mini|hochkant=1.2|Pater Stanislaus (Michael Saurbeck). Porträt eines unbekannten Künstlers
Stanislaus Saurbeck (* 1595 in Wutöschingen als Michael Saurbeck; † 5. Oktober 1647 in Feldkirch) war ein deutscher Kapuziner. Er wurde als Pater Stanislaus vor allem bekannt durch seinen aktiven Anteil 1634 am erfolgreichen Widerstand der Stadt Überlingen im Dreißigjährigen Krieg und 1647 durch seine Verhandlungen zur Errettung der Stadt Feldkirch – beide Male zur Abwehr vor Eroberung bzw. einer Zerstörung durch das schwedische Heer des Feldherren Gustav Horn.
Schon früh „hatte er als wortgewaltiger Prediger einen Namen und wurde der ‚Elias seiner Zeit‘ genannt.“Klaus Herm: Pater Stanislaus Saurbeck – ein Wutöschinger Bürgersohn. In: Wutöschingen – einst und heute, 2006. S. 195. Elias (Elija) gilt als Symbol für Standhaftigkeit in Zeiten von Unterdrückung und Götzenanbetung. Da Elija nicht gestorben ist, sondern entrückt wurde, tritt er immer wieder als Mittler zwischen Gott und den Menschen auf. Seine Wiederkunft als Vorläufer des Messias wird erwartet. (vgl.: Susanne Otto: Elia (AT). In: Michaela Bauks, Klaus Koenen, Stefan Alkier (Hrsg.): Das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet (WiBiLex), Stuttgart, März 2009, abgerufen am 5. Januar 2020 (Abschnitt: 2.1.2. Neues Testament)). Durch seine Missionierung galt er als „Apostel des Bregenzerwaldes“.
Leben Der Saurbeck-Biograph Pater Edilbert Geiger ermittelte im Quellenstudium außer dem Geburtsjahr 1595 die Herkunft aus „einer Familie, die dem damaligen Grafen von Sulz leibeigen war.“Angabe nach E. Geiger: Pater Stanislaus Saurbeck. Ein Kapuziner aus Wutöschingen. Kapuzinerkloster Gauenstein 140, A-Schruns/Vorarlberg (ohne Datum), S. 1. Die letzte Quelle, die Geiger zitiert, stammt aus dem Jahr 1979, sodass als Datum seiner „Lebensskizze“ ein Jahr der 1980er angenommen werden kann. Quelle des obigen Zitats: ANNALIUM, pars IV., 40–52, 1644/1657 & Birnauer Kalender, 1929, S. 30–38.
Kindheit und Jugend Die Namen der Eltern sind nicht bekannt, doch sind Nachfahren der Familie, die sich aus der Leibeigenschaft lösen konnte, im „Ablauf der Jahrhunderte“ in den Quellen festzustellen.Provinzarchiv-Stelle Luzern: tom 150, p. 14 N, in: Geiger, S. 1. Die Chronik der Schweizer Kapuzinerprovinz berichtet, dass Michael Saurbeck „von Kindheit an in allen Formen der christlichen Tugenden und zu gut bürgerlicher Rechtschaffenheit erzogen (wurde).“Helvetia F.F. Capucinorum, p. 542 ss. In: Geiger: Pater Stanislaus Saurbeck. S. 2.
Er besuchte „während der Jugendzeit die Lateinschule“ und war „kundig in der Handhabung der Waffen.“Historia Prov. anter. AUSTR., P. Romuald von Stockach, p. 312 ss. In: Geiger: Pater Stanislaus Saurbeck. S. 2. Ein Bericht der Schwäbischen Kirchengeschichte über Saurbeck stellt fest: „Mit der geschickten Führung der Waffen verband der verwegene Haudegen eine ungewöhnliche Körperkraft, gepaart mit einem gewaltigen Übermute, so daß alle ihn fürchteten.“Schwäbische Kirchengeschichte, Regul. Ord. s. Augustini 1699, p. 805. In: Geiger, S. 2.
Saurbeck studierte an der Universität Freiburg im Breisgau – „1611 brach in Freiburg eine pestartige Seuche aus; daher verlegte die Universität vorübergehend ihren Betrieb nach Villingen. […] Er studierte Philosophie und schloß seine Studien vorläufig ab mit dem akademischen Grad Magister der freien Künste (artiumque Liberalium Magister).“ANNALIUM, pars IV., p. 40. In: Geiger, S. 2.
Wandlung im Lebensweg mini|Stadt Ensisheim in der Zeitepoche von P. Stanislaus, 1663
1618 begann der Dreißigjährige Krieg und nach einer Selbstprüfung wandte sich Saurbeck von einer soldatischen Laufbahn ab und wählte den „geistlichen Soldatenstand“.
Nach Gebet und Meditation war ihm Maria („Unsere Liebe Frau vom Guten Rat“) im Traum erschienen, in dem sie ihm verschiedene Ordenskleider zur Wahl vorlegte und nach seinem Zögern ihn auf das der Kapuziner wies: „Michael Saurbeck begab sich zum Ordensprovinzial der Kapuziner und […] P. Alexander Rucklin aus Altdorf in der Schweiz trug keine Bedenken, einem Kandidaten das Ordenskleid zu verleihen“, der auf diesem Wege empfohlen wurde. „So kam es auch, daß Michael Saurbeck am 3. Oktober 1618 in das Noviatskloster der Schweizerischen Kapuzinerprovinz in Ensisheim im Elsaß kam und am 9. Oktober das Ordenskleid der Kapuziner erhielt und einen neuen Namen bekam: Stanislaus.“
mini|Kloster Rapperswil
Sein Lehrmeister im Elsass war P. Archangelus, geboren als Freiherr von Stein, aus Uttenweiler. Am 9. Oktober 1619 legte Saurbeck die Ordensgelübde ab. Er verblieb noch bis zum Juni 1620 in Ensisheim und begann dann das Theologiestudium im Kapuzinerkloster Baden in der Schweiz. Zu Pfingsten 1625 wurde er durch den Bischof von Basel, Wilhelm Rinck von Baldenstein, zum Priester geweiht.Zitate im Abschnitt: ANNALIUM, pars IV., p. 42. In: Geiger, S. 3.
1625 bis 1627 lebte Stanislaus im Kloster Rapperswil am Zürichsee und übernahm im Umkreis zahlreiche seelsorgerischen Aufgaben.
Tätigkeit in Überlingen Die Vorgesetzten der Ordensprovinz versetzten P. Stanislaus Saurbeck 1627 ins Kloster Überlingen und übertrugen ihm das Amt des Novizenmeisters. Für den Orden bildete er 48 Novizen aus. Ab 1632 hatte Saurbeck auch das Amt des Guardians inne. Als Prediger und Kanzelredner im Münster zu Überlingen bewährte er sich auch in Kriegszeiten.Nach Geiger, S. 3 bis 5.
Dreißigjähriger Krieg (1618 bis 1648) Die religiösen Auseinandersetzungen im Christentum nach der Reformation Martin Luthers führten im frühen 17. Jahrhundert über zahlreiche kleinere bewaffnete Konflikte zu einem europäischen Krieg, in dem hinter dem religiösen Erscheinungsbild machtpolitische Interessen standen. „Nach der Empörung der böhmischen Stände gegen den Kaiser Ferdinand II. begann 1618 der Krieg, in dem sich zunächst nur die in der Union zusammengeschlossenen protestantischen Fürsten und Städte und die in der katholischen Liga vereinigten Reichsstädte gegenüberstanden, der aber durch die Einmischung von Schweden und Frankreich immer größeres Ausmaß annahm.“ Über anderthalb Jahrzehnte blieb der süddeutsche Raum von Kriegshandlungen verschont, „ehe die ersten feindlichen Truppen, die Schweden, sich 1632 nach ihrem Sieg in der Schlacht von Lützen und ihrem unter entsetzlichen Greueltaten gekennzeichneten Marsch unter General Graf Horn am Oberrhein und in Breisgau am Hochrhein zeigten und unter dem schottischen Grafen Hamilton im Klettgau einfielen.“Beide Zitate: Hans Matt-Willmatt: Weilheim im Landkreis Waldshut. Der Dreißigjährige Krieg. Verlag H. Zimmermann KG, Waldshut 1977, S. 119.
In der Landgrafschaft Klettgau – der Heimat von Michael Saurbeck – herrschte der Graf von Sulz, dessen katholische und kaiserliche Gesinnung den Schweden bekannt war. „Die Schweden kamen bereits Anfang 1633 in den Klettgau.“ Trotz der Bitte „des Bürgermeisters und der Räte der Stadt Zürich vom 19. Februar 1633, […] sich mit Gewalt im Klettgau zurückzuhalten, wüteten die Schweden 1633 am Hochrhein, im Klettgau und im ganzen Hauensteiner Land.“Alois Nohl: Der Dreißigjährige Krieg und die Zerstörung der Küssaburg. In: Land zwischen Hochrhein und Schwarzwald, Hrsg. Geschichtsverein Hochrhein, 1994, S. 44.
Die Vorgänge in seiner Heimat Klettgau werden P. Stanislaus Saurbeck nicht unbekannt geblieben sein und haben vermutlich sein in der Folge konsequentes Handeln mitbegründet.
Seit 1627 lebte und arbeitete der Pater in Überlingen am Bodensee.
Feldherr Horn vor Überlingen mini|Lage einiger der von Horn 1633/34 eroberten Orte
Das schwedische Heer zog nach dem Verlassen des ausgeplünderten Klettgau im September 1633 unter Horn und Carl Gustav Wrangel vor Konstanz, wobei es unter Verletzung der Neutralität über Schweizerisches Gebiet marschiert war. Mit Hilfe der kaiserlichen Flottille konnte der Angriff auf Konstanz abgewehrt werden. Die Schweden brachen die Belagerung am 5. Oktober ab und zogen nach Norden – ihre Anwesenheit ist vom Januar bis zum 19. März 1634 in Pfullendorf belegt. Pfullendorf war seit dem 6. Juli 1632 schwedisch besetzt – vermutlich verbrachte Horns Heer dort den Winter.„Während der traurigen Zeit des Schwedenkrieges kam u. A. auch der Feldmarschall Gustav Horn auf seinem Marsche nach Ravensburg im Januar 1634 in die Stadt Pfullendorf. […] So blieb es bis zum 19. März, wo die Schweden abzogen und nur noch 4 Kühe stehen ließen.“ (K. Walchner: Geschichte der Stadt Pfullendorf. Constanz 1825. S. 87 ff. Siehe: Viel Uebel um Aepfel – Horn in Pfullendorf)
Belegt ist danach die Erstürmung der Reichsstädte Kempten [Nach verschiedenen Angaben am 20. oder am 31. März 1634] und Biberach am 25. März 1634 [Dies verifiziert bei Kempten eher das erste Datum] und Memmingen am 13. April 1634.
Geiger, Stanislaus, S. 5, bestätigt dies zum Beginn der Belagerung von Überlingen: „General Gustav Horn hatte mit seinem Heer bereits Kempten, Memmingen, Biberach und Meersburg zur Übergabe gezwungen.“
mini|Bodensee, am nördlichen Ufer links Überlingen, unten Konstanz, am östlichen Ende Bregenz
„Innerhalb der Stadt befand sich auch P. Stanislaus Saurbeck, Novizenmeister, Klostervorsteher und Sonntagsprediger im Überlinger Münster.“ Die Vertreter der Stadt schlugen die Aufforderung zur Übergabe ab.
Einflussnahme des P. Stanislaus In der Überlieferung wird in verschiedenen Quellen die Rolle des Paters hervorgehoben, der schon zu Beginn der Belagerung aktiv war: „Zu solcher kriegerischen Tapferkeit und zu unbezwingbarer Zuversicht wurden die Bewohner der Stadt Überlingen durch die aufmunternden und feurigen Kanzelreden des P. Stanislaus Saurbeck vorbereitet.“ Der Pater nahm den Bürgern der Stadt auch ein Versprechen ab „und sie würden in kürzester Zeit von den Schweden befreit werden.“Zitate im Abschnitt: Weltgeschichte, von Dr. Joh. Bapt. von Weiß, Leipzig 1892, 9. Band, S. 322, & Kolberg, Gerda: Überlingen – Bild einer Stadt, S. 72. In: Geiger, S. 6.
mini|Überlingen; Topographia Germaniae, Matthäus Merian, 1643
Aufhebung der Belagerung Neben der Abwehr auf der Landseite besaß Überlingen den Vorteil des direkten Seezugangs, der von einer kaiserlichen Flottille beherrscht wurde:
Die kaiserliche Flottille wurde verstärkt und sorgte auf dem Wasserweg für Truppennachschub und Material in die belagerte Stadt. Die schwedischen Stellungen um Überlingen wurden von etwa 20 Kriegsschiffen beschossen, die Schweden brachten zur Entlastung trotz offizieller Schweizer Neutralität einige Boote auf dem Landweg über Schaffhausen in den See. Daraufhin wurde das Thurgauer Seeufer von kaiserlichen Jagdschiffen blockiert. Zudem wurde ein in Konstanz mit Kanonen ausgerüstetes großes Lastschiff nach Überlingen gebracht, worauf die Schweden die Belagerung abbrachen. Entscheidend war jedoch, dass die Stadt auf der Landseite der Belagerung getrotzt hatte.Im weiteren Verlauf des Krieges bauten die Schweden eine eigene Flottille auf, doch konnte diese trotz verschiedener Erfolge nie die Oberhand auf dem Bodensee gewinnen. Nach der für Schweden verlorengegangenen Schlacht bei Nördlingen am 6. September 1634, die das Ende der schwedischen Vorherrschaft in Deutschland bedeutete, wurden von der Führung auch am Bodensee die besetzten Orte geräumt, alle schwedischen Schiffe versenkt sowie die Truppen zurückgezogen. General Horn geriet bei Nördlingen in Gefangenschaft und wurde auf der Burg zu Burghausen eingekerkert. Er kam erst 1642 wieder frei und kehrte nach Schweden zurück.
Die Wirkung des Predigers, der als „glänzender Kanzelredner“ galt, wird auch durch den Umstand plausibel, dass ‚Stadtvertreter‘ zu jener Zeit noch nicht ‚öffentlich‘ auftraten, d. h., die einzige Instanz, die die Bürgerschaft als Ganzes erreichen konnte, war die Kirche – in diesem Fall die Kapuziner mit Saurbeck als „Sonntagsprediger im Überlinger Münster“. Diese hervorragende Rolle des Paters wurde von höchster Stelle bestätigt:
Das uneingelöste Gelübde