mini|Illustrierte Werbeanzeige von 1910 der Deutsche Mutoskop- und Biograph-Gesellschaft m.b.H.
mini|Plakat zum Stummfilm Pro Domo nach einer Novelle von Karl Federn; unten links der Hinweis „Biograph Berlin W.8, darüber in einem Kreis die Buchstaben ‚DB‘ als Markenzeichen [... der] Deutsche Mutoskop- und Biograph GmbH“; 1919; Entwurf: Erich Ludwig Stahl und Otto Arpke (Stahl Arpke)
Die Deutsche Mutoskop- und Biograph GmbH, Markenzeichen DB in einem Kreis, war eine deutsche Filmgesellschaft,Anett Sawall (AS): , PDF-Dokument zum Ausstellungs-Katalog zur Sammlung von Filmplakaten mit Brandspuren auf der Seite der Stiftung Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen [ohne Datum], zuletzt abgerufen am 20. Juni 2022 die zwischen 1898 und 1924 mehrere hundert Filme verlieh bzw. produzierte.
Geschichte Die Firma, zumeist kurz Deutsche Mutoskop genannt, wurde am 14. März 1898 von Curt Harzer als deutsche Tochtergesellschaft der US-Muttergesellschaft International Mutoscope and Biograph Syndicate ursprünglich deshalb gegründet, um amerikanische Mutoscope-Lizenzen in Deutschland zu verkaufen. Für diese Tätigkeit musste der deutsche Ableger eine jährliche Abgabe an den US-Mutterkonzern leisten, arbeitete aber ansonsten auf eigene Verantwortung. Im Januar 1906 wurde die Firma von der Deutschen Automaten-Gesellschaft Hartwig & Vogel, die in Dresden die Schokoladenfabrik Stollwerck führten, übernommen. Anfänglich (1906/07) konzentrierte sich die Deutsche Mutoskop- und Biograph GmbH auf den Verkauf kinematographischer Mutoskop-Vorführgeräte. Kurz darauf begann die Firma mit der Herstellung eigener, kurzer Filme, die bis 1910 überwiegend dokumentarischen und Aktualitäten-Charakter besaßen. Mit Beginn der 1910er Jahre verlegte sich die Deutsche Mutoskop- und Biograph mehr und mehr auf die Filmherstellung, blieb aber bis 1919 auch weiterhin im Verleihgeschäft aktiv. In Berlin-Lankwitz in der Zietenstraße 10 entstand das erste eigene, große Filmatelier, eine etwa 700 m2 große Glashalle auf einem mehrgeschossigen Unterbau.
Unter geschäftlicher wie künstlerischer Leitung des seit Januar 1911 bestallten Generaldirektors Paul von Woringen drehte im Mutoskop-Atelier beispielsweise Gerhard Dammann, einer der Berliner Filmkomiker der Frühzeit, 1911 seine ersten Humoresken. 1912 begann die Mutoskop mit der Herstellung deutlich ambitionierterer Stoffe, darunter mehrere national-patriotische Stoffe und Literaturadaptionen. Franz Porten inszenierte, kurz nach dem von Woringen produzierten Theodor-Körner-Film, den Historiendreiteiler Der Film von der Königin Luise. Im Jahr darauf folgten die nationalistischen Gesinnungsstücke Das Blutgeld und Aus Deutschlands Ruhmestagen 1870/71, die einen ähnlichen Tenor besaßen, aber auch mehrere Literaturverfilmungen mit Friedrich Fehér als Regisseur: Emilia Galotti sowie Die Räuber, Kabale und Liebe und Die Befreiung der Schweiz und die Sage vom Wilhelm Tell. Seit dem Ersten Weltkrieg war Lotte Neumann der weibliche Hausstar der Firma, unter den Männern wurde besonders Erich Kaiser-Titz mehrfach als Hauptdarsteller besetzt. Keiner dieser Filme besitzt künstlerisch überragende Bedeutung.
Im Lauf der ausgehenden 1910er Jahre verlor die Berlin-Lankwitzer Firma mehr und mehr an Bedeutung, zumal mit dem Entstehen der UFA 1917 eine übergroße Konkurrenz entstanden war. Die kontinuierliche Mutoskop-Filmproduktion endete schließlich zum Jahresbeginn 1921, einhergehend mit von Woringens Ausscheiden aus der Firma. Danach entstand nur noch bis 1923/24 der eine oder andere Mutoskop-Film. Nachdem das Atelier vorübergehend weitgehend ungenutzt geblieben war, ging es 1922 in den Besitz der Muto-Großatelier für Filmherstellung GmbH über, einer Gemeinschaftsfirma von Flora-Film GmbH, Deutsche Mutoskop- und Biograph GmbH, Fern Andra Film-Atelier Georg Bluen & Co. und Lixie Film-Atelier Weißensee GmbH.
Mutoskop-Filme (Auswahl) 1900: Einzug Kaiser Franz Josephs in Berlin 1900: Küstenpanzer Odin im Gefecht 1901: Trauerconduct der Kaiserin Friedrich 1902: Kronprinz Wilhelm eröffnet die Düsseldorfer Ausstellung 1904: Der Raubmord im Spandauer Schifffahrtskanal bei Berlin 1906: Das Schulschiff „Großherzogin Elisabeth“ in Swinemünde 1907: Bad Halensee 1907: Kinderschlacht 1908: Nordseebad Borkum 1908: Rund um Berlin 1909: Aus stiller Liebe 1909: Osterglocken 1910: Die Schiffbrüchige 1910: Liebeszauber 1910: Soldatenliebe 1910: Pflicht und Liebe 1911: Der Streikbrecher 1911: Die Glocken von Notre Dame 1911: Der kleine Held 1911: Gustav Wasa 1912: Der Fremde 1912: Die Puppe 1912: Theodor Körner 1912: Der Film von der Königin Luise 1913: Das Auge des Buddha 1913: Aus Deutschlands Ruhmestagen 1870/71 1913: Die Landstraße 1913: Das Blutgeld 1913: Die Räuber 1913: Emilia Galotti 1913: Die Befreiung der Schweiz und die Sage vom Wilhelm Tell 1914: Das blaue Zimmer 1914: Die Macht des Gewissens 1914: Um Mitternacht 1914: Deutsche Frauen 1914: In Feindesland 1915: Sonne und Schatten 1915: Schloss Tamare 1915: Der rote Faden 1915: Der eiserne Ring 1915: § 14 BGB 1916: Die Andere 1916: Du sollst nicht richten 1916: Nacht und Morgen 1916: Artur Imhoff 1917: Das Licht in der Nacht 1917: Indizien 1917: Im Stillen Ozean 1917: Das Siegel 1918: Der Prozeß Hauers 1918: Die einsame Frau 1918: Die Stunde der Vergeltung 1918: Die lachende Maske 1919: Hotel Medusa 1919: Der unsichtbare Gast 1919: Herzensopfer 1919: Das Rätsel der Unbekannten 1919: Bergblumen 1920: Sybill Morgan 1920: Die Siegerin 1920: Ihr Recht 1920: In nächtlicher Stunde 1920: Der Triumph des Todes 1921: Der kurzsichtige Mitgiftjäger 1922: Die Finsternis und ihr Eigentum 1923: Zwischen Abend und Morgen 1924: Im Schatten der Anderen
Weblinks
Firmengeschichte auf cinegraph.de Firmengeschichte auf Encyclopedia of Early Cinema, S. 181 ff. DMB Deutsche Mutoskop- und Biograph GmbH auf IMDb
Einzelnachweise
Kategorie:Filmgesellschaft (Deutschland) Kategorie:Film (Deutsches Kaiserreich) Kategorie:Unternehmen (Berlin) Kategorie:Film (Weimarer Republik) Kategorie:Unternehmensgründung 1898 Kategorie:Aufgelöst 1924 Kategorie:Unternehmen (Deutsches Kaiserreich) Kategorie:Unternehmen (Weimarer Republik)