Minnesota (Aussprache ; von Mnísota „klares, ruhiges Wasser“ aus der Sioux-Sprache Dakota; Abkürzung: MN oder Minn.) ist der 32. Bundesstaat der Vereinigten Staaten von Amerika. Der flächenmäßig zwölftgrößte US-Bundesstaat liegt im Norden des Landes an der Grenze zu Kanada. Er entstand 1858 aus dem östlichen Teil des Minnesota-Territoriums und einem kleinen Teil des Wisconsin-Territoriums.
Mehr als die Hälfte der Bevölkerung Minnesotas lebt in der Metropolregion Minneapolis–Saint Paul (), wobei Minneapolis mit knapp 430.000 Einwohnern die bevölkerungsreichste Stadt des Bundesstaates ist. St. Paul – als zweitgrößte Stadt mit ca. 312.000 Einwohnern – ist aber die Hauptstadt. In den Zwillingsstädten haben einige große, international tätige Unternehmen ihren Sitz. Des Weiteren befindet sich auch das größte Einkaufszentrum der USA, die Mall of America, in jener Metropolregion, nämlich in der Stadt Bloomington (90.000 Einwohner).
Minnesota trägt – abgeleitet von seinem Staatsmotto („L’Étoile du Nord“, frz. für „Stern des Nordens“) – den Beinamen (engl. „Nordsternstaat“). Ein weiterer Spitzname des Staates ist . nennt man insbesondere in Minnesota die dort weit verbreitete Taschenratte, das zunächst nur Namensgeber und Maskottchen der Sportteams der University of Minnesota war („Golden Gophers“) und erst später auch zur Bezeichnung für den ganzen Staat wurde. The Minnesota Department of Natural Resources Website, St. Paul, abgerufen am 5. Januar 2015. Trotz zweier Gesetzesinitiativen wurde das Streifenhörnchen nicht zum offiziellen Wappentier Minnesotas. , Abs. 3+4. Minnesota Legislative Reference Library (online), abgerufen am 5. Januar 2015. Aufgrund seiner vielen Seen wird Minnesota auch „Land der zehntausend Seen“ (englisch: Land of 10.000 lakes) genannt. , Abs. 3. Minnesota Legislative Reference Library (online), abgerufen am 5. Januar 2015.
Geografie Minnesota ist nach Alaska der nördlichste Bundesstaat der USA, der Northwest Angle ist der einzige Teil der 48 zusammenhängenden Bundesstaaten, der nördlich über den 49. Breitengrad hinausragt. Der Nordosten des Staates liegt am Ufer des Oberen Sees und teilt sich Seegrenzen mit der kanadischen Provinz Ontario sowie den Bundesstaaten Michigan und Wisconsin. An den Osten und Südosten Minnesotas grenzt Wisconsin, an den Süden Iowa, an den Westen North und South Dakota und im Norden die kanadischen Provinzen Ontario und Manitoba. Mit 225.171 Quadratkilometern (etwa 2,25 Prozent der Gesamtfläche) ist Minnesota der zwölftgrößte Bundesstaat der USA und der zweitgrößte des mittleren Westens.Facts and figures Die Ausdehnung in Nord-Süd-Richtung beträgt etwa 660 Kilometer, in Ost-West-Richtung rund 560 Kilometer.
Geologie und Landschaft mini|links|Flusslauf in präkambrischen Gesteinen im Jay Cooke State Park
In Minnesota liegen einige der ältesten Gesteine der Erde, manche Gneise sind bis zu 3,6 Milliarden Jahre alt. Vor etwa zwei Milliarden Jahren konnte Lava durch Risse des Urozeans entweichen. Die restlichen Teile des vulkanischen Gesteins bildeten den Kanadischen Schild im Nordosten Minnesotas.Greg Breining: Compass American Guides: Minnesota. 3rd Edition, Compass American Guides, 2005, ISBN 1-4000-1484-0. Nach den bis vor 1,1 Milliarden Jahren andauernden vulkanischen Aktivitäten war die geologische Aktivität gering. Vulkanismus, Gebirgsbildung und Erdbebenaktivitäten traten seitdem in äußerst geringem Ausmaß auf.Richard W. Ojakangas, Charles L. Matsch: Minnesota’s Geology. University of Minnesota Press, 1982, ISBN 0-8166-0953-5.
Die Ausläufer der vulkanischen Berge formten während des Präkambriums Seen im nördlichen Minnesota. Diese Seen bewirkten eine Verflachung Minnesotas, welche sich mit der vor 600.000 Jahren beginnenden Vergletscherung weiter verstärkte. Mindestens einen Kilometer dicke Gletscher bewegten sich über die Gebiete und formten Minnesotas heutige Landschaft. Der letzte von vier bedeutenden Gletschern, der Wisconsin-Gletscher, zog sich vor 12.000 Jahren aus Minnesota zurück. Die Ausdehnung dieser Gletscher reichte mit Ausnahme des äußersten Südwestens und Südostens über ganz Minnesota.
mini|Felsenküste am Oberen See Die Gletscher hinterließen über den gesamten Bundesstaat verteilt eine Geschiebeschicht von in der Regel mindestens 15 Metern. Als sich die letzten Gletscher zurückgezogen hatten, formte sich im Nordwesten der riesige Lake Agassiz; der Wegfluss dieses Sees formte den Flusslauf des Minnesota River, der Grund des Sees wurde das fruchtbare Land des Red River Valley. Heutzutage ist die geologische Aktivität in Minnesota gering. Unregelmäßig kommt es zu Erdbeben, die jedoch meist schwach sind. Das stärkste Erdbeben des letzten Jahrhunderts ereignete sich nahe Morris im Jahre 1975 und wurde mit 4,6 bis 4,8 Magnituden auf der Richterskala gemessen.
Der höchste Punkt des Bundesstaates ist der Eagle Mountain mit 701 Metern, welcher nur etwa 21 Kilometer vom mit 183 Metern tiefsten Punkt am Ufer des Oberen Sees entfernt ist.Minnesota Map Collection – State, City, Road, County, River, Lake Niederschläge können über den Mississippi River in den Golf von Mexiko, über den Sankt-Lorenz-Seeweg in den Atlantischen Ozean oder über die Hudson Bay in den Arktischen Ozean abfließen.
Der Beiname des Bundesstaates Land of 10,000 Lakes (deutsch: „Das Land der 10.000 Seen“) ist keine Übertreibung. In Minnesota gibt es 11.842 Seen mit über vier Hektar Fläche.Minnesota DNR: Lakes, rivers & wetlands Der Obere See hat mit knapp 3900 km² die größte Wasserfläche und etwa 393 Metern die größte Wassertiefe des Bundesstaates. Minnesota hat 6564 Flüsse mit einer Länge von insgesamt etwa 110.000 Kilometern. Der Mississippi River beginnt am Lake Itasca und überquert nach knapp 1090 Kilometern flussabwärts die Grenze zu Iowa. In ihn münden bei Fort Snelling der Minnesota River, bei Hastings der St. Croix River, bei Wabasha der Chippewa River und viele weitere kleine Ströme im Südosten. Über den Red River, auf dem einstigen Grund des Agassizsees, fließt das Wasser aus dem Nordwesten des Bundesstaates nach Norden in die kanadische Hudson Bay.
Geschützte Gebiete mini|Voyageurs-Nationalpark
Minnesota besitzt 66 Staatsparks, 57 Staatswälder mit einer Fläche von etwa 16.000 km² und zahlreiche Naturschutzgebiete. Der erste Staatspark, der Itasca State Park, wurde 1891 gegründet. Auf 22.200 km² Fläche erstrecken sich die beiden Nationalwälder Chippewa National Forest und Superior National Forest. Im Superior National Forest, an der nordöstlichen Grenze des Bundesstaates, liegt die Boundary Waters Canoe Area Wilderness, welche über 4000 km² und tausend Seen umfasst. Der Voyageurs-Nationalpark ist der einzige Nationalpark des Bundesstaates. Daneben gibt es zwei National Monuments: Pipestone National Monument bewahrt die Steinbrüche, in denen Prärie-Indianer den Stein für ihre Pfeifen gewannen und bis heute gewinnen. Grand Portage National Monument ist eine Gedenkstätte für die Geschichte des Pelzhandels am Ort einer Handelsstation am Lake Superior.
Flora und Fauna Die Vegetation Minnesotas entspricht weitestgehend der für Nordamerika typischen: Präriegrasländer im Westen und Südwesten des Bundesstaates, Laubwald im Südosten und die nördlichen borealen Wälder.Minnesota Department of Natural Resources: Biomes of Minnesota Die nördlichen Nadelwälder sind ausgedehnte von Kiefern und Fichten bewachsene Gebiete mit vereinzelt auftretenden Birken und Pappeln. Große Teile des nördlichen Waldes Minnesotas wurden abgeholzt. Nur noch wenige Flächen wie im Chippewa National Forrest und dem Superior National Forest, welcher 1620 km² ungerodeten Wald beherbergt, sind ursprünglich bewachsen. Durch das Nachwachsen liegt die Bewaldung des Staates wieder bei etwa einem Drittel.Tim Bewer: Moon Handbooks Minnesota. Avalon Travel Publishing, 2004, ISBN 1-56691-482-5.
mini|Waldmurmeltier in Minneapolis Obwohl durch die Naturzerstörung zahlreiche einheimische Tiere wie Fichtenmarder, Wapitis, Büffel, Puma, Rentiere und Rotluchse große Teile ihres Lebensraums verloren haben, gedeihen zahlreiche andere einheimische Tierarten. Minnesota hat nach Alaska die zweitgrößte Wolfspopulation der USA und verfügt über gesunde Schwarzbär-, Elch- und Weißwedelhirschbestände. Am Mississippi Flyway beheimatet der Bundesstaat ziehende Wasservögel wie Gänse und Enten sowie Wildvögel wie Raufußhühner, Fasane und Truthühner. Zudem ist Minnesota die Heimat von Greifvögeln wie dem Weißkopfseeadler, dem Rotschwanzbussard, der Schneeeule und nicht zuletzt dem Eistaucher, dem offiziellen Staatsvogel des Bundesstaates. In den Seen gibt es zahlreiche Glasaugenbarsche, Streifenbarsche, Muskellungen und Hechte. Die Flüsse im Südosten sind bevölkert von Bachsaiblingen, Bachforellen und Regenbogenforellen.
Klima
mini|Steckengebliebener Zug während der Rekordschneefälle im März 1881
Minnesota hat ein kontinentales Klima. So sind die Winter mit Temperaturen weit unter null Grad Celsius eher polar geprägt, Minnesota gilt als kältester Bundesstaat nach Alaska. Die Sommer sind dagegen – vor allem im Süden des Staates – heiß und feucht. Den gesamten Winter über kann es zu Kaltlufteinbrüchen und Blizzards kommen. Die Jahresmitteltemperatur beträgt zwei bis acht Grad Celsius. Entsprechend der Klimaklassifikation nach Köppen/Geiger fällt der südlichere Teil des Bundesstaates in das humide Kontinentalklima mit heißen Sommern (Dfa), die nördlichen zwei Drittel werden dem humiden Kontinentalklima mit warmen Sommern (Dfb) zugeordnet.
Die Regionen im Nordosten werden darüber hinaus von der ausgleichenden Wirkung des Oberen Sees beeinflusst. Dies bedeutet, dass die Temperaturen im Winter für die Region vergleichsweise moderat ausfallen, während der See im Sommer kühlend wirkt.
Abhängig vom Ort reicht der Jahresniederschlag von rund 480 mm im Nordwesten bis zu 860 mm im Südosten, zu Dürren kommt es etwa alle zehn bis 50 Jahre. Die Vegetationsperiode variiert von 90 Tagen in der Iron Range bis zu 160 Tagen im Südosten Minnesotas nahe dem Mississippi.National Weather Service Forecast Office: Climate of Minnesota Der Süden Minnesotas gehört zum Gebiet der Tornado Alley.
+ Durchschnittliche Temperaturen in Minnesota in (°C) Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez Duluth −13 −9 −4 4 11 16 19 18 13 7 −2 −10 International Falls −16 −12 −4 4 12 17 19 18 12 6 −4 −13 Rochester −11 −8 −1 7 14 19 21 20 15 8 −1 −8 Twin Cities −11 −7 0 8 15 20 23 22 16 9 0 −7
Gliederung
Minnesota gliedert sich in 87 Countys.
Geschichte mini|Minnesota Territory von 1849–1858
Ureinwohner und Entdeckung Vor der Besiedlung durch die Europäer war Minnesota von den Anishinabe, den Sioux und anderen Ureinwohnern bevölkert. Im Südwesten des Staates liegen die Steinbrüche, in denen Catlinit, der Pfeifenstein, gewonnen wurde und wird. Er wurde in den gesamten Great Plains gehandelt und alle Prärie-Indianer bevorzugten ihn, um daraus die Köpfe ihrer Friedenspfeifen (Calumets) zu schnitzen.
Die ersten europäischen Siedler waren französische Pelzhändler, welche zu Beginn des 17. Jahrhunderts ankamen. Als die Anishinabe später weiter westwärts nach Minnesota zogen, kam es zu Spannungen mit den Sioux. Entdecker wie Daniel Greysolon, Sieur du Lhut, Louis Hennepin, Jonathan Carver, Henry Schoolcraft und Joseph Nicollet führten Forschungsreisen in dem Gebiet des heutigen Staats Minnesota durch und kartierten ihn. 1679 errichtete Greysolon nach einer Expedition am Ufer des Oberen Sees ein Fort und beanspruchte das Gebiet des nördlichen Minnesotas fortan für Frankreich.