis dahin größte Demonstration gegen die Militärregierung, gegen die Lohnpolitik und für die Menschenrechte statt.
Am 2. April 1982 besetzte Argentinien die Falklandinseln und löste damit den Falklandkrieg mit Großbritannien aus. Die argentinischen Pläne sahen vor, nach einer erfolgreichen Einnahme der Falklandinseln die Inseln südlich des Beagle-Kanals ebenfalls militärisch zu erobern.Der Chef der argentinischen Luftwaffe während des Falklandkrieges Basilio Arturo Lami Dozo bestätigte diese Pläne in einem Interview ( vom 22. November 2009, abgerufen am 22. November 2009) mit der argentinischen Zeitung Perfil:
Para colmo, Galtieri dijo en un discurso: „Que saquen el ejemplo de lo que estamos haciendo ahora porque después les toca a ellos“.