mini|320x450px|SpargelbündelÉdouard Manet, 188046 × 55 cmÖl auf LeinwandWallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Köln Das Spargelbündel, auch Ein Bund Spargel, Spargelbund, Spargel oder Spargel-Still-LebenFolgende Titel finden sich in der Literatur: Spargelbündel in Gert von der Osten: Manet, S. 7 und G. Tobias Natter, Julius H. Schoeps: Max Liebermann und die französischen Impressionisten, S. 216; Ein Bund Spargel in Sandra Orienti: Edouard Manet, S. 52; Spargelbund in Françoise Cachin, Charles S. Moffett, Juliet Wilson-Bareau: Manet, S. 451; Spargel in Emil Heilbut: Kunst und Künstler, S. 292, Spargel-Still-Leben in Iris Schäfer, Caroline von Saint-George, Katja Lewerentz: Impressionismus, S. 126. ( oder ),Une botte d’asperges ist als französischer Titel bei Natter/Schoeps angegeben, siehe G. Tobias Natter, Julius H. Schoeps: Max Liebermann und die französischen Impressionisten, S. 216; Asperges ist der Titel in der Manet-Ausstellung 1932 in Paris, siehe Paul Jamot: Manet, S. 60. ist ein 1880 in Öl auf Leinwand gemaltes Stillleben von Édouard Manet. Es hat eine Höhe von 46 cm und eine Breite von 55 cm. Dargestellt ist ein Bund Spargel auf grünem Blattwerk und weißer Unterlage vor dunklem Hintergrund. Das motivisch an niederländische Malerei des Barock erinnernde Bild gehört mit seiner impressionistischen Malweise zum Spätwerk Manets. Die Rezeptionsgeschichte ist für ein Stillleben ungewöhnlich umfangreich und vielfältig. Manets Spargelbündel diente dem Maler Carl Schuch als Vorbild für eigene Werke, es floss in das literarische Werk des Romanciers Marcel Proust ein, und der Konzeptkünstler Hans Haacke nutzte die Provenienz des Gemäldes, um den Weg eines impressionistischen Bildes aus Frankreich durch verschiedene jüdische Sammlungen aufzuzeigen, bevor es 1968 mit Spenden deutscher Unternehmen für die Sammlung des Wallraf-Richartz-Museums in Köln erworben wurde.

Bildbeschreibung Manets Spargelbündel zeigt ein Motiv in Anlehnung an die traditionelle Stilllebenmalerei. Im Bildzentrum liegt ein Bündel weißer Spargelstangen im hellen Licht. Der Blick geht von der Seite auf das Spargelbündel, dessen violette Spitzen zum rechten Bildrand ausgerichtet sind. Es wird durch zwei dünne Weidenruten zusammengehalten, die zum Transport des Gemüses dienten.Gert von der Osten: Manet, S. 7. Der Spargelbund liegt auf einer Unterlage aus grünen Blättern, die von der linken Seite bis zur rechten unteren Bildecke reichen. Manets Biograf Théodore Duret spricht dabei von einem „lit d’herbes vertes“ (Bett aus grünen Blättern).Théodore Duret: Histoire d’Édouard Manet et de son oeuvre, S. 261. Für den Kunsthistoriker Mikael Wivel präsentiert Manet den Spargel so, wie ein Gemüsehändler seine Ware zeigt.„The bunch lies there just as the greengrocer would have displayed it on his counter“ in Mikael Wivel: Manet, S. 140. Unten links und mittig am rechten Bildrand ist ein bläulich-weißer Untergrund zu sehen, bei dem es sich um eine TischdeckeGotthard Jedlicka spricht von einem „weißen, bläulich durchschimmerten Wachstuch“ und von einem „Tischtuch“ in Gotthard Jedlicka: Manet, S. 199. Danach bezeichnet er den Untergrund als „Tischdecke“ oder generell als „Küchentisch“ in Gotthard Jedlicka: Manet, S. 200. oder eine helle MarmorplatteJuliet Wilson-Bareau hat auf eine „Marmorfläche, die immer wieder in seinen späten Stilleben auftaucht“ hingewiesen, siehe Juliet Wilson-Bareau: Manet: Auf Anhieb malen, was man sieht in Brigitte Buberl: Cézanne, Manet, Schuch; drei Wege zur autonomen Kunst, S. 122. Solch ein Tisch ist beispielsweise in den Gemälden Rosen und Tulpen in einer Vase, Rosen in einer Glasvase und Der Fliederstrauß zu sehen. Von Manets Besucher George Moore ist überliefert, dass „a marble table on iron supports, such as one sees in cafe’s“ (ein Marmortisch mit Eisenfüßen, in der Art, wie man ihn in Caféhäusern sehen kann) in seinem Atelier stand, siehe George Moore: Modern painting, S. 31. handeln könnte. Auf diesem hellen Untergrund findet sich unten links die Signatur „Manet“. Die obere Bildhälfte nimmt ein schwarz-brauner Hintergrund ein, bei dem „die Farben samtig ineinander verwoben“ sind, wie der Autor Gotthard Jedlicka feststellt.Gotthard Jedlicka: Manet, S. 200.

In dieser Komposition fällt den grünen Blättern und den violetten Spargelspitzen die schwierige Aufgabe zu, die Spargelstangen kontrastreich vom Untergrund zu trennen, die beide in ähnlicher Farbgebung ausgeführt sind.Manuela B. Mena Marqués hat in Bezug auf das Gemälde mit der einzelnen Spargelstange darauf hingewiesen, wie schwierig es sei, den Spargel zu malen, wenn der Untergrund die gleiche Farbgebung hat: „Asparagus is perhaps the most difficult of all the studies he produced during those months; the yellowish white vegetable lies on a table of the same colour“. Englischsprachiger Katalogtext aus Manuela B. Mena Marqués: Manet en el Prado, S. 485. Gotthard Jedlicka sieht in den dunklen Weidenruten eine Verbindung zu den Farben des Hintergrundes. Für ihn ergibt sich darüber hinaus ein erster Eindruck, bei dem die Spargelstangen gelb und die Spitzen violett erscheinen. Bei genauerem Blick seien sie hingegen „mit einem unbeschreiblichen Reichtum von Farbtönen gemalt“. Bei den Spargelstangen sieht Jedlicka im Gelb weitere Farbnuancen wie blaue, weiße, rosige und violette Töne und bei den Spitzen erkennt er Rot, Blau, Grün, Gelb und weitere Farben, wobei jede Spitze individuell gemalt sei. Für Jedlicka reicht Manets Pinselstrich vom „breiten und pastosen Auftrag bis zur feinsten Zeichnung in Strichen und Tupfen“. Der Museumsdirektor Gert von der Osten hebt hervor, Manets Stillleben sei mit „genialer Treffsicherheit ganz offen impressionistisch gemalt“.

Manets Malweise bei diesem Bild wurde 2008 anlässlich der Ausstellung Impressionismus: Wie das Licht auf die Leinwand kam von Mitarbeitern des Kölner Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud eingehend untersucht. Bei der Betrachtung des Werkes im Durchlicht, bei der das Gemälde von hinten beleuchtet wird, konnte nachgewiesen werden, dass Manet die braune Farbe des Hintergrundes „altmeisterlich“ dünn auf die grau grundierte Leinwand aufgetragen hat. Er arbeitete dabei mit einem Flachpinsel und hat den Bereich der Spargelstangen ausgespart. Bei der Betrachtung des Gemäldes mit Hilfe eines Mikroskops wurde zudem die Malweise im Bereich des Spargels analysiert. Hier arbeitete Manet mit schmalem Pinsel und setzte die Striche nebeneinander und durchkreuzte sie. Im Gegensatz zur traditionellen Malerei vermischte er demnach die Farben nicht sorgfältig auf der Palette, sondern erst direkt auf der Leinwand. Der Eindruck der flüchtigen Malweise wird hierbei durch den teils pastosen Auftrag der Farbe noch verstärkt. Die „nass in nass vermalten Farben“ sind ein Zeichen dafür, dass Manet das Gemälde vermutlich innerhalb „einer einzigen Arbeitssitzung geschaffen“ hat.Iris Schäfer, Caroline von Saint-George, Katja Lewerentz: Impressionismus: Wie das Licht auf die Leinwand kam, S. 127.

Manets zweites Spargelbild mini|Édouard Manet: Der Spargel, 1880

Manets Spargelbündel ist eng verbunden mit einem weiteren Gemälde des Künstlers, dem Bild Der Spargel im Pariser Musée d’Orsay, auf dem eine einzelne Spargelstange zu sehen ist. Zur Entstehung der beiden Bilder ist eine anekdotische Geschichte überliefert. Hiernach sah der Kunstsammler Charles Ephrussi das Gemälde Spargelbündel 1880 in Manets Atelier und verabredete mit dem Maler den Kauf des Bildes für 800 Franc, sandte ihm großzügigerweise jedoch 1000 Franc. Manet malte daraufhin das kleinformatige Bild Der Spargel und schickte es an Ephrussi. Dem Bild fügte er die Notiz bei „Il en manquait une à votre botte“ („Es fehlt noch eine in Ihrem Bündel“).Gert von der Osten: Manet, S. 9.

Die beiden Bilder unterscheiden sich nicht nur in Motiv und Größe, sondern zudem in der Farbgebung und Ausführung. Während das Spargelbündel im altmeisterlichen Hell-Dunkel erscheint, wählte Manet bei der einzelnen Spargelstange eine für den Impressionismus typische helle Farbpalette. Ephrussi war der Letzte, der beide Spargelbilder Manets besaß. Bereits zu Lebzeiten gab er das Spargelbündel in den Kunsthandel, die Spargelstange erwarb nach seinem Tod 1905 die Kunsthandlung Bernheim-Jeune. Danach wurden die beiden Bilder nur selten gemeinsam ausgestellt. Hierzu gehören die Manetausstellungen 1989 in CharlottenlundMikael Wivel: Manet, S. 140. und 2003/2004 in Madrid.Manuela B. Mena Marqués: Manet en el Prado, S. 323. Zuletzt waren beide Bilder in Ausstellungen 2017–2018 in Washington, D.C.Eliza E. Rathbone: Renoir and friends, Luncheon of the boating party, S. 95 und 133. und 2019 in Chicago vereint.Das Kölner Spargelbild wurde nur zur Ausstellungsstation in Chicago verliehen. Siehe Allan Scott, Emily A. Beeny, Gloria Lynn Groom: Manet and modern beauty: the artist’s last years, S. 291.

Vorbilder Ein direktes Vorbild für Manets Spargelbündel ist nicht bekannt. Verschiedene Autoren sehen jedoch eine motivische Verwandtschaft zur niederländischen Stilllebenmalerei des Barock.Mena Marqués erinnert das Bild an Barockmalerei, siehe Manuela B. Mena Marqués: Manet en el Prado, S. 485; Françoise Cachin schreibt das Spargelbündel sei „ein wenig nach Art der niederländischen Stilleben des siebzehnten Jahrhunderts“, siehe Françoise Cachin, Charles S. Moffett, Juliet Wilson-Bareau: Manet, S. 451. So gibt es beispielsweise zusammengebundene Spargel in den aufwendigen Stilllebenkompositionen von Cornelis de Vos, Frans Snyders oder Jan van Kessel dem Älteren. Die größte Übereinstimmung des Motives – ein einzelnes Spargelbund auf einem Tisch vor dunklem Hintergrund – findet sich auf mehreren Bildern des niederländischen Malers Adriaen Coorte. Manet kannte zwar durch gelegentliche Reisen in die Heimat seiner Frau Suzanne einige Museen der Niederlande, aber Bilder von Coorte hatte er vermutlich nie gesehen.Das Gemälde Spargelbündel von Adriaen Coorte kam erst 1903, also 20 Jahre nach Manets Tod, in die Sammlung des Rijksmuseum Amsterdam. George Mauner vermerkt hierzu: „… the one by S. Adrian Coorte in the seventeeth century, which he had, in fact, never actually seen …“ George Mauner: Manet, the still-life paintings, S. 48; Gert van der Ostern hält die Frage offen und schreibt zu Coortes Stillleben: „… wenn Manet das frühere Werk gekannt haben sollte …“, Gert von der Osten: Manet, S. 11. Sicher kannte er hingegen die Stillleben seiner Zeitgenossen Philippe Rousseau und François Bonvin, die wiederholt Spargelbündel in ihren Gemälden zeigten.George Mauner verweist auf Spargelbilder der Zeitgenossen Manets. In George Mauner: Manet, S. 48. Zudem war ihm das Motiv eines Spargelbündels aus der direkten Umgebung vertraut. Die Familie Manet hatte Landbesitz in Gennevilliers, das wie das benachbarte Argenteuil eine bekannte Spargelanbaugegend war. Spargel gehörte daher wahrscheinlich zu den im Hause Manet servierten Speisen und das Gemälde Spargelbündel entstand vermutlich während der Spargelsaison im April oder Mai 1880.Mena Marqués vermutet den Entstehungszeitraum April oder Mai, siehe Manuela B. Mena Marqués: Manet en el Prado, S. 485

Manets Stillleben