A Beautiful Day (Originaltitel: You Were Never Really Here) ist ein Melodram von Lynne Ramsay, das am 27. Mai 2017 im Rahmen der Filmfestspiele in Cannes seine Premiere feierte. Der Film mit Joaquin Phoenix basiert auf dem gleichnamigen Roman von Jonathan Ames aus dem Jahr 2013. Der deutsche Kinostart erfolgte am 26. April 2018.

Handlung Der abgehalfterte Kriegsveteran Joe hat es sich zur Aufgabe gemacht, Frauen zu retten, die kriminellem Sexhandel zum Opfer gefallen sind, und Kinderschänder zu töten. Nach getaner Arbeit und nachdem er nicht nur den Tatort gereinigt hat, sondern auch seinen Hammer, sein bevorzugtes Mordwerkzeug, spricht er seinem Auftraggeber John McCleary auf den Anrufbeantworter, dass der Job erledigt sei. Seine Bezahlung erhält er von Mittelsmännern, so von Angel, der in seiner Heimatstadt einen kleinen Supermarkt betreibt. Joe lebt mit seiner an Demenz erkrankten Mutter zusammen in einem Außenbezirk von New York City; sie sorgt dafür, dass er auch zu Hause jede Menge zu putzen hat.

Joes Körper ist von Narben übersät. Erfahrungen aus seiner Kindheit und aus Kriegseinsätzen scheinen auch auf seiner Seele Narben hinterlassen zu haben. Regelmäßig zieht sich Joe eine Plastiktüte über den Kopf, was ihn fast das Bewusstsein verlieren und die Erinnerungen an die Worte seines Vaters weniger real erscheinen lässt. Wenn sich Joe in der Öffentlichkeit bewegt, hat er immer wieder Flashbacks, die insbesondere durch die Gesichter von Menschen ausgelöst werden.

McCleary bestellt Joe wegen einer dringenden Angelegenheit in sein Büro. Bei seinem nächsten Job gehe es darum, die Tochter des Senators Votto zurück nach Hause zu bringen, der sich in der Sache jedoch nicht an die Polizei wenden kann, weil er sich mitten in einem Wahlkampf befindet. Von ihrem Vater erfährt Joe, dass die Minderjährige nach einem Ausflug am Wochenende nicht zurückgekehrt ist und in welchem Etablissement er sie vermutet. Der Senator will, dass die Männer leiden, die Nina gefangen halten.

Joe begibt sich in einen Baumarkt und besorgt sich einen neuen Hammer. Er observiert das Bordell in Manhattan, in dem er Nina vermutet. Er verschafft sich Zugang zu dem Haus, erschlägt jeden, der sich ihm in den Weg stellt und findet Nina, die halb betäubt auf einem Bett liegt. Er trägt das Mädchen aus dem Haus und fährt mit ihr in ein einfaches Hotel. Dort erfahren sie im Fernsehen vom Suizid des Senators. Plötzlich stürmen Polizisten in ihr Zimmer. Der eine von ihnen nimmt Nina mit, den anderen kann Joe in einem Zweikampf töten. Als er McCleary von Ninas erneuter Entführung erzählen will, dieser jedoch nicht ans Telefon geht, sucht er dessen Büro auf. McCleary ist tot. Zu Hause findet er auch seine Mutter erschossen im Bett liegend vor. Die Mörder befinden sich noch im Haus. Einen erschießt Joe sofort, der andere schleppt sich angeschossen durch die Wohnung. Joe fragt ihn, warum der Senator sterben musste, worauf dieser ihm antwortet „...weil er aus allem raus wollte“. Auf die Frage nach Ninas Aufenthaltsort bekommt er die Antwort „Williams“. Dabei handelt es sich um Gouverneur Williams, dessen Parteigänger Votto war. Nina sei Williams Favoritin und „sie tauschen die Mädchen“.

Joe fährt mit der Leiche seiner Mutter zu einem an einem Wald gelegenen See. Er hat nicht nur den Plastiksack, in dem sich ihr Körper befindet, mit Steinen beschwert, sondern sich einige davon auch in die Taschen seines Anzugs gesteckt. Er trägt seine Mutter in den See und versinkt gemeinsam mit ihr. Als Joe plötzlich das Bild von Nina in den Kopf kommt, nimmt er die Steine aus seinen Taschen und taucht wieder auf. Er observiert Gouverneur Williams, folgt dessen Limousine und richtet auf dessen Anwesen ein weiteres Blutbad an. Williams selbst findet er jedoch bereits tot im Haus vor. Nina hat ihm mit einem Rasiermesser die Kehle aufgeschlitzt. Joe fühlt sich als Versager.

Joe und Nina gehen in einen Diner. Beide wissen nicht, wohin sie nun sollen. Joe schläft kurz ein und träumt, dass er sich mit einem Kopfschuss umbringt. Das Mädchen weiß nur, dass es raus will und erinnert ihren Retter daran, dass draußen so ein wunderschöner Tag sei.

Produktion

Regie führte die schottische Regisseurin Lynne Ramsay, die auch den Roman von Jonathan Ames als Drehbuch adaptierte. Joaquin Phoenix ist in der Hauptrolle als Joe zu sehen. In Rückblenden wird dieser von Dante Pereira-Olson verkörpert. Die Rolle seiner Mutter übernahm Judith Roberts. John Doman spielt Joes Auftraggeber John McCleary. Die Nachwuchsschauspielerin Ekaterina Samsonov übernahm die Rolle von Nina, die Joe aus dem Bordell befreit.

Die deutsche Synchronisation entstand nach einem Dialogbuch und der Dialogregie von Christian Schneider im Auftrag der Interopa Film GmbH, Berlin. Tobias Kluckert leiht in der deutschen Fassung Joe seine Stimme, Luise Lunow seiner Mutter. Sein Auftraggeber John McCleary wird von Eberhard Haar synchronisiert, die verschwundene Nina von Emily Gilbert und ihr Vater Senator Albert Votto von Matthias Deutelmoser.

Die Dreharbeiten fanden an 29 Drehtagen im September 2016 im New Yorker Stadtteil Brooklyn und damit am Handlungsort des Films statt.Zack Sharf: Lynne Ramsay: ‘I Found My Soulmate in Making Movies’ With Joaquin Phoenix. In: indiewire.com, 23. Februar 2018.James Mottram: Scots filmmaker Lynne Ramsey lays into Netflix as she premiers her new movie at Cannes Film Festival. In: The Herald, 28. Mai 2017.Jonathan Romney: Interview: Lynne Ramsay. In: filmcomment.com, 5. März 2018 (englisch). Als Kameramann fungierte Thomas Townend.

mini|Die Filmmusik wurde von Jonny Greenwood, einem Mitglied der Rockband Radiohead, komponiert Die Filmmusik wurde von Jonny Greenwood komponiert. Er hatte mit Ramsay bereits für den Film We Need to Talk About Kevin zusammengearbeitet und bezeichnet sich selbst als ein großer Fan der Regisseurin. Die Streicher vom London Contemporary Orchestra waren für die Aufnahme in das Studio seiner Band Radiohead gekommen und hatten hierbei gezeigt, dass ihre Instrumente nicht nur sanft, sondern auch sehr brutal gespielt werden können, so der Filmkomponist. Besonders stolz sei er auf das musikalische Thema Tree gewesen, so Greenwood in einem Interview mit Leonie Cooper von NME, das im Film in der Szene am See verwendet wird und ein weiteres Mal im Abspann zu hören ist.Leonie Cooper: Radiohead’s Jonny Greenwood on scoring the brutal ‘You Were Never Really Here’. In: nme.com, 6. März 2018. Der Soundtrack zum Film umfasst 14 Musikstücke und wurde am 9. März 2018 in den USA von Lakeshore Records und Übersee von Invada Records digital und später auch in physischer Form veröffentlicht.‘You Were Never Really Here‘ Soundtrack Details. In: filmmusicreporter.com, 26. Februar 2018. Eine Woche zuvor hatte Greenwood das Stück Dark Streets veröffentlicht.Randall Colburn: Jonny Greenwood shares “Dark Streets” from You Were Never Really Here score: Stream. In: consequence.net, 2. März 2018 (englisch). Am 16. März 2018 stieg der Soundtrack auf Platz 47 in die Soundtrack Albums Chart Top 50 ein.

Zu den weiteren im Film verwendeten Musikstücken, die nicht auf dem Soundtrack enthalten sind, gehören unter anderem The Air That I Breathe von Albert Hammond und After the Lovin’ von Engelbert. Zudem wird das von Bernard Herrmann komponierte Thema aus dem Film Psycho angespielt.Soundtrack: A Beautiful Day. 18. April 2018. Außerdem singt Joe mit seiner Mutter eine mnemonische Version des Alphabets und später mit ihrem Mörder I've Never Been to Me von Charlene.

Der Film feierte am 27. Mai 2017 im Rahmen der Filmfestspiele in Cannes seine Premiere. Er war als unfertiger Film eingereicht und wurde nur wenige Tage vor seiner Premiere fertiggestellt. Auch wenn es heißt, der Film sei nicht rechtzeitig für Cannes fertig geworden, erklärte Ramsay, bei der dort gezeigten Version habe es sich um die letzte Schnittfassung gehandelt.A Beautiful Day. In: IMDb. Im Oktober 2017 erfolgte eine Vorstellung beim London Film Festival. Ab 19. Januar 2018 wurde der Film im Rahmen des Sundance Film Festivals gezeigt. 30. Dezember 2017, abgerufen am 7. April 2024 (englisch). In Deutschland wurde der Film im Januar 2018 erstmals im Rahmen der Fantasy Film Fest White Nights des Fantasy Filmfests gezeigt. Im April 2018 erfolgte eine Vorstellung beim Lichter Filmfest.A Beautiful Day (You Were Never Really Here). In: lichter-filmfest.de. Abgerufen am 26. April 2018. Anfang April 2018 kam der Film auch in die US-Kinos. Ein Kinostart in Deutschland erfolgte am 26. April 2018.Starttermine Deutschland. In: insidekino.com. Abgerufen am 5. Januar 2018. Im August 2018 soll der Film beim Melbourne International Film Festival gezeigt werden.You Were Never Really Here. In: miff.com.au. Abgerufen am 20. Juni 2018.

Rezeption Altersfreigabe und Kritiken In den USA erhielt der Film von der MPAA ein R-Rating, was einer Freigabe ab 17 Jahren entspricht.You were Never Really Here In: parentpreviews.com. Abgerufen am 11. April 2018. In Deutschland erhielt der Film eine Freigabe ab 16 Jahren. In der Freigabebegründung heißt es: „Es gibt mehrere Gewalt- und Tötungsszenen, aber die Gewalt wird nie ausgespielt oder verherrlicht – oft findet sie sogar außerhalb des Bildes statt. Jugendliche ab 16 Jahren haben keine Probleme, diese Szenen zu verarbeiten. Sie können auch der Geschichte problemlos folgen und die moralisch ambivalente Hauptfigur angemessen kritisch einordnen.“Freigabebegründung für A Beautiful Day In: Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft. Abgerufen am 26. April 2018.

Auf Rotten Tomatoes überzeugte der Mystery-Thriller 89 Prozent der Kritiker (bei 288 Reviews), wobei insbesondere die Performance des Hauptdarstellers oft positiv hervorgehoben wurde. Im Konsens heißt dort außerdem, mit dem Film werde Lynne Ramsay als eine der einzigartigsten und kompromisslosesten Stimmen des modernen Kinos bestätigt.

Stefan Stosch von der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung meint, Ramsey reduziere die Handlung auf das nötige Minimum und erzähle in ihrem Film die Geschichte eines Mannes, der an der Brutalität und dem Wahnsinn der Welt beinahe erstickt und sich nach einem letzten Rest Unschuld sehnt, die er längst verloren hat. Stosch bemerkt weiter, es habe schon einige ähnliche Exemplare in der Kinogeschichte gegeben, die es zu großer Berühmtheit gebracht haben, so der von Robert De Niro in Taxi Driver gespielte Travis Bickle, der die jugendliche Prostituierte Iris, gespielt von Jodie Foster, rettet, aber auch Jean Reno als Léon – Der Profi, der sich der misshandelten Mathilda, gespielt von Natalie Portman, annimmt. In A Beautiful Day spüre man jedoch auch den Schmerz, den Joe mit sich herumträgt, so Stosch: „Mag sein, dass Joe Kinder aus den Fängen des Bösen retten kann. Ihn selbst kann niemand erlösen.“Stefan Stosch: In: Hannoversche Allgemeine Zeitung, 25. April 2018.

Till Kadritzke sagt: „Ramsey fragmentiert, will uns an die Nerven, mit Detailaufnahmen von scheinbar bedeutsamen Dingen eher irritieren als ernsthaft puzzlen. Und mit Gewalt verstören, natürlich, aber es ist eine Gewalt, der niemals affektive Autorität zugestanden wird.“You Were Never Really Here - Kritik In: critic.de. Abgerufen am 31. Dezember 2017.

Kris Tapley von Variety brachte You Were Never Really Here frühzeitig als möglichen Kandidaten in der Kategorie Bester Film bei der anstehenden Oscarverleihung ins Gespräch. Ramsay habe den gemeinsten Film des Jahres gedreht, und die Leistung von Joaquin Phoenix sei herausragend, der als Schauspieler ebenfalls ein möglicher Kandidat sei. Auch den Filmschnitt hält Tapley für Oscar-würdig.

Auszeichnungen (Auswahl) mini|hochkant=1|Joaquin Phoenix, hier bei der Premiere des Films in Cannes, übernahm die Hauptrolle von Joe British Academy Film Awards 2019 Nominierung als Bester britischer Film (Lynne Ramsay, Rosa Attab, Pascal Caucheteux und James Wilson)

British Independent Film Awards 2018 Nominierung als Bester britischer Independent-Film