mini|Jacke aus Jeansstoff, Glitzerstoff und Nerz; Rock aus Swakara (jeweils recycelter, umgefärbter Pelz) (2018) Einen wesentlichen Teil des Kürschnerhandwerks stellt die Pelzumgestaltung dar, auch Pelzumarbeitung, Um- oder Neufassonierung und, allgemeiner, auch Pelzrecycling genannt. In der Schweiz wird die Pelzumgestaltung auch als Transformation bezeichnet,Service - Atelier www.acbang.ch, Homepage des Unternehmens A. C. Bang. Zuletzt abgerufen am 21. November 2022. in der deutschsprachigen Schweiz zuletzt weniger.
Durch den hohen Wert, die oft lange Haltbarkeit und die Reparaturmöglichkeit von Pelzwaren ist es im Gegensatz zu anderen Kleidungsstücken sehr häufig wirtschaftlich sinnvoll, unmodisch gewordene oder nicht mehr passgerechte Pelze umgestalten zu lassen. Ein Umfärben des Pelzes in eine neue Farbe ist ebenfalls nur bei einer Komplettumgestaltung möglich.
Allgemein Entspricht ein Pelz nicht mehr den Anforderungen der herrschenden Mode oder dem Geschmack des Trägers, oder aber lässt sich eine Figurveränderung nicht mehr durch eine einfachere Änderung anpassen, kann ein Pelz in eine neue Form umgestaltet werden. Ist ein Pelz sehr abgetragen und muss bei der Reparatur völlig auseinandergetrennt werden, ist umgestalten gelegentlich einfacher als nur reparieren, unter anderem erspart es dem Kürschner das Erstellen des Schnittmusters mit dem Kopieren des alten Teils. Die Wirtschaftlichkeit einer Umgestaltung ergibt sich aus dem Vergleich der Kosten einer Modellumgestaltung mit dem Preis eines gleichen Teils aus neuen Fellen. Zu Ungunsten der Umgestaltung ist zu berücksichtigen, dass ein neuer Pelz eine größere Haltbarkeit und oft auch ein frischeres Aussehen als das gealterte Material aufweist. Häufig sind es jedoch persönliche Erwägungen des Pelzbesitzers, die ihn dazu bewegen, sein altes oder ererbtes Kleidungsstück umgestalten zu lassen, anstatt ein Neuteil zu erwerben.
Ist ausreichend Fellmaterial vorhanden, ist eine Umgestaltung in der Regel problemlos möglich. Eine Einschränkung bildet die Qualität des Fellleders, das, insbesondere bei starker Alterung, das Umspannen und Nähen eventuell nicht mehr aushält, es droht bei dieser Beanspruchung zu reißen. Im Zweifelsfall ist das Leder bei der Auftragsannahme zu prüfen. Die Abnahme der Reißfestigkeit im Lauf der Jahre ist je nach Fellart, Gerbung und Art der bisherigen Lagerung unterschiedlich lang.
Sehr oft werden jedoch weitere Felle für die Umgestaltung benötigt, in der Branche „Zupasser“ genannt. Bei naturfarbenen Fellen ist es für den Kürschner meist möglich, farblich und im Fellcharakter passende Felle zu beschaffen. Anders ist es bei gefärbten Fellen, abgesehen von schwarz. Er kann versuchen, einen gleichartigen alten Pelz zu erwerben, oder aber die Felle in einem Pelzveredlungsbetrieb passend einfärben zu lassen. Das Risiko, dass die Farbe nicht ausreichend gut getroffen wird, ist dabei hoch. Deshalb wird, auch je nach Lage der Mode, das alte Fell häufig mit einem anderen Material kombiniert. Das können andere Fellarten sein, die gleiche Fellart in einer anderen Farbe, Leder oder Stoff.
Auch durch die Umgestaltung eines Mantels in eine Jacke, einer Jacke in eine Weste kann die Arbeit kostensparend ohne Fellzugabe ausgeführt werden. Eine weitere Umgestaltungsmöglichkeit ohne zusätzliche Felle besteht darin, aus dem bisherigen Außenpelz ein Innenfutter in ein Textilbekleidungsstück einzuarbeiten. Insbesondere bei durch starke Alterung unansehnlicher gewordenen Teilen ist dies eine häufige Alternative. Fehlendes Fellmaterial kann hier zum Beispiel durch Steppfutter ergänzt werden.
Durch eine Erbschaft fällt manchmal in einem Haushalt eine größere Menge Pelze an. Schon die Anzahl macht hier eine Umgestaltung sämtlicher Teile zu Kleidungszwecken unsinnig. Nicht jede Fellart ist außerdem für jede Frau oder jeden Mann geeignet oder entspricht deren Geschmack, oder aber jemand möchte überhaupt keinen Pelz tragen. Insbesondere ererbte Pelze werden daher oft auch zu Felldecken umgearbeitet, gelegentlich ergänzt um Fellkissen. Es können dabei mehrere verschiedenartige Fellsorten zu einem größeren Plaid zusammengefügt werden.
Geschichte Bereits im Mittelalter gab es einen Handel mit alten Pelzen. Der Begriff „Pelze“ bezeichnete zu der Zeit in der Regel fellgefütterte Stoffteile, vor allem in der Form der Schaube. Nach Verschleiß des Außenstoffes mussten sie entsprechend der neuen Stoffhülle angepasst und gleichzeitig repariert und abgetragene Felle ausgewechselt werden. In England besaß man bereits die Fähigkeit, alte, unansehnlich gewordene Lammpelze zu reinigen und nachzuscheren.Elspeth M. Veale: The English Fur Trade in the Later Middle Ages. Clarendon Press, Oxford 1966, S. 13 (englisch). Allerdings dürften Umarbeitungen in der heutigen, aufwändigen Form kaum vorgekommen sein, in der Regel hatten sie wohl mehr den Charakter einer Änderung. Selbst noch 1895 ist in einer sehr detaillierten Schilderung über die Kürschner des sächsischen Ortes Frankenberg neben Verkäufen und Anfertigungen vor allem die „Flickarbeit“ erwähnt, nur nebenbei auch die „Umänderungen“.Albin König: Die Kürschnerei in Frankenberg in Sachsen. In: Schriften des Vereins für Sozialpolitik LXIII. Untersuchungen über die Lage in Deutschland. 2. Band. Verlag Duncker & Humblot, 1895, S. 312–341.
mini|Königin Beatrix der Niederlande, als sparsam bekannt,Liz Dautzenberg: Beatrix 80 jaar: wat weten we niet van de prinses? EenVandaag, 31. Januar 2018. Abgerufen am 15. Februar 2022 (niederländisch). im quer verlängerten Nerzmantel (1979)
Nachdem vor der Wende zum 20. Jahrhundert begonnen wurde, Pelze zunehmend mit der Haarseite nach außen zu tragen, wurde das Kürschnerhandwerk insbesondere in Bezug auf das harmonische Zusammenfügen der Felle weitaus anspruchsvoller. Und es wurde nicht nur das Reparieren hässlicher abgetragener Stellen wichtiger, sondern auch eine die Optik des oft aufwändig kunstvoll gearbeiteten Pelzes erhaltende Pelzumgestaltung, das Teil durfte anschließend nicht zerstückelt aussehen. Insbesondere in Zeiten wirtschaftlicher Depression mit geringer Kaufkraft stellte die Pelzumgestaltung die Hauptbeschäftigung der Kürschner dar. In einem kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs (1939–1945) erschienenen Pelzlexikon schreibt der Autor, ein österreichischer Kürschnermeister: „Auch zu Kriegszeiten, als kein neues Fellmaterial zur Verfügung stand, war man auf die Umarbeitung in erhöhtem Maße angewiesen. Es kam dann besonders darauf an, aus dem vorhandenen Material das erdenklich Beste und Schönste herzustellen, es wieder auf den »Glanz« herzurichten. Umsicht, Ideenreichtum, Geschicklichkeit waren dabei Haupterfordernis“. Einer Wiener Fachzeitschrift des Jahres 1926 ist zu entnehmen, dass Kunden öfter klagten, dass bei einer Umarbeitung die „Materie weniger wurde“. Ursachen sind das Entfernen schadhafter Stellen, vor allem aber der Verschnitt „beim notwendigen »Ausstückeln« fehlender Ecken und Rundungen.“ Die österreichischen Kürschner bezeichneten diesen Abfall als „Kürschnermist“.Ohne Autorenangabe: Pelzmäntel vor und nach der Umarbeitung. In: Wiener Kürschner-Zeitung Nr. 14, Wien, 25. Juli 1926, S. VI.
In Zeiten prosperierenden Pelzabsatzes waren die Kürschner dagegen besonders bestrebt, Reparaturen, Änderungen und Umgestaltungen in die Monate April bis Ende August zu verlegen, in der Branche „ruhige“, „stille“ oder sogar „tote Zeit“ genannt. Dies geschieht durch das Gespräch bei der Annahme der Pelze in die sommerliche Pelzkonservierung, durch Kundenbriefe oder sonstige Werbeaktionen. In der Zeit der Hochkonjunktur des Pelzabsatzes in der Bundesrepublik lehnten viele Kürschner eine Umgestaltung in der Saison ab.Bernd Klebach: Der Brühl, die Niddastraße, das Pelzzentrum. Erinnerungen an 35 Jahre Rauchwarenbranche. Selbstverlag, Juni 2006, S. 16. In dieser Jahreszeit verteuerten ansonsten die zur Bewältigung der Mehrarbeit nötigen Überstunden unter Umständen die Kosten der Umgestaltung. Bis in die erste Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ein Pelz nur selten aus modischen Erwägungen komplett umgestaltet, Pelze machten die Mode kaum mit, sie galten als zeitlos.
Die Pelzumgestaltung unterliegt finanziellen Zwängen. Sie soll einen möglichst großen Kostenvorteil gegenüber dem Neukauf bieten, also einen möglichst geringen Arbeitsaufwand und wenig oder keine zusätzlichen, meist teuren und wiederum arbeitsintensiven zusätzlichen Felle erfordern. Daraus ergaben sich in der Vergangenheit spezielle Material-Kombinationsmoden mit Leder, Textil oder anderen Fellarten, Aufteilungen und Musterungen, die teilweise sogar Eingang in die Textilmode fanden. Ohnehin begünstigt das hochpreisige Fell Moden, bei denen der Pelz mit preisgünstigeren Materialien kombiniert wird, also möglichst wenig Fell verbraucht wird.
Diese Anforderung erfüllte ein vor 1970 aufgekommenes, viel verkauftes Mantel- und Jackenmodell, meist aus Nerz gearbeitet, das wie ein kompletter Pelzmantel wirkte. Bei äußerster Einsparung waren jedoch die Taille und der darüberliegende Gürtel, die Seitenteile, eine etwa sieben bis acht Zentimeter breite Blende an den Vorderkanten, die Ärmelbündchen, die Unterärmel und der Unterkragen aus Leder gearbeitet – ideal auch für eine fellsparende Umgestaltung. Die Probleme für die Kürschner begannen allerdings, als bei sich ändernder Mode die Kunden aus diesem wenigen Pelz komplette Fellmäntel gearbeitet haben wollten. Ein Mantel reichte nicht einmal für eine Jacke, für einen Mantel in einem neuen, womöglich nicht mehr tailliertem Modell, hätte man mehr als die doppelte der bisherigen Fellmenge veranschlagen müssen. Dieses Sparmodell trug nicht unwesentlich dazu bei, dem Nerzmantel seine Begehrlichkeit als exklusives Symbol des wieder gewonnenen Wohlstands nehmen, indem es ihn auch für Bundesbürger mit niedrigem Einkommen erschwinglich machte.
Der Erfolg dieses Modells beflügelte die Pelzdesigner, weitere Kombinationsmöglichkeiten zu entwerfen. Am meisten Erfolg hatten Jacken. Für sie wurde ohnehin weniger Fell gebraucht, auch waren sie, bei beständig zunehmender Motorisierung, im Auto praktischer zu tragen. In den augenfälligsten Teilen wie Kragen, Rücken und Vorderteilen war oft noch Fell, mal war aber auch der Rücken aus Zweitmaterial, mal ein Stück der Vorderteile. Bevorzugt wurde Leder zwischengearbeitet, oft durch Bedrucken oder Prägen mit vielfältigen Mustern strukturiert. Viele der Modelle ließen sich auch mit Stoff verwirklichen, doch wurde meist das im Vergleich zum Pelz wertiger aussehende und auch einfacher mit Fell zu verbindende Leder bevorzugt. In teureren Teilen kam auch Schlangenleder zum Einsatz. Für Mäntel entwarf der Hamburger Pelzdesigner Dieter Zoern ein Überkaro aus zwischengenähtem Leder, das er auch seinen Kollegen präsentierte. Es wurde vereinzelt aufgegriffen, es war zwar arbeitsintensiv, ergab aber bei einer Umgestaltung so viel zusätzliche Fläche, dass sich damit aus den alten Pelzen die seinerzeit aktuellen weiten Swingermodelle herstellen ließen.