Der Comic ist eine illustrierte Literaturgattung, die sich in verschiedenen Kulturkreisen und dank fortschreitender technischer (Druck-)Möglichkeiten über Jahrhunderte hinweg zur heute bekannten Form entwickelte. Er stammt nicht, wie fälschlich in der Literatur behauptet wird, aus den USA. Als wichtiger Vorläufer des modernen Comics gilt Rodolphe Töpffer (1799–1846) aus Genf, was nicht zuletzt an seinem prominentesten Fan (Goethe) liegt. Als eine der ersten regelmäßig erscheinenden Bildergeschichten (seit 1897) gilt The Katzenjammer Kids des deutschstämmigen Rudolph Dirks. Zur Entwicklung des Mediums in den USA siehe Comic in den Vereinigten Staaten. Die Vorgeschichte lässt sich unter Comic#Geschichte verfolgen. Diese Seite befasst sich mit der Entwicklung des Comics in Europa und unterscheidet dann nach den Ländern in Europa. Der Comic außerhalb Europas und der Vereinigten Staaten wird hier behandelt.
Geschichte des Comics 1930 bis 1950 In Europa beginnt vor allem in Frankreich und Belgien eine rege Comic-Produktion, vor allem in den Kinderbeilagen der Zeitungen und in speziellen Jugendmagazinen, etwa von Pfadfinderverbänden oder den Jugendorganisationen der Kirchen. Georges Remi veröffentlicht unter dem Pseudonym Hergé die Abenteuer von Tim und Struppi und wird zum Vater der Stilrichtung der „klaren Linie“ (Ligne claire). In Deutschland begeistern die Bildergeschichten von „Hanni, Fritz und Putzi“ (Fritz Lattke, Thüringer Allgemeine Zeitung 1933, ab 1934 in Buchform) und von Vater und Sohn (von Erich Ohser, e.o.plauen) die Zeitungsleser. Die erste deutschsprachige Micky Maus Zeitung wird zu Weihnachten 1936 vom Bollmann-Verlag, Zürich herausgegeben. Bis 1937 erscheinen alle 14 Tage 18 Hefte.
Im besetzten Europa sind mit Kriegseintritt der USA keine US-amerikanischen Comics mehr zu kaufen. Die Serie Flash Gordon wird darum von dem belgischen Opernsänger E. P. Jacobs weitergezeichnet, der nach dem Krieg mit Blake und Mortimer eine der klassischen Serien der frankobelgischen Comics zeichnet – in der Tradition der Ligne claire.
1950 bis 1960 In Europa beginnt die Blüte des Comics in Frankreich und Belgien. André Franquin übernimmt Spirou und Fantasio, den er zum Klassiker macht. Ende der fünfziger Jahre erscheinen die ersten Abenteuer von Asterix, die von René Goscinny getextet und von Albert Uderzo gezeichnet wurden. Aber auch Abenteuergeschichten werden veröffentlicht: Jijé zeichnet Western, Jean-Michel Charlier schreibt die Szenarien für eine Reihe von Abenteuer-Comics, die verschiedene Zeichner grafisch umsetzen.
In Comic-Zeitschriften für Jugendliche (Spirou, Tintin, Pilote) werden die Abenteuer in Fortsetzungen vorabgedruckt, bevor sie als Album erscheinen. In Deutschland erscheint im September 1951 die erste Ausgabe der Zeitschrift Micky Maus (bis 1955 monatlich, dazu Sonderhefte; 1956 und 1957 14-täglich, ab 1958 bis heute wöchentlich). Das erste deutsche Supermann -Heft 1950. 1953 startet Rolf Kauka mit Fix und Foxi das bedeutendste deutsche Comic-Heft für Kinder.
1960 bis 1970 In den sechziger Jahren wird der Comic zunehmend „erwachsen“. Mit Barbarella und Pravda erscheinen Comics, die sich gezielt an erwachsene Leser richten.
In Europa wird mit Leutnant Blueberry ein Western von Jean-Michel Charlier veröffentlicht, den Jean Giraud zeichnet. Giraud wird unter dem Pseudonym Moebius in den kommenden Jahren zu einem der Vorreiter der Avantgarde des Comics werden.
In den sechziger Jahren beginnen auch die ersten deutschen Verlage mit dem Abdruck französischer Comics: So kommen unter anderem Asterix und Lucky Luke, zu dem René Goscinny ebenfalls die Texte schreibt, nach Deutschland.
1970 bis 1980 In Frankreich gründet Jean Giraud mit ein paar Mitstreitern das avantgardistische Magazin Métal hurlant, nach dem in den 1960ern vor allem die Ligne claire in Magazinen wie Tintin Verbreitung fand.
In Deutschland besteht Nachholbedarf. Das Magazin Zack erlebt eine kurze Blüte und schöpft aus dem reichhaltigen Fundus der frankobelgischen Veröffentlichungen der vorangegangenen Jahre. Ebenso Yps, das sich 25 Jahre am Markt behaupten kann. Der Carlsen-Verlag bringt Tim und Struppi in Albenform heraus. Erste deutsche Underground-Magazine erscheinen.
1980 bis 1990 Während in Frankreich Newcomer neben Etablierten eine vielschichtige Comic-Kultur bilden – mit Auf der Suche nach dem Vogel der Zeit etabliert sich erstmals eine Fantasy-Serie –, erlebt Deutschland gegen Mitte des Jahrzehnts eine regelrechte Comic-Euphorie. Neben französischen Titeln schaffen es auch einheimische Autoren wie Brösel mit Werner, Gerhard Seyfried, Walter Moers und Ralf König zu beachtlichen Verkaufszahlen.
1990 bis 2000 In Europa haben im französischsprachigen Raum die Abenteuerserien aus der Feder von Jean Van Hamme (XIII, Largo Winch) die Oberhand. Daneben hat auch die Kinderreihe Titeuf großen Erfolg.
Die 1990er Jahre in Deutschland sind weniger von den Erfolgen heimischer Künstler geprägt als vom kommerziellen Auf und Ab der US-amerikanischen Superhelden. Während die französisch dominierte Albenszene zunehmend an Bedeutung verliert, erobern Verlage wie Dino und Splitter mit zahlreichen Heftreihen den Markt. Als der Modetrend sich wieder von den Superhelden abwendet, geraten einige Verleger in wirtschaftliche Not.
1998 bis 2005 Die internationale Comic-Szene schrumpft seit Mitte der 1990er Jahre immer weiter, was vor allem an einem Überangebot mit zu vielen Titeln aus zu vielen kleinen Verlagen liegt.
Gleichzeitig mit der Krise des westlichen Comics werden Manga ein großer Erfolg. Während es sie in anderen europäischen Ländern (vor allem in Frankreich und in Italien) bereits seit den 1980er-Jahren gibt, wird der deutschsprachige Markt erst Ende der 1990er Jahre durch Serien wie Sailor Moon und Dragon Ball endgültig für japanische Comics erschlossen.
Auf der anderen Seite findet das Internet als Verbreitungsmedium für Comics immer mehr Zuspruch. Webcomics wie User Friendly und Megatokyo verbuchen ständig steigende Zugriffszahlen.
Comic-Kultur regional Deutschland Deutschland vor 1945 Der deutsche Comic hat frühe Vorläufer. Im 19. Jahrhundert verfasste Wilhelm Busch Bildergeschichten, die in ihrer Verdichtung mehrerer Handlungen in einem Bild ein wesentliches Element des Comics etablierten. Etwa zeitgleich finden sich in der Satire-Zeitung Simplicissimus viele Karikaturen, die auch international hochgeschätzt wurden. Weitere Titel sind Kladderadatsch und Der wahre Jacob.
Anfang des 20. Jahrhunderts wurden extra deutsche Zeichner wie Rudolph Dirks und Lyonel Feininger von amerikanischen Zeitschriften für ihre Sonntagszeitungen verpflichtet und halfen so bei der Etablierung des Comic-Strips. Zwischen 1934 und 1937 erschienen die Bildergeschichten Vater und Sohn, die Erich Ohser unter dem Pseudonym „e.o. plauen“ veröffentlichte.
DDR Die Comic-Kultur in der DDR war im Vergleich zum Westen weniger vielfältig, aber fast durchweg hochwertig. Flaggschiff war die Zeitschrift Mosaik, in der Hannes Hegen ab 1955 die Abenteuer der Digedags schilderte, die 1975 als Hauptfiguren von den Abrafaxen abgelöst wurden. Die Comic-Zeitschrift Atze präsentierte abgeschlossene Kurzgeschichten mit politischem Inhalt, z. B. aus dem Alltag der DDR, der Geschichte der Arbeiterbewegung oder dem kommunistischen antifaschistischen Widerstandskampf. Populärer dürfte aber die gleichnamige Fortsetzungsgeschichte um die zwei Mäuse Fix und Fax gewesen sein, die sich am Ende jeder Atze-Nummer befand, ebenso wie die Serie Pats Reiseabenteuer, die über 20 Jahre im Atze veröffentlicht wurde.
BRD 1945 bis 1989 In der BRD entstanden während der 1950er- und 1960er-Jahre in Anlehnung an US-amerikanische Vorbilder Heldencomics für Kinder und Jugendliche wie Sigurd, der ritterliche Held, Falk, Ritter ohne Fehl und Tadel, Nick, der Weltraumfahrer und Tibor, Sohn des Dschungels (alle von Hansrudi Wäscher) sowie Akim (Augusto Pedrazza und Roberto Renzi), die trotz einer zeichnerisch eher zweifelhaften Qualität und des zunehmenden Widerstands von Pädagogen massenhaft gelesen wurden. Etwas anspruchsvoller war die zwischen 1950 und 1959 in der Quick veröffentlichte Serie Nick Knatterton, wobei es sich dabei eigentlich um illustrierte Detektivgeschichten handelte, und die ab 1953 25 Jahre lang in der Zeitschrift Stern erscheinende Fortsetzungsgeschichte Jimmy das Gummipferd. Bis zum Anfang der 1980er-Jahre blieben die deutschen Werke im Comicbereich aber weitgehend auf den Kindersektor beschränkt (z. B. Yps oder Rolf Kaukas Fix und Foxi). Die wenigen für Jugendliche geschaffenen Comics orientierten sich meistens an Trivialgeschichten, wie etwa Gespenster Geschichten (bei denen etwa Hajo F. Breuer als Autor gewirkt hat). Dirk Schulz, der auch als Illustrator für die SF-Serie Perry Rhodan tätig ist, schuf Indigo und Die Parasiten. In den 80ern entstanden teilweise politische Underground-Comics, die teils auch große Verleger fanden (Gerhard Seyfried).
Deutschland nach 1989 Seit den späten 1980ern blühten auch in Deutschland eine Kultur der anarchischen Comics auf, wie sie u. a. Brösel (Werner), Walter Moers (Kleines Arschloch), Ralf König (Der bewegte Mann), Jan Gulbransson, Ziska Riemann und später Fil (Didi & Stulle) schaffen. Ein- bis zweimal jährlich finden in Großstädten wie München Comictage statt. Die wichtigste und größte Veranstaltung in Deutschland ist der alle zwei Jahre stattfindende Comic-Salon in Erlangen.
Seit Mitte der 1990er Jahre ist eine kleine Gruppe deutschsprachiger Künstler aktiv, die die etablierte Formensprache des Genres hinterfragt und um eigene, radikale Entwürfe erweitert; darunter ATAK, M.S. Bastian, Martin tom Dieck, Anke Feuchtenberger, Hendrik Dorgathen, Thomas Ott und Henning Wagenbreth. Sie veröffentlichen regelmäßig im Strapazin.
In jüngster Zeit entstehen in Deutschland nach japanischem Vorbild sogar Comics im Manga-Stil (z. B. Dragic Master, Prussian Blue, Orcus Star etc.). Dennoch ist der deutschsprachige Comic-Markt nicht so umfangreich und absatzstark wie der in den meisten anderen europäischen Ländern. Comics machen in Deutschland nur drei Prozent aller Drucksachen aus. Dies mag daran liegen, dass Comics im deutschsprachigen Raum bis heute weder im künstlerischen noch im literarischen Bereich als eigenes Genre anerkannt werden. Oft werden sie den Kinderbüchern oder der „Schmuddelecke“ zugeordnet. Das Ansehen der Comics nimmt jedoch zu. Seit Beginn der 2000er Jahre bieten beispielsweise die beiden großen Buchmessen in Frankfurt und Leipzig Comic-Verlagen, Autoren und Zeichnern eine Präsentationsplattform – jeweils eine komplette Halle ist dem Thema „Comic“ gewidmet.
Zu den jüngeren Entdeckungen in der deutschen Comic-Szene gehören der Berliner Markus Mawil Witzel (Berg Hasi und seine Geschichten um Meister Lampe, Wir können ja Freunde bleiben, Die Band), der als Fil arbeitende Philip Tägert (Always Ultra 1–3, die Serie Didi & Stulle, Stups & Krümel, The Return of Ernst), Reinhard Kleist (Fucked, Steeplechase) sowie das Comicduo Katz & Goldt.
Wichtige deutsche Comic-Verlage, die Eigenproduktionen veröffentlichen, sind der Verlag Schwarzer Turm, Weissblech Comics, Gringo Comics, Zwerchfell, der Bleifuss-Verlag mit den „Einzig wahren Formel 1 Comic“ Magazinen, Reprodukt aus Berlin, und natürlich die Edition Panel. Nennenswert ist auch die Ideenschmiede Paul & Paul, die zwar vermehrt mit Illustration beschäftigt ist, aber dank ihres Künstlers Ralf Paul mit den Comicserien Helden und Der Morgenstern bekannt als DORN ein kleines Stück deutscher Comic-Geschichte geschrieben hat.
Sowohl amerikanische Lizenzausgaben von Marvel und DC als auch deutsche Autoren finden sich im Norbert Hethke Verlag. Er hat sich etwa der Verwaltung der Arbeiten Hansrudi Wäschers verschrieben. Andere Comicverlage, die hauptsächlich deutsche Lizenzversionen von fremdsprachlichen Comics veröffentlichen, sind beispielsweise der Panini Verlag, Ehapa, Carlsen Comics, Tokyopop und Schreiber & Leser.