mini|350px|Übersichtskarte des Bürgerkriegs in Syrien
(Stand: 24. November 2023) Die Chronik des Bürgerkriegs in Syrien 2018 erfasst die Ereignisse des Bürgerkriegs in Syrien im Jahr 2018.
Januar Bei einem Luftangriff am 3. Januar wurde nach Angaben von Hilfsorganisationen ein Krankenhaus in Maarat an-Numan getroffen. Der Angriff sei nach Angaben von Helfern Teil einer Kampagne der syrischen Regierung, das zwischen Ende Dezember 2017 und Anfang Januar 2018 acht Krankenhäuser in der Provinz Idlib aus der Luft angegriffen habe.70,000 Syrians flee as regime forces advance on last rebel-held province. The Guardian vom 9. Januar 2018.
Bei Luftangriffen auf die eingeschlossene Rebellen-Enklave Ost-Ghuta wurden nach Angaben von SOHR-Beobachtern vom 4. Januar 30 Menschen getötet. Der Ort Misraba sei dabei von Flugzeugen der russischen Luftwaffe angegriffen worden, wobei die Angriffe zwei Gebäude zum Einsturz gebracht hätten.Samuel Osborne: Syrian civil war: Russian jets suspected of killing at least 30 people after bombing residential buildings near Damascus. The Independent vom 4. Januar 2018.
Am 5. Januar wurde der von Streitkräften der Russischen Föderation benutzte Militärflugplatz Hmeimim nach russischen Angaben von insgesamt 13 Drohnen angegriffen, die versuchten, mit kleinen Sprengkörpern als Ladung auf das Gelände des Stützpunktes zu gelangen. Die Flugabwehr habe sieben der Drohnen abgeschossen, die übrigen habe man durch elektronische Kampfführung zum Absturz gebracht.Ralf Sanchez: Russia uses missiles and cyber warfare to fight off 'swarm of drones' attacking military bases in Syria. Telegraph vom 9. Januar 2017. Der russische Präsident Wladimir Putin bezichtigte wenig später nicht näher identifizierte Provokateure, bei denen es sich aber nicht um Türken handle, für den Angriff verantwortlich zu sein. Die Drohnen hätten, trotz ihres eher improvisiert wirkenden Äußeren, hochmoderne Bauteile enthalten und man wisse, wer verantwortlich sei.Putin slams drone attack on Russian base in Syria as provocation. TASS vom 11. Januar 2018.
Am 7. Januar gaben regierungstreue Kämpfer und SOHR-Beobachter gleichermaßen die Eroberung des strategisch bedeutsamen, an einer wichtigen Verbindungsstraße in der Provinz Idlib gelegenen Ortes Sinjar () durch syrische Regierungstruppen bekannt. Die Eroberung mache ihnen zudem den Weg zu einem wichtigen Militärflughafen frei.Syriens Armee nahm strategisch wichtige Stadt Sinjar von Rebellen ein. Der Standard vom 7. Januar 2018.
Am 8. Januar meldeten syrische Staatsmedien und SOHR-Beobachter, dass ein Entsatzangriff syrischer Elitetruppen in Verbindung mit russischen Luftangriffen nördlich von Damaskus in Harasta () den Belagerungsring um einen bedeutenden Stützpunkt der syrischen Armee durchbrochen habe, in dem rund 200 syrische Soldaten seit Wochen von islamistischen Kämpfern des al-Qaida-nahen Levant Liberation Committee (LLC) eingeschlossen gewesen seien.Syrische Armee befreit 200 Soldaten. Handelsblatt.com vom 8. Januar 2018. SOHR-Beobachter gaben an, dass bis zum 5. Januar bei der Operation 77 Extremisten und fast 80 Zivilisten getötet wurden. Xinhua.net vom 8. Januar 2018.
Am 9. Januar kündigte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan an, in Syrien auf Gebiet vorrücken zu wollen, das von den SDF bei Manbidsch und von den YPG bei Afrin gehalten wird.Türkei kündigt Militäreinsatz in syrisch-kurdischen Regionen an. Zeit.de vom 9. Januar 2018. Weiterhin bezichtigte die Türkei die syrische Regierung, bei Angriffen in Idlib moderate Rebellen getroffen zu haben und so gegen die Deeskalationszonen-Vereinbarung zwischen den Staaten Russland, Türkei und Iran verstoßen zu haben. Die syrische Regierung greife moderate Kräfte an und behaupte, Islamisten zu bekämpfen, teilte der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu mit.Reuters: Turkey Says Syrian Strikes in Idlib Undermine Political Process. New York Times vom 9. Januar 2018.
Israelische Kampfflugzeuge griffen am 9. Januar nach Angaben in syrischen Staatsmedien Ziele bei Damaskus an. Die Angreifer hätten sich aus libanesischem und israelischem Luftraum genähert und Luft-Boden-Raketen gestartet, während weitere Raketen von israelisch besetztem Gebiet in den Golanhöhen gestartet worden seien. Die syrische Flugabwehr habe ein Flugzeug und mehrere Raketen getroffen.Samuel Osboren: Israel attacks Syria with jets and ground-to-ground missiles, claims Syrian army. The Independent vom 9. Januar 2018. Ebenfalls am 9. Januar erreichten die syrische Armee und ihre Verbündeten den ehemaligen, aber strategisch wichtigen Militärflugplatz Abu z-Zuhur im Osten der Provinz Idlib, der 2015 von Dschihadisten der al-Nusra-Front erobert wurde. Die syrische Armee hatte in dem Gebiet, das vom syrischen Ableger der Terrororganisation al-Qaida dominiert wird, zuvor eine großangelegte Offensive entlang der direkten Verbindungsstraße von Damaskus nach Aleppo gestartet und in den Tagen zuvor bereits mehrere Ortschaften unter ihre Kontrolle gebracht. Westfalenpost vom 10. Januar 2018.
Am 11. Januar kündigten mehrere Extremistengruppen, darunter unter anderem das Dschihadistenbündnis Haiʾat Tahrir asch-Scham, an, dass man eine Gegenoffensive gestartet habe, um die Offensive der syrischen Armee in Idlib zu stoppen.Syrische Rebellen starteten Offensive in Idlib. Der Standard vom 11. Januar 2018.
Am 12. Januar meldete das syrische Militär, dass die Gegenoffensive des Bündnisses aus verschiedenen Rebellengruppen im Idlib-Gebiet abgewiesen worden sei. Man habe alle Dörfer zurückerobert, die das Bündnis, das aus den Gruppen Harakat Nour al-Din al-Zenki, der Islamischen Turkestan-Partei und dem al-Qaida-nahen LLC bestehen soll, am Vortag erobert hatte. Dutzende Kämpfer dieser Gruppen seien bei den Kämpfen getötet worden. Xinhuanet.com vom 13. Januar 2017.
Am 13. Januar meldete die oppositionelle SOHR, dass regierungstreue Truppen in den letzten 24 Stunden 26 Ortschaften in der Provinz Idlib eingenommen hätten. Die Spitzen der syrischen Truppen, die im Süden der Provinz Aleppo aktiv seien, und die der Verbände, die von Süden kommend auf Abu z-Zuhur vorrückten, seien nur noch sechs Kilometer voneinander entfernt.The regime forces restore control of 26 towns and villages within 24 hours of advancement and expand their areas of control in the southern countryside of Aleppo to 60 villages at least within 4 consecutive days. syriahr.com vom 13. Januar 2018. Die Offensive sei durch zahlreiche Luftangriffe begleitet worden und die UNO schätze, dass innerhalb einer Woche 30.000 Personen aus der Region in das Gebiet an der Grenze zur Türkei geflohen seien.Kareem Shaheen: Assad crackdown on Idlib could trigger a refugee ‘catastrophe’. The Guardian vom 13. Januar 2018.
Die türkische Nachrichtenagentur Anadolu berichtete, dass die türkische Armee eine Kolonne mit Militärtechnik, unter anderem auch Panzern, an die syrische Grenze in der südtürkischen Provinz Hatay verlegt haben soll. Sie soll zur Verstärkung der türkischen Grenztruppen bestimmt sein. Sputnik News vom 14. Januar 2018. Andere türkische Beobachter werteten den Aufmarsch jedoch als Auftakt zum Angriff der Türkei auf kurdische YPG-Verbände um die syrische Stadt Afrin. Ein entscheidender Faktor für einen schnellen Erfolg sei, ob Russland der Türkei erlaubt habe, in den syrischen Luftraum einzufliegen und die Kurden um Afrin aus der Luft anzugreifen.Selin Girit: Syria crisis: Why Turkey is poised to attack Kurdish enclave Afrin. BBC vom 17. Januar 2018.
Am 14. Januar begann die türkische Armee damit, Dörfer um Afrin aus der Türkei heraus mit Artillerie zu beschießen. Der türkische Staatspräsident kündigte für die nächsten Tage eine Offensive an, mit der kurdische Kämpfer aus Afrin vertrieben werden sollen.Türkei greift Kurden in Syrien an. Tagesspiegel.de vom 14. Januar 2018.
Am 18. Januar reiste der türkische Generalstabschef Hulusi Akar mit Geheimdienstchef Hakan Fidan nach Moskau. Beobachter werteten den Besuch als hochkarätigen Austausch im Zuge der bevorstehenden Offensive.
Am 20. Januar griffen türkische Kampfflugzeuge Afrin an. Eine türkische Nachrichtenagentur gab später bekannt, dass man 100 Ziele in der Afrin-Region aus der Luft angegriffen habe. Es seien 72 Kampfflugzeuge nach ihrem Einsatz sicher zu ihren Basen in der Türkei zurückgekehrt.Carlotta Gall: 72 Turkish Jets Bomb U.S.-Backed Kurdish Militias in Syria. New York Times vom 20. Januar 2018. Türkische Stellen verkündeten den Beginn der Bodenoffensive auf Afrin. Russische Stellen ließen derweil verlauten, man werde sich in die Kämpfe in Afrin nicht einmischen.Syria: Turkey ground operation in Afrin begins 'de facto'. BBC vom 20. Januar 2018. Die russischen Militärpolizisten in der Afrin-Region wurden abgezogen und eine Stellungnahme veröffentlicht, in der Russland den USA die Schuld an der Entwicklung zuschrieb. Weiter gaben syrische Truppen im Zuge ihrer Idlib-Offensive die komplette Eroberung des ehemaligen Militärflugplatzes Abu z-Zuhur () sowie eines Dutzend Dörfern in der Region bekannt.Inga Rogg: Russland lässt die Kurden in Syrien fallen. Neue Zürcher Zeitung vom 21. Januar 2018. Amerikanische Flugzeuge griffen IS-Ziele im Euphrat-Gebiet bei asch-Schaʿfa () an, wobei bis zu 150 IS-Kämpfer getötet worden sein sollen.US-led coalition strikes kill 150 Islamic State militants in Syria. The Guardian vom 24. Januar 2018.
Am 22. Januar drangen türkische Bodentruppen und verbündete Rebellen weiter auf syrisches Staatsgebiet vor und setzten sich nach eigenen Angaben auf einigen Höhen und in Dörfern an der Grenze fest. Von kurdischer Seite wurde berichtet, dass türkische Artillerie von türkischem Staatsgebiet aus Ziele bei Raʾs al-ʿAin beschossen habe. Kurdische Kämpfer hätten nach türkischen Angaben das türkische Kilis und ein Flüchtlingslager in der Provinz Hatay beschossen, das als Basis für die türkeitreuen FSA-Kämpfer dient.Inga Rogg: Türkei weitet Offensive in Syrien aus. Neue Zürcher Zeitung vom 22. Januar 2018. Kurdische Kämpfer traten in der Nacht zum 23. Januar nach SOHR-Angaben zum Gegenangriff an und eroberten die Dörfer Shenkal () und Adamaly () von türkischen Truppen zurück.Kurdish forces in Syria launch powerful counterattack to set up extended battle against Turkey. The Independent vom 23. Januar 2018.
Am 25. Januar rief die kurdische Verwaltung von Afrin angesichts der türkischen Invasion offiziell den syrischen Präsidenten Assad um Unterstützung an. Syrien solle seine hoheitlichen Aufgaben wahrnehmen und die Grenzen gegen die türkischen Angreifer schützen.Daniel Steinforth: Kurden bitten Asad um Beistand gegen die Türkei. Neue Zürcher Zeitung vom 26. Januar 2018.
Am Morgen des 27. Januar, kurz nachdem eine lokale Waffenruhe hätte in Kraft treten sollen, griffen Aufständische erneut den wichtigen Armeestützpunkt in Harasta an. Sie schickten nach Angaben von Aktivisten einen Attentäter mit einer Autobombe vor, der die Bombe offenbar im Stützpunkt zur Explosion bringen sollte. Die Bombe explodierte zwar, darüber, ob sie zuvor ihr Ziel erreichte, machten die Beteiligten unterschiedliche Angaben. xinhuanet.com vom 28. Januar 2018.