Das Stift Viktring ist ein ehemaliges Kloster der Zisterzienser (OCist) im Stadtteil Viktring in der Stadtgemeinde Klagenfurt am Wörthersee in Kärnten. Die Stiftskirche ist eine Filialkirche der Pfarrkirche Viktring-Stein im Dekanat Klagenfurt-Stadt in der Diözese Gurk-Klagenfurt.
Geschichte Stift Viktring wurde im Jahr 1142 von Mönchen des Zisterzienser-Ordens aus dem Kloster Villers-Bettnach gegründet. Dies wurde möglich durch eine Schenkung des Grafen Bernhard von Spanheim und dessen Ehefrau Kunigunde. Der Name der Gründung leitet sich entweder von Victoria (Sieg) oder dem Ortsnamen Vitrin ab.Leopold Janauschek: Originum Cisterciensium Tomus Primus, Wien 1877, S. 68.
Am 20. April 1142, einem Ostermontag, brach die für Viktring ausgewählte Mönchskolonie von ihrem Kloster Weiler-Betnach auf.Otto Reisinger: Aus Viktrings Vergangenheit. Herausgegeben von der Gemeinde Viktring, 1972. Im darauffolgenden Jahr wurde am 13. Mai Eberhard als erster Abt des Stiftes eingesetzt. 60 Jahre danach konnte Erzbischof Eberhard II. im Jahr 1202 die Klosterkirche weihen. Um das Jahr 1220 kaufte das Kloster Viktring in Marburg an der Drau ein Haus. Die Ankäufe des Klosters vermehrten sich, so dass Kloster Viktring zu einem der größten städtischen Grundbesitzer wurde. 1488 gehörten dem Kloster 28 Häuser in der Stadt und Weingärten in der Untersteiermark. Im 18. Jahrhundert erfolgte eine großzügige Barockisierung des Stifts. Das Deckenfresko in der ehemaligen Bibliothek von Johann Gfall (um 1765) zeigt eine allegorische Darstellung des Glaubens mit den Heiligen Benedikt und Bernhard. In den Lünetten des Stichkappengewölbes sind die Apostel, Evangelisten und Kirchenväter dargestellt.
mini|Die Gartenanlagen des ehemaligen Stift Viktring im Jahre 1789 Im Zuge der josephinischen Klosterschließungen wurde Viktring am 19. Mai 1786 aufgehoben und die Mönche am 1. August 1786 ausgesiedelt. Am 10. November 1788 ersteigerten die Brüder Johann und Christoph Moro einen Teil des Klostereigentums und etablierten dort eine Tuchfabrik. Ab 1897 gehörte das gesamte Stift der Familie Moro. 1925 verkaufte Adeline von Botka, das letzte Mitglied der Familie Moro, die Tuchfabrik „Gebrüder Moro“ an Baron Josef Aichelburg-Zosenegg. Es folgten diverse kurzfristige industrielle Nutzungen des Stiftes. 1970 kam es in den Besitz der Republik Österreich. In den Gebäuden des Stifts wurde 1977 ein Gymnasium eingerichtet. Die damalige Expositur des 2. Bundesgymnasiums in Klagenfurt bezog die Räumlichkeiten. 1980 wurde das Gymnasium Viktring als „Realgymnasium unter besonderer Berücksichtigung der musischen Ausbildung“ eigenständig. Am 23. September 1999 fand die offizielle Schuleröffnung des BRG Klagenfurt-Viktring statt.
Stiftskirche mini|West-Ansicht der Stiftskirche mini|Ost-Ansicht der Stiftskirche mini|Südtrakt des ehemaligen Stiftes
Die Kirche vom zisterziensischen Bautyp wurde 1202 eingeweiht. In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts wurde der Altarraum um einen gotischen Chor erweitert, die Kirche erhielt einen massiven Turm und im Anschluss an das nördliche Querschiff die Bernhardkapelle. 1843 wurde die westliche Kirchenhälfte mit fünf Langhausjochen abgetragen und die heutige klassizistische Fassade errichtet. Die Stiftskirche und die ehemalige Prälatur sind heute im Besitz der Pfarre Stift Viktring. In der Bernhardkapelle wurden 1991 in den Feldern des Netzrippengewölbes Fresken aus dem 15. Jahrhundert entdeckt. Diese wurden bis 2001 freigelegt und dann schließlich restauriert. Seit 1992 besitzt die Kirche ein Fastentuch.
Äbteverzeichnis des Zisterzienserklosters Viktring Es nennt von 1143 bis zur Schließung der Niederlassung im Jahr 1786 insgesamt über 50 Väter der Mönche.Anton Kreuzer: Viktring und seine Umgebung. Der XIII. Stadtbezirk. Kreuzer-Buch, Klagenfurt 2010. Für das Mittelalter hat es Magda Roscher zusammengestellt. In der Frühzeit des Klosters bekleideten sie diese Funktion durch die niedrige Lebenserwartung oft nur wenige Jahre.
Eberhard 1143 – 1157. Er trug die Verantwortung für die kleine, wahrscheinlich aus 13 Personen bestehende Mönchsgemeinschaft durch 14 Jahre. Seine Einsetzung erfolgte ein Jahr nach der Besitznahme von Viktring. Eberhard scheint in Urkunden wiederholt als Zeuge auf. Gottfried 1157 – 1163. In Urkunden nicht nachweisbar. Konrad I. 1163 – 1170. In Urkunden nicht nachweisbar. Meinhard 1171 – 1175 (gest. 1183) Ludwig 1175 – 1191 Berthold 1192 – 1194 Balduin 1194 – 1200 Konrad II. 1202 – 1211 Heinrich I. 1213 – 1215 Nikolaus I. 1215 – 1217 Konrad III. 1217 – 1224 Thomas 1224 – 1226 Johann I. Sein Name erscheint nur in einer Urkunde von 1235. Arnold 1236 – 1238 (gest. 1244) Herbrand 1239 – 1246 (Rücktritt). Stirbt 1252. Heinrich II. 1247 – 1249 Friedrich 1251 – 1256 Jakob I. 1257 – 1260 Ägidius 1260 – 1270 Albert I. 1270 – 1280 Jakob II. 1280 – 1281 Albert II. 1286 – 1290 Nikolaus II. 1293 – 1303 Simon 1303 – 1309 Johann II. 1312 – 1347. Er befand sich als Mönch seit 1307 nachweislich im Kloster. Im Dezember 1312 urkundete er bereits als Abt. Er stand dem Kloster 33 Jahre, 8 Monate und 26 Tage lang vor. In Klagenfurt besitzt das Kloster schon mehrere Häuser. Nikolaus III. 1347 – 1390. Er ist erst ab 1347 nachweisbar Abt. Da er dem Kloster über vier Jahrzehnte vorsteht, muss er schon in verhältnismäßig sehr jungen Jahren zur Abtwürde gelangt sein. Johann III. 1391 – 1413 Andreas 1413 – 1423 Johann IV. 1423 – 1425. Urkundlich nicht nachweisbar. Christian 1425 – 1428 Johann V. 1429 – 1448 mini|hochkant|Figurengrabstein von Abt Gerhard II. im Baptisterium der Bernhardkapelle mini|hochkant|Wappenstein des Abtes Georg II. Reinprecht, Abt von 1608 bis 1643
Gerhard II. 1448 – 1467. Sein Figurengrabstein in der Bernhardkapelle ist erhalten. Mathäus I. 1467 – 1481 Johann VI. 1482 – 1501. Er lässt 1488 den gesamten Klosterbesitz auf der Grundlage eines älteren Urbars in ein neues übertragen. Mehr als 50 Huben konnten nicht mehr eruiert werden. Noch immer kehrt der Friede nicht ein, eine Visitation jagt die andere, es gibt einen zweiten Abt, doch schließlich vermag sich Abt Johann doch zu behaupten. Wahrscheinlich resignierte er zugunsten von Lang. Matthäus Lang von Wellenburg 1502 – 1523/24. Die Rivalitäten führten zur Einsetzung eines ordensfremden kaiserlichen Günstlings in Viktring. Lang bringt die Wirtschaft wieder in Gang. Polydor de Bressanis 1525 – 1534 Sebastian Schenk 1534 – 1544 Bernhard Taindl 1544 – 1570 Adam Brugger 1571 – 1582 Philipp Dominik 1562 – 1598 Georg I. Gorian 1598 – 1608 Georg II. Reinprecht 1608 – 1643. Erstmals wird ein Viktringer Abt Verordneter des Kärntner Landtages. 1608 kommt es zum Verkauf des gesamten Besitzes in Krain. Georg III. Ding 1643 – 1645 Bernhard II. Grieser 1645 – 1649 Lukas Blatnik 1649 – 1652 Christoph Locher 1652 – 1657 Wilhelm Malle 1657 – 1691 Benedikt I. Türk 1691 – 1701. Sein Grabstein befindet sich in der Taufkapelle, in den Boden eingelassen. Johann VII. Moser 1702 – 1717.
mini|hochkant|Barockorgel im Querhaus
Edmund Kamperger 1717 – 1720 Benedikt II. Mulz 1720 – 1763. Beginnt den weitgehenden Neubau der Klosterobjekte. Es werden sogenannte Kaiserzimmer für höchsten Besuch eingerichtet. In Klagenfurt kommt es zum Bau des Viktringer Hofes in der Karfreitstraße 1. Anlässlich der Erbhuldigung Kaiser Karls VI. wurde der Viktringer Abt mit der Würde eines Erblandhofkaplans bedacht. Siegmund Zopoth 1763 - 1764 Das Kloster bewirtschaftete etwa 20 Fischteiche. Deren Abfischen brachte hohe Erträge. In einem Zeitraum von drei Jahren waren es im Klostergraben 517 Karpfen, 78 Hechte und 32 Waller, im Wintschacher Teich 1030 Karpfen, 212 Hechte und 46 Waller und im großen Steiner Teich 1569 Karpfen, 170 Hechte und 80 Waller. Bernhard III. Maria Winterl 1764 – 1780 Konstantin Rabitsch 1781 – 1786. Der letzte Abt. Die Meierei umfasste zu dieser Zeit in Viktring 64 Joch Ackerland, 123 Joch Wiesen und Weiden, mehrere Waldungen und die Maierniggalm. Der Viehbestand setzte sich zusammen aus 7 Pferden, 59 Rindern, 64 Schweinen, 36 Schafen sowie Geflügel (darunter Enten).
Der Maierhof – Wirtschafts- und Versorgungshof des Stiftes mini|Hinterseite des ehemaligen MarhofsDer Maierhof (umgangssprachlich und später als Gasthaus auch Marhof genannt) ist ein ehemaliger Wirtschafts- und Versorgungshof in der Stift-Viktring-Straße. Das Areal befindet sich westlich des Stifts Viktring, unmittelbar gegenüber der Prälatur. Nach seiner historischen Funktion als klösterliches Versorgungszentrum erlebte der Komplex über die Jahrhunderte wechselnde Nutzungen von der Landwirtschaft über die Gastronomie bis hin zur heutigen Wohnbebauung.
Bis zu seiner Auflösung 1795 diente der Maierhof als Wirtschafts- und Versorgungshof des Stifts. Im Zuge der Auflösung ging die Anlage zunächst in den Besitz des k. k. Religionsfonds über. 1834 erwarben die Fürsten von Liechtenstein den Maierhof zusammen mit der Herrschaft von Viktring. Zu dieser Zeit bildete der Hof die einheitliche Parzelle 9 (die sogenannte Maierhofrealität) und war Teil des Fideikommissguts Viktring, welches aus der Herrschaft hervorgegangen war.Kärntner Landesarchiv
Die bauliche Struktur des Maierhofs erfuhr im Laufe der Jahrhunderte deutliche Erweiterungen. In der Topographia Carinthiae aus dem Jahr 1688 wird der Hof als großer Gebäudekomplex beschrieben, der sich vom Marhaus (Maierhaus) bis zur heutigen Stift-Viktring-Straße erstreckte. Eine von dort ausgehende Unterführung ist bis in die Gegenwart erhalten geblieben. Dem Hauptkomplex war gegenüber der Prälatur eine Mauer mit Wehrturm vorgelagert. Der Unterführung weiterführend existierte ein weiterer Gebäudekomplex, der bereits im 15. Jahrhundert den "Schlosswirt" beherbergte. Nördlich des Hauptkomplexes und nordwestlich des Schlosswirts befanden sich zudem ein Weinkeller sowie ein Getreidekasten.mini|Ehemaliger Getreidekasten und jetzt die Miller-Aichholz-Villa in der Stift-Viktring-Straße 14 Kurz vor der Auflösung des Stifts erstellte Joseph Melling 1789 eine Situationskarte des Stift Geländes. Dieses dokumentiert zwei neu errichtete Stallungen in der Mitte und am östlichen Ende des Maierhofkomplexes, die 1688 noch nicht existierten. Gemäß der Karte verfügte der Hof zu dieser Zeit über Schweine- und Viehstallungen, einen Wagenschuppen, einen Rübenkeller sowie einen im Dachgeschoß untergebrachten Dresch- und Heuboden. Südlich des Komplexes schlossen ein weiterer Schweinestall und ein Wagenschuppen an, westlich des Marhauses waren zudem eine Mühle und ein Waschhaus verzeichnet. Der Gebäudekomplex des ehemaligen Schlosswirts beherbergte laut der Situationskarte von 1789 mittlerweile eine Kapelle, eine Brauerei sowie Wohnungen für Diener und Schullehrer. Im ehemaligen Getreidekasten waren ein Schulzimmer und eine Baumpresse untergebracht.
Eine in den östlichen Schornstein des bis heute erhaltenen eingravierte Jahreszahl am Marhaus deutet darauf hin, dass im Jahr 1857 umfassende Renovierungsarbeiten stattfanden.