mini|hochkant|Stadtansicht von Hermagor mini|hochkant|Rathaus von Hermagor mini|hochkant|Statue des Heiligen Hermagoras in Hermagor. Skulptur von Hans Domenig, geschaffen 1962

Hermagor-Pressegger See (slow.: Šmohor-Preseško jezero), meist kurz Hermagor, ist eine Stadtgemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Bezirk Hermagor im österreichischen Kärnten. Die Stadt wurde nach dem frühchristlichen Heiligen Hermagoras benannt, der der Legende nach der erste Bischof des Patriarchats von Aquileia gewesen ist.

Geographie Geographische Lage Die Gemeinde liegt im unteren Gailtal an der Einmündung des Gitschtals nahe der Grenze zu Italien. Die Gemeinde wird im Süden von den Karnischen Alpen und im Norden von den Gailtaler Alpen begrenzt. Mit dem Pressegger See liegt der neuntgrößte See Kärntens im Gemeindegebiet.

Gemeindegliederung Die Gemeinde gliedert sich in die folgenden Katastralgemeinden: Egg (Brdo) Görtschach (Goriče) Guggenberg Hermagor (Šmohor, früher auch Trg) Khünburg Mitschig (Mičiče oder Semičiče) Möderndorf (Modrinja vas) Möschach (Mošče) Nampolach (Napole) Rattendorf (Radnja vas) Tröpolach (Drobolje oder Dobropolje) Vellach (Bela)

und diese wiederum in folgende 64 Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand ):

Weitere Ortslage ist die Rotte Thurnhof.

Nachbargemeinden

Klima

Geschichte Das heutige Gemeindegebiet war, wie Funde belegen, schon in vorrömischer Zeit besiedelt. Die ältesten bekannten Funde im Umfeld von Hermagor gehören in die sogenannte Urnenfelderzeit (1200 bis 1800 v. Chr.) und sind teils Depot- und Streufunde. Dazu gehört ein Depotfund aus Dellach, ehem. Gemeinde Egg, der im Jahre 1889, unter einer Steinplatte hinterlegt, geborgen werden konnte. Er enthielt zwei große, mittelständige Lappenbeile, eines davon mit facettierten Lappen und zwei Bronzeringe. Ein für die ältere Urnenfelderzeit typischer Griffangeldolch wurde 1937, in rund Höhe, auf der Jadersdorfer Ochsenalm, Gitschtal, gefunden. Er weist auf die Einflüsse aus dem Südwesten und Oberitalien hin.Gernot Piccotini: Urzeitliche, römerzeitliche und frühmittelalterliche Funde im Bezirk Hermagor. Es wurde hier Eisenerz abgebaut, das bis an das Mittelmeer exportiert wurde. Um 15 v. Chr. wurde das keltische Königreich Noricum und so auch das heutige Gemeindegebiet vom Römischen Reich besetzt und in das Reich eingegliedert. In etwa dieser Zeit wird auch die Hadnmauer verortet, eine Talsperre, die sich bei Rattendorf durch das Tal zog und vermutlich Gurina schützen sollte.

Die Pfarre Hermagor wurde im Jahre 1169 erstmals urkundlich erwähnt, ihr Titelheiliger Hermagoras weist auf eine Gründung durch Aquileja hin. Verkehrsgünstig an der Wegkreuzung vom Gitschtal zum Kreuzbergsattel gelegen, entstand der Ort als planmäßiger Markt, erhielt 1288 das Marktrecht verliehen und entwickelte sich zum Hauptort des Gailtals. Im 15. Jahrhundert fielen die Türken ein und verwüsteten die Ortschaften im gesamten Gailtal. Ab dem 16. Jahrhundert gehörte der Markt Hermagor zu den Herrschaftsrechten der Grafschaft Ortenburg.

1779 entdeckte Franz Xaver Freiherr von Wulfen die nach ihm benannte Blume Wulfenia auf dem Gartnerkofel.

Der Ort wurde 1868 Sitz der Bezirkshauptmannschaft und somit Zentrum des damals gleichnamigen Bezirks Hermagor. Während der k. u. k. Monarchie war Hermagor Garnison des I. und II. Bataillons des k. k. Landwehr Infanterie-Regiments Nr. 4.

1880 hatte die damalige Marktgemeinde Hermagor 709 Einwohner, die sämtlich deutschsprachig waren.K.K. Statistische Central-Commission, Special-Orts-Repertorien der im Oesterreichischen Reichsrathe vertretenen Königreiche und Länder. Band V Kärnten (Wien 1883) S. 2. Zu dieser Zeit befand sich der Ort unmittelbar nordwestlich der Sprachgrenze. Die heute zu Hermagor gehörigen Orte ab Potschach und Fritzendorf waren slowenischsprachig. Während die slowenische Volksgruppe fast rein katholisch war, verfügte Hermagor auch über eine evangelische Minderheit. Diese war in fast allen deutschsprachigen Dörfern der Umgebung zu finden und stellte 1880 in den heute zur Gemeinde gehörigen Orten Achleiten, Aigen, Danz, Jenig, Kameritsch, Kreuth ob Rattendorf, Liesch, Radnig, Radnigforst, Rattendorf und Watschig die Mehrheit.K.K. Statistische Central-Commission, Special-Orts-Repertorien der im Oesterreichischen Reichsrathe vertretenen Königreiche und Länder. Band V Kärnten (Wien 1883) S. 2–4.

Mit Wirksamkeit zum 10. Oktober 1930 wurde der Markt Hermagor per Beschluss der Kärntner Landesregierung zur Stadt erhoben, im Anschluss an die Ereignisse rund um den Kärntner Abwehrkampf (1918–1920) und die Kärntner Volksabstimmung vom 10. Oktober 1920.

Im April 1938 wurde Hermagor zur sogenannten „Führergemeinde“ erklärt, da es in der gesamten Gemeinde keine einzige Nein-Stimme gegen den Anschluss Österreichs an das nationalsozialistische Deutsche Reich gab. Im Zuge der Arisierung wurde die Gemischtwarenhandlung des jüdischen Händlers Arthur Glesinger zur Schließung gezwungen. Der in Hermagor ansässige Arzt Albert Menninger-Lerchenthal wurde aufgrund seiner jüdischen Wurzeln im Jänner 1943 nach Magdeburg versetzt und verstarb während eines Heimaturlaubs im Sommer 1944 unter ungeklärten Umständen auf der nahe dem Stadtgebiet gelegenen Radniger Alm.

Mehr als 3000 junge Frauen befanden sich in den Kriegsjahren im sogenannten „Maidenlager“ des Reichsarbeitsdienstes im oberen Stadtteil von Hermagor. Die weiblichen Arbeitskräfte, vorwiegend aus der Steiermark und dem norddeutschen Raum, unterstützten die in der Gemeinde ansässigen landwirtschaftlichen Betriebe.

Im April 1942 wurden mehrere kärntner-slowenische Familien aus der Gemeinde Hermagor zwangsausgesiedelt oder deportiert. Die lokale Hauptverantwortung dafür trug der nationalsozialistische Kreisleiter von Hermagor Julian Kollnitz, der im Zuge der Entnazifizierung 1949 zu zehn Jahren Haft verurteilt wurde.

Die Stadt Hermagor war zudem Standort des Betriebes „Haßlacher“, welcher für die Wehrmacht und Luftwaffe Holzbaracken herstellte. In diesem mussten zum Teil auch britische und sowjetische Kriegsgefangene, letztere unter besonders widrigen Umständen, arbeiten. Dies führte ab Oktober 1944 zu mehreren alliierten Bombenangriffen auf den südöstlichen Stadtteil Hermagoras, in dem der genannte Rüstungsbetrieb und der Bahnhof lagen. Am 8. Mai 1945 erreichten vom Plöckenpass vordringende britische Einheiten die Stadt. Der Verein „Erinnern Gailtal“ zählt mehr als 200 Opfer des Nationalsozialismus im Bezirk Hermagor und im restlichen Kärntner Gailtal, die Dunkelziffer wird jedoch deutlich höher geschätzt.

1958 wurde Möschach angeschlossen und 1973 entstand durch die Eingemeindung von Egg, Mitschig, Görtschach sowie Teilen von Rattendorf die Großgemeinde Hermagor-Pressegger See.

Im Mai 2025 wurde in Hermagor das Denkmal der Namen zur Erinnerung an 66 Opfer des Nationalsozialismus enthüllt.

Bevölkerung Bevölkerungsentwicklung

Volksgruppen, Religion Zum Zeitpunkt der Volkszählung 2001 hatte Hermagor-Pressegger See 7.232 Einwohner (1991: 7.403), überwiegend Angehörige der deutsch- oder der slowenischsprachigen Volksgruppe. Davon besaßen 94,7 % die österreichische, 1,6 % die deutsche, 1,1 % die bosnische und 1,0 % die kroatische Staatsbürgerschaft.

68,8 % der Bevölkerung bekannten sich zur römisch-katholischen, 25,6 % zur evangelischen Kirche und 1,5 % waren islamischen Glaubens, 2,4 % ohne religiöses Bekenntnis.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

mini|Schloss Möderndorf in Hermagor mini|Schloss Lerchenhof in Untermöschach mini|Watschiger Toleranzbethaus

Schloss Möderndorf mit Gailtaler Heimatmuseum Schloss Lerchenhof in Untermöschach wurde in den Jahren 1848 bis 1851 als Herrschaftssitz des Freiherrn Julius von Wodley erbaut. Das seit 1939 unter Denkmalschutz stehende Gebäude, das heute als Hotel-Gasthof genutzt wird, gilt als Paradebeispiel für die spätklassizistische-biedermeierliche Architektur in Kärnten. Die Burgruine Malenthein liegt am südöstlichen Hang des Guggenbergs bei Kühweg. Die älteste urkundliche Erwähnung eines Turms in bambergischen Besitz stammt aus dem Jahr 1311, ein weiterer Ausbau ist für 1317 belegt. Bis 1395 war die Burg Sitz eines Landgerichts. Ende des 15. Jahrhunderts ging sie an Friedrich III. über, dessen Nachfolger Maximilian I. verlieh sie 1506 an Johann Geumann von Galsbach, Hochmeister des Georgsordens in Millstatt. Dieser übergab sie seinem Schwager Georg von Malenthein, seither trug die Burg dessen Namen. Der Turm war 1688 noch bewohnt, ab dem 18. Jahrhundert verfiel die Burg allmählich. Sichtbar sind heute noch Teile des äußeren Mauerrings sowie 6 bis 8 Meter hohe Reste des Wohnturms.Dehio Kärnten, Wien 2001, S. 436 Burgruine Feste Khünburg. In Sichtweite von Hermagor in östliche Richtung liegt auf einer Rückfallkuppe der nach Südosten abstreichenden Flanke der Egelgruppe ein mächtiger Turm, der Bergfried der alten Festung Khünburg. Zur Burg führt ein schmaler, gratartiger Rücken, der durch einen Graben abgesichert ist. Der Bau konnte ursprünglich nicht sehr weitläufig sein, da das kleine Plateau dafür nicht genug Raum bot. Die Existenz einer Kapelle vermutet man auf dem rasigen Vorplatz an der Südseite des Turmes. Brand, Schwierigkeiten mit der Wasserversorgung, dieses musste durch lange Röhrenleitungen zugebracht werden. Schließlich führte wohl die unwegsame Lage dieser Burg zu ihrer Aufgabe. Die Khünburger verlegten später ihren Sitz in das bequemere, leicht zugängliche Talschloss „castrum Kynegg“ (das heutige Egg). Das Grafengeschlecht Kuenburg hat neben Besitzungen in Südtirol und Übersee nach wie vor seinen bevorzugten Familiensitz in Egg bei Hermagor.Hermann Wiesner: Hermagor: Geschichte, Natur, Gegenwart, S. 91–126, Kärntner Druck- und Verlagsgesellschaft 1969. Filialkirche Schlanitzen. Die Filialkirche „St. Leonhard“, ein mittelgroßer, spätgotischer Bau, steht südlich von Tröpolach, auf einer 116 m höher gelegenen, jäh abstürzenden bewaldeten Bergkuppe (Pleik). Paolo Santonino berichtete von der Weihe dieser „neuen“ Kirche am 23. Oktober 1485 durch den Bischof von Caorle. Überlieferungen wissen auch von einer hölzernen Vorläuferkapelle, die von Bergknappen errichtet worden war. Die Kirche besteht aus dem breiten, hochräumigen, fast quadratischen Schiff, dessen Flachdecke mit schablonierten Malereien durch einen Unterzugsbalken gestützt wird. Die Decke ist durch schmale Längs- und breitere Querleisten in zahlreiche längsrechteckige Felder zerlegt und über und über, zumeist mit Schablonen, aber auch freihändig, bemalt. Zu sehen sind eine schier unübersehbare Fülle verschiedener Knoten-, Flechtwerk-, Stern-, Wirbelradmuster und Rosetten.Karl Ginhart: Hermagor: Geschichte, Natur, Gegenwart. Interessant ist zudem der rechte Flügelaltar, der gefesselte überlebensgroße Christus mit Teichschlögel und Geißel wie die beachtenswerte Kreuzgruppe mit Christus und den beiden Schächern. Bis um 1890 gab es noch eine Kette, die zweimal um die Kirche gespannt war. Sie fiel dem Rost zum Opfer, Reste davon wurden später zu Blech verarbeitet und damit die seinerzeitige Eingangstüre der Pfarrkirche Tröpolach beschlagen. Außen – an der Nordwand – sieht man ein spätgotisches, überlebensgroßes Christopherusfresko. Der jugendliche Riese trägt das segnende Jesuskind auf der rechten Schulter. Dieses Fresko war seinerzeit, als der Wald das Kirchlein noch nicht verdeckte, weithin vom Tal aus zu sehen. Zu ihm haben die Reisenden aufgeblickt und den Heiligen um seine Fürsprache gebeten. Dem Volksglauben nach war damit ihr Leben für diesen einen Tag gesichert.

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