mini|hochkant|Rudolf Bitzan Rudolf Bitzan (* 18. Mai 1872 in Wartenberg, Königreich Böhmen; † 22. NovemberJürgen Paul: Die evangelische Kreuzkirche in Görlitz und ihr Architekt Rudolf Bitzan. 2012 (vgl. Literatur)Jaroslav Zeman: Mit Rudolf Bitzan durch die Euroregion Neiße. Stráž pod Ralskem / Städtische Museen Zittau, 2013. 1938 in Dresden) war ein deutsch-böhmischer Architekt, der ab 1903 in Dresden lebte und arbeitete. Seine Entwürfe sind dem geometrischen Jugendstil und der Reformarchitektur des frühen 20. Jahrhunderts zuzuordnen, teilweise zeigen sich auch neoklassizistische Anklänge. Seine Bauten sind sowohl in Nordböhmen als auch in Sachsen (in Freital und Dresden) und in der Oberlausitz zu finden. Lutz Ziegenbalg: Biografie - Rudolf Bitzan. In Sächsische Biografie, 2022. (abgerufen am 4. Mai 2023) Lutz Ziegenbalg: Baumeister, Bauzeichner und Architekt Rudolf Bitzan. In Freital 100 - eine Dokumentation, 2021. (abgerufen am 4. Mai 2023) Liberec-Reichenberg-Rudolf Bitzan (tschechisch, abgerufen am 31. Dezember 2017).Lenka Fialová: Architonické typy v díle Rudolfa Bitzana. Bakkalaureus-Arbeit, Philosophische Fakultät, Palacky-Universität Olomouc, Olomouc 2016. ( PDF, tschechisch; abgerufen am 31. Dezember 2017).
Leben und Wirken mini|Rathaus in Freital-Döhlen (1915) Sein Vater Josef Bitzan war Lehrer in Reichenberg (Liberec). Rudolf besuchte die Realschule und studierte von 1886 bis 1890 an der Staatsgewerbeschule in Reichenberg (spätere Střední průmyslová škola stavební – Sekundarschule für Bauwesen). Diese Schule wurde zeitgleich auch von den Architekten Gustav Jirsch (1871–1909), Josef Zasche (1871–1957) und Robert Hemmrich (1871–1946) besucht. Danach sammelte er praktische Erfahrungen im Baugeschäft von Wilhelm Stärze (1851–1902; Baumeister und Spezialist für technische Bauten) in Friedland (Frýdlant) und arbeitete ab 1897 als Baumeister.
Dann setzte er seine Studien an der Technischen Hochschule München unter den prominenten Architekten Gabriel von Seidl (1848–1913), Martin Dülfer (1852–1942) und Carl Hocheder (1854–1917) fort, allerdings ohne Abschluss. Im Jahr 1902 absolvierte er ein Praktikum im Architekturbüro von Hermann Billing (1867–1946) in Freiburg im Breisgau.
Seit 1903 lebte er in Dresden und arbeitete zunächst im Architekturbüro von Schilling & Graebner und später im Architekturbüro von William Lossow und Hermann Viehweger (ab 1906 Lossow & Kühne), wo er als Hauptprojektant tätig war. Im Jahr 1906 arbeitete er an dem Wettbewerbsentwurf für den neuen Leipziger Hauptbahnhof mit, dabei kam es zum Streit mit William Lossow um die Urheberschaft für den mit einem von zwei 1. Preisen ausgezeichneten und später ausgeführten Entwurf.
1907 unternahm Bitzan eine Italienreise, die von der Gesellschaft zur Förderung deutscher Wissenschaft, Kunst und Literatur in Böhmen gefördert wurde. Danach eröffnete er sein eigenes Architekturbüro in Dresden im Haus Dürerplatz 15, später in der Marschallstraße 1 (Amalienplatz). Die Kreuzkirche in Görlitz stellte der Görlitzer Architekt Gerhard Röhr fertig, weil Bitzan bei Kriegsausbruch 1914 zum österreichischen Militär eingezogen wurde. Nach dem Ersten Weltkrieg baute er als selbständiger Architekt mehrere Wohn-, Geschäfts- und Verwaltungsgebäude in der 1921 neu gegründeten Stadt Freital. Er war zusammen mit Otto Wulle und Bruno Just auch am Bau der Siedlung Reick für die Heimstättengenossenschaft Dresden beteiligt.
Rudolf Bitzan unterhielt stets enge Beziehungen zur Reichenberger Region. Er war verheiratet mit Marie Bitzan, geb. Aigner (1875–1961), der Tochter des Bürgermeisters von Friedland (Böhmen), Anton Aigner (1844–1912). Architektur der Deutschen in Böhmen 1848–1891 – Rudolf Bitzan (abgerufen am 22. Januar 2022) Liberecké stopy architekta Bitzana představí v krajské knihovně (tschechisch, abgerufen am 31. Dezember 2017, Auf den Spuren des Liberecer Architekten Rudolf Bitzan).
Für die Dekoration seiner Bauten arbeitete er mit den Dresdner Künstlern Josef Goller (1868–1947), Alexander Baranowsky (1874–1941), Georg Türke (1884–1972), Rudolf Born (1882–1969) und Richard Guhr (1873–1956) zusammen.Architektur in Nordböhmen – Leben und Werk des Architekten Rudolf Bitzan (abgerufen am 27. Mai 2020)
Bitzan war Mitglied im Bund Deutscher Architekten und erhielt neben zahlreichen Auszeichnungen auch den österreichischen Staatspreis für Baukunst. Er starb am 22. November 1938 an einem Herzinfarkt. Er wurde im Krematorium Tolkewitz eingeäschert und an seinem Geburtstag, am 18. Mai 1939, im Urnenhain des Krematoriums in Reichenberg beigesetzt. Seine Grabstätte existiert nicht mehr. Sein Nachlass befindet sich im Sächsischen Hauptstaatsarchiv Dresden. Darin enthalten ist auch der Schriftwechsel seiner Witwe mit dem DDR-Präsidenten Wilhelm Pieck wegen einer Witwenrente.
Rezeption In der Fachwelt Der Bauforscher Hans-Georg Lippert spricht davon, dass sich insbesondere in Bitzans Freitaler Gebäuden wilhelminischer Pathos mit den Idealen der Lebensreformbewegung vereinen. Er spricht von „gesteigerter Monumentalität“.
In der Literatur Der Vater des namensgebenden Protagonisten des Romans Winterbergs letzte Reise von Jaroslav Rudiš war Leiter des Liberecer Krematoriums, das Rudolf Bitzan geplant hatte.Sächsische Zeitung vom 23./24. Februar 2019, S. M4. Der 99-jährige Wenzel Winterberg erwähnt Bitzan mehrmals. Er bezeichnet ihn als „besten Freund seines Vaters.“Jaroslav Rudiš: Winterbergs letzte Reise. München 2019. S. 105. Sein Vater habe gesagt: „Rudolf Bitzan war ein Genie“.Jaroslav Rudiš: Winterbergs letzte Reise. München 2019. S. 92. Bitzan sei „der schöpferische Vater vom Leipziger Hauptbahnhof“ gewesenJaroslav Rudiš: Winterbergs letzte Reise. München 2019. S. 92., dessen Name aber „von den Sachsen in Leipzig aus der Geschichte ausradiert“ worden sei.Jaroslav Rudiš: Winterbergs letzte Reise. München 2019. S. 339. Die Ritterstatue auf der linken Seite des Haupteingangs des Liberecer Krematoriums habe das Gesicht von Bitzan.Jaroslav Rudiš: Winterbergs letzte Reise. München 2019. S. 138.
Werk Bauten 1908: Villa Thiele in Neugersdorf, Ernst-Thälmann-Straße 20 1908: Büro- und Geschäftshaus für den Verlag der Zeitung Chemnitzer Neueste Nachrichten in Chemnitz, Annaberger Straße 24 (von Wenzel Bürger unter Mitarbeit von Rudolf Bitzan; mit starken Veränderungen erhalten) 1908: Innengestaltung von drei straßenseitigen Gesellschaftssälen im neuen Dresdner Künstlerhaus, Grunaer Straße, Dresden.Frühausgabe Dresdner Nachrichten, 28. Juni 1908, S. 3. 1909: Einbau eines Weinrestaurants im Souterrain des Kaffeehauses „Zum Posthorn“ in Liberec (Reichenberg) 1909–1910: Villa für Samuel Glück in Frýdlant (Friedland in Böhmen), Mládeže 907, ausgeführt durch Baumeister Rudolf Hampel (Friedland), jetzt Kinder- und Jugendhaus (unter Denkmalschutz ÚSKP-Nr. 101244)Architektur in Nordböhmen – Villa Glück. In: liberec-reichenberg.net, abgerufen am 31. Dezember 2017 (tschechisch) 1911: Ausstellungshalle „Ansiedlung und Wohnen“, Internationale Hygiene-Ausstellung, Dresden.Dresdner Journal, 5. Mai 1911, S. 5–6. 1911–1912: Wohnhaus des Unternehmens Möldner & Co. in Liberec-Kristiánov (Reichenberg-Christianstadt), Jablonecká 91/20Architektur in Nordböhmen – Wohnhaus der Fa. Möldner & Co., abgerufen am 31. Dezember 2017 (tschechisch) 1912: Villa für Otto Goltze in Liberec-Kristiánov (Reichenberg-Christianstadt), Jablonecká 7/22 (unter Denkmalschutz ÚSKP-Nr. 43952/5-5236)Architektur in Nordböhmen – Villa Otto Goltze, abgerufen am 31. Dezember 2017 (tschechisch) 1912–1913: Villa Grüger in Frýdlant (Friedland in Böhmen), Baarova 930 1913: Wasserspeicher der Stadt Frýdlant v Čechách (Friedland in Böhmen), Březinova 1913: Neues Kurhaus in Bad Kunnersdorf in Böhmen 1913–1916: evangelische Kreuzkirche in Görlitz, Erich-Mühsam-Straße 1914: Geschäftshaus für Erich Funke in Görlitz, Demianiplatz 14 1914–1915: Rathaus in Freital-Döhlen, Lutherstraße. Damals moderne Ausstattung mit Zentralheizung, Bürgermeisterwohnung mit Badewanne und Telefon und Korkdämmung im Dach. 2010 saniert. Auffälliger runder Turm mit acht Säulen und Kupferdach. 1915: Fassadenentwurf für Erweiterungsbau des Kaufhauses Robert Böhme Jr., Waisenhausstraße / Georgplatz, Dresden, aus Dorlaer Muschelkalk (Grundrißentwurf von Arch. Paul Marcus).Frühausgabe Dresdner Nachrichten, 16. Mai 1915, S. 9.Sächsische Dorfzeitung und Elbgaupresse, 16. Mai 1915, S. 3. 1915–1917: Krematorium und Urnenhain in Liberec-Perštýn (Reichenberg-Birgstein), U. krematoria 460/7, Koautor: Karl Kerl (unter Denkmalschutz ÚSKP-Nr. 43953/5-5237)Architektur in Nordböhmen – Krematorium und Urnenhain in Liberec, abgerufen am 31. Dezember 2017 (tschechisch)Stanislav Beran: Reichenberg und die Geschichte der Feuerbestattung in Böhmen, abgerufen am 6. Mai 2020. Webarchiv: Krematorium Liberec – Historie (tschech.) (abgerufen am 17. Oktober 2024) 1920–1930: Siedlung Reick in Dresden-Reick (in Zusammenarbeit mit Schilling & Graebner) Bernhard Sterra u. a.: Dresden und seine Architekten. Strömungen und Tendenzen 1900–1970. Verlag der Kunst Dresden, Husum 2011, ISBN 978-3-86530-131-4, S. 165 1920–1922: Werkssiedlung in Višňová (Böhmisch Weigsdorf), Nr. 127–132 1920er Jahre: Villa für Josef Florian Ressel in Dolní Řasnice (Rückersdorf), Nr. 334 1920er Jahre: Villa Schwarz in Raspenava (Raspenau), Fučíkova 436 1921: Villa für Emil Simon in Hejnice (Haindorf), Lázeňská 463Architektur in Nordböhmen – Villa Emil Simon (tschechisch, abgerufen am 31. Dezember 2017) 1921: Haus der Angestellten des Unternehmens P. A. Šlechta & Sohn in Lomnice nad Popelkou (Lomnitz an der Popelka), Bezručova 886 (unter Denkmalschutz ÚSKP-Nr. 102910) 1923–1924: Sieger im Wettbewerb für die Stadtzentrumsplanung für FreitalHans-Georg Lippert: Das planbare Glück. (Vorlesung an der TU Dresden) (abgerufen am 31. Dezember 2017) um 1923: Wohn- und Geschäftshaus der Allgemeinen Ortskrankenkasse in Freital, Dresdner Straße 203 1924: Handels- und Gewerbeschule in Freital, Dresdner Straße 205 1924: Neues Stadttheater Teplitz in Teplitz-Schönau (Teplice), später Erzgebirgisches Theater (Krušnohorské divadlo), U. Císařských lázní (in Zusammenarbeit mit Adolf Linnebach)Architektur in Nordböhmen – Bauten in Teplice (tschechisch, abgerufen am 31. Dezember 2017) 1924: Verwaltungsgebäude der Nordböhmische Elektrizitätswerke AG (NEW) in Podmokly (Bodenbach), Teplická 8Architektur in Nordböhmen – ehem. Verwaltungsgebäude der Nordböhmischen Elektrizitätswerke AG (N.E.W) in Děčín-Podmokly (tschechisch, abgerufen am 31. Dezember 2017) 1925: „Bürgerliches Wohnhaus 1925“, Jahresausstellung „Wohnung und Siedlung“, Dresden.Abendausgabe Dresdner Nachrichten, 8. Juni 1925, S. 3. 1926: Kino Olympia / Oko in Teplice (Teplitz), Masarykova třída 52Kino Olympia in Teplitz (tschechisch, abgerufen am 31. Dezember 2017) (Beim Bau des Kinos hatte der Architekt Max von Loos, der direkt daneben wohnte, Einwände bezüglich Dach und Bauhöhe des Gebäudes.) 1920er Jahre: Umbau des „Hotel de Saxe“ in Teplitz – Teplice, Masarykova třída 661/35Audioteplice – Hotel de Saxe (abgerufen am 23. August 2018) 1925–1926: Kino in Nový Bor (Haida), Smetanova 523, Eröffnung am 13. November 1926, 1981 durch Brand zerstört, 1989 wieder hergestellt (tschech.) (abgerufen am 27. März 2019) (nicht zu verwechseln mit dem Stadttheater Nový Bor von Richard Brosche) 1926: Villa Bruno und Fanny Vogelov in Nový Bor (Haida), Smetanova 584Slavné vily – Nový Bor (tschech.) (abgerufen am 7. Mai 2019) 1926: Haus R. Strache in Varnsdorf 1926: Villa Geidel in Leipzig, Erlenstraße 1a, Wohn- und Wirkungsort des Kunstmalers und Illustrators Alfred Liebing und seiner Tochter, der Kunstmalerin Lotte Geidel-Liebing 1927: Finanzamt in Freital, Dresdner Straße 207 1927–1928: Wohn- und Geschäftshaus des Konsumvereins „Vorwärts“ in Freital, Dresdner Straße 40–42