Das Sturmtief Burglind zog am 2. und 3. Januar 2018 mit Orkanböen über Europa.Wann ist ein Sturm ein Orkan? Augsburger Allgemeine, 3. Januar 2018. Europaweit wurden mindestens 15 Menschen verletzt und mindestens drei Menschen getötet. Die versicherten Sachschäden in Europa betrugen 756 Millionen Euro.perils.org Die größten Waldschäden verursachte Burglind mit rund 1,3 Millionen Kubikmeter Fallholz in der Schweiz.polizei.news am 18. Januar 2018, abgerufen auf: polizei.news Am Rhein und seinen Nebenflüssen verstärkte sich durch die Regenmengen die schon vorher wegen der Schneeschmelze bestehende Hochwasserlage.

Meteorologie Eingelagert in eine starke sehr dynamische Westwindzone und in der Höhe gekoppelt an einen starken Jetstream (siehe Satellitenfilm) erreichte das Tief zunächst über Schottland mit einem Kerndruck von 966 hPa am 3. Januar seinen tiefsten Luftdruck. Die spezielle Konstellation führte in der Schweiz beim Auftreffen auf die Alpen zu ungewöhnlich starken Orkanböen im Flachland. Burglind bewirkte dann bei überdurchschnittlich hoher Temperatur für den Winter und gestiegener Schneefallgrenze von 600 auf über 2000 Metern zusammen mit dem nachfolgenden Randtief Christine und weiteren Regengebieten starke Niederschläge in den Alpen und deutschen Mittelgebirgen mit längeren trockenen Abschnitten. Ausgeprägter Regen östlich und westlich der Zentralschweiz, aber auch Neuschnee in den hochalpinen Höhenlagen und einige Schneefälle in vom Westwind geschützten inneralpinen Tallagen etwa in Obergoms und der Surselva waren die Folge.Bilanz ziehen, Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz, 5. Januar 2018.

Namensgebung Während im deutschsprachigen Raum der vom Institut für Meteorologie der Freien Universität Berlin vergebene Vorname der Namenspatin Burglind Gorn als Name für das Tiefdruckgebiet benutzt wurde, ist er im Rest Europas mit Eleanor bezeichnet worden. Diesen Namen hatte der Sturm im Rahmen der Namensvergabe für Winterstürme in Irland und im Vereinigten Königreich erhalten.

Auswirkungen in der Schweiz mini|links|Umgeworfener Zug in Lenk mini|Nach Wind und Regen: Hochwasser am 5. Januar 2018 im Hochrhein nahe der Schweiz Der Sturm mit starker Westströmung erreichte in der Schweiz die höchsten Windgeschwindigkeiten: Burglind war seit Lothar der stärkste Sturm. Auf dem Chasseral (1599 m) und auf dem Bantiger bei Bern (941 m) erreichte er auch im zehnminütigen Mittelwind Orkanstärke mit 117 km/h oder mehr.www.kachelmannwetter.ch, Werte 11 und 12 Uhr, abgerufen am 8. Januar 2017 auf: kachelmannwetter.com Der Sturm stellte in der Schweiz mehrere Windrekorde auf. Auf dem Pilatus wurden Spitzenböen mit 194 km/h gemessen. Das ist die höchste jemals dort gemessene Geschwindigkeit einer Windböe. Im Tierpark Arth Goldau erreichte eine Böe 226 km/h, das ist schweizweit einer der höchsten jemals im Flachland gemessene Werte. In den Stadtgebieten Thun, Luzern, Zürich oder Schaffhausen erreichten einzelne Böen Orkanstärke.Messwerte 10 bis 13 Uhr, abgerufen am 4. Januar 2018. Zwischen Zweisimmen und Lenk warf eine Orkanböe einen 20 Tonnen schweren Eisenbahnwaggon der Montreux-Berner-Oberland-Bahn in laufender Fahrt aus den Gleisen, so dass er umkippte. Dabei wurden acht Menschen verletzt. 20min, abgerufen am 4. Januar 2018 auf: http://www.derbund.newsnet.ch/bern/kanton/Eine-kurze-starke-Boee-und-der-Steuerwagen-kippte/story/30946398Flavio Razzino: Stürme gab es viele – so etwas noch nie! Blick vom 4. Januar 2018, abgerufen auf: https://www.blick.ch/news/schweiz/20-tonnen-zug-umgeblasen-mob-baehnler-staunt-ueber-gewalt-von-burglind-stuerme-gab-es-viele-so-etwas-noch-nie-id7801356.html Auf der A1 kippten drei große Lastwagen mit Anhänger und fünf Lieferwagen um, deshalb musste die Autobahn zeitweise gesperrt werden.. In: News › Vermischtes. 3. Januar 2018. Auf Bluewin.ch, abgerufen am 7. Mai 2022. Burglind hatte ein Tiefdruckgebiet im Schlepptau, das in den Folgetagen aufgrund der verbreiteten Regenfälle in den Schnee und der warmen Temperaturen zu zahlreichen Erdrutschen und Lawinen im Berner Oberland führte. Gemeinden wie Adelboden waren zeitweise abgeschnitten.Weltcuprennen in Adelboden sind in Gefahr. BZ Berner Oberländer, abgerufen am 4. Januar 2018. Im Berner Oberland wurden einige Gemeinden durch Hochwasser überflutet.

+ Tabelle 1: Waldschäden in der Schweiz durch Burglind Kanton Fallholz in KubikmeterBernFolgen des Sturms im Kanton Bern: Burglind schadet dem Wald deutlich weniger als Lothar, Amt für Wald des Kantons Bern (KAWA), abgerufen am 9. Januar 2018 auf: vol.be.ch 400.000 ZürichZeitschrift zueriwald.ch am 9. Januar 2018, berechnet aus dieser Quelle: zueriwald.ch 200.000 AargauWir sind mit einem blauen Auge davon gekommen, SRF Online, abgerufen am 9. Januar 2018 auf: srf.ch 150.000 SolothurnWir sind mit einem blauen Auge davon gekommen, SRF Online, abgerufen am 9. Januar 2018 auf: srf.ch 100.000 LuzernAmt für Landwirtschaft und Wald des Kantons Luzern: Sturm verursacht Waldschäden im ganzen Kantonsgebiet. Medienmitteilung vom 5. Januar 2018, abgerufen auf: lawa.lu.ch 50.000 Schwyz 25.000 SchaffhausenAmtsblatt des Kantons Schaffhausen am 12. Januar 2018, abgerufen auf: sh.ch 20.000 Zug 12.000 Zwischensumme 957.000 Schweiz alle Kantone 1.300.000

Die NZZ schrieb am 4. Januar, Burglind sei in der Schweiz „trotz einigen Schadensmeldungen und grösseren Störungen im Strassen- und Schienenverkehr“ relativ glimpflich verlaufen. Im Kanton Bern lag zum Beispiel der Gesamtschaden durch Burglind bei 30 Millionen Franken, bei Lothar waren es 150 Millionen.Sturmtief «Burglind» hinterlässt Schäden in der Höhe von 30 Millionen Franken, Simmentalzeitung Online vom 16. Januar 2018, abgerufen auf: simmentalzeitung.ch 40.000 Menschen waren zeitweise im Kanton Bern ohne Strom. Allerdings führte der Sturm an einzelnen Stellen im Flachland zu erheblich stärkeren Windböen, so dass lokal größere Schäden als bei Lothar entstanden. Durch Burglind fielen zum Beispiel 50 große Buchen im Tierpark Dählhölzli.Die Schäden sind grösser als beim Orkan Lothar, 20min Online-Ausgabe vom 4. Januar 2018, abgerufen auf: https://www.20min.ch/schweiz/bern/story/-Groessere-Schaeden-als-bei-Lothar--17844320 Größere Waldschäden gab es in den Kantonen Bern, Zürich, Solothurn und Aargau sowie in der Zentralschweiz. Radio Pilatus meldete: „Der Revierförster im Kanton Zug schätzt die Menge des Sturmholzes, also der umgestürzten und abgeknickten Bäume, auf etwa 12.000 Kubikmeter. Das entspricht 600 Lastwagen voller Bäume.“ Amtliche Mitteilung des Amtes für Wald und Wild des Kantons Zug am 5. Januar 2018: Sturmtief Burglind – Sturmholzschäden im Zuger Wald, abgerufen am 5. Januar auf: https://www.zg.ch/behoerden/direktion-des-innern/wald-und-wild/aktuell/sturmtief-burglind-sturmholzschaeden-im-zuger-waldGrosse Schäden wegen Sturm Burglind – Erste Schätzung aus den Kantonen Luzern und Zug, Meldung im Radio Pilatus, abgerufen am 5. Januar auf: https://www.radiopilatus.ch/artikel/149362/grosse-schaeden-wegen-sturm-burglindSturmholzmenge im Zuger Wald entspricht 600 beladenen Lastwagen, Luzerner Zeitung Online am 5. Januar 2018, abgerufen auf: luzernerzeitung.ch Im Kanton Schwyz gab es 20.000 bis 25.000 Kubikmeter Fallholz. Bei Lothar waren es 380.000 Kubikmeter. Dies „sei auf Pflegemassnahmen zurückzuführen, die die Schutzwirkung des Waldes verbessert hätten.“ (Luzerner Zeitung am 5. Januar 2018)Burglind kostet die Zentralschweiz einen zweistelligen Millionenbetrag, Luzerner Zeitung Online am 5. Januar 2018, abgerufen auf: luzernerzeitung.ch Zum Vergleich: Der Orkan Lothar verursachte 1999 in der gesamten Schweiz 13 Millionen Kubikmeter Fallholz.BAFU Bundesamt für Umwelt, abgerufen am 20. Januar 2018 auf: bafu.admin.ch Der versicherte Sachschaden für die Schweiz wird mit 121 Mio. SFR angegeben.

Auswirkungen in Deutschland In Nordrhein-Westfalen wurden Bäume entwurzelt, was zu Störungen im Bahnverkehr und blockierten Straßen führte.Unwetterwarnungen im Südwesten von NRW: Orkanböen entwurzeln Bäume, Straßen blockiert In Köln fuhren nur wenige Straßenbahnen wegen beschädigter Stromleitungen.Unwetter durch „Burglind“ Köln wappnet sich gegen drohende Überflutungen. Kölner Stadt-Anzeiger, 4. Januar 2018. Bei Volksdorf in Niedersachsen stürzte eine Windkraftanlage um.Windrad knickt ab in Schaumburger Nachrichten vom 3. Januar 2018.

Am Oberlauf des Rheins traten viele Nebenflüsse über die Ufer, in den Orten St. Blasien und Menzenschwand im Schwarzwald gab es massive Hochwasserschäden.Christiane Sahli und Sebastian Barthmes: Schäden nach Hochwasser in Menzenschwand größer als 1990. in Badische Zeitung Online, 5. Januar 2018, abgerufen auf: badische-zeitung.de In St. Blasien fielen durch Burglind 127 mm Regen innerhalb von 24 Stunden vom 3. bis zum 4. Januar. An zahlreichen anderen schneebedeckten Orten im Schwarzwald waren es mehr als 80 mm Regen.www.kachelmannwetter.com, 24 Stundenwert 4. Januar 2018, abgerufen auf: kachelmannwetter.com. Der relativ warme Regen führte so zu einer Schneeschmelze, die das Hochwasser noch verstärkte.

Das Sturmtief und die dadurch ausgelöste Schneeschmelze verursachte ein Winterhochwasser an Neckar, Lahn und Mosel.Nach Sturmtief Burglind: Städte rüsten sich für das Hochwasser, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 4. Januar 2018. Die Schifffahrt war stark betroffen, nach Neckar, Main und Mosel wurde durch das Rheinhochwasser am 5. Januar auch auf dem Oberrhein bei Karlsruhe der Schiffsverkehr eingestellt, was auch für Köln zu einem späteren Zeitpunkt erwartet wurde. Am 7. Januar wurde die kritische Hochwassermarke II (8,30 Meter) am Pegel Köln mit 8,42 Metern überschritten – mit langsam steigender Tendenz; der Transport entlang der Rheinschiene flussaufwärts muss nun auf andere weniger umweltfreundliche Verkehrsmittel umgeladen werden, die Binnenhäfen oberhalb von Köln werden nicht mehr erreicht. In Düsseldorf wird bei Rheinhochwasser die Düssel abgeschiebert, Gewässer die als Puffer und Zwischenspeicher dienen wie der Kaiserteich abgesenkt, eine "Stromleitwand" aufgebaut.Rhein – Pegel steigt in Düsseldorf wohl noch bis Dienstag, Rheinische Post Online, 7. Januar 2018.Kölner Pegel überschritten, steb-koeln.de, 7. Januar 2018. In Köln erreichte der Rhein am 8. Januar um 18 Uhr den höchsten Pegelstand mit 8,78 Meter.www.wetteronline.de, Wert abgerufen am 8. Januar 2018 auf: wetteronline.de

Am Oberlauf der Mosel und seinen Nebenflüssen sammelten sich die Regenmengen erst allmählich, in Saarbrücken wurde wegen des Hochwassers an der Saar die A620 für den Verkehr gesperrt. Seit dem Rheinhochwasser 1995 seien im Einzugsgebiet des Stroms bis 2015 rund zehn Milliarden Euro in Hochwasservorsorge mit Rückhalteräumen und Deichrückverlegungen investiert worden.Schifffahrt zum Teil eingestellt: Rhein-Hochwasser steigt weiter, ntv, 6. Januar 2018. Am 3. Januar erzeugten die Windkraftanlagen in Deutschland 1,1 Milliarden Kilowattstunden Strom. Diese Strommenge deckte 71,6 Prozent des Stromverbrauchs in Deutschland an diesem Tag.spiegel.de 2. Juli 2018: Mehr als 100 Milliarden Kilowattstunden Ökostrom produziert

Erste Schätzungen des versicherten Schadens reichten von 200 Mio. Euro der Versicherungsmathematiker von Meyerthole Siems Kohlruss (MSK)https://www.versicherungsmagazin.de/rubriken/branche/extremwetterereignisse-schwer-zu-prognostizieren-und-teuer-2051071.html; abgerufen am 26. Februar 2021 bis unter 500 Mio. Euro des Gesamtverbandes der Versicherungswirtschaft (GDV).Erste Schätzung nach Sturm „Burglind“ verursacht dreistelligen Millionenschaden, Berliner Zeitung Online, 5. Januar 2018, abgerufen auf: berliner-zeitung.de Die vorläufige Endzahl des GDV liegt bei 140 Mio. Euro.https://www.gdv.de/resource/blob/63612/9bf0708f9a0017e98b878078894c7e52/naturgefahrenreport-2020---serviceteil-data.pdf; abgerufen am 26. Februar 2021

Auswirkungen in Frankreich, Spanien und den Britischen Inseln mini|Am 3. Januar abgedecktes Dach in Frankreich