Ludolph Siegfried (auch: Ludolff Siegfriedt sowie Ludolf Siegfried und Ludolf Siegfriedt; * im 17. Jahrhundert in Nienburg/Weser; † 1675vgl. DI 104, Landkreis Schaumburg, Nr. 635 (Katharina Kagerer), in: www.inschriften.net, abgerufen am 18. August 2022) war ein hannoverscher Glocken-, Stück- und Rotgießer.Carl Wolff (Hrsg.), Heinrich Fischer, Fritz Traugott Schulz (Bearb.): Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover. Herausgegeben im Auftrage der Provinzial-Kommission zur Erforschung und Erhaltung der Denkmäler in der Provinz Hannover, Band III: Regierungsbezirk Lüneburg, 1. Kreise Burgdorf und Fallingbostel ( = Heft 4 des Gesamtwerkes), Hannover: Selbstverlag der Provinzialverwaltung; Theodor Schulzes Buchhandlung, 1902, S. 40f., 47, 50, 151; als PDF-Dokument bei forgottenbooks.com Er galt als „meistbeschäftigter Glockengießer der Zeit“.Carl-Hans Hauptmeyer: 1650, in: Hannover Chronik, S. 51; Vorschau über Google-Bücher

Leben mini|Zeichnung einer im Dreißigjährigen Krieg 1646 von Siegfriedt hergestellten 24-Pfund-Kanone (circa 3 Tonnen); Foto: Armémuseum; CC BY 4.0

mini|Details der im Auftrag V.G.G. Christian Graff zu Oldenburg und Delmenhorst Herr zu Iehver und Kniephausen gegossenen Waffe mit dem Wappen des Auftraggebers; Foto des Armémuseums in Schweden; CC BY 4.0

Ludolf Siegfriedt arbeitete im Herzogtum Braunschweig-Lüneburg bereits zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges erstmals nachweislich ab 1642 in Braunschweig. Dort schuf er gemeinsam mit dem Glockengießer-Meister Joachim Janke mehrere Glocken für verschiedene Braunschweiger Kirchen, zunächst die später bei einem Turmbrand zerstörte sogenannte „Betglocke“ für St. Petri. Die Qualität der abgelieferten Arbeit brachte weitere Kirchenvorstände anderer Braunschweiger Kirchen dazu, Siegfriedt den Auftrag zum Guss weiterer Glocken zu geben. Die alteingesessenen Braunschweiger Gießer legten dagegen – erfolglos – Beschwerde beim damaligen Braunschweiger Stadtrat ein.

Im Juni 1643 schuf Siegfriedt gemeinsam mit Joachim Janke die von den beiden Braunschweiger Bürgermeistern Henricus Peters und Hans Affel, dem Kirchenvorsteher und Ratsherrn Martin Hille und den drei Kirchenvorstehern Frantz Apelnstedt, Ludeke Juten und Henning Hofmeister die mit der Jahreszahl 1642 versehene Glocke für die Braunschweiger Kirche St. Magni.Sabine Wehking: DI 56, Stadt Braunschweig II, Nr. 924 / St. Magni auf der Seite Deutsche Inschriften Online / Niedersachsen / Braunschweig von 1529 bis 1671

Spätestens in den 1650er Jahren hatte Ludolf Siegfriedt das Bürgerrecht Hannovers erworben, als er 1653 „die beiden alten Glocken und die zinnerne Taufe [der Kirche von Haimar] umgegossen“ hatte. Nachdem mehr als ein Jahrhundert später die größere Glocke der Kirche zerborsten war, wurden die beiden kleineren Glocken 1784 jedoch „nach Hannover gebracht, um aus beiden eine giessen zu lassen.“

Bis 1673 wirkte Ludolf Siegfriedt zudem als Glocken- und Stückgießer sowohl in der Residenzstadt Hannover als auch in Celle. So schuf er 1650 mit dem von dem hannoverschen Theologen, Magister und Senior des geistlichen Stadtministeriums David Meier gestifteten Geld die Glocke Großer David;Dirk Böttcher: Meyer, (2) David (auch Meier), in: Hannoversches Biographisches Lexikon, S. 252 zugleich die größte Glocke der Kreuzkirche in Hannover.

Nachdem Siegfriedts Landesherr, Herzog Christian Ludwig im Jahr 1650 den Bau des Jagdschlosses in Weyhausen angeordnet hatte, goss Ludolf Siegfriedt laut der Inschrift seines Werkes die für das Schloss gedachte Glocke im Jahr 1656. Das Stück findet sich heute mit der Inventar-Nummer MB 44 im Bomann-Museum in Celle.

Spätestens 1660 war Siegfriedt zum fürstlichen Stückgießer erhoben worden und hatte seinen Sitz in Celle, als er im selben Jahr in Ilten für 198 Taler im Pfarrgarten von Pastor Joachim von Broitzem die noch vorhandene große Glocke für die Iltener Kirche umgoss.

Nachfolger Siegfriedts im Amt des Glockengießers wurde der im 18. Jahrhundert in Hannover tätige Thomas Riedeweg.Kristian Teetz: Weihnachtszeit / Hannovers Glocken erzählen viele Geschichten / Süßer die Glocken nie klingen: In der Weihnachtszeit sind die Geläute der Stadt wieder deutlich zu hören – sie erzählen viele Geschichten, Artikel auf der Seite der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vom 20. Dezember 2012, aktualisiert am 22. Dezember 2012, zuletzt abgerufen am 4. Januar 2018

Bekannte Gusswerke Siegfriedts mini|1643 gegossene Glocke in Devese 1640: Große Läuteglocke für die Kreuzkirche in HannoverWilhelm Mithoff: Kunstdenkmale und Alterthümer im Hannoverschen, Bd. 1: Fürstenthum Calenberg, Hannover: Hellwingsche Hofbuchhandlung, 1871, S. 9, 12, 74, 100 1642, gemeinsam mit Martin Janke: Sogenannte „Betglocke“ für St. Petri in Braunschweig; 1811 bei einem Brand des Kirchturmes zerstört 1642, gemeinsam mit Martin Janke: ursprünglich für die Braunschweiger St. Magni bestimmte Glocke mit ähnlicher Inschrift wie dort, verwandt für die Aegidienkirche (Braunschweig). Die Glocke fand sich in dem 1817/18 abgerissenen westlichen Glockenturm.Sabine Wehking: DI 56, Stadt Braunschweig II, Nr. 908† 1642/43, gemeinsam mit Martin Janke: Glocke für St. Magni in Braunschweig; erhalten 1643: Glocke für die Kapelle in ArnumCarl Wolff (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover. Herausgegeben im Auftrage der Provinzial-Kommission zur Erforschung und Erhaltung der Denkmäler in der Provinz Hannover, Band I: Regierungsbezirk Hannover, 1. Landkreise Hannover und Linden, Hannover: Selbstverlag der Provinzialverwaltung; Theodor Schulzes Buchhandlung, 1899; Online 1663: Geschützstück: Sanct Matthäus für die Stadt Hannover.Reitzenstein: Das Geschützwesen, Seite 206. 1643: Glocke für die Kapelle in Devese; im Jahr 2010 restaurierto.V.: Eine Glocke kehrt zurück, in: Rings um uns. Lokale Nachrichten und amtliche Mitteilungen aus der Umgebung. Stadt Hemmingen. Arnum, Devese, Harkenbleck, Hemmingen-Westerfeld, Hiddestorf, Ohlendorf und Wilkenburg, 48. Jahrgang, Ausgabe 7 vom 14. April 2010, S. 24; Digitalisat Juni 1643, gemeinsam mit Martin Janke (Auftragsdatum 1642): Glocke für St. Magni in Braunschweig 1644: Glocke für die evangelisch-lutherische Kapelle Wülferode in Hannovers Stadtteil Wülferode,Helmut Knocke, Hugo Thielen: Siegfriedt, Ludolf, in Dirk Böttcher, Klaus Mlynek (Hrsg.): Hannover. Kunst- und Kultur-Lexikon (HKuKL), Neuausgabe, 4., aktualisierte und erweiterte Auflage, zu Klampen, Springe 2007, ISBN 978-3-934920-53-8, S. 77 denkmalgeschütztWolfgang Neß: Wülferode, in: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Baudenkmale in Niedersachsen, Stadt Hannover, Teil 2, Bd. 10.2, hrsg. von Hans-Herbert Möller, Niedersächsisches Landesverwaltungsamt – Institut für Denkmalpflege, Friedr. Vieweg & Sohn Verlagsgesellschaft mbH, Braunschweig 1985, ISBN 3-528-06208-8, hier: S. 176ff.; sowie Wülferode im Addendum: Verzeichnis der Baudenkmale gem. § 4 (NDSchG) (ausgenommen Baudenkmale der archäologischen Denkmalpflege), Stand: 1. Juli 1985, Stadt Hannover, Niedersächsisches Landesverwaltungsamt – Veröffentlichungen des Instituts für Denkmalpflege, S. 27 1644: Glocke für die Kirche in Lindhorst, Grafschaft Schaumburg, 1829 umgegossen.Nr. 617† Lindhorst, St. Dionysius 1644, DI 104, Landkreis Schaumburg, Nr. 617† (Katharina Kagerer), in: www.inschriften.net, abgerufen am 18. August 2022 1645: Glocke für die Kirche in Horst 1646–1647: „Nach Angabe im Register der fürstlichen Rentkammer lieferte [...] der Stückgießer Ludolf Siegfried zu Hannover für die Befestigung auf dem Kalkberge bei Lüneburg 2 halbe Kanonen und 2 zwölfpfündige Stücke zum Preise von 538 Thlrn.“Eduard Schuster: Kunst und Künstler in den Fürstenthümern Calenberg und Lüneburg in der Zeit von 1636 bis 1727. Hannover: Hahnsche Buchhandlung, 1905, S. 162 u.ö.; 1647: Glocke für die Kirche St. Petri in Neustadt am Rübenberge Juli bis September 1649: drei Glocken, gegossen auf dem Kirchhof der Gemeinde der Pfarrkirche in Berka im Amt Katlenburg im VorharzDas Dorf Berka im Amte Catlenburg, in: Neues Hannoverisches Magazin, 16. Jahrgang, 91. Stück vom 14. November 1806, Hannover: Georg Christoph Schlüter, Spalte 1441–1454; hier: Sp. 1447f.; Digitalisat über Google-Bücher 1649: Glocke für die Kirche in Bennigsen 1649: Neuguss der Glocke der Kirche in Hattendorf, Grafschaft Schaumburg April 1650: 2 Glocken für die Michaeliskirche in Ronnenberg 1650: Glocke für die Kirche in Basse 1650: Glocke für die Kirche in Helstorf 1650: Glocke für die Johannes-Kapelle in Metel als Ersatz für die im Krieg geraubte; Inschrift: „[...] Meister Ludolf Siegfriedt hat mich in Hannover gegossen.“Hartmut Stützel: Die Geschichte der Johannes-Kapelle in Metel – ein kurzer Blick zurück., auf der Seite vom Freundeskreis für die Johannis-Kapelle Metel e. V. [ohne Datum], zuletzt abgerufen am 16. Mai 2026 1650: Guss der Glocke „Großer David“, der größten Glocke für die Kreuzkirche in Hannover 1650: in Hannover Guss der Glocke für die die Jakobikirche in Bäntorf bei Coppenbrügge 1651: Glocke für die Martinskirche in Engelbostel 1652: Glocke mit Schlagton b für die bei Gehrden gelegene Lemmier Kapelle; erhaltenGottfried Piper: Gehrden und die Musik. Zum 100jährigen Bestehen des Gehrdener Posaunenchors, Festschrift, 3. Auflage, Burgwedel: St. Petri Druck GmbH, 1994, S. 5; Digitalisat als PDF-Dokument von der Seite gehrden-kirche.de 1652: Glocke für die Kirche in Kathrinhagen, Grafschaft Schaumburg 1652: Glocke für die Kirche in Beckedorf, Grafschaft Schaumburg 1653: Mittlere Läuteglocke für die Kreuzkirche in Hannover 1653: Neuguss der beiden alten Glocken und der zinnernen Taufe der Kirche in Haimar; die beiden Glocken wurden später (1784) jedoch zum Umguss in eine einzige Glocke nach Hannover verbracht. 1653: Glocke für die Kirche in Hohnhorst, Grafschaft Schaumburg 1654 goss Siegfriedt für die Stadt Hannover zwei mehr als 30 Zentner schwere Viertelcarthaunen, die namentlich benannte „Salvator mundi“ und die S. PaulusAugust Jugler: Aus Hannovers Vorzeit. Ein Beitrag zur deutschen Cultur-Geschichte, Hannover: Verlag von Carl Rümpler, 1876, S. 29–30; Digitalisat über Google-Bücher 1655: Glocke für die Kirche in Großgoltern 1655: erneuter Glockenguss für St. Petri in Braunschweig; 1811 zerstörtSabine Wehking: DI 56, Stadt Braunschweig II, Nr. 1047† 1656: Glocke für die Braunschweiger Kirche St. Katharinen, in der Inschrift unter anderem Georg von Rethem und der Bürgermeister Henning Schrader; erhaltenSabine Wehking: DI 56, Stadt Braunschweig II, Nr. 1052 1656: Glocke für das Jagdschloss Weyhausen bei Eschede 1657: Glocke mit mehreren Inschriften für die gotische Kirche St. Laurentius in Schwarmstedt 1657: Glocke für die Kirche in Hemeringen 1657: Glocke für die Kirche in Krückeberg, Grafschaft Schaumburg 1659: erneuter Glockenguss mit Inschriften für die Braunschweiger St. Katharinen-Kirche; 1917 zur Einschmelzung für Kriegszwecke enteignetSabine Wehking: DI 56, Stadt Braunschweig II, Nr. 1086† 1660: Umguss der vorhandenen großen Glocke in Ilten im dortigen PfarrgartenC. Wolf, Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover Seite 47. 1660 datiert die nach Clausthal gelieferte größere Uhrglocke SiegfriedtsZentralblatt der Bauverwaltung, Band 41, Ernst and Korn, 1921, S. 103; 1662: Glocke für die Kapelle in Hemmingen 1663: Glocke für die Kirche in Hohenbostel 1664youtube: Glocke b° Celle ev. Stadtkirche St. Marien oder 1723, Stadtkirche St. Marien (Celle): Glocke der Tonlage es mit einem Gewicht von 1.330 kg und einem Umfang von 1,33 m 1665: Neuguss in alter Form zweier älterer Glocken, mit Inschriften für die Kirche St. Martini in Braunschweig; erhaltenSabine Wehking: DI 56, Stadt Braunschweig II, Nr. 1126 1665 goss Siegfriedt erneut für die Stadt Hannover zwei schwere Carthaunen; die namentlich benannte „Herkules“ und die Greif. 1668: erneuter Glockenguss für die Kirche in Bennigsen 1668: Glocke für die Marienkirche in Barsinghausen 1670: Zwei Glocken für die Kirche zu den 10.000 Rittern in Lenthe